Alle Artikel in der Rubrik ‘Kinderbuch’

Der alte König und die treuen Tiere

Montag, 11. Februar 2013

Sehr hübsche Ausgabe eines niederländischen Kinderbuchklassikers aus den 1960er-Jahren. Erzählt werden einzelne Geschichten, eingebettet in die Rahmenhandlung des im Sterben liegenden, uralten guten Königs, zu dessen Rettung nur das Schlüsselkraut taugt. Während sich der Wunderdoktor auf die lange und gefahrvolle Reise macht, um die Medizin zu finden, besuchen verschiedene Tiere den König und erzählen ihm eine (ihre) Geschichte. Das gibt ihm ein wenig Lebensmut, sodass er einen weiteren Tag auf das Eintreffen des Wunderdoktors warten kann.Und langsam wird auch sein Palast wieder von Leben erfüllt …

Die Struktur macht den schmalen Band zum idealen Vorlesebuch, in dem es auch etwas anzuschauen gibt: Illustrationen von Linde Faas, ebenso zärtlich und liebevoll wie die Geschichte(n) selbst. Das Ganze mag insgesamt ein wenig altmodisch sein, die allegorischen kleinen Erzählungen fern des hyperschnellen Zeitgeists; gerade das hebt das Werk aber wohltuend aus der Masse der Neuerscheinungen hervor. Es ist nicht cool und will auch nicht cool sein: Hier werden so erhabene Dinge wie Freundschaft, Zusammenhalt und Loyalität gefeiert.

Paul Biegel: Eine Geschichte für den König. Verlag Freies Geistesleben & Urachhaus, Stuttgart 2012. Geb., 160 S., € 15,30 (A). Empfohlenes Alter: 6–8 Jahre.

Der größte Hobbit aller Zeiten

Dienstag, 23. Oktober 2012

Mitte Dezember 2012 wird es soweit sein: Teil 1 der lange erwarteten Verfilmung von J.R.R. Tolkiens “Der Hobbit” kommt in die Kinos. Die ideale Gelegenheit, sich mit dem Klassiker erneut und tiefgehend auseinanderzusetzen, bietet “Das große Hobbit-Buch” (“The Annotated Hobbit”) des Tolkien-Forschers Douglas Anderson, das im Mai 2012 auf Deutsch erschienen ist.
Das bibliophil aufgemachte Werk enthält

  • den Text des “Hobbit” in der Neuübersetzung von Wolfgang Krege (“Der Hobbit oder Hin und zurück”)
  • den Text “Die Fahrt zum Erebor” in der bisher ausführlichsten verfügbaren Fassung; er erklärt Gandalfs Beweggründe für den anfangs so irrwitzig anmutenden Plan und warum seine Wahl ausgerechnet auf einen Hobbit bzw. auf Bilbo Beutlin fiel
  • eine textgeschichtliche Einleitung
  • einen Anhang über Runen

Der Haupttext ist reichhaltig kommentiert, er liefert Übersetzungsvergleiche Scherf-Krege, stellt Bezüge zu Tolkien beeinflussenden Texten her, erklärt die Zwergennamen, die allesamt auf dem isländischen Sagenschatz beruhen, und die Etymologie vieler anderer Begriffe, ob aus dem Sindarin-Elbischen, dem Altenglischen oder dem Isländischen stammend. Tolkiens Werk ist letztlich nur in seiner Gesamtheit zu erfassen; es ist die Niederschrift einer zweiten, mythischen Existenzebene, die im Laufe der Jahrzehnte nicht nur wuchs, sondern sich auch veränderte, sich an Stellen in Widersprüchen verhedderte, Dinge offenließ oder nachträgliche Erklärungen lieferte, wie etwa exemplarisch in der “Fahrt zum Erebor”: Dieser Aufsatz entstand knapp 20 Jahre nach dem Hobbit und bindet die Kindergeschichte in den ganz großen, erwachsenen Plan Gandalfs ein, der sich im Herr der Ringe offenbarte.
Auch am Text des Hobbit selbst feilte Tolkien noch Jahrzehnte nach dessen Ersterscheinung 1937: “Der Herr der Ringe” machte da und dort rückwirkende Anpassungen nötig, um den Hobbit nahtloser in das größer gewordene Geschehen einzubinden, aufmerksame Leser wiesen auf kleine und kleinste Ungereimtheiten hin – z.B. der Verwendung des Begriffs “men” für Hobbits und/oder Zwerge, der doch den Menschen als Ethnie vorbehalten war. Zudem sind hunderte Hobbit-Illustrationen und Coverbilder abgedruckt, überwiegend in Schwarz-Weiß mit Ausnahme eines farbigen Mittelteils. Darunter finden sich etliche Kuriositäten: Der russische Illustrator etwa zeichnete Bilbo mit kurzen Hosen und bis zu den Schenkeln stark behaarten Beinen – in der russischen Umgangssprache wird nicht zwischen Füßen und Beinen unterschieden, und niemand hatte den Mann darauf aufmerksam gemacht, dass die so auffällige Hobbit-Fußbehaarung sich auf den Rist konzentriert.
Das Einzige, das dieser Prachtband nicht zu leisten imstande ist: den Originaltext wiederzugeben. Meine Empfehlung für jeden ernsthaften Fan deshalb: Eine billige Taschenbuch-Ausgabe des Originals erwerben und “Das große Hobbit-Buch” dazu, dann ist man auf alle Mittelerde-Eventualitäten bestens vorbereitet.

