Neuerscheinungen: Jugendliteratur – und was
SIE davon halten
 Das Leben ist kurz, iss den Nachtisch zuerst Lesealter: 12+
Als Jeremys Vater stirbt, ist das ein schwerer Schlag für ihn und seine gesamte Familie. Umso schockierter sind sie, als Jeremy eines Tages Post bekommt und sich darin ein Geschenk von seinem Vater befindet. Eine Holzkassette. Auf dem Deckel sind die Worte „Der Sinn des Lebens – für Jeremy Fink.“ eingraviert.
Mit diesen Worten schickt der Verstorbene seinen Sohn auf eine abenteuerliche Reise, die ihn quer durch ganz New York führt. Doch was dieser am Ende findet, ist mehr als er jemals zu hoffen gewagt hat…
Ich habe dieses Buch, den ersten Roman von Wendy Mass, mit Begeisterung in einem Rutsch durchgelesen. Es ist verrückt, witzig und manchmal berührend – ein wirklich gutes Buch ab 10, das sich an Antworten mit Tiefgang auf wichtige Fragen versucht. (Lena Turek, 15)
Wendy Mass:
Das Leben ist kurz, iss den Nachtisch zuerst cbj,
München 2009. Geb., 352 S. Vom Verlag empfohlenes Alter: 12–13 Jahre.

Die Bücherdiebin
Lesealter: 12–99
"Es ist nie zu spät für die Bücherdiebin" eröffnete mir die Pressedame vom cbj-Verlag, als ich diesen Titel mit einem Jahr Verspätung entdeckte und um ein Rezensionsexemplar bat.
Und so hielt ich wenig später einen dieser ganz raren Bücherschätze in Händen, bei denen einfach alles stimmt: Es ist ergreifend, blendend und modern geschrieben, voller Tiefgang, voll Gefühl. Es wartet mit Gänsehaut erzeugenden Passagen auf, darunter mehrere Bücher im Buch – Geschichten, die diese Geschichte schrieb, illustriert und handschriftlich gesetzt. Es ist eines jener wunderbaren Bücher, die hinter einem Gebirge aus Trauer Mut machen, einer ausgezehrten, zerstörten Fratze ein Lächeln abringen können. Eines jener Bücher, die für eine Weile den Mittelpunkt eines Leserlebens bilden, die man kurz in Händen wiegt, bevor man sie aufschlägt und weiterliest.
Gefragt, was nun eigentlich drinsteht, verfällt man in sinnierendes Schweigen oder bricht in redselige Schwärmerei aus – so wie ich gerade.
Da ich aber mittlerweile sicher bin, dass ihr neugierig genug geworden seid, um euch diese unter einer dicken, mehligen Staubschichte glänzende Perle sofort zu kaufen, schenken zu lassen oder mindestens ganz dringend zu wünschen, beende ich jetzt das Schwärmen und liefere noch die dürren Angaben, die es braucht, um lesemäßig loszulegen.
Die Bücherdiebin, das ist Liesel Meminger, und ihre Geschichte ab 1939 erfahren wir. Zu dem Zeitpunkt ist sie 11 und kommt zu Pflegeeltern in einen kleinen Ort in der Nähe von München. Der Autor, Markus Zusak, hat mit diesem Text die Geschichten verarbeitet, die ihm seine Eltern aus der Zeit des Krieges erzählt haben.
Der Ich-Erzähler ist einer, der in dieser Zeit bis zur Erschöpfung seinen Dienst tun musste: der Tod. Er ist nicht gruselig, dieser Tod, sondern voller Anteilnahme. Und wie es scheint, hat er eine Schwäche für Menschen, die Bücher lieben. Was er auf einzigartige Weise zu schildern... aber das hatten wir ja schon.
Nur ein Wort noch: Der Text ist betont fragmentarisch, immerhin erzählt er die Geschichte eines zerbombten, in Bruchstücke zerrissenen Landes und ebensolcher Menschen. Das macht ihn als Verschling-Buch weniger geeignet und könnte besonders ganz am Anfang irritierend wirken. Lasst euch davon nicht abhalten, lest einfach weiter und schon bald...
Markus Zusak: Die Bücherdiebin. cbj, München 2008. Ab 12 bis alterslos. Geb., 592 S.
P.S.: Zeitgleich erschien bei Blanvalet eine Erwachsenen-Ausgabe (Cover oben rechts) und diese Rezension erscheint immerhin pünktlich zum Start der Taschenbuchausgaben von cbj bzw. Blanvalet. Dieses Buch braucht aber einen würdigen Rahmen, und meiner Meinung nach ist der eindeutig am besten mit der hier vorgestellten Ausgabe gegeben.
 Valley. Tal der Wächter Lesealter: 12–99
Jonathan Stroud, dessen Barthimäus-Trilogie ihn zum weltweit gefragten Autor machte, legt sein neuestes Werk vor. Ein überaus erfreulicher Umstand, denn Valley ist nicht einfach nur gut, sondern unterstreicht die Vielseitigkeit und Wandlungsfähigkeit des Autors so deutlich, dass kaum zu glauben ist, erneut vom Erfinder des ironisch-spitzzüngigen Dschinns zu lesen. Vor allem aber erreicht Stroud mit Valley die höchste Ebene der Erzählkunst: Jene, auf der Erzählhandlung, Sub- und Metatext ein Ganzes ergeben, das größer als die Summe seiner Teile ist. Valley sprengt die Grenzen des Genres (All-Age-Fantasy) und besticht als tatsächlich originäres, eigenständiges literarisches Werk.
Die Geschichte von Hal Svensson, einem etwas zu kurz geratenen, aber mit einem reichlich losen Mundwerk gesegneten Nachfahren eines der 12 Helden, die einst das von der Außenwelt völlig abgeschnittene Valley besiedelten und für alle Zeiten befriedeten, ist eine stets
wunderbar zu lesende, teils schmunzelige, teils hoch spannende Abenteuerfabel. Zugleich ist es aber eine Parabel über die Beschränktheit und Engstirnigkeit der Menschen, die Bedeutung von Glaubensinhalten und die Macht von Vorurteilen. Und allem voran ist es eine satirische Abrechnung mit Helden und Heldentum (der Originaltitel lautet denn auch "Heroes").
Neben dem Haupt-Erzählstrang ist jedem Kapitel eine kurze Heldensage über den großen Sven vorangestellt, deren Inhalte mit der Buchwirklichkeit der Nachfahren zunehmend auf Konfrontationskurs gehen. In dem Maß, wie Hals Bewusstsein erwacht und sein Verständnis tiefer wird, wandelt sich der ganze Tonfall von (manche Leser irritierender) anfänglicher Naivität zum komplexen Ergebnis wirklich eigener Nachdenkprozesse.
Das Buch verlangt vom Leser die Bereitschaft zur Textkritik; wer die Inhalte lediglich schwammartig aufnimmt, wird nicht in der Lage sein, den Wandlungen und Entwicklungen wirklich zu folgen. Zwar lässt sich das Werk, wie schon erwähnt, auch als eindimensionale Abenteuerstory gut konsumieren, doch kommt das in etwa dem Runterschütten eines edlen Glases Wein gleich: einer Vergeudung. Und falls diese ganzen eher theoretischen Ausführungen für Mundtrockenheit gesorgt haben, hier nochmal die Versicherung: Valley ist ganz großes Lesevergnügen.
Jonathan Stroud: Valley. Tal der Wächter. cbj, München 2009. Geb., 493 S.
 Seelen Lesealter: 12–16
Der Erfolg von Stephenie Meyer, deren Bis(s)-Vierteiler gerade unter dem Titel Twilight zu Kinoehren gelangt, ist durchaus von zwiespältigen Gefühlen begleitet – steht die junge Autorin doch für ein Frauenbild, das weit besser in die 1950 Jahre in die Gegend um Stepford zu passen scheint als ins 21. Jahrhundert.
Die um ihre Traumprinzen ringenden und schmachtenden Weibleins in Meyers Romanen treffen aber ganz offensichtlich 100%ig den Nerv eines recht eng umrissenen Zielpublikums – Mädchen zwischen 12 und 16. Außerdem ist Stephenie Meyer eine wirklich gute Geschichtenerzählerin, hat definitiv Schreibe und, wie sie nicht zuletzt mit Seelen beweist,
originelle Einfälle. Zwar greift Seelen das alt bekannte Science-Fiction-Motiv von den Körperfressern (im Sinne von Besessenheit) auf, gewinnt diesem Thema aber völlig neue Seiten ab. Meyers Body Snatchers, die Seelen, haben zu Beginn der Ereignisse bereits praktisch die gesamte Weltbevölkerung übernommen. Zu den wenigen noch Flüchtigen gehören Melanie und ihr Geliebter Jared. Doch dann fällt auch Melanie einer Seele zum Opfer – der es aber nicht gelingt, das Mädchen zu bezwingen: zu stark sind ihr Wille und besonders ihre Gefühle für Jared. Für den sich nach und nach auch die Seele Wanda zu interessieren beginnt ...
Mithin ein origineller Plot, auch wenn es seine Zeit dauert, bis die Story in Fahrt kommt; Science Fiction, Liebesdrama und die erste Dreiecksgeschichte mit zwei Körpern. Sämtliche Zutaten, um sich wohlig seufzend zwischen die Buchdeckel zu kuscheln.
Stephenie Meyer: Seelen. Carlsen, Hamburg 2008. Geb., 861 S.
 Der Feuerquell Lesealter: 13–16
Ein ganz normaler Junge. Steht auf Mädchen, Football und schnelle Autos und das in dieser Reihenfolge. Von einem Tag auf den anderen verändert sich jedoch alles für Jack Danielson: Seine Eltern sind gar nicht seine
Eltern und die Welt, wie er sie bisher kannte, ist nicht seine Welt, denn er wurde von seinen richtigen Eltern aus der Zukunft geschickt, um seine Vergangenheit zu retten. Zusammen mit einem sprechenden Hund und einer Ninja-Kämpferin macht er sich auf, das 1000 Jahre später drohende ökologische Alptraum-Szenario zu verhindern. Möglich ist das jedoch nur mit dem geheimnisvollen Feuerquell und nicht nur Jack und seine Freunde suchen nach dem wertvollen Gegenstand…
Auch wenn das Buch viele Fantasy- und Sciene-Fiction-Elemente beinhaltet, wirkt es trotzdem erschreckend realistisch. Denn wenn wir uns jetzt schon Sorgen über den Klimawandel machen, wie wird das erst in 1000 Jahren sein?
