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 Insel der Traumpfade 
Edwards ganzer Stolz ist seine schöne, kluge Frau, Eloise. Das Problem: der Kommandeur einer britischen Armeeeinheit, die sich der Vernichtung der Aborigines verschrieben hat, behandelt seine verehrte Gattin mit derselben Härte wie seine Soldaten.
Selbst als Edward dem Alkohol verfällt, hält Eloise zu ihm. Erst ein furchtbarer Schicksalsschlag zerschlägt die Ketten von Ethik und Moral und Eloise vermag sich von Edward zu befreien. Das ist die Chance, auf die ein langjähriger, inniger Verehrer gewartet hat...
Große Gefühle, gekonnt dosiert: das Markenzeichen der "Rosamunde Pilcher Australiens", Tamara McKinley. Als Hintergrund für allgemeine Drucksteigerung bis zur unvermeidlichen Explosion der Emotionen eignet sich kaum etwas besser als die völlig eingesteifte britische Gesellschaft um 1900. Die Sprecherin, Synchronstimme von Geena Davis, Bette Midler und Cher, umschifft mit feinem Gespür allzu kitschige Untiefen und sorgt für eine sehr stimmige Audiofassung. Für Freundinnen des gepflegten Liebesdramas ohne übertriebene Ansprüche.
Joseline Gassen liest Tamara McKinley: Insel der Traumpfade. Lübbe Audio, 2008. 6 CDs, ca. 406 Min.
 Das zweite Königreich 
Die Geschichte eines Verkrüppelten aus dem England des 11. Jhds., der als Übersetzer für die Normannen zwischen die Fronten gerät: Er wird zum Mittler zwischen Eroberern und Besiegten, ohne je recht zu wissen, wo er selbst steht ...
Rebecca Gablé trägt den inoffiziellen Titel "Königin des (deutschsprachigen) historischen Romans"; ihre meist im hochmittelalterlichen England angesiedelten Geschichten zeichnen sich durch akkurate Recherche und lebendigen Detailreichtum aus. Die (bearbeitete) Hörbuchfassung dieses gelungenen Historien-Schmökers ließ für heutige Verhältnisse lange auf sich warten und ist nicht mit der 6-CD-Hörspielfassung aus dem Hörverlag zu verwechseln, die 2007 erschienen ist. Die Lesung bestätigt dafür aber die Volksweisheit von dem guten Ding und der Weile. Wem die Stimme des sehr erfahrenen Vorlesers vertraut vorkommt: Detlef Bierstedt synchronisiert u.a. George Clooney.
Detlef Bierstedt liest Rebecca Gablé: Das zweite Königreich. Lübbe Audio, 2008. 12 CDs, ca. 884 Min.
 Die Töchter der Kälte 
Erneut ein Krimi, der aus der Kälte kam – und diesmal ist es eine Autorin, die den hervorragenden Ruf Skandinaviens in Sachen literarischer Kriminalroman festigt. In diesem kunstvoll komponierten lautet die zentrale Frage: Sind Kinder gezwungen, die Untaten ihrer Eltern zu wiederholen?
Am Anfang steht die Leiche der 7-jährigen Sara: Ertrunken? Nein, ertränkt. Patrik Hedström und seine Kollegen ermitteln. Gerade dieser Fall macht dem jungen Kommissar und seiner Frau Erica Falck zu schaffen, da sie selber erst Eltern einer Tochter geworden sind. Doch gegen alle Widerstände lösen sie Rätsel um Rätsel. Dabei tut sich hinter der
idyllischen Fassade von Fjällbacka eine abscheuliche Realität auf: Familienfehden, Perversion und eine weit zurückreichende Schuld.
Die Hörfassung ist ein Meisterinnenwerk der Vorlesekunst: Ulrike Hübschmann beherrscht die feinen Nuancen allesamt und lässt einen tief in die emotionale Ebene des Textes eintauchen. Leider ist die 6-CD-Edition eines 474-Seiten-Buches naturgemäß stark gekürzt, was es nicht immer leicht macht, der komplexen und an Namen und Schauplätzen reichen Handlung zu folgen. Aufmerksamkeit lohnt sich.
