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Neuerscheinungen: Kochbücher - und was
SIE davon halten
Das große Buch der Gewürze 
Es ist alles andere als neu, hat aber im Lauf von 13 Jahren einige Metamorphosen durchgemacht, auch innerhalb des AT-Verlags. In der hier vorliegenden Form erreicht der prächtige, die Sinne anregende Band die 10. Auflage. Er ist einfach zeitlos, der perfekte Longseller, und wahrscheinlich haben Sie ihn sogar schon einmal irgendwo gesehen.
Also: Er ist innen genauso schön wie außen, grandios bebildert (soll heißen, wunderschön und informativ) und enthält neben einer kleinen Gewürzhandel-Historie und der Vorstellung der wichtigsten Gewürze auch Rezepte zum Kochen sowie für Gewürzmischungen von Curry bis Garam Masala, einige sonstige Anregungen was mit den duftigen und oft dekorativen Spices gemacht werden kann und ein ordentliches Register. Ideal für Gewürzliebhaber und Fans exotischer Küchen; bevor Sie es jemandem schenken, sollten Sie sich aber erkundigen, ob es nicht schon längst vorhanden ist.
Jill Norman: Das große Buch der Gewürze. AT-Verlag, Aarau 2004. Geb., 160 S.
 Likör.
Bowle. Sirup. 
Oskar Marti ist ein in der gesamten Schweiz berühmter
Koch und Führer eines seit mehr als 20 Jahren renommierten
Spitzenrestaurants. Er gilt als einer der Pioniere der "naturnahen
Küche".
An dieser Stelle konnte er bisher auch seinen Humor unter
Beweis stellen - mit der vierbändigen Kinder-Kochbuchreihe
"Kochen mit Cocolino", nur eine
unter vielen Publikationen im AT-Verlag.
Der neueste Streich des Wildkräuter-Fans beschäftigt
sich mit trinkbaren Genüssen: "400 Rezepte aus der
Natur mit und ohne Alkohol" verspricht uns der Untertitel
des großformatigen, reich bebilderten Bandes. Und so
finden sich darin auch Rezepte für Huflattichsirup, Veilchenbowle
oder Löwenzahnwein und natürlich ist auch der Schlehenlikör
erwähnt, den ich mir seit zwei Jahren vornehme, nachdem
die letzten Vorräte genüsslich weggeschlürft
worden waren...
Nützliches wie eine "Erkältungsmilch"
(mit Eigelb, Rum und Honig), traditionelles wie der Hypokras
(ein in Basel heimischer Neujahrs-Gewürzwein) oder puristisch-umwerfendes
wie der Whiskypunsch (Wasser und Whiskey 1:1, Zucker, Zitrone)
- hier sollte für jeden Geschmack etwas dabei sein. (Immerhin
ist auch Whiskey ein reines Naturprodukt.) Und weil Hrn. Martis
Experimentierfreude einfach nicht zu bremsen ist, gibt er
sogar Tipps zur Herstellung von Kaffee aus Löwenzahnwurzeln;
warum nicht auch das einmal versuchen.
Oskar Marti: Likör. Bowle. Sirup. 400 Rezepte
aus der Natur mit und ohne Alkohol. AT-Verlag, Baden und München
2005. Geb., 192 S.

Verrückt nach Karamell 
Trish Deseine muss für die gesamte medizinische und ernährungswissenschaftliche
Fachwelt ein Rätsel sein - und vermutlich auch ein Alptraum,
denn sämtlichen warnenden Zeigefingern, die schaudernd
von zu viel Zucker und Fett berichten und die katastrophalen
Folgen unserer falschen Ernährung in den düstersten
Farben zu schildern wissen, hält sie ein entwaffnendes,
sinnlich-verführerisches Lächeln entgegen, dem einfach
nicht zu widerstehen ist. Und wozu sollte man auch widerstehen
wollen, wenn die Verführung so süß lockt?
Wenn beim Lesen der mit viel Humor verfassten Texte der Drang,
sofort ans Naschwerk zu gehen, fast übermächtig
wird und spätestens beim Betrachten der geradezu gemein
schönen Bilder nur noch eins zählt: Sofort in so
ein Etwas hineinzubeißen, den Gaumen zu kitzeln, die
Zunge zu umschmeicheln, den Mund so voll wie nur möglich
zu nehmen und am besten seine Liebste mit noch klebrigen Lippen
zu küssen... Oh Göttin, was tust du mir an.
