Alle Artikel in der Rubrik ‘Reise’

Der unbekannte Nachbar

Freitag, 14. September 2012

Geschichte wird bekanntlich von Siegern geschrieben. Zudem wird auch weit eher über Sieger geschrieben. Der Osten Europas zählt, zumindest aus westlicher Sicht, nicht zu den Siegern. Die Slowakei wiederum ist der Underdog unter den Underdogs: Das Land gehörte den Großteil seiner Geschichte einer fremden Macht und fühlte sich auch als Teil der Tschechoslowakei, ob kommunistisch oder postkommunistisch, zu Recht stets unterprivilegiert.
Seit 1995 gibt es nun einen auch demografisch ausgesprochen jungen Staat mitten in Europa, der weitgehend unbekannt ist: Wenn die Slowakei nicht gerade Eishockey-Weltmeister wird, gerät das Land so gut wie nie in den Blickpunkt der (westlichen) Öffentlichkeit. Motto: Wer interessiert sich schon für Loser? Das ist natürlich ungerechtfertigt und schade, aber auch eine große Chance für entdeckungsfreudige Individualreisende mit begrenztem Budget: Denn das Preisniveau in der Slowakei ist (noch) erstaunlich niedrig und auch die Anreise wird in der Regel keine Unsummen verschlingen; von Wien aus sind große Teile der Westslowakei in Tagesausflugs-Distanz.
Ein großes Hindernis für den aufstrebenden Wirtschaftszweig “Tourismus in der Slowakei” wurde immerhin bereits aus dem Weg geräumt: Dank dem Slowakei-Reiseführer von André Micklitza im vielfach bewährten Format des Michael-Müller-Verlags kann niemand mehr behaupten, er wüsste nicht, was er versäumt. Das Werk ist von gewohnt guter Qualität: kompakt, kompetent, mit Freude an der Arbeit und Liebe zum Subjekt verfasst. In einem Konkurrenzprodukt (Marco Polo) entdeckte meine Tochter einen sensationellen Insider-Tipp: ein 400 m hoch spritzender Kaltwassergeysir! Unfassbar. Im Micklitza-Buch dann die Aufklärung: Hier wurde auf der Suche nach Quellwasser 400 m tief gebohrt, wobei quasi zufällig ein Geysir entstand. Er spritzt 20 m hoch.
So unterscheidet sich wohl ein tatsächlich gründlich recherchiertes Werk von der bloßen Wiedergabe von Hörensagen. Einmal mehr ragt das MMV-Produkt aus dem (überschaubaren) Angebot an Slowakei-Reiseführern klar heraus.

André Micklitza: Slowakei. Michael Müller Verlag, 2. Aufl. 2010. 384 S., EUR 19,90
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Norwegen