Mir hat das Buch außergewöhnlich gut gefallen. Es ist spannend von der ersten bis zur letzten Seite, die Charaktere sind genau und treffend beschrieben, der Humor kommt nicht zu kurz und es ist ein flammendes Plädoyer für die Rettung der Umwelt. Ich kann das Buch eigentlich jedem empfehlen, der es mag, von einem Buch so richtig mitgerissen zu werden. Am meisten hat mich nach der Lektüre gefreut, dass die Story weitergeht:
Der Wirbelsturm beginnt sechs Monate nach den Ereignissen in Feuerquell. (Lena Turek, 14)
David Klass: Feuerquell. Boje, Köln 2007. Geb., 416 S.

Eragon – Die Weisheit des Feuers Lesealter: 13+
3. Runde im Kampf um Alagaësia, und weils so schön ist geht die Geschichte in die Verlängerung. Der Tolkien-Epigone Paolini hatte so viel zu erzählen, dass aus der geplanten Tri- eine Tetralogie wurde.
Leider merkt man dem Buch die Dehnung deutlich an – es liest sich sehr gefällig dahin, aber substanziell geschieht auf der Handlungsebene recht wenig. Der finale Showdown zwischen Eragon und Galbatorix ist seit spätestens Mitte des ersten Bandes das unausweichliche Ende der Saga; da der Plot keine wesentlichen Überraschungen mehr bereithalten kann übt sich Paolini in immer detailverliebteren Ausbauten seiner fiktiven Welt und deren Bewohnern.
Tolkiensches Schmökerfeeling stellt sich durchaus ein, wenn sich auch vor allem in der Wahl der Namen überdeutlich zeigt, wer seit jeher der Meister seiner Zunft ist. Die mehrfach behauptete zunehmende Reife des Autors konnte ich nicht nachvollziehen – die paar Momente, in denen der 24-jährige Autor sich altersweise zu geben versucht, gehören fast durchwegs zu den eher peinlichen Tiefpunkten. Dass der Band zudem im Gegensatz zu Teil 1 und 2 nicht einmal mit einem richtigen Knalleffekt zu enden vermag hinterlässt nach über 800 Seiten schon ein etwas laues Gefühl.
Christopher Paolini: Eragon – Die Weisheit des Feuers. cbj, München 2008. Geb., 864 S.
 Teuflisches Genie Lesealter: 12–16
Mit sieben Jahren lernt Cadel, wie man sich in Computernetzwerke hackt. Mit acht legt er schon ganze Städte lahm. Und mit vierzehn beginnt er seine Ausbildung am AXIS-Institut, wo Spionage, Sabotage und Giftmord auf dem Lehrplan stehen. Cadel ist ein Genie – und der Sohn eines ebenso genialen, völlig paranoiden und von der Weltherrschaft besessenen Mannes. Seine Karriere scheint vorgezeichnet – bis er erkennt, dass nicht alle Welt gegen ihn ist und böse zu sein nicht die einzige Option im Leben darstellt.
Die Plotidee klingt originell und der Einstieg in das Buch ist auch flott, humorig und voller Esprit. Leider hält der Text nicht wirklich durch – irgendwann auf halber Strecke
bekommt man das Gefühl, dass der Plan im Plan im Plan um eine Zwiebelschicht zu kompliziert geworden ist. Man liest eher drüber und nimmt die immer neuen Verwicklungen zur Kenntnis, statt ihnen wirklich folgen zu können. Die Figuren, die diese Science Fiction-Kriminalstory für 12-Jährige bevölkern, sind zum Teil gelungen, zum Teil völlig daneben. Ein Typ mit einem Körpergestank, der zum Tod führen kann? Ist das ernst? Soll das witzig sein? (Ist es nicht, nebenbei bemerkt).
Finde ich jedenfalls; die eigentliche Zielgruppe für dieses Buch scheint überwiegend sehr angetan zu sein.
Catherine Jinks: Teuflisches Genie. Knaur 2008, Tb.,
560 S.
 Die Sturmrufer Lesealter: 12–15
In Dantar, der prächtigen und sagenumwobenen Küstenstadt, treffen vier junge, ungleiche Menschen aufeinander, deren Schicksale von dem Tag an miteinander verbunden sind. Als die vier zusammen einen großen Schatz suchen sollen, verschlägt es sie durch einen magischen Sturm auf eine kahle und leere Insel. Doch mitten in ihrer Suche nach Leben, entdecken sie Spuren der mystischen Sturmrufer und bald hängt das Schicksal der gesamten Stadt von ihnen ab. Doch was hat es mit dem unheimlichen Bann auf sich und den gespenstischen Kreaturen, die sie bedrohen? Auch innerhalb der Gruppe verändern sich die Persönlichkeiten und es wird immer deutlicher, dass jeder etwas zu verbergen hat, das langsam an die Oberfläche dringt.
Das Buch hat mich leider etwas enttäuscht, da ich davor schon Bücher dieser Autorin gelesen habe, die mich sehr positiv überrascht haben, und ich mir also viel erwartet habe. Mir hat die unübersichtliche Schreibweise überhaupt nicht gefallen, aber wenn jemand von poetischen Texten begeistert ist, sollte er sich dieses Buch nicht entgehen lassen. Das Ende ist ausgesprochen unschlüssig; allerdings ist dieser Band auch der Auftakt zu einer Trilogie.
(Lena Turek, 13)
Nina Blazon: Die Sturmrufer. Ueberreuter, Wien 2007. Geb., 300 S.
 Der Spiegel der Königin Lesealter: 12–16
Was Elin über die Königin hört, fasziniert sie. Wie schön wäre es, sie einmal aus nächster Nähe zu sehen. Doch sie ist eine Küchenmagd und sie und Königin Kristina trennen Welten. Bis zu dem schicksalsschweren Tag an dem sie ein Zufall zusammenführt. Von diesem Tag an öffnet sich für Elin
eine ganz andere Welt, in der sie ein neues Leben führt an der Seite der außergewöhnlichen Regentin: Sie lernt lesen und schreiben, darf bei großen Banketten und Festen nicht fehlen und trifft neben unhöflichen und intriganten Staatsmännern auch den Mann fürs Leben.
Mir hat das Buch sehr gut gefallen, da es viel in sich vereint: Romantik, Spannung, Historik und noch vieles mehr verbirgt sich hinter den Buchdeckeln. Für alle, die ein paar Nachmittage in eine wundersame, verborgene Zeit eintauchen wollen. (Lena Turek, 13)
Nina Blazon: Der Spiegel der Königin. Ravensburger Buchverlag 2006, geb., 344 S.
 Die Siebte Sage Lesealter: 12–99
Eine Fabel, eine Parabel, leichtfüßig und duftig erzählt, vollgestopft mit originellen Ideen und großartigen Interpretationen von Märchen, großartigen Beschreibungen von Palästen und dem täglichen Leben der Menschen dort, wohlklingenden Namen und Sprachen — kurz, ein wunderschönes Buch!
Die Story: Dshirah besitzt an jedem Fuß sechs Zehen. Damit müsste sie im Kalifenpalast leben und nach sieben Nächten im größtmöglichen Luxus die Siebte Sage erzählen, die endlich Frieden zwischen den Barden und den Araminen stiften soll. Dshirahs Eltern dagegen finden solche hehren Ideale zwar gut, aber trotzdem haben sie ihre Tochter so lange wie möglich versteckt: Denn nach der siebten Nacht ist Dshirahs Lebenserwartung denkbar kurz. Irgendwann wird das Geheimnis entdeckt und als ihr Bruder Januao ebenfalls in den Palast übersiedelt, findet er beim Umherstreifen etwas Ungeheuerliches heraus: Scheinbar wurde die Siebte Sage vor langer Zeit schon ganz anders erzählt, als sie tatsächlich lautet...
Dieses Werk ist mein Erstkontakt mit der Autorin und ich muss gestehen, es ist lange her, dass ein Märchenbuch mich so begeistert hat. Besonders berührend die leisen Zwischentöne, die von einer für alle Menschen friedlichen Welt träumen: ich würde dieses Buch in einem Atemzug mit Lessings „Nathan der Weise“ nennen und es schneidet im Vergleich gewiss noch besser ab. Lässt sich gewiss auch gut für die Schule verwenden, z.B. im Deutsch-, Religions- oder Philosophieunterricht.
Fazit: Für TräumerInnen und solche, die es (wieder) werden wollen, von 8—99. LESEN!
(Anne Artner)
Christa Ludwig: Die Siebte Sage. Freies Geistesleben, Stuttgart 2007. Geb., 504 S.
 Boot Camp Lesealter: 14+
Connor, ein Insasse eines „Boot Camps“, erzählt die Geschichte seiner Umerziehung.
„Boot Camps“ sind in den USA real existierende Disziplinierungslager und oft die letzte Wahl für Eltern, deren Teenager ihren Vorstellungen nicht entsprechen. Vor allem sind die „Camps“ aber eine großartige Einkunftsquelle für die BetreiberInnen, kostet der Aufenthalt in einem solchen doch um die 4.000,- $ pro Monat. Die Teenies werden von AufseherInnen entwürdigt, gequält und gefoltert – und das alles geschieht mit dem Einverständnis ihrer Eltern! Mir ist es beim Lesen kalt den Rücken hinunter gelaufen: Viele Eltern wollen lieber willige BefehlsempfängerInnen als selbständige junge Frauen und Männer...
