Alle Artikel in der Rubrik ‘Kurz & Gut’

Leda und der Schwan …

Samstag, 4. Mai 2013

… in der nicht jugendfreien Version. Auf rund 30 Seiten wird die bekannte griechische Göttersage nacherzählt: Zeus verwandelt sich in einen Schwan (übrigens der Vogel mit dem größten Penis allen Flügelgetiers), um die selbstverständlich junge und atemberaubend schöne Königin Spartas zu verführen. Hera schäumt mal wieder, beschließt in dieser Version aber, ausnahmsweise nicht die alles duldende Ehefrau zu spielen, sondern geht zum Gegenangriff über. Flott erzählte Bettlektüre im engeren Sinn des Wortes.

Andrea Leccara: Leda. Kindle-E-Book, ca. 33 S., ca. 10 Illustrationen. € 1,69

Der alte König und die treuen Tiere

Montag, 11. Februar 2013

Sehr hübsche Ausgabe eines niederländischen Kinderbuchklassikers aus den 1960er-Jahren. Erzählt werden einzelne Geschichten, eingebettet in die Rahmenhandlung des im Sterben liegenden, uralten guten Königs, zu dessen Rettung nur das Schlüsselkraut taugt. Während sich der Wunderdoktor auf die lange und gefahrvolle Reise macht, um die Medizin zu finden, besuchen verschiedene Tiere den König und erzählen ihm eine (ihre) Geschichte. Das gibt ihm ein wenig Lebensmut, sodass er einen weiteren Tag auf das Eintreffen des Wunderdoktors warten kann.Und langsam wird auch sein Palast wieder von Leben erfüllt …

Die Struktur macht den schmalen Band zum idealen Vorlesebuch, in dem es auch etwas anzuschauen gibt: Illustrationen von Linde Faas, ebenso zärtlich und liebevoll wie die Geschichte(n) selbst. Das Ganze mag insgesamt ein wenig altmodisch sein, die allegorischen kleinen Erzählungen fern des hyperschnellen Zeitgeists; gerade das hebt das Werk aber wohltuend aus der Masse der Neuerscheinungen hervor. Es ist nicht cool und will auch nicht cool sein: Hier werden so erhabene Dinge wie Freundschaft, Zusammenhalt und Loyalität gefeiert.

Paul Biegel: Eine Geschichte für den König. Verlag Freies Geistesleben & Urachhaus, Stuttgart 2012. Geb., 160 S., € 15,30 (A). Empfohlenes Alter: 6–8 Jahre.

Super-Pulp-Fiction

Dienstag, 6. November 2012

In der zweiten Ausgabe des “Fachblatts für Pulp-Thriller, Horror und Science Fiction”, präsentiert von Dr. Trash und r.evolver, finden sich wie gehabt “3 packende Storys in einem Heft”. Eine davon ist von mir … und genügt anscheinend meinen selbst gestellten Anforderungen an guten Trash:

“Geschichte Nummer Drei ist „Suicide New!“ von Helmut Santler. Das Genre … ich passe, ehrlich gesagt. SF ist es nicht unbedingt, Horror könnte stimmen, trifft es aber nicht ganz. Ist aber auch nicht wichtig, gefallen hat es auf jeden Fall.
Thema der Geschichte ist das Fernsehen … beziehungsweise die Tendenz des Fernsehens, immer krassere Spielarten finden zu müssen, um das Publikum zu halten. Spitzenreiter bei diesen Absurditäten sind die Asiaten, wo die Demütigung der Kandidaten schon viele Jahre vor DSDS und dergleichen Usus war. Die Hauptfigur nun ist ein Produzent, der den ultimativen Kick gefunden zu haben glaubte – eine Fernsehshow um Selbstmorde. Doch die Quoten brechen ein und er muss das Konzept der Sendung umbauen. Mit spitzer Feder und einem feinen schwarzen Humor wird hier der Gesellschaft ein Spiegel vorgehalten, denn ehrlich gesagt bin ich durchaus davon überzeugt, dass derartige Shows irgendwann wirklich produziert und konsumiert werden könnten. Großartig geschrieben, mitreißend und doch überzeichnet genug, um einen zum Nachdenken zu bringen, mit einem durchaus überraschenden Ende.” (Bernd Meyer in FanDom Observer 277)

“Die spannendste und gelungenste Story beobachtet die Entwicklung der Fernsehshow ‚Suicide New!‘. Weil die Serie, die Todeswillige beim Selbstmord zeigt, an Sehern verliert, wird das Konzept überarbeitet und den Zusehern die Entscheidung über den Tod überlassen. Was die Zuschauer nicht wissen: …” (Martin Zellhofer in thegap, Magazin für Glamour und Diskurs, Nr. 127; er schreibt da übrigens noch mehr, das ist mir aber zu viel Spoiling.)

