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Nordspanien
Baskenland, Kantabrien, Asturien, Galicien, Navarra und Kastilien-Leon umfasst die hier beschriebene Region. Wie schön es dort ist, verrate ich nicht, ich will das Touristenaufkommen nicht vergrößern. Nur so viel: Ohne Spanischkenntnisse wird´s schwierig. 95% der Touristen kommen hier aus dem eigenen Land, der Rest wandert über den Camino.
Die Reiseführer-Auswahl für diese Gegend ist nicht groß und teilt sich in zwei Kategorien: die, die den Camino zum (einzigen) Inhalt haben und die anderen. 60% des Angebots fielen da für uns schon mal aus. Drei (ja, ich nehme das ernst) Führer kamen ins Gepäck; klar, werdet ihr jetzt denken, ist der vom MMVerlag der beste gewesen, schließlich kann man den hier ja kaufen. Aber im Ernst — er ist es einfach. Ein Konkurrenzprodukt listet z.B. mehr von den zahlreichen Höhlen auf, in denen man sich an prähistorischer Malkunst und/oder bizarren Gesteinsformationen erfreuen kann. Allein, es stehen keine Telefonnummern dabei, was für das obligatorische Reservieren nicht eben praktisch ist, gelinde gesagt.
Thomas Schröder schafft es nicht nur, seine intime Kenntnis von Land und Leuten anschaulich und lesbar zu vermitteln und Einblicke in die tieferen, kulturellen Zusammenhänge zu geben (weshalb man sich dann nicht wundert, dass in ganz Bilbao am Vorabend des Fußball-WM-Finales keine einzige spanische Flagge zu sehen ist, ganz im Gegensatz zum Rest des Landes), sondern er ist v.a. und in erster Linie ein Quell reisepraktischer Informationen. Die ein Teufelsding sind: Telefonnummern, Email- und Webadressen ändern sich, und eine falsche Auskunft ist immer noch schlechter als gar keine. Auch dank der Einbeziehung der Leser — Schröder ist sichtlich interessiert an Tipps — und einer Neuerscheinungsfrequenz von nicht mehr als drei Jahren sind die MMV-Guides aber in höchstem Maße aktuell und damit korrekt. Soll heißen: Wenn schon sin idea en español, dann wenigstens mit diesem Reiseführer.
Einmal mehr: Besten Dank für die blitzsaubere Arbeit.
Thomas Schröder: Nordspanien. Michael Müller Verlag, 6., aktualisierte und erweiterte Ausgabe 2008, Erlangen 2008. 576 S.
Beim Verlag kaufen: EUR 20,90
Schottland
Die beiden letzten Jahre führten mich meine Urlaubsreisen ins Land der Pikten und Scoten, wo die Sprache etwa so klingt, als würde ein Schweizer Englisch sprechen. Andreas Neumeiers Reiseführer habe ich in der Zeit natürlich auf Herz und Nieren testen können, und je intensiver die Tests ausfielen desto mehr wusste der Band zu überzeugen. Und zwar durchaus auch im Vergleich mit anderen Produkten: Meine Lebens- und Reisegefährtin war schon immer der Meinung, ein Reiseführer könne nie genug sein, und zumeist stimmt das auch so. Ihre gesamtschottische Alternative hat die britische Insel jedoch nicht mehr verlassen – einmal zu oft stimmte ein Detail á la Öffnungszeiten oder Telefonnummern nicht, einmal zu oft unterschied sich die Beschreibung allzu krass von unserer persönlichen Wahrnehmung. Das Konkurrenzprodukt wurde kurzerhand zum Ausgestoßenen. Ein weiterer, parallel mitgeführter Edinburgh-Stadtführer erwies sich schlicht als überflüssig, die Info im 768-Seiten-Konvolut Neumeiers ist vollkommen ausreichend.
In diesem Reiseführer verbinden sich aufs trefflichste journalistische Schreibfähigkeiten und gründlichste, mit Liebe zum Subjekt durchgeführte Recherche; ironische Distanz und herzliche Anteilnahme halten sich die Waage und vermitteln so bereits in der Lektüre ein britisch-schottisches Flair. Die über frühere Auflagen mancherorts geäußerte Kritik, Detailinfos stimmten nicht (mehr), hat sich der Autor offenbar sehr zu Herzen genommen – ich konnte in vier Wochen keine einzige falsche Telefonnummer entdecken. Akurater und aktueller ist schwer vorstellbar. Der beste mir bekannte Reiseführer aus dem Hause Michael Müller!