Ein Satz geht mir nicht aus dem Kopf: „Connor ist nicht der Sohn, den seine Eltern sich wünschen.“ – also ist es die Pflicht der Kinder, die Wünsche ihrer Eltern zu erfüllen?!?
Fazit: ein wichtiges Buch für LeserInnen von 12–99, auch bestimmt gut für den Unterricht (Deutsch, Religion, Geschichte, Psychologie und Philosophie) einzusetzen – wie schon die Arbeit, für die Morton Rhue Weltruhm erlangte: Die Welle. (Anne Artner)
Morton Rhue: Boot Camp. Ravensburger Buchverlag, 2006. Geb., 250 S

Drachenglut Lesealter: 11–14
"Neues" vom Bartimäus-Erfinder: Die respektable Real-Fantasy-Story um einen still gelegten Drachen, dessen umherschweifende Energien mächtigen Einfluss auf Menschen der Umgebung nehmen, ist sein im Original bereits 1999 erschienener Debütroman.
Sehr schön werden in dieser Story die magischen Elemente in ein alltägliches Setting eingewoben. Die Grundidee ist wirklich neu, die Schreibe anfangs gut, später in Ordnung. Das Tempo ist zügig, nur ganz am Ende wird es wirklich dramatisch.
Alles in allem ein solides Stück Jugend-Fantasy ab 11, das allerdings den Vergleich mit der Bartimäus-Trilogie nicht einmal im Ansatz standhalten kann; insbesondere fehlt der Geschichte der zynische Humor des einzigartigen Dschinns.
Jonathan Stroud: Drachenglut. Boje, Köln 2007. Geb., 316 S.
 Charlie Bone und der Rote König Lesealter: 11–14
Alle Tiere sind aus der Stadt verschwunden und natürlich bleibt es an Charlie hängen, dieses Rätsel zu lösen und die Katzen, Hunde und Vögel zurückzuholen. Zur Seite steht ihm seine neue Freundin Sonnenblume. Als jedoch ein alter Feind, der Seelenbetörer Lord Harken Badlock, wieder auftaucht, wird es schwierig. Charlies Mutter konnte der Lord bereits in seinen Bann schlagen; nur der Rote König könnte den schwarzen Magier bezwingen, doch den gilt es erst einmal aufzuspüren und aus seinem Gefängnis – einem Bild – zu befreien. Dann wäre es vielleicht auch möglich, Septimus seit 10 Jahren verschollenen Vater wiederzufinden.
Der fünfte Band der Charlie Bone-Reihe ist so spannend, dass etwas Beruhigung durchaus angebracht scheint:
Mir hat das Buch sehr gut gefallen, da es einfach brillant geschrieben und sehr, sehr spannend ist. Es ist humorvoll und findet ein gutes Ende. (Tina Navratil, 11 Jahre)
Im Übrigen geht die Saga weiter: Charlie Bone and the Beast ist im englischen Original bereits angekündigt.
Jenny Nimmo: Charlie Bone und der Rote König. Ravensburger, 2006. Geb., 352 S.
Die Bände 1-3 der Charlie Bone-Reihe (chronologisch, Links zu amazon):
Charlie Bone und das Geheimnis der sprechenden Bilder
Charlie Bone und die magische Zeitkugel
Charlie Bone und das Geheimnis der blauen Schlange
 Septimus Heap: Magyk Lesealter: 12–16
Dem siebenten Sohn eines siebenten Sohnes werden traditionell außergewöhnliche Kräfte zugeschrieben; noch dazu wird er in diesem Fall in eine Zaubererfamilie geboren. Wie dumm, dass der Junge gleich nach seiner Geburt stirbt...
Dafür erhält Familie Heap Nachwuchs in Form eines weiblichen Babys, das in den nach dem Meuchelmord am Königspaar anhebenden unruhigen und gefahrvollen Zeiten noch eine wichtige Rolle spielen soll.
Die Autorin lässt skurrile Figuren im Dutzend auffahren, verfällt aber nicht in den Fehler so mancher Schreiber in diesem Genre, sich allein darauf zu verlassen – sie bietet auch eine originelle, raffiniert gestrickte Geschichte. Für Harry-Potter-Fans der jüngeren Generation bestens geeignet, insbesondere wenn weniger Düsterkeit gefragt ist. Zudem ist das Buch ein echtes Schmuckstück.
Mir hat das Buch sehr gut gefallen, weil es hervorragend geschrieben ist und dabei spannend von der ersten bis zur letzten Seite. Teilweise lustig, teilweise gruselig erzählt die Autorin vom Kampf des Guten gegen das Böse. (Christoph Navratil, 11 Jahre)
Angie Sage: Septimus Heap. Magyk. Hanser, 2005. Geb., 512 S.
 Charlie Bone und das Schloss der tausend Spiegel Lesealter: 11–14
In Charlies viertem Abenteuer wird er von einem Geisterpferd verfolgt, das von Ezekiel Bloor, dem Leiter der gleichnamigen Akademie, heraufbeschworen wurde. Was Ezekiel jedoch nicht wusste: Das Pferd ist die Frau des Roten Königs und will Charlie helfen.
Der hat das auch nötig, denn der Weg zum Schloss der tausend Spiegel ist gefährlich. Dort hofft Charlie seinen Vater wiederzufinden. Und dann ist da noch Billy Raven, der wiederum von Charlie Hilfe will – denn seine lang ersehnten Adoptiveltern haben etwas Schlimmes vor...
Mir hat das Buch sehr gut gefallen, da es bis zum Schluss sehr spannend war. Es ist einfach perfekt formuliert und zeigt einem auch, wie wichtig Freundschaft ist. Ich würde es auf jeden Fall weiterempfehlen. (Tina Navratil, 11 Jahre)
Jenny Nimmo: Charlie Bone und das Schloss der tausend Spiegel. Ravensburger 2006. Geb., 352 S.

Biss zum Morgengrauen Lesealter: 12–16
Als die siebzehnjährige Isabella Swan von Phoenix, dem
"Valley of the Sun", in die kleine verregnete Vorstadt
Forks zieht hätte sie damit sicher nicht Romantik oder
gar Leidenschaft verbunden. Doch als sie den undurchschaubaren
Edward kennen lernt denkt sie gar nicht mehr daran die Stadt
verlassen zu wollen
Mir hat das Buch deshalb so ausgezeichnet gefallen weil es
die perfekte Mischung aus Spannung, Romantik, Abenteuer und
Magie ist, mit ein bisschen Sarkasmus gewürzt,
und es mich von der ersten Seite an in den Bann gezogen hat.
Ideal für Mädchen von 12–17. (Lena Turek, 12
Jahre)
Stephenie Meyer: Biss zum Morgengrauen. Carlsen, Hamburg
2006. Geb., 511 S.
 Small
Steps Lesealter: 12–99
3 Jahre nach den Ereignissen im Camp Green Lake (geschildert
in Holes,
auf deutsch erschienen unter dem Titel Löcher.
Die Geheimnisse von Green Lake) treffen wir zwei der Jungs
von damals wieder: Armpit und X-Ray. Anknüpfungspunkte
zu Sachars weltweit bejubeltem Geniestreich Holes
gibt es jedoch wenige – eigentlich nur die beiden Namen und
der Umstand, dass Löcher schaufeln auch jetzt noch Armpits
Hauptbeschäftigung ist. Immerhin macht er es jetzt gegen
Bezahlung.
Die Ereignisse nehmen ihren Lauf als X-Ray an Armpit mit einem
einmaligen Reich-über-Nacht-Plan herantritt: den Schwarzhandel
mit Tickets für das Konzert eines angesagten Jungstars.
Kaira DeLeon ist afroamerikanisch, 17 Jahre alt und in ihrem
goldenen Käfig völlig vereinsamt.
Armpit, dem gerade gemeinsam mit seiner einzigen wirklichen
Freundin, der 10-jährigen, weißen, epileptischen
Ginny, das Kleine-Schritte-Konzept aufzugehen scheint – man
hat es schließlich schwer mit einem Vorstrafenregister
und dem klischeehaften Aussehen eines typischen Gewaltverbrechers
– gerät das Leben aus den Fugen, als er durch eine Kette
erstaunlicher Ereignisse mit Kaira zusammentrifft...
Mit dem einzigartigen Witz von Louis Sachar ist auch diese
Geschichte gesegnet, die wiederum reich an Abenteuern, interessanten
Charakteren und skurrilen Begegnungen und Ereignissen ist.
Das Wesen der Berühmtheit, Rassismus im Alltag und was
es so braucht, um auf Lebenskurs zu bleiben, verpackt in eine
wunderbar geschriebene Story, die aus dem kleinsten Detail
eine Denkwürdigkeit zu machen versteht. Nicht Holes 2,
sondern Step 1.
Louis Sachar: Small Steps. Delacorte Press, New York
2006. Geb., 257 S.
 Keeper
Lesealter: 10–14
El Gato, "die Katze", der
berühmteste Torwart der ganzen Welt, erzählt in
diesem Buch dem Journalisten Paul Faustino die Geschichte
seines Lebens. Er berichtet, wie er in einem armen Dorf mitten
in Brasilien aufwuchs. Eines Tages verirrte er sich im Urwald
und stieß auf einen geheimnisvollen Fußballplatz
mitten im Dschungel, wo er der mysteriösen Figur des
Keepers begegnet, die eine sehr wichtige Rolle für sein
Leben und seinen Erfolg als Fußballer spielt.
Dieses Buch ist nur etwas für echte Fußballfanatiker
und solche, die nichts gegen Fantasy-Elemente haben. Mir hat
das Buch sehr gut gefallen, vor allem das Finale ist sehr
spannend und dramatisch. Beeindruckt haben mich auch die innere
Ruhe und Stärke von "El Gato", die für
einen guten Fußballer so wichtig sind. (Moritz Heidegger,
10 Jahre)
Mal Peet: Keeper. Carlsen, Hamburg 2006. Geb., 222
S.
