Alle Artikel in der Rubrik ‘Kochen’

Kulinarische Reisetipps

Montag, 17. September 2012

Kurz vor einer Schottland-Reise wurde ich auf diese Doppel-DVD aus der Sarah-Wiener-TV-Serie aufmerksam und habe, das günstige Timing nützend, um Zusendung eines Presseexemplars gebeten. Die Folge auf der Isle of Skye hat meinen ganz persönlichen Zweck erfüllt: Kedgeree war zwar nicht aufzutreiben, aber immerhin der darin unter anderem enthaltene, kalt geräucherte Lachs – göttlich. Das präsentierte Lokal wurde auch gefunden, erwies sich allerdings als weitaus fancier als es in der Sendung zum Ausdruck kommt. In gewöhnlicher touristischer Freizeit-Wanderkluft haben wir uns nicht über die Schwelle gewagt. Den nachhaltigsten Eindruck machte schließlich Cranachan, ein ebenso simples wie köstliches, wirklich lokales Dessert mit Himbeeren, Schlagobers, gerösteten Haferflocken und selbstverständlich Single Malt. Es wurde seither in Eigenregie mehrfach nach”gekocht” und dabei der ideale Whisky dafür eruiert (Talisker ist es nämlich absolut nicht, zumindest außerhalb von Skye nicht).

Über die DVD-Ausgabe mit zehn Folgen ist ansonsten noch zu sagen: hübsch und naiv, ein nett gemachtes und durchaus informatives Rezepte-und-Info-Booklet. Leider kann ich dem zentralen Inhalt, den Sarah-Wiener-Kochshows, nicht allzu viel abgewinnen. Das gilt für mich zwar für Kochsendungen im Allgemeinen; das bemüht-gestellte Zwangsoriginalisieren in der Sarah-Wiener-Show ging mir allerdings ziemlich rasch ziemlich auf die Nerven.
Speziell die Großbritannien-Ausgabe ist aber für Reisende wirklich nützlich, siehe obigen Bericht; in Italien kann schließlich jeder gut essen …

Die kulinarischen Abenteuer der Sarah Wiener in Großbritannien. 2 DVDs, Booklet, Spieldauer 450 Min., EUR 23,99
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Falafel, Schnitzel, Strudl & Co.

Montag, 2. Juli 2012

Wem zu “jüdischer Küche” nur Gefilte Fisch, geschmackloses Fladenbrot und seltsame Essgewohnheiten einfallen, hat den wesentlichen Punkt komplett verpasst: Juden gab und gibt es in fast allen Weltregionen. Ein jüdisches Kochbuch ist deshalb notwendigerweise ein “Welt-Kochbuch”, in dem sich internationale, als typisch jüdisch assoziierte Kulinarien-Hits wie das Bagel oder die geschmorte Rinderbrust (Brisket) ebenso finden wie eine reiche Auswahl nahöstlicher Spezialitäten, die es zum Global Food gebracht haben (Falafel, Hummus, Pita-Brot), und, je nach Perspektive, mehr oder minder Exotisches von Baba Ganoush und Käsekuchen (Topfenkuchen) bis zur ungarischen Sauerkirschsuppe (Weichselsuppe) und dem Wiener Schnitzel (natürlich vom Kalb bzw. heutzutage das beliebteste Fast-Food in Israel – von der Pute). Indien, Peru, Nordafrika, Nord-, West-, Ost- und Südeuropa, der Nahe Osten, Russland … wo immer Juden hingelangten, adaptierten sie das vorhandene Speisenangebot an die Kaschrut, die komplizierten Speisegesetze, und machten etwas Eigenes daraus.
“Jüdische Küche” von Marlena Spieler ist, wie nahezu jedes Kochbuch, gut gemacht, reich illustriert, schön fotografiert; es bietet darüber hinaus einige kulturell bedingt unerlässliche Informationen, die recht knapp gehalten, aber prägnant zusammenfassend ausgefallen sind und für mich viel Neues enthielten. Das wirklich Besondere ist aber die Vielfalt: ob mild bis knapp über der Wahrnehmungsgrenze oder tränentreibend scharf, ob exotisch mit Früchten, Nüssen und ungewohnten Gewürzmischungen (marokkanisch) gekocht oder rustikal-billig zum Borschtsch verarbeitet, ob so traditionell wie der Erdäpfelpuffer, New-York-fancy wie der Lox oder verführerisch wie Rugelach – es ist wirklich keine kulinarische Vorliebe denkbar, die hier nicht mehrfach bedient wird.
Konkret getestet habe ich Falafel, sehr zur Freude meiner halbvegetarischen Tochter, und Baba Ganoush; das Ergebnis war überzeugend. Als nächstes vielleicht Ingwer-Fischbällchen in Tomaten-Zitronen-Soße? Oder doch lieber ein galiläischer Salat? Wassermelone mit Feta? Ein Kugel?
Sicher ist: So bald wird einem mit diesen Rezepten nicht fad. Und koscher oder nicht braucht wohl die große Mehrheit hierzulande nicht zu kümmern. Ich lasse mir jedenfalls ein paar Speckwürfel in den Erdäpfelpuffern nicht nehmen und werde sie weiterhin in Butterschmalz herausbacken. Das ist doppelt unkoscher, aber es schmeckt …
Marlena Spieler: Jüdische Küche. Koscher und traditionell kochen. tosa-Verlag, Fränkisch-Crumbach 2011. Geb., 224 S., Großformat 28,6 × 22,2 cm, ca. 350 Farbabbildungen, Register. EUR 12,95