Ach ja, vorher muss man die süßen Sünden noch
herstellen. Auch da weiß Frau Deseine natürlich
Rat und erteilt ihn uns auch, schön strukturiert und
auf hunderten eigenen praktischen Erfahrungen beruhend. Dabei
schafft sie es, auch in der "Betriebsanleitung"
immer mal wieder eine launige, selbstironische Bemerkung oder
ein hübsches Anekdötchen einzustreuen. Was u.a.
zur Folge hat, dass man die ganz wenigen wirklich strikten
Anweisungen bestimmt Wort für Wort befolgen wird.
Nach Verrückt nach Schokolade nun
also Verrückt nach Karamell - und falls das überhaupt
möglich ist, ist das Lächeln der Frau Deseine noch
ein bisschen breiter geworden. Vermutlich weil ihre Bücher
noch immer nicht als verbotene Droge eingestuft wurden...
Trish Deseine: Verrückt nach Karamell. 100 sinnlich-süße
Verführungen. AT-Verlag, Baden und München 2006.
Geb., 160 S.
 Nudeln
selbst gemacht 
Es ist mir nicht klar gewesen, wie schnell und leicht Nudeln
selbst zu fabrizieren sind. Aber nach der Lektüre dieses
Werkes bin ich nicht mehr zu halten. Vor allem, weil auch
die Rede von Zimt- und Schokoladenudeln ist... Die Geschichte
der Nudel ist eine vielfältige: Lustig finde ich, dass
Nudeln scheinbar in verschiedenen Weltgegenden gleichzeitig
oder / und unabhängig voneinander erfunden worden sind.
Aber gemeinsam bleibt allen Sorten und Ländern, dass
Nudeln ein klassisches "Convenience"-Produkt, also
einfach und schnell zubereitbar sind.
Die Rezepte schauen brauchbar aus, die Arbeitschritte werden
sehr genau und gut erklärt. Ein weiteres Plus stellt
die exakte Unterscheidung zwischen Deutschland, Österreich
und der Schweiz und den damit zusammenhängenden Lebensmittelgesetzen
dar. Der Autor versteht sein Handwerk wirklich. Auch für
kulinarische AnfängerInnen geeignet. (Anne Artner)
Karl Kaltenegger: Nudeln selbst gemacht. Leopold Stocker,
Graz 2006. Geb., 150 S.
Kochen
mit Cocolino: Das Ferientagebuch 
Die lustige Kochschule für Kinder wird weitergeführt:
Cocolino lüftet wieder seine Spiegeleier-Augenklappe
und weist Pomo und Dora, die beiden Katzengeschwister, in
die Geheimnisse der Eierzubereitung ein, fabriziert einen
Makkaroniauflauf und sogar so ausgefeiltes wie Schokoladekuchen,
Brot und Risotto mit Wurst und Pilzen. Natürlich wieder
reichlich illustriert in ansteckender Fröhlichkeit: Der
14-tägige Kochurlaub ist jedenfalls wie im Flug vergangen...
Oski & Oski: Kochen mit Cocolino. Das Ferientagebuch.
AT-Verlag, Baden und München 2004. Geb., farbig illustriert,
72 S. Format 21,5 x 26,5 cm.
bei
amazon kaufen: EUR 17,40
Diabetes-Backbuch

Ob Menschen mit einer Form der Zuckerkrankheit besonders gerne
Süßigkeiten haben, weiß ich nicht, es ist
aber anzunehmen - erfahrungsgemäß lockt das Verbotene
ja immer ganz besonders.
Mit diesem wie gewohnt äußerst appetitlich angerichteten
Buch hat die Not dieser Menschen ein Ende. Den beiden Ernährungsberaterinnen
ist das größtmögliche Kompliment zu machen
- schließlich haben sie es geschafft, ein Diätkochbuch
zusammenzustellen, das ausschließlich aus schweren,
aber umso verführerischen Esssünden zu bestehen
scheint und dementsprechend verlockend wirkt.