Küsse
und Café au Lait Lesealter: 10–14
Die Spezialistin für jugendfreie Romanzen bleibt mit
dieser Taschenbuchausgabe ihrer neuen Linie treu – zu den
amüsanten Herz-Schmerz-Verwicklungen gesellt sich seit
einiger Zeit ein fremdländischer Schauplatz. Wie der
– im übrigen laut meiner Tochter "dämliche"
– Titel vermuten lässt, spielt sich das Geschehen diesmal
in Paris ab.
Die Heldin der Geschichte, Elda, zieht für 7 Monate als
Austauschschülerin nach Frankreich. Elda, wohlstandsverwahrlost
in extremis, muss erstmal mit sehr bescheidenen Verhältnissen
fertig werden – keine Villa am Stadtrand. Auch der Gastbruder
ist unfreundlich und ungepflegt. Doch glücklicherweise
gibt es noch Serge, in den sie sich nach und nach verliebt.
Beileibe nicht als einzige allerdings...
Für Liebhaberinnen des Genres durchaus empfehlenswert,
Nicht-Fans sollten tunlichst die Finger von dem Büchlein
lassen.
Susanne Fülscher: Küsse und Café au Lait.
Carlsen, Hamburg 2006. Tb., 302 S.
bei
amazon kaufen: EUR 8,20
Ich,
Koriander Lesealter: 12+
Ich finde dieses Buch tieftraurig und
allerliebst zugleich. Es ist zum Weinen (was ich auch getan
habe), aber auch bestärkend und voller Kraft. Es handelt
von einem Mädchen namens Coriander, die eine wunderbare
Kindheit im London des 17. Jahrhunderts hat. Doch eines Tages
stirbt ihre Mutter auf unerklärliche Weise. Ihr Vater
heiratet die grauenvolle Maud und ihr bisher glückliches
Leben endet schlagartig. Das Buch ist so traurig, dass man
zwischendurch verzweifelt auf ein Happyend wartet. Gott sei
Dank gibt es das dann auch. Ich finde dieses Buch hat von
allem was: Romantik, Fantasy, Historie und Abenteuer. Dieses
Buch war das beste Buch das ich seit langem gelesen habe.
(Lena Turek, 11 Jahre)
Sally Gardner: Ich, Coriander. cbj, München 2006.
Geb., 312 S.
bei
amazon kaufen: EUR 13,30
Eragon
– Der Auftrag des Ältesten Lesealter: 13+
Die Saga um den jungen Drachenreiter Eragon im tolkienschen
Alagaësia, bevölkert von Menschen, Zwergen, Elfen,
Magiern und orkartigen Urgals, geht in die zweite Runde. Eragon
hat die Schlacht in Farthen Dur überlebt und ist zum
Schattentöter geworden – eine furchtbare Narbe am Rücken
und Schmerzen, die ihm die Besinnung rauben, sind die Andenken
daran. Seine Ausbildung zum vollwertigen Drachenreiter ist
noch längst nicht abgeschlossen und um dies zu ändern
geht er nach Du Weldenvarden, der Heimstatt der Elfen. Dort
trifft er auf einen überraschenden Lehrmeister aus ganz
alter Zeit...
Eragon II ist eine in aller Ruhe erzählte epische Mischung
aus Fantasy und Coming-of-Age-Story, die der Entwicklung ihres
Helden sehr viel Raum gibt. "Action" ist eher einer
Nebenhandlung vorbehalten, in der Eragons Cousin Roran die
Hauptrolle spielt. Die selbstverständliche Leichtigkeit,
mit der Eragon I entstanden ist, geht der Fortsetzung ab,
und Paolinis (dezente) Versuche, mit seinen 20 Jahren Weisheit,
Botschaft und psychologische Tiefe in sein Werk einfließen
zu lassen sind nicht völlig frei von Aufgesetztheit.
Doch die Abgeklärtheit, mit der uns der junge Autor ohne
jede Hast in seine Welt zu ziehen vermag und die fantastischen
Blüten, die er uns auf dem langen Weg immer wieder vor
die Füße streut, machen diesen Schmöker absolut
lesenswert, machen ihn zu einem Kopfabenteuer, das sich wohltuend
vom Zeitgeist zwischen Hektik und Panik abhebt. Zumal nicht
vergessen werden sollte, dass es sich um den Mittelteil einer
Trilogie handelt, erfahrungsgemäß jener Abschnitt,
der am schwierigsten mit fesselndem Leben zu erfüllen
ist.
Christopher Paolini: Eragon – Der Auftrag des Ältesten.
cbj, München 2005. Geb., 795 S.
bei
amazon kaufen: EUR 20,50
Ausgeflippt
hoch drei Lesealter: 11–14
Marigold ist anders als andere Mütter.
Sie ist über und über mit Tattoos bedeckt, trägt
Shorts und Tops. Und sie ist manchmal todtraurig und gleich
wieder total aufgedreht. Für Dolphin ist es nicht einfach
damit umzugehen. Aber sie hat ja noch ihre große Schwester
Star; Vater gibt es keinen. Doch dann zieht Star aus und Dol
ist allein mit Marigold. "Eine Familiengeschichte ab
12" steht hinten zu lesen.
Der Titel und das Bild wirken eher positiv und oberflächlich,
aber wenn man sich einmal in das Buch hineingelesen hat, ist
es ziemlich traurig. Es ist so eins dieser Bücher, wo
du dir denkst: aha, ein leichter Roman, und am Anfang ist
das auch so und du glaubst, es geht immer schön weiter
und plötzlich wird es immer schlimmer. Mir hat das Buch
gut gefallen, weil sehr oft Gedanken und Gefühle genau
beschrieben werden und weil du dir nachher denkst: Was hab
ich nur für ein schönes Leben! (Lena Turek,
11 Jahre)
Jacqueline Wilson: Ausgeflippt hoch drei. Ravensburger
2005. Tb., 298 S.
bei
amazon kaufen: EUR 7,16
Zugeinander
Lesealter: 12–16
Cartman aus München und Wuchtbrumme aus
Berlin lernen einander im Chat kennen. Nach langem Gedanken-,
Anekdoten- und sogar Foto-Austausch beschließen beide,
dem jeweils anderen einen Besuch abzustatten – zur selben
Zeit und ohne dem anderen Bescheid zu geben... Zugeinander
passiert.
Wie´s ausgeht, ist zu erraten – ich sag´s euch
trotzdem nicht.
Zugegeben, die Story klingt recht einfallslos. Wäre das
Buch nicht derart gewürzt mit gesalzenen und gepfefferten
Sprüchen, oder wären Cartman und Wuchtbrumme
zwei langweilige 08/15-Teenager, dann hätt ich das Buch
sicherlich nach ein paar Seiten zugeklappt. Doch da dem nicht
so ist, hab ich´s in einem Haps gefressen. (Marie,
siehe Wege 2/2005)
Romantic Comedy für Lesende ab 13 also – auch wenn meine
noch nicht 11-jährige Tochter das Büchlein ebenfalls
in einem halben Nachmittag zu sich genommen hat. Wertung von
ihr.
Jochen Till: Zugeinander. Ravensburger 2005. Geb.,
210 S.
bei
amazon kaufen: EUR 13,34
Moskito
Lesealter: 12+
Sam, abgesehen von seinem momentanen Fimmel für Insekten,
ist ein ganz normaler Junge – bis ihn ein Unfall in eine andere
Welt katapultiert. Dort ist er der prophezeite Retter vor
der Dunkelheit und der faschistoiden Staatsmacht unter dem
grausamen Herrscher Odoursin auf Gedeih und Verderb ausgeliefert.
Doch es gibt auch die gute Seite, die das Wohl der Erde im
Visier hat. Der ewige Kampf zwischen Gut und Böse findet
diesmal in einer Welt statt, in der Insekten als Transportmittel,
Fluggeräte und Waffen eingesetzt werden; glaubt nicht,
dass jede Wespe nur eine Wespe ist...
Obwohl extrem fremdartig, erschließt sich uns Steve
Voakes alptraumhafte Welt dank der stimmigen Schilderung.
Im Vordergrund steht Fantasy-Science Fiction-Action, im Hintergrund
eine Mahnung ob des globalen Fehlverhaltens der Menschheit.
Dazwischen bleibt Raum für eine spannend erzählte,
immer wieder auch emotional berührende Story; ein toller
Erstling für die gruseliger orientierten Fans fantastischer
Unterhaltunglsiteratur ab 12.
Steve Voake: Moskito. cbj, München 2005. Geb.,
315 S.
bei
amazon kaufen: EUR 16,40
Titus
Tatz Lesealter: 12–99
Titus Tatz, eine reinrassige mesopotamische Kurzhaarkatze,
lebt mit seiner Familie im Haus der Komtess. Schon seit Generationen
ist niemand mehr in der so genannten Draußenwelt gewesen.
Aber als die Komtess stirbt und ein unheimlicher Fremder mit
riesigen, schwarzen Katzen auftaucht und Titus' Familie bedroht,
muss etwas geschehen. Also macht sich Titus mutig auf die
Suche nach Hilfe. Er muss lernen zu kämpfen und er muss
die sieben verlorengegangenen Lehren wieder entdecken. Nur
so kann er seine Familie und seine Freunde retten. (Synopsis
Carlsen).
Eine wunderschön (großstadt)märchenhaft erzählte
Parabel über die Werte, nach denen alle Menschen sich
sehnen: Freundschaft, seinen eigenen Weg finden, die eigenen
Fähigkeiten besser kennen lernen, die eigenen Wurzeln
entdecken, mit Neugier und Empathie Fremden begegnen und das
Große Rätsel, das Leben, verstehen. Das alles wird
auf eine Weise dargestellt, die (ab 12) sowohl alters- wie
auch zeitlos gültig ist! (Anne Artner)
SF Said: Titus Tatz. Illustriert von Dave McKean. Carlsen,
Hamburg 2005. Geb., 240 S.
bei
amazon kaufen: EUR 16,50
Harry
Potter and the Half-Blood Prince Lesealter: 12–99
Der neue HP hat naturgemäß enormes Aufsehen erregt
– diesmal allerdings auch in der Hinsicht, dass zahlreiche
darbende Fans ihrem Ärger Luft machten, weil das Geschehen
sie so dermaßen enttäuschte.