Das große Buch der Gewürze

Dienstag, 18. Januar 2011

Es ist alles andere als neu, hat aber im Lauf von 13 Jahren einige Metamorphosen durchgemacht, auch innerhalb des AT-Verlags. In der hier vorliegenden Form erreicht der prächtige, die Sinne anregende Band die 10. Auflage. Er ist einfach zeitlos, der perfekte Longseller, und wahrscheinlich haben Sie ihn sogar schon einmal irgendwo gesehen.
Also: Er ist innen genauso schön wie außen, grandios bebildert (soll heißen, wunderschön und informativ) und enthält neben einer kleinen Gewürzhandel-Historie und der Vorstellung der wichtigsten Gewürze auch Rezepte zum Kochen sowie für Gewürzmischungen von Curry bis Garam Masala, einige sonstige Anregungen was mit den duftigen und oft dekorativen Spices gemacht werden kann und ein ordentliches Register. Ideal für Gewürzliebhaber und Fans exotischer Küchen; bevor Sie es jemandem schenken, sollten Sie sich aber erkundigen, ob es nicht schon längst vorhanden ist.
Jill Norman: Das große Buch der Gewürze. AT-Verlag, Aarau 2004. Geb., 160 S.

Der süßeste Alptraum der Ernährungswissenschaft

Montag, 13. Dezember 2010

Trish Deseine muss für die gesamte medizinische und ernährungswissenschaftliche Fachwelt ein Rätsel sein – und vermutlich auch ein Alptraum, denn sämtlichen warnenden Zeigefingern, die schaudernd von zu viel Zucker und Fett berichten und die katastrophalen Folgen unserer falschen Ernährung in den düstersten Farben zu schildern wissen, hält sie ein entwaffnendes, sinnlich-verführerisches Lächeln entgegen, dem einfach nicht zu widerstehen ist. Und wozu sollte man auch widerstehen wollen, wenn die Verführung so süß lockt? Wenn beim Lesen der mit viel Humor verfassten Texte der Drang, sofort ans Naschwerk zu gehen, fast übermächtig wird und spätestens beim Betrachten der geradezu gemein schönen Bilder nur noch eins zählt: Sofort in so ein Etwas hineinzubeißen, den Gaumen zu kitzeln, die Zunge zu umschmeicheln, den Mund so voll wie nur möglich zu nehmen und am besten seine Liebste mit noch klebrigen Lippen zu küssen… Oh Göttin, was tust du mir an.
Ach ja, vorher muss man die süßen Sünden noch herstellen. Auch da weiß Frau Deseine natürlich Rat und erteilt ihn uns auch, schön strukturiert und auf hunderten eigenen praktischen Erfahrungen beruhend. Dabei schafft sie es, auch in der “Betriebsanleitung” immer mal wieder eine launige, selbstironische Bemerkung oder ein hübsches Anekdötchen einzustreuen. Was u.a. zur Folge hat, dass man die ganz wenigen wirklich strikten Anweisungen bestimmt Wort für Wort befolgen wird.
Nach Verrückt nach Schokolade nun also Verrückt nach Karamell – und falls das überhaupt möglich ist, ist das Lächeln der Frau Deseine noch ein bisschen breiter geworden. Vermutlich weil ihre Bücher noch immer nicht als verbotene Droge eingestuft wurden…
Trish Deseine: Verrückt nach Karamell. 100 sinnlich-süße Verführungen. AT-Verlag, Baden und München 2006. Geb., 160 S.

