Neuerscheinungen: Sachbuch - und was SIE
davon halten
 Intelligentes Leben im Universum 
Marcus Chown, Physiker und einer der renommiertesten britischen Wissenschaftsautoren, ist vor bald zehn Jahren angetreten, den Menschen die vermutlich per definitionem unverständliche Welt der Atome und Quanten zumindest näher zu bringen. Der Erfolg seiner beiden ersten Bücher (ganz unten auf dieser Seite) ermöglichte es ihm, zum "Schriftsteller" zu werden. Als solcher sitzt er den Großteil seines Lebens in einer Studierstube und denkt nach. Das Problem dabei: Je länger er das macht, desto weiter entfernt er sich von der anfänglichen Einfachheit. Seine Bücher werden immer dicker, und der für mich nachlassenden Verständlichkeit setzt er explodierende Glossare und Anhänge entgegen; das neueste in Deutsch erschienene Werk kommt auf fast 60 Seiten Kleingedrucktes.
Sicher: Auch dieses Mal sind wahre Sternschnuppen enthalten – etwa die Aussage, dass ein Haufen Bananen ebensogut als planetare Wärmequelle herhalten würde wie irgendwas, einfach weil es eine grundlegende Eigenschaft von Materie ist, sich aufzuheizen, solange nur genug davon auf engstem Raum zusammenkommt; übrigens auch der Grund dafür, warum wir nicht im Erdboden versinken: Die Atome leisten Widerstand gegen das Zusammengepresst-Werden.
Insgesamt bleibt aber der Eindruck einer entropischen Rosinensammlung, die auf halbem Weg zum Kuchen stecken geblieben ist. Und wie sehr man sich wenigstens ab und an eine Grafik wünschen würde, irgendeine alles viel besser und einprägsamer erklärende Illustration, bestimmt den Tenor der meisten Leserrezensionen.
Marcus Chown: Intelligentes Leben im Universum. Was wir im Alltag über Physik lernen können. dtv premium, München 2010. Tb., 315 S.
 Der Fall 
Patriarchat, Gier, Krieg, hierarchisches Denken, Einsamkeit – das Leben ist Leiden, postulierte Buddha, und Steve Taylor pflichtet ihm darin unter Heranziehung unzähliger (anthropologischer) Belege bei. Doch übersteigertes Ich-Bewusstsein, Egoismus und Einzelkämpfertum sind seiner Meinung nach keinesfalls biologische Grundkonstanten des Lebens, sondern das Ergebnis des "Falls": Von der Wüstenbildung im Raum Sahara und Naher Osten ("Saharasia") zum Überlebenskampf gezwungen, ereilte die lokale Bevölkerung vor rund 6.000 Jahren die "Ego-Explosion". Statt wie bisher überwiegend im All-Einen zu sein, gegenwärtig, genügsam und in dauerhafter, empathischer Verbindung mit der Umwelt, konzentrierten sich die Bewusstseinsenergien auf den eigenen Vorteil, das eigene Überleben, das Ego. Diese Menschen machten rasante (kriegs)technische Fortschritte, was sie in Verbindung mit gesteigerter Aggressivität und insbesondere bei Männern so gut wie nicht mehr vorhandenem Einfühlungsvermögen in die Lage versetzte, zu "des Menschen Wolf" zu werden. Das neue Konzept war systemintern gedacht ein voller "Erfolg" und verbreitete sich im Laufe von Jahrtausenden auf dem ganzen Planeten;
mit wenigen indigenen Ausnahmen sind heute alle Menschen in ihren Egos abgekapselt, geschlagen mit dem lebenslangen Fluch, sich nicht als Teil des Ganzen wahrnehmen zu können.
Der Fall ist jedoch nicht aussichtslos: eine Gegenbewegung hat längst eingesetzt, wenn sie sich auf der Makroebene auch beileibe noch nicht durchzusetzen vermag. Taylor mahnt die Wiedereinbeziehung der spirituellen Dimension an, eine Aufgabe, der sich nur jeder für sich stellen kann. Er verortet bei der Menschheit eine Evolution des Bewusstseins, eine Steigerung der Bewusstseinsenergie, dank der es uns möglich wäre, in die Einheit zurückzufinden, ohne den vor allem in technischer Hinsicht sehr vorteilhaften Entwicklungen seit der Ego-Explosion abschwören zu müssen.
Der Text ist hervorragend recherchiert, lesefreundlich aufbereitet, un-esoterisch in der Diktion und in seinen Schlussfolgerungen erfreulich klar. Taylor macht keine falschen Hoffnungen: Wir haben es in der Hand, aber einfach wird die Sache sicher nicht. Und die Zeit spricht gegen uns. Umso wichtiger wäre es, dass dieses besondere Werk von vielen Menschen wahr- und seine Botschaft zu Herz und Hirn genommen wird.
Steve Taylor: Der Fall: Vom Goldenen Zeitalter über 6000 Jahre Niedergang zu einem neuen Bewusstsein. Sphinx, 2009. Geb., 576 S.
Das Universum und das ewige Leben 
Was ist hinter dem Universum? Woher kommt die Alltagswelt? Werden wir jemals ET im Universum finden? Kann das Leben endlos fortbestehen?
In gewohnter Manier stellt Marcus Chown Fragen, deren Antworten er in den neuesten Erkenntnissen und Spekulationen der Quantenphysik zu finden hofft. Dieses Mal nähert er sich nichts weniger als der Frage aller Fragen - der nach dem Leben, dem Universum und dem ganzen Rest. Sie wissen schon. Es gibt sogar eine Zahl als Antwort darauf, aber es ist nicht 42. Dabei geht es leider nicht ganz so unterhaltsam und bei weitem nicht so verständlich zu wie in seinen bisherigen Büchern. Irgendwie aber auch kein Wunder, wenn der Versuch unternommen wird, dem Sinn des Lebens mit theoretischer Physik auf die Spur zu kommen – so tief waren die Verstrickungen von Physik, Metaphysik und Religionswissenschaft jedenfalls sicher noch nie. Mythen haben es wohl an sich, unklar zu sein – selbst wenn sie aus der fernen Zukunft stammen.
Dabei gibt es sehr einfach, ja völlig banal klingende Fragen, auf die wir auch noch keine Antwort kennen, z.B.: Warum ist ein volles Einkaufssackerl eigentlich schwer? Hat übrigens mit dem ständig brodelnden Quantenvakuum zu tun und ganz sicher nichts mit der Gravitation; die ist nämlich eine Erfindung von Einstein, damit seine Gleichungen funktionieren. Als Kraft gibt es sie nicht. Aber das wussten Sie ja sicher schon.