Stimmen, die an der Erzähltechnik J. K. Rowlings herummäkeln,
dürfen getrost in eine schalldichte Gruft verbannt werden
– Mrs Rowling weiß definitiv, was sie tut, und sie ist
keinen Millimeter von ihrer Linie abgewichen. Allenfalls holt
sie in Band 6 noch eine Spur weiter aus, bis sie so richtig
zur Sache kommt – hat man allerdings die finalen Kapitel erst
einmal unter Schweiß- und Tränenströmen gelesen,
erinnert man sich mit Wehmut an die noch vergleichsweise rosigen
und leichtherzigen Zeiten der ersten paar hundert Seiten.
Die Welt von Harry ist nicht mehr dieselbe und wird nie mehr
dieselbe sein – haltet mich für ein Weichei, aber das
Ende von Band 6 hat mich dermaßen erschüttert,
dass ich eine Nacht nicht schlafen konnte und – soviel darf
denke ich verraten werden – ob des unsagbaren Verlustes (ich
mag mich der in der HP-Gemeinde durchaus verbreiteten, verzweifelten
Hoffnung nicht anschließen, alles sei nur gefakt gewesen...)
echte Trauerarbeit leisten musste. Das war natürlich
alles andere als erbaulich, aber andererseits: Wie viele Bücher
können es von sich behaupten, derart mitten ins Herz
zu treffen?
Deshalb eine ernst gemeinte Warnung, die sich an alle Die-Hard-Harry-Potter-Fans
unter 12 bzw. deren Eltern richtet: Steht das Ende gemeinsam
durch; redet darüber, lasst es euch vorlesen. Der emotionale
Totschlag, den uns Frau Rowling hier verabreicht, sollte wirklich
nicht auf die leichte Schulter genommen werden. Er ist es
meiner Meinung nach auch, der zahlreiche Leser zu negativen
Kritiken verleitet hat: auch HP 6 ist großartig, aber
auch extrem traurig. Ein echtes, legitimes Gefühl, nur
eben schwerst verdaulich.
J. K. Rowling: Harry Potter and the Half-Blood Prince.
Bloomsbury 2005. Geb., 607 S.
bei
amazon kaufen: EUR 15,80
J. K. Rowling: Harry Potter und der Halbblutprinz.
Carlsen, Hamburg 2005. Geb., ca. 700 S.
bei
amazon kaufen (erscheint am 1. Oktober): EUR
23,20
Der
Verrat der Feuer-Gilde Lesealter: 12–99
Wow! Was für ein schönes Buch! Nachdem ich die Woche
davor den neuesten Harry Potter gelesen hatte, hatte
ich meine Erwartungslatte für die restliche Lektüre
recht hoch angesetzt. Aber während ich noch überlegte,
ob das nun ein Kinderbuch oder nicht sein soll, hat mich die
Geschichte und wie phantasievoll sie erzählt wird, total
in ihren Bann gezogen. An allen Ecken und Enden blitzt das
Talent der Autorin auf, überall zeigen sich Ideen, die
jede für sich betrachtet wieder Stoff für ein eigenes
Buch sein könnten. Kurze Inhaltsangabe: Das Mädchen
Rena besucht zum ersten Mal in ihrem Leben den Palast der
Regentin von Daresh. Rena gehört zur Erd-Gilde und hört,
gerade als sie den Palast betreten möchte, eine Art Lockruf,
der sie unwiderstehlich in die Tiefen des Palastes schickt.
Sobald sie die Rufquelle entdeckt hat und diese berührt,
versteht sie plötzlich die Sprache der Halbmenschen,
die den verschiedenen Gilden dienen. Sie muss ihr Zuhause
verlassen und schließt sich der Feuer-Gildnerin Alix
an. Während der Reise vertraut Alix Rena einen ungeheuren
Verdacht an: In ihrer eigenen Gilde scheinen Verräter
alles daran zu setzen, Daresh und seine Geschöpfe in
einen blutigen Bürgerkrieg zu stürzen. Rena und
Alix begeben sich auf eine unmöglich erscheinende Reise:
Sie möchten eine Friedensdelegation zusammenstellen und
diese mit der Regentin und ihrem Rat an den Verhandlungstisch
bringen ....
Das Buch schreit förmlich nach einer Fortsetzung – und
das bitte bald! (Anm. d. Red.: Bei Ueberreuter sind bereits
4 Bände in Hardcover erschienen.)
Fazit: Für junge und junggebliebene Menschen von 12 bis
99, als Einstiegslektüre in die weiten Gefilde der phantastischen
Literatur und für alle, die glauben, dass es keine AutorInnen
nach J. K. Rowling mehr gibt. Anne Artner
Katja Brandis: Der Verrat der Feuer-Gilde. Kampf um Daresh.
Carlsen, Hamburg 2005. Tb, 450 S.
bei
amazon kaufen: EUR 9,20
Glamourgirl:
Stilettopanik Lesealter: 12–16
Ein hübsch gemachtes Cover, ein eindeutiger (wenn auch
unpassender) Titel: Zickenterror ist angesagt. Meine testlesende
Tochter, derzeit begierig auf der Suche nach allem was nach
Verliebtheit, Küssen, Outfit, Coolsein usw. aussieht,
machte sich also über das Büchlein her.
Ergebnis: In einer Schule der High Snobiety fällt Octavia
als "Lumpenträgerin" (nicht) auf, gehänselt
von den Obertussen des Vereins. Die Heldin sieht sich dann
mit der Situation konfrontiert, dass auch ihr Wunschjunge
Outfitwünsche der Spitzenklasse äußert.
Brauchbare, realistisch anmutende Nur-Mädchen-Lektüre
ab 12, mit geringem Anspruchniveau, mittlerem Unterhaltungswert
und der Freude nach der Lektüre, dass es einem im wirklichen
Leben wesentlich besser geht.
Rose Wilkins: Glamourgirl. Stilettopanik. Ravensburger,
2005. Geb., 222 S.
bei
amazon kaufen: EUR 13,33
Das
Saint Netzwerk Lesealter: 13+
Ein Zukunftsroman, der dennoch gegenwärtig ist wie selten
ein Buch.
Eine spannende, wendungsreiche Geschichte, die zugleich gewichtige
Fragen aufwirft über die fragwürdigen Wege, die
die Menschheit eingeschlagen hat.
Ein Jugendroman, der in jedem Moment die Intensität enthält,
auch Erwachsene zu begeistern.
Eine actionreiche Story, die glaubwürdiger und detailreicher
Charakterzeichnung ebenso viel Platz einräumt.
Mit einem Wort: Die Geschichte von Mira, die in einer völlig
abgeschiedenen, ständig eingeschneiten kleinen Gemeinschaft
aufwächst, ist perfekt aufgebaut und immer durchdacht,
mitreißend und packend, ein Page-Turner mit hohem Nachdenk-Gehalt.
Miras Leben wird nachhaltig gestört, als vor ihren Augen
eine unbekannte Frau erschossen wird – eine Frau, der sie
sich seltsam nah fühlt, niedergestreckt von Männern
in Grau, die es in ihrem Leben eigentlich gar nicht geben
dürfte. Mira beginnt Fragen zu stellen – und erkennt
bald, dass Antworten hier nicht zu finden sind. Eine waghalsige
Reise zu ihrem wahren Selbst beginnt.
Sehr starkes Buch für Lesende ab 13.
Patrick Cave: Das Saint Netzwerk. cbj, München
2005. Geb., 509 S.
bei
amazon kaufen: EUR 17,41
(Erscheint im August)
Bartimäus
– Das Auge des Golem Lesealter: 13–99
Knapp drei Jahre nach den Aufregungen um das Amulett
von Samarkand wird Bartimäus wieder beschworen –
zu seiner grenzenlosen Überraschung erneut von Nathanael,
der mittlerweile als John Mandrake in die britischen Regierungsgeschäfte
involviert ist. Sehr zu seinem charakterlichen Nachteil, wie
Bartimäus bald bemerken muss.
Mandrakes Aufgabe: dem Widerstand, der sich immer dreistere
Aktionen herausnimmt, das Handwerk zu legen. Dann taucht auch
noch eine unbekannte Gewalt auf, die diverse Gebäude
in Schutt und Asche legt und auf Dämonen wirkt wie eine
Heizlampe auf Moskitos.
Band 2 der Bartimäus-Trilogie kann mit der unbekümmerten
Frechheit des ersten Bandes nicht ganz mithalten, obgleich
sich Bartimäus redlich um die Qualität seines Sarkasmus
bemüht; dem Autor ist die Lockerheit ein wenig abhanden
gekommen, und auch der Spannungsbogen der Geschichte ist insgesamt
etwas flacher ausgefallen. Angesichts der ungewöhnlichen
Brillanz des ersten Teiles ein fast unvermeidlicher Rückfall,
trotz dem das Buch aber immer noch ein absolut gelungener
Schmöker bleibt. Jugendlicher im Tonfall und dabei mehr
auf psychologische Zwischentöne bedacht bereitet Das
Auge des Golem vor allem den Boden für das große
Finale, versorgt uns z.B. mit Hintergrund zur Heldin des Widerstands,
der magieresistenten und rotzfrechen Kitty.
Wem das erste Buch entzückte Schauer über den Rücken
gejagt hat, wird auch den zweiten Band mit Genuss lesen –
auch wenn dieser die selbst in schwindelnde Höhe gelegte
Latte nicht ganz erreicht.
Jonathan Stroud: Bartimäus – Das Auge des Golem.
cbj, München 2005. Geb., 670 S.
bei
amazon kaufen: EUR 20,60
Liebesprotokolle
Lesealter: 12+
Carmen liebt ihre Privatsphäre wie nichts anderes. So
ist es die größtmögliche Katastrophe, als
eines Tages ihr Tagebuch verschwindet; noch dazu, wo gerade
jene Leute, die von seinem Inhalt am wenigsten erfahren dürfen,
die Hauptverdächtigen sind: ihre Mutter, ihre beste Freundin,
die Freundin ihres Vaters und Raoul, der coole Typ auf den
Carmen schon einige Augen geworfen hat.