Natural Cocktails

Montag, 13. Dezember 2010

Oskar Marti ist ein in der gesamten Schweiz berühmter Koch und Führer eines seit mehr als 20 Jahren renommierten Spitzenrestaurants. Er gilt als einer der Pioniere der “naturnahen Küche”.
An dieser Stelle konnte er bisher auch seinen Humor unter Beweis stellen – mit der vierbändigen Kinder-Kochbuchreihe “Kochen mit Cocolino”, nur eine unter vielen Publikationen im AT-Verlag.
Der neueste Streich des Wildkräuter-Fans beschäftigt sich mit trinkbaren Genüssen: “400 Rezepte aus der Natur mit und ohne Alkohol” verspricht uns der Untertitel des großformatigen, reich bebilderten Bandes. Und so finden sich darin auch Rezepte für Huflattichsirup, Veilchenbowle oder Löwenzahnwein und natürlich ist auch der Schlehenlikör erwähnt, den ich mir seit zwei Jahren vornehme, nachdem die letzten Vorräte genüsslich weggeschlürft worden waren…
Nützliches wie eine “Erkältungsmilch” (mit Eigelb, Rum und Honig), traditionelles wie der Hypokras (ein in Basel heimischer Neujahrs-Gewürzwein) oder puristisch-umwerfendes wie der Whiskypunsch (Wasser und Whiskey 1:1, Zucker, Zitrone) – hier sollte für jeden Geschmack etwas dabei sein. (Immerhin ist auch Whiskey ein reines Naturprodukt.) Und weil Hrn. Martis Experimentierfreude einfach nicht zu bremsen ist, gibt er sogar Tipps zur Herstellung von Kaffee aus Löwenzahnwurzeln; warum nicht auch das einmal versuchen.
Oskar Marti: Likör. Bowle. Sirup. 400 Rezepte aus der Natur mit und ohne Alkohol. AT-Verlag, Baden und München 2005. Geb., 192 S.

Schoko-Therapie, Hardcore und unwiderstehlich

Montag, 13. Dezember 2010

Man muss gar nicht verrückt nach Schokolade sein, um mit diesem Buch verrückt nach Schokolade zu werden. Vorsicht ist also geboten, bevor Sie diese sinnliche Verführung zwischen Buchdeckeln öffnen.
Die Autorin, die sich selbst als “autodidaktische, bequeme, ungeduldige und unorganisierte Köchin” bezeichnet, verspricht uns dennoch glaubhaft schnelle und einfache Umsetzung der Rezepte. 100 gibt es davon, in 6 Kapitel unterteilt – darunter eines mit dem wagemutigen Titel “Schoko-Therapie”: “Bei Angstzuständen muss es schon eine ganze Tafel sein. Ein Ersatz für die Mutterbrust, würde Freud sagen. Ich weiß es nicht, ist mir auch egal – Hauptsache, es funktioniert.” Harry Potter-Leser wissen: Es funktioniert. Sogar gegen Dementoren. Na bitte.
Spätestens mit dem Titelblatt zum Kapitel “Schokolade für Kids” war es dann um mich geschehen. Dort lockt nämlich eine süße Kindheitserinnerung, für die ich mich des öfteren als Spinner bezeichnen lassen musste: das gute alte Schokobrot. Ja, einfach Schokolade und Brot. Wunderbar. Und hiermit offiziell in den Status eines Gerichts erhoben, das selbst Ernährungsexperten über sonstige Süßigkeiten stellen. Danke, Frau Deseine.
Und jetzt brauch ich sofort ein Stück Schokolade…
Trish Deseine: Verrückt nach Schokolade. 100 sinnlich-süße Verführungen. AT Verlag, Aarau 2003. Geb., 120 Farbfotos, 160 S.