Streckenweise faszinierender, streckenweise allzu abgehobener Stoff, den bis zum Ende zu lesen aber der Mühe wert ist. Die zweite Hälfte ist besser als die erste, und das große Finale sollte man sich auf keinen Fall entgehen lassen: Besteht der Sinn des Lebens darin, Gott zu erschaffen?
Marcus Chown: Das Universum und das ewige Leben. Neue Antworten auf elementare Fragen. dtv, München 2009. Tb., 319 S.
 Gräber selbst gestalten 
Wer Gräber als Gedenkstätten und Ort der Erinnerung begreift, muss sich mit der Frage der Pflege auseinandersetzen. Die bequemste, aber auch teuerste Methode ist, diese Aufgabe den Friedhofsgärtnern zu übertragen. Deren professionelle Erledigung allerdings jede persönliche Note außer Acht lässt.
Wer es aber, wie der Untertitel besagt, individuell – stilvoll – pflegeleicht selbst machen will, ist gut beraten, sich vorab mit den wichtigsten Informationen zu versorgen: Welche Fragen sollte ich mir stellen? Was schreibt die Friedhofsordnung vor? Welche Lage wird das Grab haben? Welche Pflanzen passen zu dieser Lage und zueinander? Was drücke ich mit bestimmten Pflanzen aus? Welcher Pflegeaufwand erwartet mich?
Die beiden kunsthistorisch wie gärtnerisch bewanderten Autorinnen geben auf all diese Fragen bündige Antworten. Der schmale, schön und würdig gestaltete Band kommt dabei stets zügig auf den Punkt; und da es sich um einen Ratgeber für die Praxis handelt, enthält die ganze zweite Hälfte des Buches Gestaltungs- und Pflanzbeispiele.
Der einzige, leider erhebliche Nachteil besteht im teils viel zu geringen Kontrast von Schrift und unterlegter Farbe: dunkelgrüne Schrift heller grün hinterlegt macht das Lesen zur rasch ermüdenden Angelegenheit. Bedenkt man, dass die Zielgruppe für dieses Buch überwiegend der älteren Generation angehören dürfte, ist dieser grafische Lapsus doppelt bedauerlich.
Hier hätte sich, geschätzter avBUCH-Verlag, ein wenig Kommunikation zwischen der Grafik- und der Textabteilung als überaus nützlich erweisen können; und einen Stern mehr eingebracht.
Ulrike Müller-Kaspar/Manuela Prinz: Gräber selbst gestalten. Individuell – stilvoll – pflegeleicht. avBUCH, Wien 2008. Broschiert, 96 S.
  Das große Handbuch der Wunder 
Die wunderbare Kraft der Gedanken; Wunder sind da, um vollbracht zu werden;
Wunder haben viel mit Glauben, aber rein gar nichts mit einer bestimmten Religion zu tun; wir leben in einem geistigen Universum und können selbst bestimmen; ein Buch, das Mut macht und hoffen lässt.
Für die katholische Kirche sind dokumentierte Wunder(heilungen) die Voraussetzung für eine Heiligsprechung; ein bürokratischer Akt, der in diesem Buch natürlich Thema ist. Daraus aber ein Wundermonopol abzuleiten ist völlig verfehlt. Eine der zentralen Aussagen des Wunderbuchs lautet: Wunder sind für alle da, von den Anhängern der Jungfrau Maria bis zu Wissenschaftlern auf der Suche nach der Weltformel.
Was ist nun überhaupt ein Wunder? Magie, reiner Aberglaube oder ein sichtbarer Ausdruck für wahren Glauben? Und wer vollbringt all diese Wunder? Könnte das – jeder von uns sein?
Das Buch bringt Ihnen die verschiedenen Wunder-Begriffe näher und erzählt von Wunderdingen,
-wesen, -orten und -heilungen; kritisch wird auf die „Bestellungen beim Universum“ eingegangen. Es schlägt eine Brücke von der ganz normalen Magie der Wunder zur unfassbaren Realität der Quantenphysik und findet erstaunliche Gemeinsamkeiten. Die Kraft der Gedanken ist überall…
Soweit das Factsheet zu diesem Titel, in dem auch noch zu lesen ist: Der Autor
"ist überzeugt, dass jeder Einzelne dank der Kraft der Gedanken Einfluss nimmt. Diesen Prozess zu ergründen und den Glauben daran zu stärken ist die Absicht seines Buches."
Sie fragen sich vielleicht, warum an dieser Stelle zwei Cover zu sehen sind; das liegt daran, dass es mir ein besonderes Anliegen war, gerade eine einseitige katholische Sichtweise zu vermeiden bzw. zu überwinden. Da ich in punkto Titelgebung und Covergestaltung aber nicht gefragt wurde und die Verantwortlichen sich offenbar nicht die Mühe gemacht haben, in das Buch hineinzulesen, kam etwas heraus, was für meinen Geschmack meinem Buch nicht gerecht wird. Weil aber sehr viel Herzblut in diese Arbeit geflossen ist habe ich einen Freund und Grafiker um ein neues Cover gebeten und bei der Gelegenheit auch gleich den Titel geändert (Wunder sind da, um vollbracht zu werden, siehe Bild rechts oben; bei Interesse an diesem Schutzumschlag bitte Mail an mich).
Gerade eben (30.12.2008) hat mich eine Lesermail erreicht,
in der Herr Alois Moick schreibt: Inhaltlich hab ich interessante Einsichten gewonnen - und vor allem auch neuen Eifer, ein besserer Mensch zu werden. Denn ich hab bemerkt, welch guter Kern in Ihnen steckt und wie viel Gutes Sie offenbar tun, obwohl Sie die Liebe Christi in Fülle noch nicht erfahren haben - da sollte ich als Katholik nicht nachhinken.
Helmuth Santler: Das große Handbuch der Wunder. Wenn der Glaube Berge versetzt. tosa, Wien 2007. Geb., 320 S.
 Heilige Orte der Welt 
Prächtig, prächtig. Dieser großformatige, überreich bebilderte und mit ausführlichen Texten versehene Band nimmt den Leser mit auf eine Reise zu den majestätischen, mysteriösen, geheimnisumwobenen... Orten auf diesem Planeten. Er versteht sich selbst als "spiritueller Reiseführer".