Andreas Neumeier: Schottland. Michael Müller Verlag, 5., völlig überarbeitete Neuauflage, Erlangen 2008. Tb., 768 S.
beim
verlag kaufen: EUR 22,90
Krakau
Und noch einmal MM-City: Dieses Mal steht eine Metropole von der "anderen Seite" im Mittelpunkt, die alte polnische Königsstadt Krakau, eines der wahren Zentren der Welt.
Die "andere Seite"? Nun, ist es nicht so, dass der Westen gegenüber dem Osten so seine Dünkel hat? Blinde Flecken des Bewusstseins existieren, die z.B. an der Grenze Ostösterreichs und der Slowakei über Jahrzehnte das Ende der Welt vermuten ließen? Immerhin hat es fast 20 Jahre seit der Ostöffnung gedauert, bis die beiden nächstgelegenen Hauptstädte Europas, Wien und Bratislava, verkehrstechnisch zeitgemäß zusammengewachsen sind.
Auch Krakau liegt Wien geografisch weit näher als den meisten bewusst ist: Die kürzeste Verbindung wird mit 413 km angegeben. Und welches Juwel erwartet einen! Die gesamte Innenstadt ist Weltkulturerbe, am Wawel befindet sich eines der wichtigsten energetischen Zentren des Planeten, die Jazzszene vibriert, die Sommersonnenwende ist der Höhepunkt in einem an Höhepunkten reichen Festkalender, das Judenviertel hat noch ein Flair, das man in Prag längst vergeblich sucht, und der Rynek im Herzen der Altstadt ist ein Renaissance-Prunkstück von einem Platz, an Größe nur noch vom Markusplatz in Venedig übertroffen, an Eleganz und Schönheit nach Meinung vieler von gar nichts. Der Rynek wurde mehrfach zum schönsten Platz der Welt gewählt.
Letzteres erfährt man übrigens auf der Umschlagklappe "Wussten Sie, dass …", auf der alle MM-City-Guides die Perlen der Perlen auflisten. Geradezu gemeingefährlich die Reiselust weckend. Und im Fall von Krakau wird bereits hier deutlich, was vielleicht das ganz besondere, einzigartige dieser südpolnischen Stadt ausmacht: Sie ist magisch. Hier wirken mittelalterlicher Aberglaube, archaischer Animismus, esoterische Energielehre und katholischer und jüdischer Mystizismus in ein lebenslustiges, kulturell überschäumendes Heute hinein. Spannend. Schön. Staunenswert. Und natürlich bestens präsentiert im hier vorgestellten, besonders preiswerten Führer.
Szurmant/Niedzielska: Krakau. Michael Müller Verlag, Erlangen 2007. Tb., 224 S.
beim
verlag kaufen: EUR 12,90
 Barcelona
Die angesagteste Stadt Europas ist weit mehr als eine Reise wert; allein um den Spuren des Jahrtausendgenies Gaudí halbwegs folgen zu können, reicht ein Besuch kaum aus. Pulsierendes (Nacht)-Leben, kulinarische Höhepunkte an jeder zweiten Ecke, Kultur pur... Für die in den letzten Jahren zum Trend Nr. 1 aufgestiegenen Kurztrips in die interessantesten Metropolen der Welt ist Barcelona erste Wahl. Nicht zuletzt deshalb, weil sich hier alles extrem konzentriert; die Stadt ist kleiner als Wien und nicht halb so weitläufig wie etwa Paris oder London.
Der MM-City-Guide dazu lässt praktisch keine Wünsche offen; im handlichen Format liefert er dank des begrenzten Themas dennoch ausführliche Informationen. Im Fall von Barcelona auch zum geschichtlichen Hintergrund, den ein wenig zu kennen ausgesprochen empfehlenswert ist, um ein Gefühl für das besondere Flair zu bekommen – und wenn schon nicht auf catalán, dann zumindest auf español und nicht auf castellano zu bestellen. Einzig die Abschnitte über Unterkunftsmöglichkeiten könnten ein wenig Auffrischung vertragen.
Fazit: MM-City bürgt für Qualität – auch und ganz besonders im Fall der katalanischen Hauptstadt.