Nach einem einleitenden Kapitel mit einigem Grundlegenden
zur Diabetes-tauglichen Ernährung beginnt es mit einer
"traditionellen" Beerenroulade und führt uns
über den exotisch-fruchtigen Kokosnuss-Ananas-Kuchen
bis hin zur ultimativ süßen Verführung: Tiramisu-Eiscake.
Abgesehen von einer detaillierten Angabe der jeweiligen Zusammensetzung
und des Energiegehalts ist der einzig erkennbare Unterschied
zu einem "normalen" Leitfaden für Naschkatzen
das faktische Fehlen des Wortes "Zucker". Die Autorinnen
garantieren, alle Rezepte - "schmale Gratwanderungen
zwischen Ersetzen und Belassen" - selbst erprobt und
für köstlich befunden zu haben. Es gibt keinen Grund,
ihnen das nicht zu glauben. Nachbacken ausdrücklich empfohlen!
Natalie Zumbrunn-Loosli, Sabine Ferreira-Haller: Diabetes-Backbuch.
AT-Verlag, Aarau 2003. Geb., 110 S.
bei
amazon kaufen: EUR 17,40
Genießen
ohne Grenzen 
Ein länderübergreifendes, vielfach subventioniertes
Projekt am Vorabend der EU-Erweiterung: traditionelle, bäuerliche
Speisen aus Kärnten, der Steiermark und Slowenien. Kulturräume,
die seit Jahrhunderten in Verbindung stehen, legen ihre kulinarischen
Wurzeln frei - und man darf sich wieder einmal darüber
wundern, welchen Grad an Exotik das Ureigene bereithält.
Vom Läuterkoch über Heidenbrein bis zum Ura werden
hier vermutlich auch Kenner der slawocarinthischen Kochgewohnheiten
so manches Altes-Neues entdecken. Die Rezepte wurden im Zuge
einer volkskundlichen Erhebung abgefragt, zubereitet und hübsch
angerichtet fotografiert und mit kurz gehaltenen Bemerkungen
zur jeweiligen volkskundlichen Bedeutung der Speise versehen.
Um nouvelle cousine, zeitgeistige Diätvorschriften oder
gar Coolness in der Wahl der Zutaten kümmert sich dieses
Buch absolut nicht - hier kommen Sterz und Strauben wieder
zu Ehren, Schweineschmalz und Lungenwurst, und was auch immer
man von den Rezepten halten mag, welche Kindheitserinnerungen
dabei auch immer wach werden mögen - es handelt sich
um Authentisches und Landestypisches abseits von Erdbeeren
im Jänner und Ananas frisch auf den Tisch.
Das Wissen um die Herkunft der Lebensmittel, die Kunst, sich
vom Lokalen, Bodenständigen zu ernähren, schafft
Freiheit - Freiheit von der Abhängigkeit von einer sich
in immer wahnsinnigeren Spiralen drehenden Weltwirtschaft.
Das Eigene liegt im Trend - Volksmusik verbindet sich mit
Jazz, Trachten feiern ihre Auferstehung, das Lokale profiliert
sich gegenüber einem immer einheitlicher und langweiliger
werdenden Globalen. Warum nicht auch beim Essen?
Genießen ohne Grenzen. Traditionelle Speisen aus
der Steiermark, Kärnten und Slowenien. Leopold Stocker,
Graz 2004. 113 Farbfotos, 168 S.
bei
amazon kaufen: EUR 24,90
Das
große Buch der Gewürze 
Ein Buch, das (mit neuem Cover) in die 8. Auflage geht, darf
sich getrost Klassiker nennen - und tatsächlich hat das
1991 erstmals in deutscher Sprache erschienene Werk nichts
von seiner Reputation eingebüßt: Es ist und bleibt
der Standard zum Thema.
Die opulente, sinnenfrohe Aufmachung, der nur noch der Geruch
zum Eindruck eines orientalischen Bazars fehlt, ist eine wahre
Freude und lädt unwiderstehlich zum Schmökern ein.