Ulrike Hübschmann liest Camilla Läckberg: Die Töchter der Kälte. Steinbach Sprechende Bücher, 2007. 6 CDs, ca. 440 Min.

Das Parfüm 
In Zeiten, in denen populäre belletristische Neuerscheinungen
bereits obligat von der Erscheinung einer Hörfassung
begleitet werden, mag es erstaunen, dass ein überwältigender
Text wie Das Parfüm an die 20 Jahre benötigt, um
auch die Ehre einer Lesung zu erhalten.
Der Zeitpunkt ist jedenfalls nicht zufällig gewählt:
Am 14. Sept. 2006 kommt die lang erwartete (und für unmöglich
gehaltene) Verfilmung des einmaligen Bestsellers aus der Feder
Patrick Süskinds in die Kinos.
Was ist zur Hörbuchfassung zu sagen? Nicht viel außer
- kaufen Sie sie und lassen Sie sich ein auf die dunkle, duftende
Welt des bizarren Mörders; ergötzen Sie sich an
der gleichermaßen klaren wie sinnlichen, einprägsamen
Sprache. Süskinds Prosa ist Wohlklang und Ausdruck in
anmutiger Balance - absolut geeignet als Vorlesetext, zumindest
wenn ein Profi wie Hans Korte den Worten mit rauer Stimme
das rechte Gewicht verleiht. Der Vergleich mit der von Gert
Westphal 1995 eingelesenen Fassung fehlt mir zugegebenermaßen,
diese Ausgabe ist jedoch weitestgehend vergriffen; Korte bietet
jetzt einen vollkommen zufrieden stellenden Ersatz.
Sehr erfreulich und deshalb hier eigens erwähnt: Die
Lesefassung ist ungekürzt.
Uneingeschränkt empfehlenswert!
Hans Korte
liest Patrick Süskind: Das Parfüm. Diogenes
Hörbuch, Zürich 2006. 8 CDs, 582 Min.

Das schwarze Blut 
Joachim Kerzel und Jean-Christophe
Grangé als Vorleser-Autor-Gespann haben mich
mit Die purpurnen Flüsse restlos überzeugt.
Der neueste Titel des düsteren französischen Thrillerautors
fällt aber leider stark ab, auch gegenüber dem Imperium
der Wölfe.
Kerzel liest mit gewohnter Souveränität und Eindringlichkeit,
aber von nichts kommt nichts und daher gelingt es auch ihm
nicht, die vielen Schwächen des Textes vergessen zu machen.
Grangé liebt die detaillierte Beschreibung brutaler
und blutiger Grausamkeiten, diese aber derart zum Selbstzweck
verkommen zu lassen wie in diesem Versuch, die psychischen
Abgründe einer Mörderseele zu beleuchten, verursacht
hauptsächlich Ekelgefühle. Eine sonderlich interessante
oder gar gesellschaftspolitisch unterfütterte Handlung
gibt es nicht, und die meisten Figuren sind viel zu überzeichnet,
um noch glaubwürdig zu sein.
Über all das täuscht anfangs die suggestive Vorlesestimme
Joachim Kerzels hinweg, mit Fortdauer des grässlichen
Geschehens entlarvt sich der so prächtig schillernde
Text aber als Eingeweide schlachtende Schwülstigkeit
der abstoßenden Art. Im Grunde eine 0815-Serienkillerstory
im Gewand eines Splatterhorror-Streifens.
Joachim Kerzel liest Jean-Christophe Grangé:
Das schwarze Blut. 6 CDs, 446 Min.
Otherland
3 - Berg aus schwarzem Glas 
Otherland 4 - Meer des silbernen Lichts 
Es ist vollbracht: das akustische Universum, das der
Hessische Rundfunk und Der Hörverlag unter der
Regie von Walter Adler nach der 3.500 Seiten starken
Tetralogie von Tad Williams schufen, ist vollendet.