Apropos nachträgliches Bearbeiten: Als wundersames Kuriosum erschien mir ein mitten im Buch eingelegtes Blatt mit einem Erratum: 17 Zeilen zum Ende des Kapitels XI, “An der Türschwelle”, waren übersehen worden und nicht Teil des Buches. “Aufmerksamen” Lesern war dies aufgefallen, der Verlag hatte sich tausendfach entschuldigt und das Blatt kostenfrei nachgesendet bzw. den noch nicht ausgelieferten Exemplaren beigelegt; in der nächsten Auflage soll der grobe Satzfehler korrigiert werden … Nun, ich melde Zweifel an. Das Folgekapitel trägt nämlich den Titel “AUS GUTUNTTERICHTETER QUELLE”, und genau so steht es auch in den rechtsseitigen Kopfzeilen noch insgesamt zehnmal. Auch “Das große Hobbit-Buch” blieb nicht vom Druckfehlerteufelchen restlos verschont (so wurde aus dem Eilend einmal ein Eiland), ist aber spürbar mit großer Liebe und Sorgfalt erstellt worden – und dann in einer versal gesetzten Überschrift zweieinhalb Rechtschreibfehler in einem Wort (Getrenntschreibung laut Dudenempfehlung)? Und der “Unttericht” teilt sich die Seite auch noch mit einem eingelegten Erratum-Blatt …
Lieber Klett-Cotta-Verlag, ich finde es einfach entzückend, wie hier dem Buch eine eigene Entstehungsgeschichte geschenkt wird; bitte korrigiert die Fehler unbedingt in der nächsten Auflage, damit mein Exemplar zur Kostbarkeit mit dem gewissen Extra wird. Einen Ehrenplatz in meiner Büchersammlung erhält es in jedem Fall.

J.R.R. Tolkien, Douglas A. Anderson: Das große Hobbit-Buch. Hobbit-Presse, Klett-Cotta, Stuttgart 2012. Geb., 418 S., € 30,80 bei amazon kaufen
Der Hobbit: Filmausgabe, € 15,40
Der Hobbit: Oder Hin und zurück: or There and Back Again. Kindle-Edition – E-Book, € 9,99

Der Hobbit: oder Hin und zurück, Hörbuch, gelesen von Gert Heidenreich, MP3, € 13,99 | CD, € 29,95

J.R.R. Tolkien: The Hobbit or There and Back Again. Harpercollins, 75th anniversary ed. (original cover illustration by the author). Paperback, 310 p., € 7,80 bei amazon kaufen
The Hobbit: Kindle Edition – E-Book, € 6,66
The Hobbit: Audiobook (English), € 15,38

Ein Dorf am Meer

Donnerstag, 2. Juni 2011

Eine kleine, fast unscheinbare Geschichte: Emma muss zwei Wochen bei Onkel und Tante verbringen, weil ihr Vater sich einer schweren Operation zu unterziehen hat. Auf diesem denkbar simplen Gerüst ersinnt Paula Fox eine feinsinnige, psychologisch tiefgehende Erzählung über ein Mädchen, das sich in der fremden und, vor allem wegen der unerträglichen Art ihrer Tante, bisweilen abstoßenden Erwachsenenwelt zurechtzufinden versucht.
So viel Zeit wie möglich verbringt sie am nahegelegenen Strand; dort lernt sie auch Bertie kennen, mit der gemeinsam sie das Dorf am Meer zu bauen beginnt – aus nichts als Fundstücken, die die See an Land gespült hat. Es wird ein wahres Kunstwerk. Doch Emma hat nicht mit einem der schlimmsten Gifte gerechnet, die das Erwachsenenleben unerträglich machen können – und unter dem nun auch sie zu leiden hat…
Poetische Schlichtheit und bestechende Sicherheit in der Sichtbarmachung des nach Orientierung strebenden Innenlebens der Heranwachsenden zeichnen diesen Roman der lange Zeit vergessenen US-Autorin aus, die heute als Klassikerin der Moderne gilt. (Die Originalausgabe stammt aus dem Jahr 1988.) Ein Bild von Ivan erhielt 2008 den Deutschen Jugendliteraturpreis als bestes Kinderbuch.
Paula Fox: Ein Dorf am Meer. Boje, Köln 2008. Geb., 128 S.
Paula Fox: Ein Dorf am Meer. Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt 2011. Tb., 126 S.