Dabei offenbaren sich die inhaltlichen Qualitäten - kleine
historische Einführung, Index der 45 wichtigsten Gewürze,
100 Rezepte und weitere Anwendungsmöglichkeiten vom Potpourri
bis zumHeilmittel. Die mir schon so lange auf den Nägeln
brennende Frage: Was genau ist eigentlich im Curry drin? wird
ebenso beantwortet wie die vielleicht noch spannendere nach
der Zubereitung einer Satay-Erdnuss-Sauce und über 40
anderer exotischer Mixturen. Ein Register im Anhang erleichtert
die Orientierung im Gewürzbazar.
Alles da also, was von einem Buch zur Kulinarik zu erhoffen
ist - Information, Ordnung, Sinnlichkeit in mundwässernder
Aufmachung. Schenken Sie das Buch doch Ihrer Liebsten - es
ist schön wie ein Blumenstrauß, aber viel nützlicher
Jill Norman: Das große Buch der Gewürze.
8. Aufl., AT-Verlag, Aarau 2004. 160 S.
bei
amazon kaufen: EUR 30,75
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Tipps: Best of Kochliteratur
Schokolade Fischer-Rizzi:
Safran Der Piemont Cocolino:
Dessert
Verrückt
nach Schokolade
Man muss gar nicht Verrückt nach Schokolade sein,
um mit diesem Buch Verrückt nach Schokolade zu
werden. Vorsicht ist also geboten, bevor Sie diese sinnliche
Verführung zwischen Buchdeckeln öffnen.
Die Autorin, die sich selbst als "autodidaktische, bequeme,
ungeduldige und unorganisierte Köchin" bezeichnet,
verspricht uns dennoch glaubhaft schnelle und einfache Umsetzung
der Rezepte. 100 gibt es davon, in 6 Kapitel unterteilt -
darunter eines mit dem wagemutigen Titel "Schoko-Therapie":
"Bei Angstzuständen muss es schon eine ganze Tafel
sein. Ein Ersatz für die Mutterbrust, würde Freud
sagen. Ich weiß es nicht, ist mir auch egal - Hauptsache,
es funktioniert." Harry Potter-Leser wissen: Es funktioniert.
Sogar gegen Dementoren. Na bitte.
Spätestens mit dem Titelblatt zum Kapitel "Schokolade
für Kids" war es dann um mich geschehen. Dort lockt
nämlich eine süße Kindheitserinnerung, für
die ich mich des öfteren als Spinner bezeichnen lassen
musste: das gute alte Schokobrot. Ja, einfach Schokolade und
Brot. Wunderbar. Und hiermit offiziell in den Status eines
Gerichts erhoben, das selbst Ernährungsexperten über
sonstige Süßigkeiten stellen. Danke, Frau Deseine.
Und jetzt brauch ich sofort ein Stück Schokolade
Trish Deseine: Verrückt nach Schokolade. 100 sinnlich-süße
Verführungen. AT Verlag, Aarau 2003. Geb., 120 Farbfotos,
160 S.
bei
amazon kaufen: EUR 20,50
Kochen
mit Cocolino. Das Dessertbuch
"Oski & Oski", der eine Koch, der andere Texter
und Illustrator, haben mit ihren bisher 3 Cocolino-Kochbüchern
bereits diverse Preise eingeheimst. Kein Wunder - liebe- und
humorvoll illustriert bringt ein Meister seines Fachs Kindern
ab 7 Grundtechniken der Küche bei, vermittelt auf spielerische
Weise Kenntnisse über Lebensmittel, saisonales Kochen
und, besonders im neuen Dessertbuch, so Essentielles wie die
Verarbeitung von Schokolade oder das Kneten von Teig ohne
schon vor dem Backen alles wegzunaschen...
Cocolino, der blaue Kater mit der Spiegelei-Augenklappe, Picki-Nicki
der Spaßvogel und die Freunde Pomo und Dora begleiten
uns durch ein süßes Jahr voller überaus interessant
klingender Rezepte: "Katzenpfötchen" stehen
da ebenso am Speiseplan wie die "Bananenraupe Emilia",
"Schuhsohlen" oder die bereits von meiner Tochter
erfolgreich gezauberten "Birnen-Igel". Also dann
- auf Wiederschlecken!