Thomas Schröder: Barcelona. Michael-Müller-Verlag,
Erlangen 2006. Tb., 224 S.
beim
verlag kaufen: EUR 22,90
Portugal
Der Hausherr selbst, Michael Müller, hat seine Liebe
zu Portugal in einem umfassenden Handbuch verewigt - über
700 Seiten stark. Leider muss ich sagen, dass dieser Reiseführer
bei mir den bisher schwächsten Eindruck aller geprüften
Titel aus dem MMV hinterlassen hat. So hat sich ein als abgelegen
beschriebener Strand bei Peniche als wahre Badehölle
entpuppt, während wir in der Nähe eines Ortes, in
dem an Wochenenden der "Bär los" sein sollte,
viel Ruhe und einen praktisch menschenleeren Traumstrand vorfanden.
Obidos ist so malerisch wie beschrieben, die dort praktizierte
Hardcore-Touristenabzocke sollte aber wenigstens mit einem
Wort angedeutet werden. Herr Müller mag ein Portugal-Fan
sein, es ist ihm dennoch nicht gelungen, dieses Faible in
seinem Reiseführer spürbar und nacherlebbar zu machen.
Michael Müller: Portugal. Michael-Müller-Verlag,
Erlangen 2005. Tb., 720 S.
beim
verlag kaufen: EUR 22,90
Slowenien
Ah! Slowenien - das ist das ursprünglichere Kärnten,
die Sonnenseite der Alpen (sonce strana), die Sprache durchsetzt
mit beinahe deutschen Dialektausdrücken (wasserwaga z.B.).
Slowenien ist aber auch die Kornkammer im Osten, mediterran-italienisches
Flair im Süden, ein bisschen Touristengrill an der kurzen
Adriaküste, die kleinste Weltstadt Europas, die "Liebliche"
(wörtlich Ljubljana), wilder Westen (im unzugänglichen
Karstgebiet)... Und natürlich die Soca (sprich: Sotscha,
c mit Hatschek zu denken), siehe Titelbild.
So viel Vielfalt auf so kleinem Raum wird sich kaum wiederfinden
- meine Empfehlung daher: hinfahren, anschauen, genießen,
erleben. Dabei gibt es auch kulinarisch einiges zu entdecken
- wenn ich nur an die überquellend getrüffelte Pasta
denke, die mir da einmal untergekommen ist, oder die herrlich
gschmackigen Würste. Wenns zuviel wird, gibts dann immer
noch einen "nops".
Leseprobe (PDF)
Lore Marr-Bieger: Slowenien. Michael-Müller-Verlag,
Erlangen 2005. Tb., 384 S.
beim
verlag kaufen: EUR 20,50
Wachau,
Wald- und Weinviertel
Höchste Zeit für die Wachau! Das - zumindest den
Tourismusverantwortlichen zufolge - spektakulärste Ereignis
des Jahres steht kurz bevor und wird wie jedes Jahr ganz rasch
wieder vergangen sein. Die Rede ist von der Marillenblüte...
Also, nichts gegen die Marillenblüte (die ist wirklich
schön), aber dieser Führer über die meiner
Heimat nächstgelegene Lieblingsregion kann viel, viel
mehr. Wer sich auf eigene Faust in dieser Region auf Entdeckungsfahrt
machen will, ist wie gewohnt mit dem Griff zum MMV-Titel bestens
bedient. Anzumerken bleibt vielleicht noch, angesichts der
kaum überbietbaren Burgen- und Schlösserdichte in
diesem Gebiet, dass Sie mit dem Guide einen kompakten, aktuellen
und kompetenten reisepraktischen Führer erwerben; Kulturführer
mit ins Detail gehenden kunsthistorischen Ausführungen
ist es keiner.
Leseprobe
(PDF)
Reiter, Wistuba: Wachau. Wald- und Weinviertel. Michael-Müller-Verlag,
Erlangen 2005. Tb., 256 S.
beim
verlag kaufen: EUR 16,40
Wien
In der bewährt kompakten MM-City Reihe wird auch Wien
gewürdigt, und zwar bereits zum zweiten Mal seit 2004.
Die Neuauflage wurde wirklich gründlich überarbeitet
und ist am allerneuesten Stand - sogar noch gar nicht fertig
gestellte Projekte kommen vor wie die von mir persönlich
z.B. mit Spannung erwartete Wiedereröffnung nach Komplettrenovierung
der Kirche am Steinhof.
Der kleine Reisebegleiter ist ein gelungenes Designprodukt:
In Format und Umfang (und Kaufpreis) zugeschnitten auf den
typischen Städtetourismus unserer Zeit, ein Weekend in
London oder Rom oder... haben Sie Wien schon bei Nacht gesehen?