Der Buchordnung folgend liegt das "Hörhalluzinogen"
(Der Tagesspiegel) in 4 6-CD-Boxen vor, insgesamt 24
Stunden agieren 280 Schauspieler an der Grenze dessen,
was Hörspiel zu leisten imstande ist.
Unglaublich komplex, unglaublich intensiv entstehen
Hör-Bilder von einer Eindringlichkeit, wie sie
ihresgleichen sucht.
Kurz
zum Inhalt: In Teil 3 geht es um den titelgebenden schwarzen
Berg, der "den Einen der anders ist" beherbergt
- das Betriebssystem von Otherland in seinen verschiedenen
düsteren Personifikationen, das einzige "Wesen"
vor dem sogar der alte Mann mehr als nur Respekt hat.
Das Finale führt endlich all die vielen Handlungsstränge
zusammen und entlässt uns in der Hoffnung, dass
noch nicht alles verloren ist auf der Welt - sei sie
nun real oder virtuell. Und wer kann das schon wirklich
unterscheiden?
Tad Williams: Otherland - Berg aus schwarzem
Glas. der hörverlag, 2005. 6 CDs, ca. 330 Min.
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Tad Williams: Otherland - Meer des silbernen Lichts.
der hörverlag, 2005. 6 CDs, ca. 330 Min.
bei
amazon kaufen: EUR 30,85
Die
Wanderhure 
Die überaus erfolgreiche, in Die Kastellanin erfolgreich
fortgesetzte Spätmittelalter-Story entpuppt sich als
reichlich dick aufgetragene, klischeelastige Soap-Opera in
sprachlich heterogener Qualität. Macht aber nichts: Zum
Zuhören sind leichte bis seichte Texte weitaus besser
geeignet als literarisch hoch stehende Ausflüge essayistischer
Geister. Für die Hörfassung wurde dieser zudem stark
entschärft, die Kürzung der 700 Buchseiten auf 6
CDs ging vor allem zu Lasten (blutiger, Frauen schändender)
Details. Der Vortrag von Anne Moll ist ohne Fehl und Tadel,
ihre feine Nuancierung kontrastiert wohltuend zur Schlichtheit
der Worte und bringt den Text bestmöglich zur Geltung.
Ein Hörbuch zur Unterhaltung, das dieser Aufgabe auf
entspannend-anregende Weise nachkommt; genau die Qualität
von Text, die langweilige Autobahnfahrten oder nicht enden
wollende Bügelstunden angenehm verkürzt.
Anne Moll liest Iny Lorentz: Die Wanderhure.
Lübbe Audio, 2005. 6 CDs, 413 Min.
bei
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Die
Rache des Kreuzfahrers 
Was für eine Schmierenkomödie! James Pattersons
Ausflug in den "historischen" Roman in der Hörbuchfassung
verkürzte mir die Anreise zu meiner sommerlichen Urlaubsdestination
und hat mich dabei bestens unterhalten. Ernst nehmen im Sinne
von sich in die Geschichte einsinken lassen dürfen Sie
das allerdings nicht - es ist wie Tobias Meisters Vortrag:
dick aufgetragen, lustvoll derb, würdig der Pradler Ritterspiele.
Eigentlich schade, dass man beim Autofahren nüchtern
sein muss - mit 4 Krügeln Bier intus ließe sich
das kunterbunte Fantasyspektakel noch besser erleben.
Die "Logik" der Geschichte ist einfach nur haarsträubend,
schafft es aber immerhin sich bis zum großen Finale
konsequent zu steigern, sprich dem vollkommenen Irrwitz anzunähern.
Die Lösung des großen Rätsels liegt dermaßen
auf der Hand, dass man einfach nicht glauben kann, dass es
wirklich nichts anderes ist, dem Autor wirklich nichts Überraschenderes
eingefallen ist. Hollywoodmäßiges Happy-End wäre
deutlich untertrieben.
Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, wie so ein
Buch gelesen werden könnte ohne schlimmste Magenschmerzen,
aber gekürzt und vorgetragen á la Simpel-Kabarett
hat das Ganze unbestritten Unterhaltungswert. Mit dem richtigen
Viertel Gehirn aufgenommen und in kichernder Bierseligkeit...
warum nicht?
Tobias Meister liest James Patterson: Die Rache
des Kreuzfahrers. Lübbe Audio, 2005. 6 CDs
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Menschensöhne
Ein alter Lehrer, gefesselt an einen Stuhl, vergeht in den
Flammen die sein ganzes Haus einäschern; ein Psychiatriepatient
und ehemaliger Schüler dieses Lehrers verabschiedet sich
von seinem Bruder und springt aus dem Fenster in den Tod.
Ein schrecklicher Vorfall in den 60er Jahren verbindet diese
Ereignisse...
Grausam realistischer, gesellschaftskritischer Krimi aus der
Feder von Arnaldur Indriðason, der ein überaus düsteres
Bild von unserer Welt zeichnet. Die Ereignisse sind von weit
globalerer Bedeutung als in seinen sonstigen mir bekannten
Kriminalromanen mit Kommissar Erlendur, die Sprache wie gewohnt
direkt, kraftvoll und von isländischer Ruhe (oder ist
es Resignation?) gekennzeichnet. Zumindest in der vorliegenden,
gekürzten Hörfassung spielt Erlendur (bei seinem
ersten Auftritt) nur die Rolle einer Nebenfigur, große
Anteile der Ermittlungsarbeit werden von den Betroffenen selbst
geleistet.
Die Lesung von Frank Glaubrecht, Synchronsprecher u.a. von
Al Pacino und Richard Gere, ist routiniert, wenig moduliert
und daher nicht dazu angetan, dem Text neue Facetten zu entlocken.
Absolut hörenswert, wenn auch nicht für zwischendurch
oder nebenbei im Auto geeignet. Dazu ist der (seichte) Unterhaltungswert
zu gering, der Anspruch zu hoch und die Lesung zu wenig einfallsreich.
Frank Glaubrecht liest Arnaldur Indriðason: Menschensöhne.
Lübbe Audio, Bergisch-Gladbach 2005. 4 CDs, Gesamtspielzeit
265 Min.
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Otherland
- Fluss aus blauem Feuer 
Was an dieser Stelle über Teil 1
der Hörspiel-Fassung von Tad Williams gewaltigem Cyberepos
gesagt wurde, darf uneingeschränkt auch für den
Fluss aus blauem Feuer gelten; die effektreiche Vertonung
beruht ja auf dem Gesamtwerk und ist aus einem Guss. In Teil
2 jagen die Szenen einander im Stakkato-Tempo, sind von enormer
Suggestivkraft; bevor hier jedoch ein Pauschallob auch für
die noch nicht erschienenen Teile erteilt wird, möchte
ich Teil 3 abwarten, dem nach meinem Empfinden schwächsten
Band der gedruckten Tetralogie.
Die zentrale Frage - kann sich jemand, der das Buch nicht
gelesen hat, in diesem Hörspiel überhaupt zurechtfinden?
- stellt sich in Teil 2 womöglich noch drängender
als in Teil 1; ich kann sie nicht beantworten, da mir die
Otherland-Reihe gut bekannt ist. Klar ist jedenfalls: Die
Anforderungen an die Hörerschaft sind vermutlich höher
als bei irgendeinem jemals verwirklichten Akustik-Projekt;
ein Aufsaugen der Hörerlebnisse in möglichst großen
Teilen, zügig hintereinander, ist sicher anzuraten. Doch
sind extrem schnelle Schnittfolgen und visueller Overflow
nicht genau die Merkmale der Videogeneration? Und ist demnach
ein Hörspiel dieser Art, bei dem man von Eindrücken
regelrecht überwältigt wird, nicht ein exakt zeitgemäßes
Lausch-Abbild, zumal ja auch die literarische Vorlage mit
dem Prädikat "21. Jahrhundert" versehen worden
ist?