Carmen macht sich daran, unauffällig Nachforschungen
anzustellen – und versucht parallel, so viel wie möglich
über die Verdächtigen zu Protokoll zu geben, um
sie damit im Ernstfall zum Schweigen bringen zu können.
Dabei kommt Erstaunliches zutage
Liebesprotokolle trifft es nicht: um (romantische)
Liebe geht es nur ganz am Rande. Vielmehr ist die tragikomische
Geschichte die Selbsterfahrungsreise eines pubertierenden
Mädchens mit einem ganz eigenständigen Profil: Carmen
hat keine Angst vor der Wahrheit, ihre Aussprüche treffen
häufig auf leicht krude Art mitten ins Schwarze – weshalb
ihre Mitmenschen besser selbstbewusst genug sein sollten,
dem vorgehaltenen Spiegel ins Auge blicken zu können.
Umgekehrt erfährt Carmen natürlich viel über
sich selbst, wächst und reift daran, mag ihr dabei auch
nicht immer zum Lachen sein.
Ausgezeichnet gelungenes Jugendromandebüt der in Wien
lebenden Autorin. Ab 12 zu empfehlen und auch für Eltern
pubertierender Mädchen aufschlussreiche Lektüre.
(Wertung und Testlesung: Lena Turek, 10)
Vanessa Walder: Liebesprotokolle. cbj, München
2005. Geb., 159 S.
bei
amazon kaufen: EUR 10,20
Sophie
im Schloss des Zauberers Lesealter: 10+
Sophie wird von einer Hexe in eine alte Frau verwandelt. Doch
anstatt sich dem stillen Kummer zu ergeben macht das Mädchen
zum ersten Mal in ihrem Leben einfach, was sie will. Die irrwitzigsten
Abenteuer sind die Folge...
Gerade rechtzeitig, um die Wartezeit auf die deutschsprachige
Ausgabe von Harry Potter VI zu verkürzen (1.10.05),
kommt einer der besten Romane von Diana Wynne Jones endlich
auf den hiesigen Markt. Äußerst amüsant geschrieben,
mit immer wieder überraschenden Wendungen und fantastisch-magischen
Einfällen gespickt; ab 10, aber dank seiner Vielschichtigkeit
auch für Erwachsene eine gern gegebene, vergnügliche
Empfehlung.
Zur
Orientierung: Sophie hat nichts mit der Chrestomanci-Reihe
zu tun, wurde aber dennoch fortgesetzt mit dem Band Ziemlich
viele Prinzessinnen; die Einhaltung der Reihenfolge ist
anzuraten, will man sich nicht die eine oder andere Überraschung
verderben. Unter dem Titel Howl's Moving Castle hat
der König des Anime, Hayao Miyazaki (Prinzessin Mononoke,
Chihiros Reise ins Zauberland) Jones magische Geschichte
zu seinem nach der Auffassung vieler allerbesten Film gemacht,
der Start im Kino ist noch in diesem Frühjahr vorgesehen.
Diana Wynne Jones: Sophie im Schloss des Zauberers.
Carlsen, Hamburg 2005. Geb., 364 S.
bei
amazon kaufen: EUR 14,42
Die
Westmark-Trilogie Lesealter: 12–99
Lloyd Alexander, Schöpfer des berühmten Taran-Zyklus,
hat in den 80er Jahren eine weitere Arbeit abgeliefert, der
die verdiente Beachtung versagt geblieben ist – die Westmark-Trilogie.
Bastei Lübbe hat diesen vergessenen literarischen Schatz
geborgen und erstmals der deutschsprachigen Öffentlichkeit
vorgelegt.
Die Westmark-Trilogie ist ein ganz und gar unmagisches Stück,
dem auch, der Umschlaggestaltung zum Trotz, keinerlei Geruch
klassischer Fantasy anhaftet. Die Abenteuer des Setzerjungen
Theo, der zu weit Größerem berufen ist, sind in
einer fiktiven Welt angesiedelt, die es so vielleicht im 18.
Jahrhundert in Europa gegeben haben könnte. Politik,
Intrigen, Romantik und ein nie versiegendes Feuer der Revolution
sind die Zutaten für eine Geschichte, die sich
um Sein und Schein der Gesellschaft, um echte Masken und falsche
Freunde dreht. Die Figuren, allen voran Theo, sind vielschichtig
– niemand hat nur eine Seite, Siege schmecken schal und nach
Blut, Niederlagen können auch ihr Gutes haben. Gibt es
die ideale Staatsform? Ist Monarchie auf
jeden Fall schlecht und die Republik um jeden Preis gerechtfertigt?
Wie steht es mit der Macht? Keine einfachen Fragen, auf die
keine eindimensionalen Antworten zu erwarten sind.
Die drei Bände regen durchaus dazu an, über Sinn
und Unsinn des Tuns der Mächtigen zu sinnieren – und
auch dazu, der Politik als solcher mit gehöriger Skepsis
zu begegnen. Da sie zudem mit ironischer Leichtigkeit geschrieben
sind und auch als spannende Schmöker bestens funktionieren,
können sie der Leserschaft ab 14 (der Blutzoll ist doch
mitunter sehr hoch) als staatsbürgerkundliches Infotainment
ans Herz gelegt werden.
Lloyd Alexander: Der Setzerjunge. Bastei-Lübbe,
Bergisch-Gladbach 2004. TB, 205 S.
bei
amazon kaufen: EUR 7,10
Lloyd Alexander: Der Turmfalke. Bastei-Lübbe,
Bergisch-Gladbach 2005. TB, 270 S.
bei
amazon kaufen: EUR 7,10
Lloyd Alexander: Die Bettlerkönigin. Bastei-Lübbe,
Bergisch-Gladbach 2005. TB, 286 S.
bei
amazon kaufen: EUR 8,13
Im Schatten der Wächter

(zur Rezension) wurde für den Deutschen
Jugendliteraturpreis nominiert, wie der Verlag mit berechtigtem
Stolz vermeldete. Besonders erfreulich: Die Nominierung erfolgte
durch die Jugendjury. Jetzt braucht es nur noch eine Taschenbuch-Ausgabe
des herausragenden Debutromans, damit dieser auch seinen Weg
als Schullektüre machen kann.
Abhorsen
Lesealter: 14+
Es ist soweit: der Endkampf von Lirael und Prinz Sameth mit
dem Nekromanten Hedge steht bevor. In rotes Feuer gehüllt
reitet der Zerstörer ihnen entgegen – und die beiden
wissen: Es gibt viel Schlimmeres als den Tod...
Das fulminante Finale von Nix gefeierter Fantasy-Horror-Trilogie:
Wieder steht ein junger weiblicher Held im Mittelpunkt, wieder
ist die Atmosphäre dunkel und dicht wie schottischer
Nebel. Die Spannung freilich erreicht ihren Höhepunkt
– Nix hat seine Welt mittlerweile dargelegt und derart viele
Bezüge und Querverweise eingebaut, dass die begierige
Leserschaft zahlreichen Auflösungen entgegen fiebert.
Und auf ein glückliches Ende hofft... Ob Nix am Ende
des Tunnels endlich Licht erblickt?
Garth Nix: Abhorsen. Carlsen, Hamburg 2005. Geb., 408
S.
bei
amazon kaufen: EUR 18,54
Lirael
Lesealter: 14+
Als "Tochter der Clayr", wie es der Untertitel verspricht,
hat Lirael sich nie empfunden, fehlt es ihr doch an der Gabe,
in die Zukunft zu sehen. Dennoch ist das Schicksal des Alten
Königreichs aufs Engste mit ihrem verknüpft. Eine
Begegnung mit Sabriel und König Touchstone bringt
eine unerwartete Wendung in ihr Leben...
Garth Nix düstere Fantasy-Trilogie findet ihre Fortsetzung
– wieder sprachgewaltig und tief bewegend, vom Verlag diesmal
dezidiert für Leser ab 14 ausgewiesen. Seit Sabriels
und Touchstones Abenteuern sind einige Jahre ins Land gezogen.
Lirael erreicht im Wesentlichen die Qualitäten
von Sabriel, nur das allzu abrupte Ende
enttäuscht ein wenig: Lirael ist keine abgeschlossene
Geschichte, es geht einfach mit Band 3 weiter. Die gute Nachricht:
siehe oben.
Garth Nix: Lirael. Carlsen, Hamburg 2004. Geb., 542
S.
bei
amazon kaufen: EUR 18,54
Das
Geheimnis des Schlangenreifs Lesealter: 12+
Der 12-jährige Joshie erhält geheimnisvolle Anrufe
mitten in der Nacht – von einem ungeheuer reichen Handelshaus,
das seit beinahe 1.000 Jahren besteht. Ohne es zu wissen soll
er Giphart International einen völlig neuen Markt erschließen:
die Zeit. Etliche Kinder sind bereits unterwegs, denn ihnen
ist es ein Leichtes, vergangene Epochen aufzusuchen – wenn
auch nur in den kollektiven Träumen der Menschheit. Joshie
soll es wirklich machen, denn er ist umgeben vom Geheimnis
des Schlangenreifs.
Unversehens landen er und seine beiden Freunde Teresa, die
Erzählerin, und Bors, der Trommler, in einem haarsträubenden
Abenteuer, rasen rückwärts durch die Zeit auf der
Suche nach den Wurzeln des Fluchs, unter dem Giphart zu stehen
scheint.