Nicht alle, aber viele der ganzseitigen Fotos sind überwältigend schön; die Texte wirken mitunter unkritisch und etwas wahllos, bemühen sich aber angesichts der enormen
Vielfalt an Informationen doch recht erfolgreich darum, einen jeweils ganz brauchbaren Eindruck zu vermitteln. Schlägt der Tonfall zu sehr ins esoterisch-mysthische um, ist allerdings die Peinlichkeit nicht weit. Die im besten Fall rührend naiven "Tipps für Reisende" hätte man sich großteils sparen können - wie auch die jeweils darunter angesiedelten Lagepläne, die einem Kinderatlas entsprungen scheinen.
Fazit: Keinesfalls perfekter, aber alles in allem gelungener Band, mit dem (spirituell interessierte) Reiselustige, die zum Daheimbleiben gezwungen sind, sicher ganz gut getröstet werden können - zumal man wirklich viel Buch fürs Geld bekommt.
Carlos Allende, Francis Amalfi, Teo Gómez: Heilige Orte der Welt. Die schönsten spirituellen Plätze. tosa im Verlag Carl Ueberreuter, Wien 2008. Geb., 222 S.

Das kosmische Kamasutra 
"Lenden-Legenden", "Sofa-Spreizer", "Flugstimulatur" und "Vögelperspektive" – klingt nicht gerade kosmisch, aber dafür so, als hätte der "Sex and the City"-Scriptschreiber nicht mehr an sich halten können und endlich der vielen Theorie die Praxis folgen lassen.
77 der tollsten Stellungen, um das Sexleben von Oh ja! in Oh mein Gott! zu verwandeln werden vollmundig versprochen, und beim Blättern wird man nicht enttäuscht: dezente gezeichnete Abbildungen, superfreche Texte, die absolut direkt auf den
G-Punkt kommen. Sicher, etliche Positionen sind was für die Turnolympiasiegerin im Erotik-Clinch mit Mr. Universum, aber andererseits können ja bereits winzige Veränderungen zu ungeahnten Liebeshöhepunkten führen... Und da sowieso niemand Punkte für die Ausführung vergibt, lässt sich das Ganze ohne Druck genießen: Hauptsache ihr findet es beide geil.
Erfrischender und anregender Beitrag zur Steigerung des partnerschaftlichen Erlebnisgehalts; nicht zu ernst genommen und auch besser nicht ideologisch analysiert kann er ein knallbuntes sexy Mitbringsel sein und ab und an seine Wirkung tun.
Das kosmische Kamasutra. tosa im Verlag Carl Ueberreuter, Wien 2008. Geb., 176 S.
 Die Eibe in neuem Licht 
Was für ein schönes, informatives Buch! Mit verblüffender Akribie wurden Materialien über diese ganz besondere, "unsterbliche" Baumart zusammengetragen – bis hin zu so kuriosen Aufnahmen wie jene von der großen Eibe, die vor fast hundert Jahren quer durch Frankfurt transportiert wurde.
Über 300 großformatige, reich bebilderte Hochglanzseiten über einen Baum? In der Tat, und allein die wundervollen Aufnahmen der letzten uralten Eiben, u.a. des ältesten Baumes Europas, rechtfertigen die Anschaffung. Lebende Geschichte spricht aus diesen Bildern, ergreifende Naturmystik belebt sie.
Die Eibe wird aus jedem erdenklichen Blickwinkel betrachtet: Botanisch, kulturgeschichtlich, pharmazeutisch, mythologisch. Der pflanzenkundliche Teil hat mich als Laien überfordert, was auch mit dem einzigen Kritikpunkt an diesem prächtigen Werk zusammenhängen mag: Der Autor ist überaus kundig, versteht aber leider nicht sehr viel davon, sein Wissen in Sätze zu verpacken, die man leicht und gerne liest. Sein Stil ist in diesem Zusammenhang vermutlich am treffendsten mit dem Wort "hölzern" beschrieben.
Fred Hageneder: Die Eibe in neuem Licht. Eine Monographie der Gattung Taxus. Neue Erde, Saarbrücken 2007. Geb., 320 S.
 Geheime Schriften des Christentums 
Der Buchtitel missfällt, weil er ähnlich klingt, wie schon zu viele andere, von denen sich dieser Autor aber wohltuend abhebt. Eigentlich sollte jeder, der sich mit der Bibel befasst, dieses Buch gelesen haben. Nur dann wird verständlich, warum aus den vielen christlichen Schriften vor und während der Bibel-Entstehung nur jene kanonisiert wurden, die wir schließlich auch heute noch in den verschiedenen Kirchen-Büchern namens Bibel finden. Alles andere nennt man Apokryphen oder Häresie, teils weil es der Kirche nicht ins Konzept passt, teils weil es doch zu starker Tobak für die Gefühle sensibler Gemüter ist.
Dabei sind ALLE alt-christlichen Überlieferungen ihrer Zeit gemäß Erzählungen, Legenden, Konstrukte, Kopien von Kopien, Übersetzungen von Übersetzungen mit einem Wahrheitsgehalt von vorstellbar bis unsinnig. Aber was davon glaubhaft, ja glaubenspflichtig ist, dass bestimmt die (allein-selig-machende) Kirche.
Dem setzt der Verfasser Schriften gegenüber, die nicht mehr, aber auch nicht weniger Wahrheiten enthalten, als die Bibeltexte. Obwohl auch sie zum Verständnis komplexer Zusammenhänge gehören, werden sie von den Kirchen unterschiedlich verschwiegen oder verboten, weil sie den denkenden Lesern oder Zuhörern automatisch Fragen aufdrängen, die im Sinne der Kirchen schwer oder gar nicht zu beantworten sind.
Über die Jahrhunderte hat sich nun das Allgemeinwissen der Menschen gigantisch vervielfacht. Das führt den Verfasser auf der letzten Seite seiner analytischen Ausarbeitung zu der entscheidenden Frage für die Zukunft unserer Kirchen: "Eine neue Bibel?"
Man darf gespannt sein, wie der Papst in seinem nächsten Buch darauf reagiert - wenn überhaupt. Denn nun steht aktuell im Raum die Feststellung in diesem Buch, "Jesus hat gelebt und gelehrt;" aber leider ist unbekannt, wer es überlieferte und was davon wahr und erwiesen oder eben nur glaubenspflichtig ist. Das Buch macht abschließend Hoffnung, wenn auch Geduld fordernd mit dem Satz: "Aber die Mühlen der Konfessionen arbeiten langsamer als alles andere auf der Welt." (Joachim Woerner, amazon-Rezension)
Helmuth Santler: Geheime Schriften des Christentums. tosa, Wien 2007. Geb., 316 S.
