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Opa Hucke’s Mitmachkabinett

Montag, 28. März 2011

Eine wunderbare Gelegenheit, auf kindlich-nostalgische Entdeckungsreise zu gehen, bietet dieses neu aufgelegte Werk des altgedienten, stets gut aufgelegten gesellschaftskritischen Grafikers und Zeichners F. K. Waechter (gest. 2005). Der einleitende 1-Seiten-Comic legt das Konzept fest: “In einem Buch darf nicht gemalt, geklebt, geschrieben, gefaltet und geschnitten werden.” erklärt der strenge Herr Kneisel dem gutmütigen Opa Hucke. Doch genau darum geht´s: Die Kinder sollen hineinschreiben, Geschichten fertig erzählen, Zeichnungen ausschmücken, Farbenfrohsinn verbreiten, ja sogar Löcher reinbohren und dekorative Fettflecken reinschmieren.
Das hat 1976 Spaß gemacht und tut es heut nicht minder. Das anarchische, naive, überbordende, verwirrende, liebevolle Sammelsurium aus Kreativität anreizenden Schnrpln jeder Art ist eindeutig den 70er entsprungen, was die etwa 5- bis 8-Jährigen von heute mit Sicherheit überhaupt nicht stört, für ihre Eltern aber einigen nostalgischen Reiz birgt und die eine oder andere Gelegenheit, sich mit dem Nachwuchs auf spielerische Art mit dem Lauf der Welt auseinanderzusetzen.
Friedrich Karl Waechter: Opa Hucke’s Mitmachkabinett. Diogenes, Zürich 2010. Geb., 130 S.

Alles klar?

Dienstag, 18. Januar 2011

Absurd komisch, entsetzlich lustig, entlarvend boshaft – bei F. K. Waechters Cartoons begegnet einem die ganze Bandbreite menschlicher Ab- und Untergründigkeit, ohne Vorwarnung wird es derb, makaber, philosophisch oder auch mal schenkelklopfender Klamauk. Unsinn ist es nie – Waechter hat immer noch eine Perspektive in petto, die dem Ganzen eine weitere, hintersinnige Dimension verleiht.
“Adele zeigt ihren Brüsten die Männer.” ist ein schönes Beispiel für einen Cartoon, den man sogar erzählen kann – nur um sich noch mehr über den Anblick freuen zu können, wenn man ihn auch sieht. Waechter, der auch ein anrührender Geschichtenerzähler ist, geht mit Worten ähnlich virtuos wie mit seinen Strichen um und hat den Cartoon vom kürzestlebigen gezeichneten Witz zum Medium der Weltbetrachtung erhoben – ohne je die Komik dabei aus den Augen zu lassen.
Nach bald 40-jährigem Schaffen hat Diogenes nun ein schmales, aber inhaltsreiches, hübsches Geschenkbändchen mit ausgewählten “Waechters” herausgebracht. Eine schöne Gelegenheit, in ein ganz besonderes Miniuniversum einzutauchen oder andere mit selbigem zu beglücken.
F. K. Waechter: Alles klar? Diogenes, Zürich 2006. Geb., 92 S.