Montag, 23. April 2012

Norwegen, der mit Abstand gelungenste Entwurf von Slarti Bartfass, beheimatet ein ausgesprochen sportliches Volk. Möglicherweise ist man beim Michael-Müller-Verlag davon ausgegangen, dass Norwegen-Reisende ähnlich veranlagt sind, als man Herrn Tima sich auf 720 Seiten über die Heimstätte der Nachfahren der Wikinger verbreiten ließ; denn der Buchziegel bringt knapp ein Kilo auf die Waage und macht sich im Wanderrucksack fitnessfördernd oder, je nachdem, schmerzhaft bemerkbar.
Ich sehe ein, dass man hier vor mehreren Dilemmata steht: Man will natürlich möglichst umfassend sein, zugleich aber kompakt; man will schöne Fotos auf geeignetem Papier abdrucken und die Produktqualität so hoch halten, dass einer der meistbelasteten Büchertypen überhaupt garantiert zumindest die Dauer des Urlaubs in einem Stück übersteht; andererseits gilt es, nicht den Preisrahmen zu sprengen und, speziell bei wanderfreudigen Reisezielen, keinen Klotz in der Tasche zu produzieren.
Der vorliegende Norwegen-Führer ist für meinen Geschmack etwas zu viel des (sehr) Guten geworden. Ja, es steht nach bestem Wissen und Gewissen alles drin, was Reisende über Norwegen wissen wollen könnten, und die Informationen – so viel Kredit hat der MMV schon lange bei mir – dürften weitestgehend akurat und aktuell sein; nur, wie viele bereisen auch nur ein Viertel dieses langgestreckten Landes und schleppen ergo drei Viertel nutzlosen Ballast mit sich? Eine Aufteilung in zwei oder drei Führer über Teilgebiete sollte im Wege von Mutationen nicht allzu schwierig herzustellen sein. (Es gibt “Südnorwegen”, ein Schritt in der hier geforderten Richtung.)
Um es ganz klar zu sagen: Geht es nur um den Inhalt, ist dieser Reiseführer Sonderklasse. Und ich gestehe: Meine larmoyante Kritik rührt vielleicht auch daher, dass der Norwegen-Guide alles leistet, was man sich erhoffen darf – bloß leistbarer kann er eine Nordlandreise auch nicht machen. (Als interrailreisender Jungspund habe ich mich sogar einmal in einer Gefängniszelle in Narvik einsperren lassen, um die Übernachtungskosten einzusparen. Die Option hat jenseits der 40 aber schon deutlich an Attraktivität eingebüßt.) Also bleibt es für diesmal beim Schmökern im Reiseführer; so gesehen sollte ich mich nicht beklagen, sondern glücklich schätzen: Mehr kann über Norwegen in einem Buch schwerlich stehen. Und meinem Bücherregal ist es herzlich egal, wie viel es wiegt.

Armin Tima: Norwegen. 720 S., 235 Farbfotos, 45 Übersichtskarten, herausnehmbare Karte. Michael-Müller-Verlag, Erlangen 2010.
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Land der Drachen und Mythen

Mittwoch, 18. Januar 2012

Petra Juling, Ulrich Berger: Wales. Dumont-Reiseverlag, 2011. Tb., 288 S.

Die unterschätzte Perle

Dienstag, 3. Januar 2012

Was fällt dem reiselustigen Österreicher zu Deutschland ein? Berlin, sowieso; München, Hamburg, okay; darüber hinaus tut sich nicht viel Germanophiles in den fernwehgeplagten Köpfen der Alpenrepublikaner.
Ganz sicher kommt jedenfalls ein Name dabei nicht vor: Lübeck. “Schon mal davon gehört” dürfte das erreichbare Maximum an Bekanntheitsgrad sein. Aber wenn der MM-Verlag ein MM-City zu der alten Hansestadt herausbringt, muss ja wohl etwas dran sein. Zumal kein Geringerer als der Hausschreiber des Reisebuchverlags, Matthias Kröner, selbst zur Tastatur gegriffen hat. Weshalb ich jetzt, gegen meine Überzeugung, nur praktisch getestete Reiseführer zu rezensieren, über dieses Büchlein fabuliere, obwohl mein einziger Lübeck-Aufenthalt 37 Jahre zurückliegt und außer einer vagen Erinnerung an eine sehr signifikante Fassadenform davon rein gar nichts übrig geblieben ist.

Matthias Kröner ist sich der Stellung “seiner” Stadt bewusst – und hebt folgerichtig mit der ersten Frage an: “Warum Lübeck?” Dort erfährt der Unkundige, dass die größtenteils wirklich alte Altstadt (Lübeck wurde nur einmal bombardiert) zur Gänze zum UNESCO-Welterbe zählt, das Meer ganz nah ist und der Schauplatz der Buddenbrook-Saga entgegen seinem Image eine junge, kulturell sehr aufstrebende, “charmante, weltoffene Minimetropole” ist. “Gäbe es eine Rangliste der in Deutschland unterschätzten Städte, läge Lübeck an erster Stelle.”

Ich kann das, wie gesagt, nicht aus eigener Anschauung bekräftigen, aber ich will es gerne glauben. Denn was für diesen Reiseführer über den hohen Qualitätsstandard des Verlags hinausgehend spricht, ist Folgendes:
Der Autor hat den idealen Blick: Er lebt und arbeitet seit 2007 in Lübeck, ist also ein Intimus ohne eingeborene Betriebsblindheit.
Das Werk ist ein echtes Herzensprojekt, für das M. Kröner sich zwei Jahre Zeit nahm.
Es ist keine Tourismuswerbung, sondern übt, natürlich aus einer positiven Grundhaltung heraus, auch mal Kritik; das hat ihm das Etikett “ehrlicher Reiseführer” eingebracht.
Acht von acht verliehen dem Buch auf amazon 5 Sterne.