 Das große Buch der Engel 
Dieses Buch lebt zweifellos von seinen wunderbaren Bildern, die von der Auswahl und Zusammenstellung wirklich großartig eingesetzt worden sind. Ikonen und William Blakes Kupferstiche, die englischen Romantiker und mittelalterliche Handschriften, Weihnachtsengel und Todesengel - ein Panoptikum der Kunstgeschichte.
Was das Textmaterial betrifft, entpuppt sich allerdings meine Profession als Fachtheologin als Hindernis:
Wird doch den apokryphen Texten viel Platz eingeräumt und zwar mit dem fadenscheinigen Argument, dass in den „offiziellen“ Texten der Hebräischen und Griechischen Bibel kaum Informationen über die Himmelsboten zu finden seien. Mit ein bisschen Konkordanzwälzen hätte dieses Problem leicht aus der Welt geschafft werden können! Denn durch das Unterlassen erweckt der Autor den Eindruck, dass die „offiziellen“ Texte der Bibel kaum Interesse an den Engeln hätten. Schade, hier wäre gewiss viel mehr möglich gewesen. (Anne Artner)
Nigel Suckling: Das große Buch der Engel. Area, Erfstadt, 2007. Geb., 90 S.

Rauchen Sie? Verteidigung einer Leidenschaft
Seit rund 400 Jahren wird in Europa Tabak geraucht; in dieser
Zeit machte das Laster um den blauen Dunst eine wechselvolle
Geschichte durch mit buchstäblichen allen Höhen
und Tiefen - es war sowohl Allheilmittel als auch bei Todesstrafe
verboten, sowohl verklärtes Gedankentreibmittel als auch
untrügliches Zeichen für das Wirken des Satans.
Im Zeitalter der um sich greifenden Rauchverbote sind Tabak,
Nikotin und Zigarette zu Staatsfeinden geworden und zu den
Verursachern von Millionen Todesfällen erklärt worden.
Imre von der Heydts leidenschaftliches Plädoyer macht
sich auf eine Brechtsche Suche: "Wes Geistes Kind"
steckt hinter der zunehmend hysterisch und irrational werdenden
Rauch(er)verteufelung? Er entlarvt eine puritanische, in letzter
Konsequenz lebens-=lustfeindliche Gesinnung, deren angebeteter
Gott die Gesundheit ist und deren Methoden autoritäre,
verordnungssüchtige, ja faschistoide Züge angenommen
haben. Im Zweifel dient die sakrosankte Wissenschaft und ihr
getreues Helferlein, die Statistik, zur Untermauerung und
Legitimierung von Maßnahmen, die nur noch als grotesk
bezeichnet werden können: So wird in Kalifornien und
Texas zwar noch eine Henkersmahlzeit vor der Vollstreckung
des Todesurteils serviert, die Zigarette danach aber verweigert.
Dass "wissenschaftliche" Befunde nach Belieben zurechtgebogen
bzw. zurechtinterpretiert werden, braucht einen da wirklich
nicht mehr zu wundern. Wie sonst wäre es möglich,
dass sich die Zahl der so genannten "Rauchertoten"
von 1989 bis 2002 nahezu verdreifacht hat, obwohl die Zahl
der Raucher in diesem Zeitraum im Rückgang begriffen
war?
Imre von der Heydt liefert eine fundierte, spitzzüngig
formulierte und sehr polemische Analyse der gegenwärtigen
geistigen Befindlichkeiten anhand des Umgangs der Gesellschaft
mit etwas materiell-existenziell betrachtet Nutzlosem, aber
Lustvollem, und steigert sich in eine philosophische Schreibwut,
die in der gloriosen Mystifizierung der Zigarette mündet.
Schon wirklich ein bisschen dick, am Ende, aber in Zeiten
allgegenwärtiger Polarisierung letztlich nicht dicker
als der Auftrag der Gegenseite.
Ein leidenschaftliches, faktenreiches Buch für den intellektuellen
Raucher, mit hohem Genussmittelanteil. Empfehlung!
Imre van der Heydt: Rauchen Sie? Verteidigung einer Leidenschaft. DuMont, Köln 2005. Geb., 256 S.

Die deutsche Rechtschreibung 
Was denn, schon wieder? Die 23. Auflage war gerade mal ein
Jahr alt, als die per 1. August 2005 "verbindliche"
neue Rechtschreibung eine Kurskorrektur erfahren musste -
die viel belächelte (vielbelächelte)
Reform der Reform der Reform. Die Duden-Redaktion betrachtet
die nunmehr seit 1. August 2006 gültigen Regeln neuerlich
als "verbindlich" und die Neuregelung der Orthografie
(Orthographie) als "abgeschlossen".
Bitte, wer auch immer zuständig ist, lass es so sein...
Immerhin steht auf der Banderole ja: "Rechtschreibung
Stand 2006". Besonders endgültig klingt das ja nicht
gerade.
Zur Ehrenrettung der traditionsreichen Sprachwächter,
die sich auch von mir die eine oder andere spöttische
Bemerkung gefallen lassen mussten, sei hier gesagt: Der allerneueste
Duden ist nicht nur - selbstverständlich - der umfangreichste
aller Zeiten, mit 130.000 Stichwörtern und 3.000 Neueinträgen,
sondern auch der übersichtlichste und beststrukturierte.
Erstmals dient Vierfarbdruck als Orientierungshilfe, erstmals
gibt es die Duden-Empfehlungen.
Diese raten in den recht zahlreich gewordenen Fällen,
die unterschiedliche Schreibweisen gestatten, zur vom Duden
bevorzugten (siehe obige Beispiele - in Klammern die alternativ
mögliche, amtlich korrekte, von der Duden-Redaktion aber
nicht empfohlene Schreibweise).
Der Punkt für mich dabei ist, dass sich die Empfehlungen
weitestgehend mit meinem Sprachempfinden decken - endlich
kann ich meine potenziellen (potentiellen)
Aggressionen im Gedanken an die neue Rechtschreibung überwinden
und in vielen Fällen wieder wie früher schreiben.
Den Delfin (Delphin) hätten
sie sich zwar meiner Meinung nach sparen können, dennoch
wird es Ihnen nicht leidtun,
den aktuellsten Rechtschreibduden in Ihr Bücherregal
zu stellen.