Opa Hucke’s Mitmachkabinett

Montag, 28. März 2011

Eine wunderbare Gelegenheit, auf kindlich-nostalgische Entdeckungsreise zu gehen, bietet dieses neu aufgelegte Werk des altgedienten, stets gut aufgelegten gesellschaftskritischen Grafikers und Zeichners F. K. Waechter (gest. 2005). Der einleitende 1-Seiten-Comic legt das Konzept fest: “In einem Buch darf nicht gemalt, geklebt, geschrieben, gefaltet und geschnitten werden.” erklärt der strenge Herr Kneisel dem gutmütigen Opa Hucke. Doch genau darum geht´s: Die Kinder sollen hineinschreiben, Geschichten fertig erzählen, Zeichnungen ausschmücken, Farbenfrohsinn verbreiten, ja sogar Löcher reinbohren und dekorative Fettflecken reinschmieren.
Das hat 1976 Spaß gemacht und tut es heut nicht minder. Das anarchische, naive, überbordende, verwirrende, liebevolle Sammelsurium aus Kreativität anreizenden Schnrpln jeder Art ist eindeutig den 70er entsprungen, was die etwa 5- bis 8-Jährigen von heute mit Sicherheit überhaupt nicht stört, für ihre Eltern aber einigen nostalgischen Reiz birgt und die eine oder andere Gelegenheit, sich mit dem Nachwuchs auf spielerische Art mit dem Lauf der Welt auseinanderzusetzen.
Friedrich Karl Waechter: Opa Hucke’s Mitmachkabinett. Diogenes, Zürich 2010. Geb., 130 S.

Trolle, Tiere, Taugenichtse

Mittwoch, 2. Februar 2011

Das norwegische Pendant der Gebrüder Grimm, Peter Christen Asbjørnsen und Jørgen Moe, hat einen volkstümlich gewitzten, handfest humorigen und bis heute in ganz Skandinavien enorm populären Märchenschatz hinterlassen, der wesentlich näher an der tatsächlichen Erzählung geblieben ist als die doch teils kunsthandwerklich aufgepeppten Grimmschen Märchen.
Der vorliegende, mit Liebe und Sachverstand gestaltete Band versammelt eine Auswahl an “Märchen, die eines gemeinsam haben: Sie haben die Fantasie (von) Theodor Kittelsen (entzündet)”. Dieser Illustrator und Autor hat wie kein anderer die norwegische Märchenwelt verinnerlicht – und veräußerlicht: “Seit Kittelsen seine Trolle malte, so heißt es, wüsste man erst, wie ein norwegischer Troll ‘eigentlich aussieht’.”
Auf über 200 großformatigen Seiten werden Märchen für die ganz Kleinen, Zaubermärchen für die Größeren und einige Texte für Erwachsene, diese aus der Feder Kittelsens, präsentiert. Die Bilder dazu sind wahrhafte Illuminationen – voller Eigenleben sind sie wie ein Leuchten, das hinter dem Text steht, dessen Glanz aufnimmt und verstärkt und widerspiegelt und dabei seine ganz eigene Sprache findet. Prächtig.
Der einzige kleine Wermutstropfen: Als Titelblatt wurde so ziemlich die einzige Illustration Kittelsens gewählt, die unter die Kategorie “lieblich, nett, prinzessinnenhaft” fällt. Das Bild ist auch schön, aber allzu konventionell märchenhaft im Grimmschen bzw. kindhaften Sinne, um als repräsentativ für die hemdsärmelige, norwegische, von Trollen, Tieren und Taugenichtsen bevölkerte Märchenwelt gelten zu können. Ansonsten ein überaus gelungenes Werk – zum Lesen, Vorlesen, Bestaunen und Sammeln gleichermaßen geeignet.
Trolle, Tiere, Taugenichtse. Theodor Kittelsens nordische Märchenwelt. Urachhaus, Stuttgart 2009. Geb., reich illustriert, 208 S.