Kurz gesagt: Sollte ich jemals eine Reise nach Lübeck unternehmen, ist die Frage nach dem Reiseführer definitiv geklärt.
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Matthias Kröner: Lübeck MM-City. Michael-Müller-Verlag, Erlangen 2011. Tb., 192 S.

Korsika erwandern

Mittwoch, 12. Oktober 2011

Wenn der Autor eines Wanderführers Christoph Berg heißt, darf dies ruhig als gutes Omen gesehen werden. Wenn der Verlag selbigen Wanderführers Michael Müller heißt, verdichtet sich das gute Omen schon beinahe zur Gewissheit. Aber die Nagelprobe ist und bleibt natürlich das Bändchen selbst; schlagen wir es also auf:
Kompakt und leicht – check
Routen anschaulich dargestellt – check
Kartenmaterial zweckdienlich – check
Begleitende Infos (An- und Abfahrt zu den Touren, Urlaubsvorbereitung, Ausrüstungstipps, Einkehr- und Übernachtungsmöglichkeiten usw.) – check
Routenführungsgenauigkeit – check (GPS-Tracks zu jeder Tour!)

Also ohne langes Geschwafel: Es ist alles da, was gebraucht wird, wurde tadellos aufbereitet, und dass die Infos im Detail zum allergrößten Teil korrekt und aktuell sind, darf im Hinblick auf die Meriten des Verlags einfach angenommen werden.
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Christoph Berg: MM-Wandern Korsika. Michael-Müller-Verlag, Erlangen 2011. 168 S.

MM-City Hamburg

Freitag, 15. April 2011

Hafen und Hanse(=Handel) und weites, flaches Land – alles in Hamburg deutet auf einen großen Horizont, weltmännisches Flair und die gewisse entspannte Liberalität, die aus dem jahrhundertelangen, selbstverständlichen Umgang mit Menschen aus buchstäblich aller Herren (und Damen) Länder erwächst. Der gigantische Hafen ist v.a. für Binnenländer überwältigend, mit der Außen- und Binnenalster existiert ein riesiger Freizeitsee mitten in der Stadt. Ein dichtes Netz von malerischen Kanälen mit prächtigen Kontorhäusern gibt den Rahmen für kunterbunte Urbanität: schicke Villen- und schrille Szeneviertel, das bizarre St. Pauli, renommierte Theater und viele bedeutende Museen und Ausstellungen. Und Shopping. Und der Fischmarkt, der beste Ort der Welt, um einen schönen Sommersonntag zu beginnen, nachdem man keine Minute geschlafen hat.
Alles zusammengenommen ist es nicht mehr als logisch, dass Hamburg auch die Heimat der ZEIT ist, seit Jahrzehnten der Wochenzeitung gewordene Ausdruck von Weitsicht, Vernunft und Toleranz.
MM-City-Guides an sich bedürfen kaum noch der Vorstellung: Es ist alles an praktischen Inhalten da, der Blick ist authentisch, die präsentierten Stadtspaziergänge immer noch der beste Weg, sich ein eigenes Bild zu machen. Highlights, Kästen mit Spezialthemen, ansprechende Bebilderung, Kartenmaterial… ein rundum gelungener Cityguide, wie man es aus diesem Haus gewohnt ist.
Martina Beuting: Hamburg MM-City. Michael Müller Verlag, 2. Aufl. 2010. Tb., 264 S. und herausnehmbare Karte
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Slowenien