Duden 1: Die deutsche Rechtschreibung. Das umfassende
Standardwerk auf der Grundlage der neuen amtlichen Regeln.
24. Auflage, Dudenverlag, Mannheim, Leipzig, Wien, Zürich
2006. Geb., 1.216 S.

Woher kommt das schwarze Schaf? 
Die ganz und gar erstaunliche, überraschende, überaus
lange oder bisweilen auch enttäuschend banale Geschichte
tausender Wörter und Redewendungen, in einer Hybridform
zwischen etymologischem Lexikon und Anekdotensammlung zusammengestellt.
Da gibt es so mancherlei Kurioses zu entdecken: "Abkratzen"
war z.B. einst ganz und gar nicht tödlich, sondern beschrieb
nur die Verabschiedung per höfisch-höflichem Kratzfuß.
Oder wer hätte sich gedacht, dass das so modern englisch
klingenden "Doping" sich von einer holländischen
Soße in ein berauschendes Zulu-Getränk verwandelte
und in diesem Sinn von Engländern entlehnt wurde?
Kurzweilig und weit über die bloße Wortgeschichte
hinausgehend werden auch Themen wie deutsche Wörter in
anderen Sprachen (ruckusacku (jap.), le zugzwang (franz.),
wanderlust (engl.)), die Herkunft von manchen Markennamen
(Lego: Leg (dän. lege) godt (dän.
gut); wer weiß ob der Ferrari auch als deutsches Auto
Kult geworden wäre - schließlich hieße er
in diesem Fall schlicht Schmidt...) oder scheinbar englische
Wörter behandelt: Handy (mobile phone), Smoking (dinner-jacket
od. tuxedo).
Eine erfrischende Sammlung für Sprach- und Wortinteressierte,
die leider mit einem gehörigen Punkteabzug bedacht werden
muss: Wenn schon eine thematische Ordnung gewählt wird,
hätte man doch zumindest ein alphabetisches Stichwortverzeichnis
anhängen können; so hat man aus der sprachgeschichtlichen
Feinkostabteilung einen unübersichtlichen Flohmarkt gemacht.
Wolfgang Seidel: Woher kommt das schwarze Schaf? Was
hinter unseren Wörtern steckt. dtv, München 2006.
Tb., 254 S.

50 Vorschläge für eine gerechtere Welt

"Gegen Konzernmacht und Kapitalismus", so der Untertitel,
richtet sich das Werk des Globalisierungskritikers und Attac-Mitbegründers
Christian Felber. Wie der Titel schon andeutet warten zwischen
den mehr als 300 Buchseiten jedoch nicht nur kritische Anmerkungen,
sondern 50 ganz konkrete Alternativen.
Ein ehrenvolles Anliegen also, das Herr Felber hier vertritt,
und er bemüht sich redlich um Konstruktivität und
Seriosität. So sehr, dass von einem "flammenden
Plädoyer", wie es die Rückseite verspricht,
absolut keine Rede sein kann. Der Text ist emotionslos und
finanz- und ökonomietheoretisch gehalten: "Betriebsklimabonus
statt Stock Options" lautet z.B. Vorschlag Nr. 10.
Keine Sorge: Sie erfahren in diesem Kapitel sicher, worum
es geht; stellen Sie sich allerdings darauf ein, entweder
über dieses Thema bereits umfassend informiert zu sein
oder wieder einmal das Gefühl zu bekommen, von vagen
Ahnungen umflort zu werden. Tobinsteuer? Schon mal gehört,
ja, sicher eine gute Sache. Shareholdervalue brechen? Na wenns
der Attac-Mitbegründer für nötig befindet...
Zwischenzeitlich lassen dann Forderungen wie "20 Stunden
Woche" oder "Grundsicherung: Null Armut!" oder
"Umfassende Entschuldung" aufhorchen. Der zentrale
Satz zum Geist dieser Arbeit ist jedoch im Vorwort zu lesen:
"Hier geht es um weiter reichende Vorhaben." 50
Vorschläge... ist ein politisches Manifest, eine
für die außerhalb der ideologischen Denkstuben
weitestgehende untaugliche Analyse, die wenigstens bei mir
ein resignatives Gefühl hinterlassen hat: Wir wissen
jetzt seit - wie vielen? - Jahren, dass wir erneuerbare Energieträger
benötigen. Und seit wie vielen Jahren frisst die Atomenergieforschung
8 von 10 Subventionskuchenstücken? Wird das Flugbenzin
nicht besteuert? Lässt das 3-Liter-Auto auf sich warten?
Mal von der erwähnten Tobinsteuer (Besteuerung von Devisenspekulationen)
ganz zu schweigen, Herrn Tobins Vorschlag stammt aus den frühen
70ern, der Mann ist mittlerweile verstorben...
Ich hoffe, ich erlebe noch die Umsetzung des einen oder anderen
felberschen Vorschlags; angesichts der Trägheit der Politik
und deren unendlicher Feigheit im Umgang mit der Hochfinanz
- bis hin zur selbstverschuldeten Entmachtung - hege ich allerdings
meine Zweifel. Und bin ansonsten außen vor: Wer nicht
mindestens Bundeskanzler ist, kann bei diesen Themen allenfalls
mitreden - und sonst nichts. Also kaufe ich weiterhin fair,
gut und bio ein, so weit es möglich ist - mit dem Fahrrad,
selbstverständlich.
Christian Felber: 50 Vorschläge für eine gerechtere
Welt. Gegen Konzernmacht und Kapitalismus. Deuticke, Wien
2006. Tb., 335 S.

Gerichtsmedizin. Auf den Spuren des Verbrechens

Ein informatives Nachschlagewerk über forensische Medizin
für alle, denen die ExpertInnen von CSI zu schnell vorgehen.
Dass zahlreiche BeraterInnen z.B. vom FBI als GastautorInnen
mitgemischt haben, hat zum Gelingen beigetragen.
Interessant, mit Beispielen aus der Verbrechensgeschichte
garniert und leicht verständlich sowie ohne den Appetit
verderbende Einzelheiten geschrieben. Ein weiteres Plus findet
sich meiner Meinung nach in den Schilderungen, wie die Polizei
und die verschiedenen Behörden (vor allem in den USA)
am Tatort vorgehen. Besonders gut gefallen
haben mir die Gesichtsrekonstruktionen und wie die verschiedenen
Todesarten der Opfer festgestellt werden können sowie
das Profiling und die Ballistik. Mein Interesse an der Gerichtsmedizin
wurde definitiv weiter angeheizt.