Der mit der höchsten niederländischen Auszeichnung
für Jugendliteratur geehrte Erstling der Literaturtheoretikerin
Isabel Hoving vereint blühende Fantasie, ausgezeichneten
Stil, jede Menge Abenteuerlichkeit und Philosophisches zu
Träumen, Handel, Macht und Habgier und den Lauf der Zeiten
zu einem sehr anspruchsvollen, sehr ansprechenden, spannenden
und manchmal nachdenklich stimmenden Werk für Menschen
nicht unter 12. Einziges Manko: Einiges bleibt unerklärt
bzw. unerklärlich, die vollends befriedigende Nachvollziehbarkeit
so mancher Tat fehlt; der Text erweckt den Eindruck, dass
die Autorin ihre selbst enorm hoch gelegte Latte nicht immer
100 %ig erreicht. Aber sagen wir es so: das Buch ist eben
fantastisch – in mehrfacher Hinsicht.
Isabel Hoving: Das Geheimnis des Schlangenreifs. Carlsen,
Hamburg 2004. Geb., 636 S.
bei
amazon kaufen: EUR 18,60
Doing
It Lesealter: 14+
Der Autor schildert die Nöte des Erwachsenwerdens anhand
von drei 16-jährigen Halbstarken, bei denen sich alles
nur um ein Thema dreht: Sex, Sex und noch einmal Sex.
Obwohl seine Schilderungen nicht einer gewissen Komik entbehren,
bleibt v.a. die Hauptfigur Dino blutleer und von Klischees
überfrachtet, während die Naivität einer anderen
Hauptfigur namens Ben zum Haareraufen ist: Erst sehr, sehr
spät bemerkt er, dass seine ältere Geliebte ein
massives Selbstwertproblem mit sich herumschleppt...
Auch die dritte Hauptfigur namens Jon kämpft so mit seinen
Wehwehchen: Seine beste Freundin ist Deborah, sie verstehen
sich sehr gut und eigentlich hätte Jon ja auch nichts
dagegen, mit ihr seine Jungfräulichkeit zu verlieren,
wenn nicht...
Teilweise gelingt es dem Autor, wirklich gelungene Skizzen
von Charakteren oder Nuancen von Persönlichkeiten der
Protagonisten zu präsentieren, aber das Buch verfügt
meiner Meinung nach über drei massive Fehler: 1. der
vorgeblichen "Coolness" opfert der Autor in meinen
Augen leichtfertig den Ausbau so mancher Szene, die dem Geschichtsverlauf
gut getan hätte; 2. die Buben bleiben in diesem Werk
total überrepräsentiert, den Mädchen kommt
bestenfalls eine auf ihre Geschlechtsorgane reduzierte Statistenrolle
zu und 3. gewinnt sichtlich keine der Hauptfiguren durch ihre
Erlebnisse irgendwelche Erkenntnisse, um mit sich und anderen
leichter zurechtzukommen, was ich absolut aufgesetzt finde.
Denn die heutige Jugend ist um einiges besser, als sie in
Doing It präsentiert wird! (Anne Artner)
Melvin Burgess: Doing It. Carlsen, Hamburg 2004. Geb.,
350 S.
bei
amazon kaufen: EUR 14,40
Eragon
Lesealter: 13+
Ein Junge
ein Drache
eine Welt voller Abenteuer.
So bringt es der Klappentext auf den Punkt Eragon ist
ein (für Leseratten ab 12 geeigneter) Fantasyschmöker
gehobener Qualität, der alle Zutaten des Genres zu einem
durchaus eigenständigen Gericht zu vermischen weiß.
Magie, Fabelwesen, abgrundtief böse Herrscherfiguren,
Schwertergeklirr Tolkien lässt grüßen.
Erstaunlich die Entstehungsgeschichte dieses Erstlings, der
in den USA zum Bestseller aus dem Nichts avancierte: mehr
aus Langeweile denn echter Ambition begann der 15-jährige
Christopher Paolini im Fundus seiner angelesenen Phantasie
zu graben und seine ganz eigene Welt zu erschaffen. Trotz
gründlicher Überarbeitung ist denn auch anfangs
die Naivität des Autors noch zu spüren, doch nach
spätestens 100 Seiten beginnt die Geschichte vollends
aus sich selbst zu strahlen und vermag einschlägig Begeisterbare
faszinierend zu unterhalten.
Nachdem der 600 Seiten starke Wurf zunächst im Eigenverlag
erschien, verbreitete sich die Kunde von der Wucht des Romandebüts
eines blutjungen Autors per Mundpropaganda, bis ein großer
Verlag schließlich die "echte" Herausgabe
übernahm.
Eragon ist Teil 1 einer auf drei Teile angelegten Saga; am
Folgeband arbeitet der mittlerweile 20-jährige Schriftsteller
gerade. Verfolgt man die Entwicklung seines jugendlichen Helden
in Eragon samt dem Aufblühen seines literarischen Talents
ist man gerne geneigt, dem bescheidenen Versprechen Paolinis
zu glauben: "Band 2 wird noch besser werden." Ich
werde mich mit Vergnügen selbst davon überzeugen.
Christopher Paolini: Eragon. Das Vermächtnis der Drachenreiter.
cbj, München 2005. Geb., 604 S.
bei
amazon kaufen: EUR 20,50
Bartimäus
– Das Amulett von Samarkand Lesealter: 13–99
Nathanael, der schlaue, aber auch blutjunge Zauberlehrling,
hat die beste Motivation, um sich an seinem selbst entwickelten
Plan zu übernehmen: Rache. Dass er ausgerechnet Bartimäus,
den 5.000 Jahre alten Dschinn, als Erfüllungsgehilfen
bestimmt, erweist sich als beinahe übergroßes Wagnis
Denn alle "Dämonen sind überaus heimtückisch.
Sie fallen dir in den Rücken, sobald sich ihnen auch
nur die geringste Gelegenheit dazu bietet." So wurde
es ihm von seinem überaus mittelmäßigen Zaubermeister
immer und immer wieder eingebläut.
Und dann dieser Auftrag! Bartimäus traut seinen Ohren
nicht, als der Junge ihm befiehlt, das Amulett von Samarkand
aus dem Haus eines der mächtigsten Zauberer des Landes
zu entwenden. Ohne die geringste Ahnung zu haben, welch staatstragende
Rolle dieses magische Kleinod spielen soll
Aus der Perspektive des abgebrühten, listenreichen und
alles anders als mundfaulen Dschinns (sagt nicht Dämon
zu ihm, das kann er nämlich ganz und gar nicht leiden)
Bartimäus erleben wir eine packende, fantastische, magische
Abenteuergeschichte, bei der einfach alles stimmt: bildhaft
wie ein Film, spannend wie ein Thriller und dank ironischer
Fußnoten mit pointiertem (schwarzem) Humor gewürzt,
erreicht der erste einer auf drei Bände angelegten Reihe
Harry-Potter-Qualitäten der Unterhaltung (das größte
Kompliment das dieser Rezensent aussprechen kann). Da die
Geschichte allerdings weitaus gruseliger und teils auch düsterer
abläuft als die ersten beiden Potter-Bände, sei
hiermit eine Lesealterempfehlung ab 12 ausgesprochen. Kaufen,
lesen, darin versinken!
Jonathan Stroud: Bartimäus – Das Amulett von Samarkand.
Bertelsmann Jugendbuch, München 2004. Geb., 540 S.
bei
amazon kaufen: EUR 19,50
Sabriel
Lesealter: 14+
Schon bei ihrer Geburt muss Abhorsen, ihr Vater, Sabriel den
Klauen des Todes entreißen. Dann, 18 Jahre später,
erreicht das Mädchen eine kryptische Botschaft ihres
Vaters, der verschwunden ist – irgendwo zwischen dem magischen
Alten Königreich und dem Reich der Toten, die nun nichts
mehr davon abzuhalten scheint, in das Land der Lebenden einzufallen.
Sabriel macht sich auf den Weg, ihren Vater zu finden – und
ihr Schicksal
Nekromantie, lebende Tote, blutrünstige Geister, grauenvolle
Verwandlungen – Garth Nix Erstling ist erstklassige, düstere
Fantasy, die mit starken sprachlichen Bildern aufwartet. Ein
aufregendes Abenteuer jagt das nächste, doch auch die
dämonischen Anteile faszinieren, zwingen sie den Leser
doch den Metaphern bis in sein eigenes Innerstes nachzuforschen.
Der Text empfiehlt sich kaum vor dem 12. Lebensjahr – und
sollte nach Möglichkeit im gut lesbaren englischen Original
verschlungen werden.
Garth Nix: Sabriel. Carlsen, Hamburg 2004. Geb., 368
S.
bei
amazon kaufen: EUR 18,50
Englischer
TB-Reprint: EUR 8,15
Das
Netz der Schattenspiele Lesealter: 14+
Stella ist 16, mitten in der Pubertät und, nach etlichen
privaten Enttäuschungen und angesichts der Krise zwischen
ihren Eltern, permanent misstrauisch gegenüber ihrer
Umwelt. Ihr bevorzugter Aufenthaltsort ist der Cyberspace
– kein Wunder, ist doch ihr Vater ein gesuchter und erfolgreicher
Software-Spezialist.
Dessen neueste Entwicklung, ein völlig neuartiges Computerspiel,
zieht Stella in ihren Bann. Sie startet es gegen das ausdrückliche
Verbot ihres Vaters; doch das Spiel entweicht ins Internet
und entwickelt ein Eigenleben, das bald nicht mehr kontrollierbar
scheint. Gravierende Computerpannen häufen sich; ein
erstes Todesopfer ist zu beklagen. Was hat Stella da ausgelöst?
Und wie kann dem sich mit rasender Geschwindigkeit ausbreitenden
Cyberworm beigekommen werden?
Aufmachung und Einstiegstext auf der hinteren
Umschlagseite wurden ganz auf Jugendbuch getrimmt, die Kategorie
der der Carlsen-Verlag die Schattenspiele zuordnet.
Dehnt man den Begriff "Jugendbuch" bis zur Altersgruppe
ab 14 aus, mag diese Zuordnung vertretbar sein. Ich habe den
Text jedenfalls als großteils völlig "erwachsenen",
überaus spannenden und gegen Ende bis zum Würgegriff
packenden Cyberthriller erlebt, den ich Jüngeren nicht
ans Herz legen will.
