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Kulinarische Reisetipps

Montag, 17. September 2012

Kurz vor einer Schottland-Reise wurde ich auf diese Doppel-DVD aus der Sarah-Wiener-TV-Serie aufmerksam und habe, das günstige Timing nützend, um Zusendung eines Presseexemplars gebeten. Die Folge auf der Isle of Skye hat meinen ganz persönlichen Zweck erfüllt: Kedgeree war zwar nicht aufzutreiben, aber immerhin der darin unter anderem enthaltene, kalt geräucherte Lachs – göttlich. Das präsentierte Lokal wurde auch gefunden, erwies sich allerdings als weitaus fancier als es in der Sendung zum Ausdruck kommt. In gewöhnlicher touristischer Freizeit-Wanderkluft haben wir uns nicht über die Schwelle gewagt. Den nachhaltigsten Eindruck machte schließlich Cranachan, ein ebenso simples wie köstliches, wirklich lokales Dessert mit Himbeeren, Schlagobers, gerösteten Haferflocken und selbstverständlich Single Malt. Es wurde seither in Eigenregie mehrfach nach”gekocht” und dabei der ideale Whisky dafür eruiert (Talisker ist es nämlich absolut nicht, zumindest außerhalb von Skye nicht).

Über die DVD-Ausgabe mit zehn Folgen ist ansonsten noch zu sagen: hübsch und naiv, ein nett gemachtes und durchaus informatives Rezepte-und-Info-Booklet. Leider kann ich dem zentralen Inhalt, den Sarah-Wiener-Kochshows, nicht allzu viel abgewinnen. Das gilt für mich zwar für Kochsendungen im Allgemeinen; das bemüht-gestellte Zwangsoriginalisieren in der Sarah-Wiener-Show ging mir allerdings ziemlich rasch ziemlich auf die Nerven.
Speziell die Großbritannien-Ausgabe ist aber für Reisende wirklich nützlich, siehe obigen Bericht; in Italien kann schließlich jeder gut essen …

Die kulinarischen Abenteuer der Sarah Wiener in Großbritannien. 2 DVDs, Booklet, Spieldauer 450 Min., EUR 23,99
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Die Höhle der vergessenen Träume

Freitag, 11. November 2011

Prähistorische Höhlenmalerei? Was im ersten Moment vielleicht bis zur Abwegigkeit fern erscheint, entpuppt sich bei näherer Betrachtung als unendliches Faszinosum und einzigartiger Kulturgenuss. Die Art, wie die “vorgeschichtlichen” Künstler (der Begriff beweist eigentlich nur, dass wir über unseren historischen Tellerrand hinaus keine Ahnung haben) die Natur wahrnahmen und mit der Menschenkunst zu einer Einheit verschmolzen, ist verstörend präsent, aufwühlend und schlicht und einfach wunderschön. Und je öfter man hinsieht, desto mehr Rätsel entstehen… Wie haben diese Menschen gelebt? Was wollten sie uns mit hochabstrakten, undeutbaren Strichzeichnungen mitteilen? Warum haben sie ausschließlich an Stellen gemalt, die in ewiger Finsternis lagen? Gab es übergeordnete Sozialstrukturen, Kommunikation über große Distanzen? Und wenn ja, wie wurde sie bewerkstelligt?
Höhlenmalerei fand in unserer näheren Umgebung anscheinend nicht wirklich statt; fündig wurde man insbesondere in Nordspanien und in Frankreich (frankokantabrische Höhlenmalerei). Die Erfahrungen mit der Öffnung von Höhlen für den Publikumsbesuch waren katastrophal – Wände begannen zu schimmeln, die Malereien litten Schaden, kostbare Formationen, die Jahrtausende zu ihrer Entstehung benötigt hatten, in Sekunden vernichtet. Altamira wurde geschlossen, Lascaux wurde geschlossen. Alle Versuche, das älteste Weltkulturerbe zu konservieren, führten nur zu einer Erkenntnis: Nur wenn es in völliger Ruhe gelassen wird, ist es wirklich sicher.
Als dann 1994 die Chauvet-Höhle in Südfrankreich entdeckt wurde, mit weit über 400 großteils perfekt erhaltenen Darstellungen an den Wänden, deren Alter von mehr als 30.000 Jahren sie zum mit Abstand ältesten Beleg für menschliches Kunstschaffen überhaupt macht, entschloss man sich sofort, diesen einmaligen Schatz unter Verschluss zu halten. Nur eine handverlesene Gruppe von Wissenschaftlern darf diese Höhle betreten, und dies auch nur wenige Wochen im Jahr zu Beginn des Frühlings.
Werner Herzog ist es gelungen, eine in Stunden festgelegte Filmerlaubnis zu erhalten, und er ermöglicht uns so einen immer noch virtuellen, aber dank 3D und moderner Filmtechnik maximal wirklichkeitsnahen Besuch der Höhle. Der Film hat seine stärksten Momente, wenn die Kamera einfach kommentarlos die Rolle als Auge des Betrachters übernimmt und die Darstellungen für sich selbst sprechen lässt. Alles andere, Interviews mit Forschern, der – sprechtechnisch minderwertige – Off-Kommentar von Herzog selbst, der finale Versuch eines philosophisch-mystischen Schwenks, ist durchaus von Interesse und kurzweilig gestaltet, letztlich aber nur Beiwerk.
Unbedingt sehenswert!
Link zum Trailer