Fazit: Gut geeignet als Einstieg in die Thematik, auch für
jugendliche Spürnasen ab 12. (Anne Artner, Red.)
Richard Platt: Gerichtsmedizin. Auf den Spuren des
Verbrechens, Area, Erftstadt 2006. Geb., 144 S.

Sexualität im Mittelalter 
Ein wirklich schönes Werk, gut geschrieben, bestens recherchiert
und angenehm zu lesen. Ich interessiere mich sehr für
"das Mittelalter" (dieses als ganze Epoche betrachtet
gibt es nämlich ebenso wenig wie "die Postmoderne")
und ich habe viel durch die Lektüre dazugelernt. Ein
Wermutstropfen existiert allerdings auch, welcher aber dem
untersuchten Gegenstand immanent ist und keinesfalls an der
Autorin liegt: Das Maß der Sexualität ist im Mittelalter
der Mann. Dementsprechend gibt es sehr wenige "authentische"
Berichte darüber, wie Frauen ihre Sexualität in
dieser Zeit erlebt haben, welche Wünsche, Bedürfnisse
oder Ängste für sie damit verbunden waren. Auch
wenn in den verschiedenen Geschichten oder Fabeln Frauen zu
Wort kommen, darf man beim Lesen nicht vergessen, dass diese
Geschichten
von Männern verfasst worden sind und also auch männliche
Projektionen oder / und nicht verbalisierte Wünsche oder
Ängste der Männer hier eingearbeitet worden sind.
Diese Erkenntnis ist ebenso wichtig wie der Blick auf das
unterschiedliche Körperbewusstsein, welches damals vorgeherrscht
hat.
Ein weiteres Plus besteht meiner Meinung in der respektvollen
Sprache, die bei zeitweiliger Derbheit dennoch weder zu wissenschaftlich
noch zu ordinär verwendet wird. (Anne Artner)
Ruth Mazo Karras: Sexualität im Mittelalter. Artemis
& Winkler, Düsseldorf 2006. Geb., 349 S.
Warum
Gott doch würfelt 
"Über 'schizophrene Atome' und andere Merkwürdigkeiten
aus der Quantenwelt" informiert der bekannte Autor bestens
lesbar aufbereiteter Sachbücher aus den fantastischen
Welten der modernen Physik. Aber nicht nur - der Bogen spannt
sich von den ganz kleinen zu den ganz großen Dingen
um begreiflich zu machen, wonach die Physik sucht: die Quantengravitationstheorie,
die, einer Quadratur des Kreises gleich, die Einsteinsche
Relativitätstheorie und die aus sämtlichen Fugen
(des kleinen menschlichen Denkens) geratene Quantenwelt in
ihrer ganzen Unbestimmbarkeit miteinander in Einklang bringen
soll.
Ganz so überzeugend einprägsam wie seine bisherigen
Arbeiten fand ich dieses Buch nicht - was aber auch unmöglich
scheint, schließlich erklären selbst höchstrangige
Wissenschaftler die Quantenphysik letztendlich für unverstehbar.
Und auch Einsteins "spezielle" oder gar die "allgemeine"
Relativitätstheorie sind mit unserer Alltagserfahrung
nicht eben einfach in Einklang zu bringen. Tröstende
Worte des großen Meisters selbst: "Das auf dieser
Welt am schwierigsten zu verstehende sind die Einkommenssteuergesetze."
Keine leichte Lektüre also, aber wie gewohnt stellenweise
überaus verblüffend, von erleichternden Scherzen
begleitet und mit einem interessanten Nebeneffekt, der zumindest
bei mir hervorragend wirkt: Es zeigt uns die Unfasslichkeit
des Lebens und lehrt uns, die eigene Wichtigkeit nicht gar
so hoch einzuschätzen.
Marcus Chown: Warum Gott doch würfelt. dtv, München
2005. Tb., 210 S.,
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amazon kaufen: EUR 15,50
Das
Buch der Engel 
"O Mensch, lerne zu tanzen, denn sonst wissen die Engel
im Himmel nichts mit dir anzufangen" (Augustinus). Solche
Weisheiten finden sich unter anderem im Engelbuch der Bandinis.
Wie auch ihre anderen Werke, Das Buch der Zwerge und
Das Buch der Elfen und Feen, besticht dieses Buch mit
fundiertem, in einfachen Worten dargelegtem Fachwissen, dessen
ich mich als Theologin [und damit vom Fach] keinesfalls schämen
müsste! Ich habe mich des Öfteren beim Schmunzeln
ertappt, weil ich manche Dinge über Engel doch im Lauf
der Zeit in abgelegenere Gedächtnisregionen umgeschichtet
hatte...
Gekrönt wird dieses lustvolle Wissensauffrischen mit
wunderbaren Bildern sowie durchaus kritischen Überlegungen
und Anfragen an z. B. das Engelswerk der Katholischen Kirche,
welches überall Dämonen zu erblicken vermeint. Auch
esoterisch angehauchte Profitgier wird thematisiert. Ich persönlich
finde es höchst faszinierend, was sich in uns Menschen
an Vielfältigem abspielt... Mit einem Wort, ein kurzweiliges,
manchmal nachdenklich stimmendes Buch, der Gattung "Vitamine
und naschen" für alle, die ihre (Fach)kenntnisse
auffrischen möchten und für Menschen, die an das
Wunderbare glauben oder dies lernen möchten. (Anne
Artner)
Ditte und Giovanni Bandini: Das Buch der Engel. dtv
premium, München 2005. Tb., 260 S.
bei
amazon kaufen: EUR 15,50

Das Lexikon für Österreich
150.000 Stichwörter in 20 Bänden á 544
Seiten, 6.500 Abbildungen, 2.000 Grafiken und Tabellen - allein
die nackten Zahlen beeindrucken bereits, und tatsächlich
leistet das Lexikon zum heimischen Jubiläumsjahr alles,
was von einem ausgezeichneten Konversationslexikon erwartet
werden darf. Hinzu kommt der spezielle Faktor Österreich:
"Blitzlichter" genannte redaktionelle Beiträge
zu ausgewählten Österreich-Themen (rd. 200 an der
Zahl) sowie eine durchgehende "Austrifizierung"
der Stichwortliste: spezieller Österreichbezug bei Einträgen,
in Biografien, Bildern, Tabellen und Daten.