Tad Williams: Otherland - Fluss aus blauem Feuer. der
hörverlag, 2004. 6 CDs, 330 Min.
bei
amazon kaufen: EUR 24,66
Krass!
Was ist heutzutage nicht alles krass! Wer jedoch etwas lesen
bzw. hören will, auf das dieses inflationär gewordene
Adjektiv bestens passt, wird mit den Jugenderinnerungen des
Augusten Burroughs bestens bedient. Früh erkennt der
12-Jährige seine schwulen Neigungen - nicht nur an seinem
manischen Putzfimmel, der Vorliebe für bügelgefaltete
Polyesterhosen und seinem einzigen Berufswunsch, Kosmetiker.
Denn nachdem seine sich bis aufs verbale Blut befetzenden
Eltern, ein alkoholkranker Mathematiker und eine ebenso besessen
wie erfolglos schreibende Mutter, sich endlich trennen wird
Augusten zum Therapeuten seiner Mutter abgeschoben und lernt
dort einen anderen Schwulen kennen. Der ist zwar 33 aber dennoch
gewillt, den Knaben die homoerotische Liebe näher zu
bringen. Augusten fingiert einen Selbstmordversuch, um offiziell
der Schule fernbleiben zu können, singt vor Geisteskranken,
begeistert sich für Hundekuchen, lässt sich in den
Arsch ficken und erwischt seine Mutter mit ihrer lesbischen
Freundin zwischen den Beinen. Der ganze Wahnsinn wird mit
galligem Humor vorgetragen, sodass das faktische Entsetzen
einem erleichternden Lachen weichen kann: Wie schön ist
es doch, "normal" zu sein.
Der Text eignet sich gut zum Vorlesen und wird auch gut vorgelesen;
ein Stück Irrsinn der originellsten Art.
Augusten Burroughs: Krass! Gelesen von August Diehl.
Der Hörverlag, 2004. 4 CDs, 290 Min.
bei
amazon kaufen: EUR 28,83
Das
Buch der Drei 
Das Leben eines Hilfsschweinehirten birgt keine besonderen
Aufregungen in sich, sollte man meinen. Doch Hen Wen, das
Schwein das Taran zu hüten beauftragt ist, ist ein Orakelschwein,
und als es davonläuft stürzt Taran kopfüber
in ein haarsträubendes Abenteuer. Eine sehr eigenwillige
Truppe aus Helfern bildet sich gegen das erwachende Böse
Ein wirklich hübsches, kleines Hörspiel auf der
Basis des Buches Taran und das Zauberschwein. Lloyd
Alexanders große Stärke ist es, einen Tonfall zu
finden der völlig alterslos ist und 10 bis 99-Jährige
gleichermaßen anzusprechen versteht. Dieser wurde überzeugend
hörbar gemacht und behutsam mit akustischen Requisiten
versehen. Weit besser als die völlig verkitschte Fassung,
die Disney in Taran und der Zauberkessel aus einem
eng verwandten Stoff gemacht hat.
Lloyd Alexander: Taran. Das Buch der Drei. Hörspiel.
Lübbe-Audio, 2004. 1 CD, 54 Min.
bei
amazon kaufen: EUR 13,30
Otherland
- Stadt der goldenen Schatten
Tad Williams monumentales 3.500-Seiten-Opus weist mehr als
ein Dutzend Erzählstränge auf und vermengt sämtliche
Genres von Science Fiction über Fantasy, Thriller und
Krimi, Cyberpunk, Abenteuerroman bis zu Mythen, Märchen,
Mystery. Schier endlos irren wir durch immer wechselnde virtuelle
Realitäten, sind über Tausende von Seiten dem Wahnsinn
ausgesetzt. Das opus magnum des als "Tolkien des 21.