Weeds: die schönsten Blumen überhaupt

Freitag, 6. Mai 2011

Schauplatz: Agrestic. Ein bis ins letzte Detail austauschbarer Vorort irgendwo in Kalifornien (“Little boxes on the hillside…”). Parade-MILF Nancy Botwin (Mary-Louise Parker (Der Klient, Roter DracheDie Ermordung des Jesse James durch den Feigling Robert Ford)) hat eben ihren Ehemann verloren und sucht nach einer Chance, sich und ihre beiden Söhne Shane (Alexander Gould) und Silas (Hunter Parrish) durchzubringen. Der einschlägige Bedarf ihres Steuerberaters, dem dauerbedröhnten Doug Wilson (Kevin Nealon), bringt sie auf die Idee, “Kleine Deals unter Nachbarn” (so der Untertitel der deutschen Fassung) zu machen. Als Frau mit moralischer Verantwortung schlägt sie dabei eine konsequente “Nur-Marihuana-Politik” ein. Dennoch droht von allen Seiten Gefahr: Ihr depressive, alkoholproblematisierte Nachbarin Celia Hodes (Elizabeth Perkins (Das Wunder von Manhattan, The Flintstones – Die Familie Feuerstein / Die Flintstones in Viva Rock Vegas)) darf keinesfalls erfahren, was Nancy so treibt, und auch der zum Ende der ersten Staffel in ihr Leben tretende Peter Scottson stellt sie vor ein Dilemma…
Nicht verbergen kann sie ihre Geschäfte vor Andy (Justin Kirk (Angels in America)), dem ebenso großmäuligen wie kleinmütigen Bruder ihrers verstorbenen Mannes, der mit Ritterallüren behaftet auftaucht, um der damsel in distress beizustehen. In Wahrheit nur, weil er sich Hoffnungen macht, seines Bruders Nachfolge im Ehebett antreten zu können; ein Umstand, den Nancy gekonnt zu ihren Gunsten auszunutzen versteht.

Weeds wurde für allzu selbstverständlich in Szene gesetzten Drogenkonsum kritisiert, brach aber dennoch (oder gerade deshalb) alle Showtime-Zuseherrekorde. Der Humor ist abgründig und anarchisch mit Tendenz in Richtung völliger Einschwärzung und spart nicht an Vulgarität und deftigen sexuellen Anspielungen: kräftig zugekifft eben. Ein legendäres Highlight z. B. Andys praxisnahe Masturbations-Anleitungen für den frühreifen Shane, nachdem eine Sperma-Socke den Abfluss verstopft hatte. Stichwort: Bananen sind gesund – und so geschmeidig…