Mit Erstaunen habe ich zur Kenntnis genommen, dass Wien die
touristisch gesehen viertbeliebteste Stadt Europas ist - weit
vor Berlin, Amsterdam, Barcelona... Tatsächlich hat sich
seit der Zeit, als Wolfgang Ambros "Wien ist die Stadt
zum Sterben" sang, Mitte der 70er Jahre, sehr viel geändert.
Wien hat heute wirkliche Lebensqualität und wesentlich
mehr Feuer als noch vor 20 Jahren.
Wer sich nicht in detailliertem Kunsthistorismus oder Hintergründigem
aus Politik und Geschichte ergehen, sondern sich in kürzestmöglicher
Zeit über seine Gestaltung eines Wientrips klarwerden
möchte, ist mit diesem MM-City-Band bestens bedient.
Leseprobe (PDF)
Annette Krus-Bonazza: Wien. Michael-Müller-Verlag,
2., überarb. Aufl. 2006. Tb., 225 S.
beim
verlag kaufen: EUR 13,30
Marken
Reiseführer aus dem Michael-Müller-Verlag haben
zumeist eine Gemeinsamkeit: Auf dem Cover prangt ein Hinweis
á la "Ausgezeichnet mit dem Preis für..."
oder, wie im Fall des Marken-Führers, "test-Urteil
sehr gut". Das Qualitätsniveau der Guides ist wirklich
überzeugend - ausgezeichnete Straßenkarte, genaue
und mit einem Höchstmaß an Korrektheit angeführte
Angaben (ein Vergleichsführer gab z.B. in einem Fall
für ein Quartier eine andere Telefonnummer an, für
ein Lokal einen anderen Ruhetag - in beiden Fällen behielt
der hier vorgestellte Führer recht). Fotoauswahl, Hintergrund-Infokästen,
allgemeine Reisetipps - alles bestens. Aufpassen sollte man
insofern, als dass der Marken-Führer eben den italienischen
"Geheimtipp" (laut aktuellem Reise-Magazin) Italiens
beschreibt; ein Abstecher ins benachbarte Umbrien verlangt
nach einem anderen Titel aus demselben Haus.
Gewünscht hätte ich mir evt. etwas mehr kritische
Distanz zum bestehenden Preisniveau: mögen die Marken
auch für italienische Verhältnisse günstig
sein, ein motorisierter Indivdualurlaub mit wechselnden Pensionsaufenthalten
sprengt gar bald jede Börse von Normalverdienern. Vielleicht
ist der Wunsch nach Low-Budget-Tipps aber auch einfach utopisch,
weil schlichtweg nicht erfüllbar.
Fazit: Ein optimaler Begleiter für ein schönes,
aber teures Vergnügen.
Sabine Becht: Marken. Michael-Müller-Verlag, Erlangen
2003. Tb., 256 S.
beim
verlag kaufen:: EUR 16,37
Venedig
Reiseführer aus dem Michael Müller Verlag haben
sich, insbesondere für Individualreisende, einen Namen
gemacht - und die überarbeitete 2. Auflage des Städteführers
Venedig bestätigt den Ruf des Hauses nachdrücklich.
Praktisch und übersichtlich aufgebaut werden auf über
200 Seiten politisch-kulturell-historische Hintergrundinformationen
ebenso geliefert wie Reisepraktisches, fehlen weder Italienisch-Tipps
noch Insider-Spezialitäten, überzeugen sowohl die
gastronomischen Empfehlungen als auch das Kartenmaterial.
Die Bände aus der Reihe MM-City sind, wie alle Titel
aus dem Verlag, wahre Mehrkämpfer unter den Reiseführern:
Es mag Guides geben, die kulturhistorisch mehr in die Tiefe
gehen; es gibt mit Sicherheit Guides, die perfekter auf den
Low-Budget-Rucksacktouristen abgestimmt sind; es gibt Kuriositätensammlungen,
die die (im Falle Venedig besonders zahlreichen) Absurditäten
und Anekdoten (literarisch) aufarbeiten. Mit Venedig
bekommen sie von allem etwas geliefert - und mithin Reiseinformation
in ihrer kompaktesten Form. Ausgezeichnet mit dem 1. Platz
in der Kategorie Städteführer auf der Int. Tourismus-Börse
Berlin 2004.
Leseprobe (PDF)
Michael Machatschek: Venedig. MM-City, Michael Müller
Verlag, 2. überarb. Aufl. Erlangen 2004. TB, 224 S.
beim
verlag kaufen: EUR 13,30
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