Jahrhunderts" gerühmten Autors ist eine Herausforderung,
wie sie größer und mächtiger nicht sein könnte.
Und ja, Tad Williams besteht: Sicher hätten es 1.000
Seiten weniger auch getan, inhaltlich. Andererseits wären
uns dann etliche Bilder dieser literarischen Monsterausstellung
entgangen - und um die allermeisten täte es mir Leid.
Aus dieser Vorlage ein Hörspiel zu machen, scheint gelinde
gesagt vermessen, ja ein wahnwitziges, zum Scheitern verurteiltes
Unterfangen. Aber das Gegenteil ist eingetreten: Der "Herr
der Hörspiele" (taz) wurde geboren! Das Gesamtwerk
wird 24 Stunden umfassen, 200 Sprecher waren beteiligt, die
Musik wurde eigens von Pierre Oser komponiert, Regisseur Walter
Adler arbeitete mehr als 5 Jahre an der Hörspielfassung,
die der tetralogischen Einteilung der Bücher folgt. Heißt:
Stadt der goldenen Schatten ist Teil 1, 3 weitere werden
folgen.
Natürlich lässt sich dieses Hörspiel nicht
als Geräuschkulisse verfolgen - es braucht ungeteilte,
geradezu manische Aufmerksamkeit, eine Zuwendung, wie sie
einer künstlerischen Arbeit dieses Ranges aber in jedem
Fall zusteht. Das Buch zu kennen ist sicher sehr hilfreich,
um in der weit verzweigten Handlung nicht verloren zu gehen,
aber das Hörspiel kann für sich stehen. Es sind
faszinierende "Bilder einer Ausstellung" geworden,
gemalte Geräusche, kalligraphische Worte. Ein Hörspiel-Wunder
der erstaunlichsten Art.
Tad Williams: Otherland - Stadt der goldenen Schatten.
der hörverlag, 2004. 6 CDs, 330 Min.
bei
amazon kaufen: EUR 24,66
Wachen!
Wachen! 
Worum könnte es der geheimnisvollen Bruderschaft und
ihrem "Obersten Größten Meister" gehen?
Natürlich: Um die Macht in Ankh-Morpork anstelle des
Patriziers. Dazu gelingt es ihnen, einen riesigen Drachen
aus einer anderen Dimension zu beschwören. Doch die eigentlich
völlig sinnlose Nachtwache und ihr neuer Gefreiter Karotte
stellen sich der Wiedereinführung der Monarchie entschlossen
entgegen...
Wachen! Wachen! ist der erste Scheibenwelt-Roman rund
um die Nachtwache von Ankh-Morpork und gilt nach wie vor als
Highlight im höhepunktreichen Schaffen des Meisters der
skurrilen Fantasy. Kräftige Punkteabzüge gibt es
daher auch keinesfalls für Terry Pratchetts Text, sondern
für die Umsetzung als Hörspiel: Dieses ist im Prinzip
tadellos gemacht, aber das Genre verlangt nach Umdichtung
hin zu erklärenden Dialogen - und Pratchetts Text kann
dabei einfach nicht besser werden. Bei aller erkennbaren Mühe
und Liebe, die in diese Produktion geflossen ist (auch die
plastikfreie Aufmachung ist sehr gelungen): weniger, sprich
eine Lesung, wäre mehr gewesen. Der Unterhaltungswert
dieser Produktion ist dennoch beachtlich.
Terry Pratchett: Wachen! Wachen! Ein Scheibenwelt-Hörspiel.
Bookonear, Lübbe-Audio 2004. 5 CDs, 320 Min.
bei
amazon kaufen: EUR 23,60
Wenn
der Fluss voll Whisky wär 
T.C.Boyle ist ein vor (sprachlichen) Einfällen überquellender
Romancier, der sich dem bösen Witz verschrieben hat.