Mittwoch, 23. März 2011

Ah! Slowenien – das ist das ursprünglichere Kärnten, die Sonnenseite der Alpen (sonce strana), die Sprache durchsetzt mit beinahe deutschen Dialektausdrücken (wasserwaga z.B.). Slowenien ist aber auch die Kornkammer im Osten, mediterran-italienisches Flair im Süden, ein bisschen Touristengrill an der kurzen Adriaküste, die kleinste Weltstadt Europas, die “Liebliche” (wörtlich Ljubljana), wilder Westen (im unzugänglichen Karstgebiet)… Und natürlich die Soča (sprich: Sotscha), über die schon einige schwärmende TV-Dokus gedreht worden. Und nicht zu vergessen die Höhlenwelten.
So viel Vielfalt auf so kleinem Raum wird sich kaum wiederfinden – meine Empfehlung daher: hinfahren, anschauen, genießen, erleben. Dabei gibt es auch kulinarisch einiges zu entdecken – wenn ich nur an die überquellend getrüffelte Pasta denke, die mir da einmal untergekommen ist, oder die herrlich gschmackigen Würste. Wenns zuviel wird, gibts dann immer noch einen “Šnops”.
Lore Marr-Bieger: Slowenien. Michael-Müller-Verlag, Erlangen 2011. 3. Auflage, durchgehend farbig, Tb., 420 S., EUR 20,50
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Nordspanien

Mittwoch, 23. März 2011

Baskenland, Kantabrien, Asturien, Galicien, Navarra und Kastilien-Leon umfasst die hier beschriebene Region. Wie schön es dort ist, verrate ich nicht, ich will das Touristenaufkommen nicht vergrößern. Nur so viel: Ohne Spanischkenntnisse wird´s schwierig. 95% der Touristen kommen hier aus dem eigenen Land, der Rest wandert über den Camino.
Die Reiseführer-Auswahl für diese Gegend ist nicht groß und teilt sich in zwei Kategorien: die, die den Camino zum (einzigen) Inhalt haben und die anderen. 60% des Angebots fielen da für uns schon mal aus. Drei (ja, ich nehme das ernst) Führer kamen ins Gepäck; klar, werdet ihr jetzt denken, ist der vom MMVerlag der beste gewesen, schließlich kann man den hier ja kaufen. Aber im Ernst — er ist es einfach. Ein Konkurrenzprodukt listet z.B. mehr von den zahlreichen Höhlen auf, in denen man sich an prähistorischer Malkunst und/oder bizarren Gesteinsformationen erfreuen kann. Allein, es stehen keine Telefonnummern dabei, was für das obligatorische Reservieren nicht eben praktisch ist, gelinde gesagt.
Thomas Schröder schafft es nicht nur, seine intime Kenntnis von Land und Leuten anschaulich und lesbar zu vermitteln und Einblicke in die tieferen, kulturellen Zusammenhänge zu geben (weshalb man sich dann nicht wundert, dass in ganz Bilbao am Vorabend des Fußball-WM-Finales keine einzige spanische Flagge zu sehen ist, ganz im Gegensatz zum Rest des Landes), sondern er ist v.a. und in erster Linie ein Quell reisepraktischer Informationen. Die ein Teufelsding sind: Telefonnummern, Email- und Webadressen ändern sich, und eine falsche Auskunft ist immer noch schlechter als gar keine. Auch dank der Einbeziehung der Leser — Schröder ist sichtlich interessiert an Tipps — und einer Neuerscheinungsfrequenz von nicht mehr als drei Jahren sind die MMV-Guides aber in höchstem Maße aktuell und damit korrekt. Soll heißen: Wenn schon sin idea en español, dann wenigstens mit diesem Reiseführer.
Einmal mehr: Besten Dank für die blitzsaubere Arbeit.

Thomas Schröder: Nordspanien. Michael Müller Verlag, 7., aktualisierte und erweiterte Auflage, durchgehend vierfarbig, Erlangen 2011. Tb., 600 S., EUR 22,90
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Schottland