Nancy agiert mit optisch überzeugendem Ganzkörpereinsatz, wobei ihre im Verlauf von bisher 6 Staffeln (Nr. 7 startet im Sommer 2011) wechselnden Liebhaber immer mit Drogenkriminalität zu tun haben. Wer sagt, man könne business and pleasure nicht verbinden? Der für mich einzige Schwachpunkt der Serie besteht in der zunehmenden Kriminalisierung, wodurch Staffel für Staffel ein bisschen Humor für ein wenig mehr Härte verloren geht. Ab etwa Season 4 macht sich das deutlich bemerkbar, aber wer sich davon selbst überzeugt, ist natürlich längst “hooked” und wird der Anarcho-Comedy treu bleiben bis zum letzten Zug…

Dollhouse

Mittwoch, 6. April 2011

Joss Whedon scheint ein wenig vom Glück verlassen: Er etablierte sich mit den mediokren Serien Buffy – Im Bann der Dämonen (7 Staffeln) und deren Spin-Off Angel – Jäger der Finsternis (5 Staffeln), erlitt hingegen mit der ebenso skurrilen wie großartigen und unterhaltsamen Science-Fiction-Westernserie Firefly Schiffbruch (der Sturm der Fanentrüstung nach der unverständlichen Einstellung mit Ende der 1. Staffel war so groß, dass zumindest noch ein Spielfilm als versöhnlicher Abschluss produziert wurde: Serenity – Flucht in neue Welten).
Seinem jüngsten Geniestreich war wenig mehr Anerkennung durch die produzierende Fernsehanstalt FOX beschieden: Trotz guter Kritiken und beachtlichem Publikumserfolg wurde während der Ausstrahlung der 2. Staffel die Einstellung bekanntgegeben. Der fixfertige Pilotfilm wurde nie ausgestrahlt. Eine deutsche Synchronfassung liegt bis heute nicht vor.

 

Worum geht’s?
Das Dollhouse ist ein gut versteckter Hitech-Bunker irgendwo in Los Angeles, in dem etliche leere Hüllen “aufbewahrt” werden – Menschen, deren gesamte Identität gelöscht (und archiviert) wurde, um sie für unterschiedlichste Einsätze jeweils perfekt neu programmieren zu können. Das perfekte Date, eine Safeknackerin, eine toughe Ermittlerin, eine Karateexpertin, ein anschmiegsames Wesen mit klassischer Bildung – egal wer oder was, Topher, der hauseigene Nerd, sorgt für die auftragsgerechte Personifikation. Die Kundschaft beschränkt sich auf die Reichsten der Reichen, denn die Dienstleistung ist nicht nur überaus speziell, sondern auch geheim weil verboten.
Anfangs, das wurde auch in den ersten Kritiken bemängelt, fehlt der Serie ein wenig der rote Faden – Produzentin und Hauptdarstellerin Eliza Dushku in der Rolle von Echo ist dem Konzept entsprechend in jeder Folge ein völlig anderer Charakter, und obwohl durchaus spannende Einzelepisoden geliefert werden, scheint der Sache der Überbau abzugehen. Das legt sich rasch, als Echo anfängt, sich trotz der nach jedem Einsatz erfolgten Behandlung, sprich buchstäblichen Komplett-Gehirnwäsche, an ihre Impersonifikationen zu erinnern. Und während von außen der FBI-Agent Paul Ballard (Tahmoh Penikett, Battlestar Galactica) seiner Dollhouse-Obsession nachjagt, brauen sich im Inneren der futuristischen Versklavungseinrichtung einige gewaltige Probleme zusammen…
Starkes Script, ein überzeugendes Paranoia-Szenario, stylishe Präsentation und gelungenes Casting; what more could anybody ask?