Cornelia Funke

Donnerstag, 27. Januar 2011

Ein Phänomen, diese Frau. Ursprünglich arbeitete sie als Illustratorin, begann dann zu schreiben und entpuppte sich als humorvoll, fantasiebegabt und warmherzig. Und mit jedem Buch mehr als Poetin der Prosa; den Zenit erreichte ihre Zauberfeder mit der Tinten-Trilogie, mit der sie auch endgültig zu Weltruhm gelangte.
Titel wie Drachenreiter oder Herr der Diebe begründeten ihren Ruf als Jugendbuchautorin. Zahlreiche Titel für Kinder, u.a. Emma und der Blaue Dschinn, Das verzauberte Klassenzimmer, Potilla oder Kein Keks für Kobolde, um nur einige wenige herauszugreifen, beweisen nicht nur ihr schier unerschöpfliches kreatives Potenzial, sondern bieten ihr auch die Gelegenheit, ausgiebiger als bei ihren Büchern für ein jugendlicheres Publikum zum Zeichenstift zu greifen.
Ein noch einmal eigenständiges Funkesches Subgenre bilden die Wilden Hühner: Mir fällt sonst niemand ein, der die wechselvollen Jahre zwischen 8 und 13 so heiter einzufangen verstand. Die wirklich singuläre Leistung der fünf Bände besteht aber darin, Buben wie Mädchen gleichermaßen anzusprechen. Ich habe das auf einigen langen Autofahrten selbst überprüft – die Wilden Hühner gibt es nämlich auch auf CD, gelesen von – Cornelia Funke. Das kann sie auch noch. Und zwar richtig gut.
An dieser Stelle schleicht sich ein kleiner Wermutstropfen in das Loblied auf die Funke ein: “Wilde Hühner” steht nämlich nicht nur für bestes Kinderentertainment in 5 wunderbaren Büchern, sondern, leider, auch für die zunehmende Kommerzialisierung. Wilde Hühner ist de facto ein Franchise – neben den Originalbüchern gibt es Hörbücher, Mitmachbücher, drei (gelungene) Verfilmungen, Hörspiele zu den Verfilmungen, Soundtrack der Filme, Buch-zum-Film-Ausgaben, Lernhilfe-Bücher, Schulkalender … wirklich das volle Programm. Bis hin zum mittlerweile sechsten Band der Reihe, geschrieben von – Thomas Schmid. Der sich für das “Verfassen eines matten Abklatsches” von der amazon-Gemeinde deftig abwatschen lassen musste.
Aber noch einmal zurück zur Tinten-Trilogie: Tintenherz, Tintenblut und Tintentod sind nicht zu toppen. Cornelia Funke am Höhepunkt ihrer Schreib- und Illustrierkunst, eine fantastische Geschichte um die Magie der Illusion, die wirklicher als die Wirklichkeit zu werden vermag, und das alles in die Form von drei Büchern gebracht, die schöner nicht sein könnten – die Kunst des Buchdrucks traditioneller Prägung vermählt sich mit den Mitteln des digitalen Zeitalters zu einem bibliophilen Glücksfall. Ein echtes Gesamtkunstwerk, das wirklich in keiner Büchersammlung fehlen sollte, und nicht zuletzt eine Hymne auf die Kunst des Vorlesens: die beglückendste Art, Kindern das Lesen und damit den Weg der Bildung nahezubringen. Teil 1 liegt übrigens mittlerweile auch als Taschenbuch vor (“Bücher im Badekleid”), aber darauf setze ich hier keinen Link; die Tinten-Trilogie ist nur echt in der originalen Hardcover-Ausgabe. Oder, wenn es dafür einen zwingenden Grund gibt, in Form der hier abgebildeten und dem Vernehmen nach sehr gelungenen Hörbuch-Gesamtausgabe.