Mit feiner Klinge seziert er seine Mitwelt, sprachgewaltig
wie John Irvine, dabei aber stets näher an der Geschichte
und mit größerer Wucht. Seine Welt scheint eine
einzige Satire zu sein, die Freude an der bissigen Bemerkung
ein nie versiegender Quell der Lebenslust. Dabei ist der Mann
tief im Innern ein Romantiker...
Die vorliegende Lesung auf 2 CDs umfasst 5 der 14 Kurzgeschichten
der gleichnamigen Anthologie. Jan Josef Liefers liest gekonnt,
mit großem Einfühlungsvermögen in die fein
nuancierten Stimmungslagen der Texte. Dennoch: Boyles Geschichten
sind Lesestoff, besonders seine Short Stories, denen
naturgemäß jegliche romanhafte Breite abgeht. Wort-Konzentrate,
denen volle Aufmerksamkeit zu schenken ist, will man sie wirklich
erfahren.
T.C.Boyle: Wenn der Fluss voll Whisky wär. Gelesen
von Jan Josef Liefers. der hörverlag, Berlin-Brandenburg
2004. 2 CDs, 157 Min.
bei
amazon kaufen: EUR 20,60
Fremd
küssen 
Carolin hat eine unerwünschte Geliebte: die vorgezogene
Midwife-Crisis hält sie in ihren Klauen. Eigentlich hätte
sie doch alle Anlagen zur Mitte-30-Powerfrau, aber weder Mr.
Right noch überhaupt nennenswerter Sex finden sich ein
und als sie dann auch noch das größte Funkloch
in der Geschichte ihres Radiosenders produziert helfen nur
noch Alkohol - und eine wirklich gute Idee
Steffi von Wolff, Redakteurin, Sprecherin und Comedy-Schreiberin,
sorgt mit ihrem Romanerstling für Erheiterung erster
Klasse. Ernstere Absichten scheint sie nicht zu verfolgen
und so kann der Hörer sich unbeschwert zurücklehnen
und der überdrehten Satire folgen, mit der sich die Heldin
selbst durch den Kakao zieht und das ganze "moderne Leben"
mit auf die Schaufel nimmt.
Eine Geschichte im konservativ-linearen Sinn braucht es nicht,
Situationskomik pur, die auch vor dem einen oder anderen schenkelklopfenden
Kalauer nicht zurückschreckt, beherrscht die Szene. Ich
kann mir im Übrigen schwer vorstellen, diesen Text zu
lesen - Frau von Wolff schwäbelt, lallt, brummt, sie
lebt und liebt ihren Erstling und macht mit nichts als ihrer
Stimme ein umwerfend komisches Hörspiel daraus. Superlustig
und gelungen.
Steffi von Wolff: Fremd küssen. Lesung der Autorin.
Ullstein Hörverlag, Berlin 2004. 4 CDs, 283 Min.
bei
amazon kaufen: EUR 24,70
Gibt
es viele Schüfte? 
Kunstvolle Miniaturen, liebevoll, humorvoll, melancholisch,
genauestens beobachtend und mit menschlicher Anteilnahme und
sprachlicher Präzision dargebracht: Die 1970 im Alter
von nicht ganz 50 Jahren verstorbene Schriftstellerin Marlen
Haushofer schrieb ihre Erzählungen, "um mir selber
einmal eine Freude zu bereiten". Nach den Anstrengungen
der Romane empfand sie es als Erholung, "dieses winzige
Stückchen Leben wie durch eine Lupe (zu) betrachten".
Vielfach kehrt die Autorin in ihre Kindheit zurück und
erweckt damit den Geist einer Zeit, die nah ist und doch oft
in weite Ferne gerückt scheint. Ihre "Kindergeschichten"
zeigen einen erfüllten Verstand, der mit leiser Wehmut
zurückschaut und die eigene Herkunft zum pars pro toto
zu erheben versteht: der Zauber der zumeist verschütteten
Welt der Kindheit wird hier lebendig.
Im Band Schreckliche Treue wurden Marlen Haushofers
Erzählungen erstmals in einer Gesamtausgabe publiziert.