Montag, 28. Februar 2011

Die beiden letzten Jahre führten mich meine Urlaubsreisen ins Land der Pikten und Scoten, wo die Sprache etwa so klingt, als würde ein Schweizer Englisch sprechen. Andreas Neumeiers Reiseführer habe ich in der Zeit natürlich auf Herz und Nieren testen können, und je intensiver die Tests ausfielen desto mehr wusste der Band zu überzeugen. Und zwar durchaus auch im Vergleich mit anderen Produkten: Meine Lebens- und Reisegefährtin war schon immer der Meinung, ein Reiseführer könne nie genug sein, und zumeist stimmt das auch so. Ihre gesamtschottische Alternative hat die britische Insel jedoch nicht mehr verlassen – einmal zu oft stimmte ein Detail á la Öffnungszeiten oder Telefonnummern nicht, einmal zu oft unterschied sich die Beschreibung allzu krass von unserer persönlichen Wahrnehmung. Das Konkurrenzprodukt wurde kurzerhand zum Ausgestoßenen. Ein weiterer, parallel mitgeführter Edinburgh-Stadtführer erwies sich schlicht als überflüssig, die Info im 768-Seiten-Konvolut Neumeiers ist vollkommen ausreichend.
In diesem Reiseführer verbinden sich aufs trefflichste journalistische Schreibfähigkeiten und gründlichste, mit Liebe zum Subjekt durchgeführte Recherche; ironische Distanz und herzliche Anteilnahme halten sich die Waage und vermitteln so bereits in der Lektüre ein britisch-schottisches Flair. Die über frühere Auflagen mancherorts geäußerte Kritik, Detailinfos stimmten nicht (mehr), hat sich der Autor offenbar sehr zu Herzen genommen – ich konnte in vier Wochen keine einzige falsche Telefonnummer entdecken. Akurater und aktueller ist schwer vorstellbar. Der beste mir bekannte Reiseführer aus dem Hause Michael Müller!
Andreas Neumeier: Schottland. Michael Müller Verlag, 6. Auflage, Erlangen 2011. Tb., erscheint Mai 2011
Reiseführer beim Verlag reservieren (keine Kaufverpflichtung!)

Krakau

Freitag, 28. Januar 2011

Und noch einmal MM-City: Dieses Mal steht eine Metropole von der “anderen Seite” im Mittelpunkt, die alte polnische Königsstadt Krakau, eines der wahren Zentren der Welt.
Die “andere Seite”? Nun, ist es nicht so, dass der Westen gegenüber dem Osten so seine Dünkel hat? Blinde Flecken des Bewusstseins existieren, die z.B. an der Grenze Ostösterreichs und der Slowakei über Jahrzehnte das Ende der Welt vermuten ließen? Immerhin hat es fast 20 Jahre seit der Ostöffnung gedauert, bis die beiden nächstgelegenen Hauptstädte Europas, Wien und Bratislava, verkehrstechnisch zeitgemäß zusammengewachsen sind.
Auch Krakau liegt Wien geografisch weit näher als den meisten bewusst ist: Die kürzeste Verbindung wird mit 413 km angegeben. Und welches Juwel erwartet einen! Die gesamte Innenstadt ist Weltkulturerbe, am Wawel befindet sich eines der wichtigsten energetischen Zentren des Planeten, die Jazzszene vibriert, die Sommersonnenwende ist der Höhepunkt in einem an Höhepunkten reichen Festkalender, das Judenviertel hat noch ein Flair, das man in Prag längst vergeblich sucht, und der Rynek im Herzen der Altstadt ist ein Renaissance-Prunkstück von einem Platz, an Größe nur noch vom Markusplatz in Venedig übertroffen, an Eleganz und Schönheit nach Meinung vieler von gar nichts. Der Rynek wurde mehrfach zum schönsten Platz der Welt gewählt.
Letzteres erfährt man übrigens auf der Umschlagklappe “Wussten Sie, dass …”, auf der alle MM-City-Guides die Perlen der Perlen auflisten. Geradezu gemeingefährlich die Reiselust weckend. Und im Fall von Krakau wird bereits hier deutlich, was vielleicht das ganz besondere, einzigartige dieser südpolnischen Stadt ausmacht: Sie ist magisch. Hier wirken mittelalterlicher Aberglaube, archaischer Animismus, esoterische Energielehre und katholischer und jüdischer Mystizismus in ein lebenslustiges, kulturell überschäumendes Heute hinein. Spannend. Schön. Staunenswert. Und natürlich bestens präsentiert im hier vorgestellten, besonders preiswerten Führer.
Szurmant/Niedzielska: Krakau. Michael Müller Verlag, Erlangen 2009. Tb., 264 S. plus herausnehmbarer Karte. EUR 14,90
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