Für das Gemeinschaftsprojekt von Brockhaus AG, Duden-Verlag
und ORF-Redaktion wurden natürlich auch exzessiv die
Rundfunkarchive durchforstet. Dabei konnte so mancher Originalton-Schatz
geborgen werden, zur Freude der Redaktion und bald auch der
Ö-Lexikon-Besitzenden, denn wo sonst könnte man
legendäre Club 2-Diskussionen oder Mundl-Szenen nachlesen?
Mit Sicherheit der bibliophilste und informativste Beitrag
zum Jubiläumsjahr 2005, eine Zierde für jeden Bücherschrank,
ein haptisches, buchsinnliches Vergnügen. Und das alles
zu einem wohlfeilen Preis: Zugreifen!
Einzelpreis der Bände: 12,50
Euro
Paketpreis: 189,- Euro
zzgl. Versandkosten (17,1 Euro bzw. 7,1 Euro bei Einmalzahlung);
der Versand erfolgt monatlich in Vier-Buch-Paketen ab dem
25. Oktober
Bestellmöglichkeiten: www.das-lexikon.at
od. Hotline 0800-1234 04 04
Familiennamen.
Herkunft und Bedeutung 
Während die Bedeutung eines Namens wie Fleischer, Selcher
oder Metzger eindeutig ist - der erste Träger dieses
Namens war professioneller Tiertöter und -zerleger, je
nach Region auch Fleischhauer (-hacker, -mann) oder gar Metzler
oder Schlachter genannt - ist z.B. Veit(h) als Ableitung des
Heiligennamens Vitus nicht unmittelbar zu erkennen, besonders
wenn durch Umlautungen daraus Feix, Vitt, Fiethen oder gar
Fix geworden ist.
Die Chance, eine Erklärung für seinen Namen zu bekommen
ist groß - immerhin verzeichnet die komplett überarbeitete
2. Auflage des Duden-Namenlexikons 20.000 Namen, darunter
die 10.000 häufigsten in Deutschland, und durch Ableitungen
(Sand=Sant=Sand(t)(l)er=Sand(t)ner) vervielfacht sich die
Anzahl noch; Enttäuschungen sind dennoch nicht zu vermeiden
- die Anzahl an Familiennamen in Deutschland wird auf 500.000
geschätzt.
Sehr geschickt aufgebaut, führt das Verzeichnis von einem
historischen Abriss zur Entstehung der heutigen Form von Familiennamen
über das Familiennamenlexikon und ein internationales
Prominentennamenverzeichnis bis hin zu einem "rückläufigen
Gesamtverzeichnis der behandelten Familiennamen (nach ihren
Endungen)" - sehr hilfreich beim Finden von Zusammenhängen
wie z.B. Holz-, Punt-, Spar-, Horn-, Fügen-, Fiegen-,
Sieben-, Ball-, Roth-, Bund- und Handschuh
Einziger Wermutstropfen aus österreichischer Sicht ist
wieder einmal die Marginalisierung der heimischen Namenslandschaft
(gleiches gilt für die Schweiz); so findet sich zwar
die originelle Erklärung von "Prohaska" (Spaziergang),
nicht aber Krankl oder z.B. Lanner, beide offenbar auch nicht
prominent genug um Eingang in das internationale Verzeichnis
zu finden.
Rosa und Volker Kohlheim: Duden. Familiennamen. Herkunft
und Bedeutung von 20.000 Nachnamen. Dudenverlag, Mannheim-Leipzig-Wien-Zürich
2005. Geb., 960 S.
bei
amazon kaufen: EUR 25,70
Die
Buddhas der Zukunft 
"Sanfte Präzision" wird diesem Werk attestiert,
und tatsächlich hatte ich, ein Laie was Buddhismus betrifft,
beim Lesen stets das Gefühl, in guten Händen zu
sein: Keinerlei Anmaßung, keine Spur von Dogmatismus,
aber auch keine selbstdemütigende (falsche) Bescheidenheit
oder gar Furcht, die Dinge beim Namen zu nennen.
Marcel Geisser ist seit über 30 Jahren ein Wegbeschreiter,
seit 1994 als (von Thich Nhat Hanh) autorisierter Zen-Meister.
Fern jedes (ideologischen) Egoismus schlägt er einen
Weg der Mitte vor, einen wahrhaft "authentischen Buddhismus
für den Westen". Eine lesbare Meditation, die den
Geist anregt und konzentriert, eine gleichermaßen intellektuelle
wie mitfühlende Motivation, sich auf den Weg der Überwindung
von Gier, Aversion und Verblendung zu machen.
Marcel Geisser: Die Buddhas der Zukunft. Kösel,
München 2003. Geb., 298 S.
bei
amazon kaufen: EUR 20,60
Sepp
Holzers Permakultur 
Ein Ratgeber, ein Denkanstoß, ein gänzlich neues
Konzept: Sepp Holzer hat zusammengeschrieben, was ihm 40 Jahre
alternative Landwirtschaft an Erfahrung eingebracht haben.
Mit einem Wort gesagt: Es funktioniert; es funktioniert sogar
ausgezeichnet.
Holzer entlarvt viele Produkte und Verfahrensweisen der Baumarkt-
und Agrarmultis schonungslos als naturfeindlich - sie nützen
nur dem Hersteller/ Verkäufer, nicht aber dem Kunden
und schon gar nicht der Gesundheit von Mensch und Umwelt.
Was er aber vor allem tut, überschrieb ein privater amazon-Rezensent
sehr treffend mit: Lieber ein Licht entzünden, als über
die Dunkelheit jammern.
Seine Methode spricht für sich selbst, vorgetragen mit
der Überzeugungskraft echten Wissens.
Respekt und die Erkenntnis von Zusammenhängen sind der
Schlüssel. Holzer stellt in seinem Buch ausschließlich
arbeitsextensive Methoden vor: die Natur macht ihre Sache
vollkommen, wenn mensch sie nur lässt. Man muss lediglich
mit ihr und nicht gegen sie arbeiten. Ein Praxisbuch, das
hoffnungsvoll stimmt.