Artus – König der Könige

Mittwoch, 26. Januar 2011

Oh. Ah. Wow. Ich hoffe dieser Einstieg genügt, um meiner zutiefst beeindruckten Sprachlosigkeit ob dieses Meisterwerks der Buchkunst Ausdruck zu verleihen. Ein mythisches, in schöne Sprache gekleidetes Thema, sachkundig und nah an den alten Sagen, von einem der weltweit renommiertesten Artusforscher und hundertfach erfahrenem Autor, gewiss – aber die Illustrationen sind es, die einen buchstäblich auf den ersten Blick in eine andere Welt zu versetzen scheinen, dorthin wo Gustav Klimt und ein heute unbekannter mittelalterlicher Illuminator gerade mit größtem Eifer und Kunstverstand dabei sind, den Goldglanz hinter den Nebeln von Avalon einzufangen, während ihnen Hieronymus Bosch über die Schulter sieht und darauf drängt, die dunkelelbischen Kräfte nicht zu vergessen. Das spinnseidendünne Gewebe zwischen überirdischem Glanz und bluttriefender Monstrosität, die Zwischenwelt, hier wird sie sichtbar, fühlbar, subjektiv tatsächlich greifbar. Erweisen Sie sich oder weihnachtlich Bedürftigen einen Gefallen und kaufen Sie dieses Buch!
John Matthews (Text), Pavel Tatarnikov (Illustration): Artus – König der Könige. Urachhaus, Stuttgart 2009. Geb., 26 x 29 cm, 5-farbig illustriert inkl. Poster, Halbleineneinband, 96 S.
P.S.: Technisch gesehen handelt es sich hier um ein Kinderbuch ab 9 (Verlagsangabe). Daher findet sich dieser Eintrag in der Rubrik Kinderbuch. Tatsächlich ist diese Perle ein Schatz, dessen Glanz jeden Mensch zwischen 6 und 106 entzücken dürfte.

Die Natur ganz nah und weit weg

Montag, 24. Januar 2011

Eine hübsche Idee: drei basketballgroße, knallrote Kugeln entpuppen sich beim Umblättern als Kirschen, rot wie ein Marienkäfer. Seite für Seite entfernen wir uns, gewinnen Überblick, nehmen nach und nach die Vogelperspektive ein – um schließlich den Spieß umzudrehen und uns wieder in die Landschaft hinein zu zoomen und uns einem anderen Ausschnitt Schritt für Schritt zu nähern bis eine saftig leuchtende Himbeere das ganze Bild ausfüllt.
Akkurat gezeichnet und coloriert, großformatig, leuchtend verführt das Bilderbuch zum Betrachten der Natur, und wie diese offenbart es beim genauen Hinsehen eine Fülle von Details. Zur räumlichen Veränderung gesellt sich die zeitliche. Spielerischer Naturkunde-Unterricht für 3- bis 6-Jährige, kunsthandwerklich optimal ausgeführt.
Renè Mettler: Die Natur ganz nah und weit weg. Carlsen, Hamburg 2006. Geb., 22 x 34 cm, 48 S.

Rumpelstilzchen

Montag, 24. Januar 2011

Nach Frau Holle nun ein weiteres Grimmsches Märchen als Drehbilderbuch – herzig gemalt, herzerwärmend altmodisch und trotzdem “interaktiv” (welch unpassendes Wort für diese Renaissance einer bereits vergessenen Präsentationstechnik). Eine Schau-, Spiel- und Zuhörfreude für die ganz Kleinen, wesentlich robuster als Zieh- oder Klapp-Bilderbücher, kindgerecht einfach und zugleich überaus ansprechend gestaltet.
Gertraud Kiedaisch: Rumpelstilzchen. Ein Drehbilderbuch. Urachhaus, Stuttgart 2005. 20 Kartonseiten, 4 doppelseitige, eingeschobene Drehbilder. Ab 3 Jahren.

GALOPP! Tiere, die sich echt bewegen

Montag, 24. Januar 2011


Tja, da staunt der Buchrezensent: Da bewegt sich was, und sogar richtig echt. Aber es ist keine Batterie verborgen, es klappt nichts auf… wie geht das bloß? Nun, man bekommt eine ungefähre Ahnung, wenn man zum 100. Mal die Seiten hin und her bewegt, um das Pferdchen am Laufen, die Affen am Schwingen, das Sternchen am Blitzen zu halten. Wie genau Scanimation – so der geschützte Begriff für diese gänzlich neue Art von “bewegtem Buch” – funktioniert, ist aber selbstverständlich das Geheimnis des Erfinders Rufus Butler Seder. Der kennt sich mit Film-Special-FX bestens aus – und hat gerade deshalb den ungewöhnlichen Ehrgeiz entwickelt, eine absolute Low-Tech-Lösung für Bewegung ohne dreidimensionale Teile, Elektrizität oder gar CGI-Digital-Zeugs zu finden.
Und das hat er geschafft: Ich hab noch niemanden erlebt, dem beim Erstkontakt nicht der Mund offen geblieben wäre. Wirklich tolles Geschenk für ganz kleine Büchereinsteiger ab 3.
Rufus Butler Seder: GALOPP! Tiere, die sich echt bewegen. Ein Scanimation Buch. Boje, Köln 2008. Geb., 24 S., 10 Scanimation-Bilder