Wüstenblume

Dienstag, 1. Februar 2011

Diese Biografie beschreibt schonungslos und brutal eines der schlimmsten Geschehnisse unserer Zeit: Genitalverstümmelung. Dieses heute noch viel zu oft existierende Ritual wird vor allem bei Nomadenmädchen angewandt. Waris Dirie war eine von ihnen. Doch durch unglaublichen Mut und Willenskraft hat sie es geschafft, ein internationales Top-Model zu werden. Und als jeder sie kannte, fand sie die Kraft, über die schlimmste Zeit in ihrem Leben zu sprechen. Sie schrieb „Wüstenblume“ (die wörtliche Bedeutung von “Waris”) und bewegte damit Millionen von Menschen.
Waris Dirie gründete die „Waris Dirie Foundation“ gegen FGM (Female Genital Mutilation) und ist seit 1994 UN-Sonderbotschafterin. Sie wird weiterhin für das Recht auf die körperliche Unversehrtheit von Frauen kämpfen, denen wie ihr unter primitivsten Bedingungen Gewalt angetan wurde.
Ich fand das Buch unglaublich, in vielerlei Hinsicht. Diese Geschichte, oft sehr emotionslos erzählt, hat bei mir sehr viele unterschiedliche Gefühle geweckt. Bevor ich das Buch las, wusste ich so gut wie gar nichts über Genitalverstümmelung und schon gar nicht, dass es das im 21. Jahrhundert immer noch gibt. Und in welchem unfassbaren Ausmaß: Ca. 6000 Mädchen und Frauen erleiden TÄGLICH dieses grausame Schicksal. Das hat mich schockiert und zum Nachdenken gebracht. Ich würde sagen, das Buch kann und sollten alle ab 14 lesen. Es ist keine leichte Kost, wirklich nicht, aber niemand hätte diese Geschichte besser schreiben können. (Lena Turek, 14)
Anm: Die vorliegende Ausgabe des 1998 erstmals erschienenen Weltbestsellers enthält neben der Originalübersetzung zahlreiche Fotos der dieser Tage (Sommer 2009) in den Kinos anlaufenden Verfilmung mit dem Topmodel Liya Kebede in der Titelrolle.
Waris Dirie: Wüstenblume – Buch zum Film. Droemer/Knaur, 2009. Tb., 400 S.

Science-Fiction im Filmmuseum

Mittwoch, 26. Januar 2011

Eine Geschichte der Zukunft (Link zum Programm)
50 Filme aus den Jahren 1946 bis 2008, vom 9. Februar bis 10. März 2011.

Das ultimative Sakrileg

Sonntag, 4. April 2010

Der Direktor des Louvre wird ermordet – und das mitten in den Räumen der weltgrößten Kunstsammlung. Seine letzten Gedanken gelten einem mächtigen, uralten Geheimnis, das mit seinem Tod untergehen würde. Er muss noch eine Botschaft übermitteln, während aus einem Bauchschuss langsam das Leben aus ihm sickert.
Die symbolträchtige Form, in der der Mann sich zum Sterben niederlegt, ist nicht der einzige Grund, warum der Symbolkundler Robert Langdon auf den Plan gerufen wird: Der Harvard-Wissenschaftler gilt als wichtigster Tatverdächtiger…
Wie schon in seinem Bestseller Illuminati hebt eine atemberaubende Schnitzeljagd an, die vor verblüffenden symbolologischen Zusammenhängen, Bezügen und Enthüllungen nur so wimmelt. Mit dabei: die 1099 gegründete und heute noch existierende Geheimgesellschaft Prieuré de Sion, die ultrakonservative katholische Sekte Opus Dei, das französische Pendant zum FBI… Die Jagd gilt dem christlichen Mythos schlechthin, wie wir irgendwann erfahren – und worum es sich dabei eigentlich handelt. Perfekt recherchiert serviert uns Dan Brown erneut eine Mischung aus explosiven Fakten und spannungsgeladenem Thriller, und diesmal geht es, was die Praktiken der katholischen Kirche betrifft, endgültig ans Eingemachte. Verwunderlich, dass diese (im Vergleich zu Illuminati noch kenntnisreichere, dafür nicht ganz so ultraspannende) Enthüllungsstory nicht ähnliche kirchliche Reaktionen hervorrief wie etwa Scorseses Die letzte Versuchung Christi, ist sie doch weitaus eher dazu geeignet, die mächtigste Religionsgemeinschaft der Erde in ihren Grundfesten zu erschüttern…
Dan Brown: Sakrileg. Gustav Lübbe Verlag, Bergisch-Gladbach 2004. Hc., 605 S.