15 davon wurden für die vorliegende Aufnahme gewählt.
Elke Heidenreich, Moderatorin der ZDF-Sendung Lesen,
trägt sie kongenial vor, um "Marlen Haushofer
ganz vorsichtig aus der Unauffälligkeit hervorzuholen."
Der Leser-Hörer dankt dafür.
Marlen Haushofer: Gibt es viele Schüfte? Gelesen
von Elke Heidenreich. Random House Audio, Köln 2004.
2 CDs, 135 Min.
bei
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Die
purpurnen Flüsse 
Leichen in Fötalposition, mit leeren Augenhöhlen
ein verschwundenes Kind, von dem systematisch jede Spur beseitigt
wird. Zunächst ermitteln Kommissar Niemans und der maghrebinische
Polizeileutnant Karim Abdouf an verschiedenen Schauplätzen.
Doch die Spuren bringen die beiden zusammen: die Lösung
des grausigen Rätsels liegt in einer abgelegenen Universitätsstadt
verborgen, wo größter Wert auf die Abkunft der
Zöglinge gelegt wird.
Der französische Thrillerspezialist Jean-Christophe Grangé
huldigt einer direkten, harten und packenden Sprache, die
dem Geist seiner Story entspricht - brutale, ja psychotische
Polizisten, faschistoide Geistesverirrungen und Morde, die
einem ebenso blutrünstigen wie kühl kalkulierten
Ritual folgen. Joachim Kerzels sonore Stimme verfügt
über die nötige Eindringlichkeit und abgeklärte
Gelassenheit, um den Spannungsgehalt des Textes überaus
gekonnt zu Gehör zu bringen - unterstützt noch von
minimalem Einsatz akustischer "Special Effects".
Schade nur, dass die Hörbuchfassung den Roman auf nicht
immer völlig befriedigende Weise kürzt. Der perfekte
Vortrag eines wohl inszenierten Thrillers der höchsten
Güteklasse hätte sich den "Directors Cut"
verdient.
Jean-Christophe Grangé: Die purpurnen Flüsse.
Gelesen von Joachim Kerzel. Lübbe Audio, Bergisch-Gladbach
2004. 6 CDs, 418 Min.
bei
amazon kaufen: EUR 31,-
Als MC
kaufen
Der
letzte seiner Art 
Sich mit kräftigen Stockhieben selbst zusetzen? Eine
Vorgangsweise, die einer skurrilen Ausgangslage bedarf, um
stimmig zu sein. Im gegebenen Fall ist Duane ein ausrangierter
Cyborg, der auf diese Weise seinen häufigen Wackelkontakten
begegnet, die partielle Lähmungen und Blindheit zur Folge
haben.
Duane, der Ich-Erzähler, hat noch andere, schlimmere
Leiden, wie wir aus seinem "Tagebuch" erfahren werden.
Ein Thriller wie von Andreas Eschbach (Das Jesus-Video)
zu erwarten war wird aus der Geschichte jedoch nie. Zu sehr
ergeht er sich in einem Lamento ob seines Zustandes, zu wenig
Rasanz ist in der Story verpackt. Die Sprache erinnert bisweilen
schmerzhaft an Groschenroman-Diktion, was die durch Seneca-Zitate
eingestreuten Versuche, aus dem HiTech-Maschinenmenschen einen
Selfmade-Philosophen zu kreieren, in gewagte Nähe zur
unfreiwilligen Lächerlichkeit bringt.
Die gekürzte Romanfassung wird von Martin May, einem
deutschen Schauspieler, gelesen. Die Klangfarbe seiner Stimme
ist deutsch-deutsch, Variationen dieser Stimmlage scheinen
dem Mann völlig fremd zu sein. Gesamtnote daher: Gerade
noch zum Anhören.
Andreas Eschbach: Der letzte seiner Art. Gelesen von
Martin May. Lübbe-Audio, Bergisch-Gladbach 2004. 5 CDs,
354 Min.
bei
amazon kaufen: EUR 31,-
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