Oskar Marti, Oskar Weiss: Kochen mit Cocolino. Das
Dessertbuch. AT-Verlag, Aarau 2003, geb., reich illustriert,
72 S.
Bei
amazon kaufen: EUR 17,40
Gold
in der Küche - Das Safrankochbuch
Geheimnisvoller, luxuriöser, erotischer Safran - auf
das Fälschen stand früher die Todesstrafe, und dennoch
sind die Naben des Crocus sativus bis heute die meistgefälschte
Substanz geblieben. Das Traurige daran: Die wenigsten wissen
noch, was wirklich im Safran steckt - weil die Erfahrungen
mit Gelbwurz, Ringelblumen und was sonst noch alles als "Safran"
zu Diskontpreisen verschleudert wird, natürlich völlig
nichtssagend sind. Sicher färbt auch Gelbwurz gelb -
aber Gelbwurz ist nicht einmal ein Gewürz, sondern eine
verdauungsfördernde und antiseptische Zutat ohne nennenswertes
Aroma.
Zurück zum Safrankochbuch: Mittlerweile mit Preisen überhäuft,
präsentiert sich hierin ein wahres Küchenjuwel im
passenden Rahmen - opulent aufgemacht, mit Texten und Bildern,
die dem hartgesottensten Kostverächter das Wasser im
Munde zusammenlaufen lassen. Gold in der Küche will eben
geadelt sein.
Rezepte, die die Sinnlichkeit anstacheln, Gaumenverführer
mit Unfehlbarkeitsgarantie - versuchen Sie ein Safran-Eis
mit Rumrosinen, Sie werden eine schwache Stunde zum Löffeln
brauchen. Falls Sie echten Safran verwenden. Darüber,
wie selbiger zu erkennen und wo er zu beschaffen ist, gibt
das schöne Buch natürlich ebenfalls profund Auskunft.
Und der Preis des teuersten Gewürzes? Gar nicht so dramatisch
- 1 Gramm in Spitzenqualität ist für rund 6 Euro
zu haben. Und 1 Gramm des hyperintensiven Gewürzes ist
viel mehr als man denkt.
Susanne Fischer-Rizzi: Gold in der Küche - Das Safrankochbuch.
AT-Verlag, Aarau 2000. Großformat, geb., reich bebildert,
128 S.
Bei
amazon kaufen: EUR 28,70
I
Sapori del Piemonte
1888 hielt sich Friedrich Nietzsche für einige Monate
in Turin auf. Das Essen dort dürfte ihn tief beeindruckt
haben - er bezeichnete die piemontesische Küche schlicht
als die beste, die es gibt und fiel umso gnadenloser über
die deutsche her: "...die ausgekochten Fleische, die
fett und mehlig gemachten Gemüse; die Entartung der Mehlspeise
zum Briefbeschwerer!"
Dabei hatte es das pedemontium, das Land am Fuß der
Berge im Nordwesten Italiens, nie wirklich leicht. Der Piemont
ist nie eine reiche Gegend gewesen.
Wenn mittlerweile der Piemont doch einmal Erwähnung in
einem Reiseführer findet, dann kaum wegen dem typischen
Stilpluralismus der Kunstdenkmäler oder weil die landschaftlichen
Schönheiten plötzlich entdeckt worden wären,
sondern weil die piemontesische Gastronomie auf der Basis
ihrer regionalen Verwurzelung ein Höchstmaß an
geschmacklicher Vollendung erreicht hat und für Menschen
auf der Suche nach Authentizität zu einem bevorzugten
Ziel geworden ist.
Rudolf Trefzer hat den Piemont jahrelang bereist und von seinen
Lieblingswirten Rezepte, Geschichten und Geschichte zusammen
getragen - von den Antipasti zum finalen, unerlässlichen
Grappa. Wie die piemontesische Küche ist auch das Buch
darüber kein mit üppigen Hochglanzbildern protzendes,
großformatiges Werk - eher erinnert es an einen kleinen,
aber feinen Lyrikband, mit weinrotem Leineneinband und Lesebändchen
versehen und dezenten Schwarzweißfotos illustriert.
Einfache Zutaten eben, aufs Feinste komponiert.
Rudolf Trefzer: I Sapori del Piemonte. Rezepte, Geschichte
und Geschichten. AT Verlag, Aarau 2000. Geb., illustriert,
200 S.
Bei
amazon kaufen: EUR 20,50
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