Auf geniale Weise überträgt Isau (der vom Computer-Fachmann
zum Autor mutierte) sein Wissen um Bits and Bytes in anschauliche
Bilder, lässt gar mittels einer gefährlichen "Traummaschine",
einer Art Mensch-Maschine-Interface, aus dem Netz der Netze
eine Fantasy-Welt entstehen. Stellenweise wirkt der Text etwas
überkonstruiert, diese minimalen Schwächen seien
aber angesichts einer an sich bestens strukturierten Handlung
inklusive finalem Aha-Effekt liebend gerne verziehen. Und
dabei meint die Leserschaft bei amazon mehrheitlich, Herr
Isau könne es noch weit besser als in diesem Buch – glatte
5 Sterne erhielten z.B. die Titel Das
Museum der gestohlenen Erinnerung, Die
unsichtbare Pyramide, Die
geheime Bibliothek des Thaddäus Tillmann Trutz und
Der
silberne Sinn. Ein Autor, bei dem es noch viel zu entdecken
gibt.
Ralf Isau: Das Netz der Schattenspiele. TB, Carlsen,
Hamburg 2004. 700 S.
bei
amazon kaufen: EUR 9,80
Das
Geheimnis der Greifenfeder Lesealter: 10+
Felix ist 13, herzkrank, schmächtig und wirkt wesentlich
jünger als er ist. Dennoch lässt er es sich nicht
nehmen, während seines (letzten?) Urlaubs in Costa Rica
mit den Eltern eine längere Wanderung zu unternehmen
– an deren Ende er in Ohnmacht fällt. Als er wieder zu
sich kommt, befindet Felix sich in einer magischen, völlig
fremden Welt. Hier sind mythische Wesen real und Menschen
gehören ins Reich der Legende.
Felix freundet sich mit einem Greifenmann und einem Elfenmädchen
an, und gemeinsam versuchen sie, für Felix einen Weg
zurück in seine Welt zu finden – und ein Heilmittel gegen
seine Krankheit. Die Zeit drängt, denn Felix wird schwächer
und schwächer...
Ein außergewöhnlich gut geschriebener Schmöker:
Man fühlt sich selbst wie Felix, kommentierte meine Tochter.
Sehr gefallen hat ihr auch die Vielzahl von Wortschöpfungen,
die die fremde Welt in sich stimmig beschreiben (Kompliment
an die deutsche Übersetzung). Eine schillernd geschilderte
Geschichte voller Wendungen, rührend schön und sehr
abenteuerlich.
Elizabeth Kay: Das Geheimnis der Greifenfeder. Ab 10.
Carlsen, Hamburg 2004. 301 S.
bei
amazon kaufen: EUR 15,-
Der
Geist Lesealter: 14+
Harold ist bleich wie ein Laken und halb blind: ein Albino.
Ein eingeschüchterter und verbitterter Junge – die anderen
Kinder nennen ihn "Made" und "Geist",
den Tod seines Vaters und das Verschwinden seines Bruders
hat er nie überwunden. Bis eines Tages ein Wanderzirkus
durch das verschlafene Nest mitten in der Prärie kommt:
Hier lernt Harold andere Freaks kennen und erlebt zum ersten
Mal in seinem Leben Freundschaft. Doch im Zirkus ist nichts
so, wie es scheint
Fein erzählte Geschichte um die Masken, die wir alle
tragen, und die Frage, welche Verrücktheit eigentlich
die schlimmere ist – äußerliche oder innerliche.
Nebenbei macht Harold auch einen Entwicklungssprung und reift
zum jungen Mann. Die Erzählung weist oft bittersüße
Momente auf und gefällt mit der Darstellung ungewöhnlicher
Figuren, deren "wahrer" Charakter erst nach mehrmaligem
Hinschauen offenbar wird. Lawrence versteht es wunderbar,
wirklich starke Bilder zu erzeugen. Das Ende fand ich allerdings
ernüchternd: "Es kommt ungeheures Leid", hatte
die Zigeunerin prophezeit, und so geschieht es dann auch.
Musste es so ungeheuer sein, um die Vergänglichkeit aller
Illusion zu unterstreichen? Musste es gerade ein Moment der
idealen Gemeinsamkeit sein, der zerstört wird? Offenbar.
Ein oft schönes und letztlich schonungsloses Buch für
Lesende nicht unter 12.
Iain Lawrence: Der Geist. Verlag Freies Geistesleben,
Stuttgart 2003. 328 S.
bei
amazon kaufen: EUR 17,-
Im
Schatten der Wächter Lesealter: 12–99
Elliot, der Prügelknabe, Elliot, das Opfer. Aber an der
neuen Schule soll alles anders werden – vom ersten Tag an
achtet der Junge peinlich genau auf jedes kleinste Detail,
um nur ja "auf die richtige Art und Weise" aufzufallen.
Er erfindet sich neu – und der Plan scheint aufzugehen. Bis
er in einen Strudel gezogen wird, in dem es sich um Masken,
Macht und Kontrolle dreht – und Elliot die fatalen Konsequenzen
seiner täglich undurchdringlicher werdenden Mauer um
sich selbst erkennen muss.
Ein Roman-Erstling von überwältigender Intensität,
vollkommen in Handlung, Tempo und Struktur. Vielschichtig,
voller Tiefgang, beklemmend, kalt und heiß zugleich.
Inspiriert von Orwells 1984 legt Gardner auf eindringlichste
Art die Psychologie der Macht bloß. Je kühler die
Masken, desto mehr brodelt es im Innern – und Angst wird erst
unerträglich, wenn es etwas zu verlieren gibt. Gibt es
einen Ausweg aus der Sackgasse aus Zynismus und Menschenverachtung,
in die sich Elliot unter dem Deckmantel der nüchternen,
vernünftigen Weltsicht begibt? Oder wird er unwiderruflich
Teil eines Spiels, in dem es nur zwei Rollen gibt: Kontrollierende
und Kontrollierte, Machtvolle und Machtlose, unterkühlte
Wölfe und zitternde Schafe
Graham Gardner: Im Schatten der Wächter. Roman
ab 12. Verlag Freies Geistesleben, Stuttgart 2004. Geb., 194
S.
bei
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Tintenherz
Lesealter: 12–99
Das Leben – ein Buch. Oder lieber viele, viele Bücher.
Cornelia Funke ist eine Autorin, die Bücher liebt und
das Schreiben von Büchern liebt – für (junge) Leser
und Leserinnen, die gerne tief in Geschichten eintauchen,
zwischen den Seiten eines schönen Schmökers auf
Abenteuerreise gehen können.
Tintenherz ist das Meisterstück dieser Autorin,
die das deutschsprachige Jugendbuch schon um etliche herausragende
Titel bereichert hat – Herr der Diebe und Drachenreiter
seien hier erwähnt. Eine Geschichte, in der Figuren aus
Büchern lebendig werden und lebende Menschen in Büchern
verschwinden – ungemein spannend und gut geschrieben, auf
sprachlich hohem Niveau, wie wir es von Cornelia Funke gewohnt
sind. Alles dreht sich um die Liebe zum Buch – die wichtigsten
Personen sind ein lesebegeistertes Mädchen, ihr Vater,
der "Bücherdoktor", eine bücherverrückte
Tante und das Buch "Tintenherz" oder vielmehr etliche
Figuren daraus, mit seltsamen Namen wie Capricorn, Staubfinger
oder Basta. Allein Tintenherz in Händen zu halten
lässt das Herz des Bücherwurms höher schlagen
– mit tiefrotem Vorsatzpapier, Lesebändchen, Illustrationen
der Autorin und einem wunderschönen Einband. Die Widmung
sagt eigentlich alles: "Für Anna, die sogar den
,Herrn der Ringe´ zur Seite legte, um dieses Buch zu
lesen. (Kann man mehr von einer Tochter verlangen?)"
Meine Tochter befand: "So gut wie Harry Potter. Am liebsten
würde ichs gleich nochmal lesen." Nur zu empfehlen.
Cornelia Funke: Tintenherz. Ab 10. Cecilie Dressler
Verlag, Hamburg 2003. 573 S.
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Frei
wie ein Wolf Lesealter: 12–99
McKinley ist der Rudelführer aller Hunde von Steamboat
Springs. Nicht nur, weil er selbst einiges Wölfische
an sich hat, ist er vom Auftauchen der Wölfin Lupin in
der Gegend fasziniert: Lupin zieht alle Hunde der Gegend mit
ihren Erzählungen vom freien Leben in der Wildnis in
den Bann. Die Menschen aber machen aus Angst Jagd auf die
Wölfin, und als Lupin verletzt wird, ist sie auf McKinleys
Hilfe angewiesen. Der Malamute muss sich für eine Seite
entscheiden – und dann gerät auch noch sein Rang als
Leithund in Gefahr.
Der erfolgreiche Jugendbuchautor Avi erzählt aus der
Sicht des Hundes eine abenteuerliche Geschichte um Freiheit,
Freundschaft und Zugehörigkeit. Spannend geschrieben,
überzeugt die Story vor allem durch die stimmige und
gut nachvollziehbare Wiedergabe der hündischen Lebenswelt.
Feiner Schmökerstoff ab 10.
Avi: Frei wie ein Wolf. Carlsen, Hamburg 2003. 192
S.
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Delphinrufe
Lesealter: 10+
Seb ist halbblind, fürchtet sich vor dem Meer und stellt
eine ständige Enttäuschung für seinen Vater
dar. Ausgerechnet er wird von einem Delphin "gerufen",
der seine Hilfe braucht...
Sehr spannend geschriebene Geschichte um eine seltsame Freundschaft,
die nichtsdestotrotz beiden Wesen im Leben weiterhilft. Einer
der eher seltenen Fälle, in denen ein Jugendbuch in der
Lage ist, sehr unterschiedliche Altersstufen und beiderlei
Geschlechter ab 10 anzusprechen (wobei meine Tochter die Geschichte
bereits mit 8 gelesen hat; ihr Prädikat: Schön!).
Diana Noonan: Delphinrufe. TB ab 10, Carlsen, Hamburg
2002. 123 S.
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