Was ist zu tun? Unter dem Titel “Der irrste Verlag, den ich kenne” gibt G.F. in Ausgabe 5/12 der “Sprechblase” die Antwort: “Wer sich von meinen eindringlichen Warnungen vor diesen Machwerken nicht abschrecken lässt, der sollte sich an www.evolver-books.at wenden und schleunigst das Zeug kaufen. Der Markt gehört endlich von diesem Schandfleck befreit!”

Dr. Trash, r.evolver (Hg.): Super-Pulp 2. Heftl, 40 S., EUR 2,80 bei amazon kaufen
Das  mit der Marktbefreiung ist übrigens seit Neuestem faktisch unmöglich geworden – es gibt Super-Pulp 2 jetzt auch als Kindle-E-Book (amazon) sowie im epub-Format (für alle anderen E-Book-Reader) um noch weniger als wenig Geld zu kaufen: EUR 1,49

Und dank des Engagements von Peter Hiess für das Heben der Trashkultur könnt ihr euch einen Teil meiner Geschichte sogar anhören: Heftldämmerung wurde eine Pulp-Lesung im Wiener Gschwandtner betitelt. Den Anfang des Zwei-Stunden-Videos macht Leo Lukas (Perry Rhodan), meine Wenigkeit kommt so ab Min. 53 ins Bild.

Da werden Männerträume wahr

Dienstag, 22. November 2011

Ideal für Ebook-Einsteiger: Mit 99 c “riskiert” man nicht mehr als den Preis für einen Klingelton und hat auch schon einen kurzen Text auf seinem Kindle. Das Cover, gestaltet von Jani Putzker, der talentierten Tochter des österreichischen Comic-Großmeisters Ronald Putzker, liefert einen sinnlichen Einstieg, und in der Story geht es ordentlich zur Sache: Auf weniger als 30 Seiten passiert genug für einen abendfüllenden Spielfilm, allerdings wäre der ganz sicher strengstes Jugendverbot. Nur so viel: Bis der Held zur Erlösung kommt, dauert es schmerzhaft lange, und ganz sicher hatte er sich das Ende völlig anders vorgestellt…
Sehr erotischer Ebook-Snack, ein echter Geheimtipp!

Marianne Raiding, Janina Putzker: Göttin der Löwen. Kindle-Ebook, 99 c

Eine unberührte Welt

Mittwoch, 2. Februar 2011

27 Kurzgeschichten des deutschen Meisterautors Andreas Eschbach – Schöpfer von Großartigkeiten wie den Haarteppichknüpfern, dem Jesus-Video, Eine Billion Dollar oder zuletzt Ausgebrannt – sind 27 Gelegenheiten, sich an klarer, treffsicherer Sprache und originellen, pfiffigen, visionären oder amüsanten Ideen zu erfreuen. Und, als Special in diesem Band, um etwas über die Hintergründe der Entstehung der Stories zu erfahren. Da ich selbst gelegentlich Stories schreibe, fand ich die Anmerkungen darüber, wie einer der erfolgreichsten und besten Vertreter seiner Zunft so arbeitet, ausgesprochen aufschlussreich.
Highlights gefällig? In der Story Quantenmüll fällt der Menschheit eine besonders schlaue Müllentsorgungs-Methode auf den Kopf; Al-Qaida™ bringt Terrorismus und Markenrecht auf überraschende Weise zusammen; Das fliegende Auge macht aus der allgegenwärtigen Überwachungs-Paranoia einen Slapstick; und vieles mehr.
Andreas Eschbach: Eine unberührte Welt. Bastei-Lübbe, Bergisch-Gladbach 2008. Tb., 320 S.

Verbrechen

Donnerstag, 30. September 2010

Ferdinand von Schirach, der sich wie der Philipp Marlowe der Anwälte zu fühlen scheint, arbeitet seit mehr als 15 Jahren als Strafverteidiger in München. In dieser Zeit sind ihm wahrhaft unglaubliche Fälle untergekommen, Stoff für ein überaus beeindruckendes Erzähldebut: 11 reale Geschichten, in zurückhaltender und klarer, schlicht-schöner Sprache erzählt, die sich glücklicherweise nie ins Juristische versteigt, wo aus der hehren Suche nach der Präzision des Ausdrucks schnell eine beamtenhafte Kleinkariertheit werden kann. Hier stimmt jeder Ton, die Gratwanderung von Distanz und Nähe gelingt perfekt. Von Schirach ist sich der Wirkung des Tatsächlichen in jedem Augenblick bewusst und bereitet ihm als Erzähler nichts als eine Bühne, auf dem es aus sich heraus strahlen kann. Souverän, verblüffend, höchst empfehlenswert.

Ferdinand von Schirach: Verbrechen. Piper, München 2009. Geb., 206 S.
Weitere Ausgaben: Taschenbuch
Hörbuch, 3 Audio-CDs