Sepp Holzers Permakultur. Praktische Anwendung für
Garten, Obst und Landwirtschaft. Leopold-Stocker-Verlag,
Graz 2004. Geb., 304 S.
bei
amazon kaufen: EUR 19,90
Der
Agrar-Rebell 
Der "Dickschädel und Querdenker von großem
Format" (Bernd Lötsch, Direktor des Wr. Naturhistorischen
Museums, über Sepp Holzer) steht längst für
einen völlig neuen Zugang zur Landwirtschaft, für
ein geschicktes Nützen ökologischer Beziehungen,
Mikroklimata und Kreisläufe - und für größtmögliche
Effizienz. Denn auch wenn es wie ein Märchen klingt,
es ist nichts als wahr: Sepp Holzer erzielt maximale (und
für unmöglich gehaltene) Ergebnisse mit minimalem
und vor allem absolut umweltschonendem Aufwand. Seine Methode
eignet sich sogar zum Wiederaufbau von von "konventioneller
Landwirtschaft" vernichteten Böden.
In diesem in die 7. Auflage gekommenen Longseller erzählt
Holzer über seine Arbeit, aber auch sehr viel darüber,
wie es überhaupt so weit kommen konnte und weshalb ein
Dickschädel unumgänglich ist, um sich gegen (behördliche,
ideologische) Windmühlen behaupten zu können...
Sepp Holzer: Der Agrar-Rebell. Leopold-Stocker-Verlag,
7. Aufl., Graz 2003. Geb., 240 S.
bei
amazon kaufen: EUR 19,90
Duden:
Das Fremdwörterbuch 
Der Duden feiert: 125 Jahre neue deutsche Spracheinheit. Der
neue neue Rechtschreibduden kam bereits im Herbst 2004 heraus
(an der Reform der Reform der Reform wird derzeit gearbeitet),
jetzt kommen schön der Reihe nach die nächsten Aktualisierungen.
Herausragend unter diesen: die 8. Auflage des Fremdwörterbuchs.
Dieser ist - selbstverständlich - so stark wie nie zuvor:
55.000 Stichwörter, davon 2.000 neu, 400.000 Angaben
zu Bedeutung, Aussprache, Grammatik, Herkunft, Schreibvarianten
und Worttrennungen. In perfekter Übersichtlichkeit layoutiert,
mit Infokästen zu Wortbildungselementen versehen und
auch als Software für sämtliche Plattformen inklusive
Linux und Handhelds erhältlich, präsentiert sich
der Fremdwörterduden als genau das, was ein Nachschlagewerk
sein soll: besonders nützlich. Wer ein einschlägiges
Lexikon benötigt, wird sich mit dem neuen Fremdwörterduden
bestens versorgt fühlen.
Duden: Das Fremdwörterbuch. Band 5. Mannheim,
Leipzig, Wien, Zürich 2005. Geb., 1.104 S.
bei
amazon kaufen: EUR 22,61
Duden:
Das Wörterbuch der Abkürzungen
Klein, rasch zur Hand und überaus praktisch: viele, mehr
als 10.000 neue Abkürzungen und Kurzworte fanden Eingang
in die 5. Auflage des Duden-Abkürzungswörterbuchs.
Mag sein, dass dieses kleine Lexikon nicht im selben Maße
ein Fundament an verlässlicher Korrektheit bildet, wie
man es von den Duden-Standardwerken gewöhnt ist; tatsächlich
steht z.B. CD-Rom in diesem Band, obwohl natürlich CD-ROM
die richtige Schreibweise ist. Konsultieren Sie also im Zweifelsfall
den Rechtschreibduden - die Bedeutung der Buchstabenkombinationen
erfahren Sie jedenfalls in diesem Taschenbuch am schnellsten.
Puristisch auf den Endzweck ausgelegt, mit nützlichen
Verzeichnissen (Domain-Länderkürzel, Landes- und
Währungscodes udgl.) versehen, um wenig Geld zu erwerben:
afaics irl von größtem Nutzwert. cg!
Duden: Das Wörterbuch der Abkürzungen. Dudenverlag,
Mannheim, Leipzig, Wien, Zürich 2005. Tb., 480 S.
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amazon kaufen: EUR 10,25
Duden:
Die Grammatik 
Auch der "Aufbau der deutschen Gegenwartssprache vom
Laut über das Wort und den Satz bis hin zum Text und
(Anm.: neu) zu den Merkmalen der gesprochenen Sprache"
verdiente es, im Jubiläumsjahr einer gänzlichen
Neubetrachtung unterzogen zu werden. Beschämt ergreife
ich ein 850 Seiten schmales Bändchen in meinem Bücherregal
und lege es in den Ausschusskorb: Der Grammatikduden in der
5. Auflage (1995) hat endgültig ausgedient. Wir halten
bei Auflage 7, angeschwollen auf mächtige 1.343 Seiten:
ein Buch, ein Klotz.
Was ist da geschehen? In nur zehn Jahren fielen der Dudenredaktion
nicht weniger als 500 neue Seiten zur deutschen Grammatik
ein, die nie zuvor Geschriebenes enthalten?
Die Frage drängt sich auf: Wäre weniger mehr gewesen?
Meine Antwort: ja. Denn selbstverständlich behandelt
der Grammatikduden jedes nur erdenkliche Thema, belegt, erläutert,
bringt Beispiele, ist 100 % kompetent und fundiert - aber
eigentlich nur für Berufsfetischisten der deutschen Sprache
noch einsetzbar. Schnelle Antworten auf konkrete Fragen im
Sinne eines Nachschlagewerks werden Sie im Grammatikduden
trotz des umfangreichen Registers nicht finden; auch deshalb,
weil der sichere Umgang mit Pronominaladverbien und Pseudoaktanten
die Voraussetzung dafür ist, sich im Systemdickicht zurechtzufinden.
Fazit: Wer es (das ist, nebenbei bemerkt, der Pseudoaktant)
schon weiß, nimmt sich mit dem neuen Grammatikduden
eine Bibliothek der sprachlichen Systematik in einem Band
ins Haus; wessen Perfektionsgrad aber 90 % noch nicht erreicht
hat und wer zudem nicht bereit ist, metasprachliches Know-How
zu atmen, wird von diesem Werk einfach erschlagen. Praxisnäher
ist z.B. der Schülerduden Grammatik; und der hätte
ja eigentlich in diesem Wälzer durchaus auch noch Platz
gehabt.
Duden: Die Grammatik. Band 4. Leipzig, Mannheim, Wien,
Zürich 2005. Geb., 1.343 S.
bei
amazon kaufen: EUR 22,61
Die
fabelhafte Welt der Leichen 
Wenn sich jemand der heiklen Thematik, was alles mit sterblichen
Überresten von Menschen (noch immer) durchgeführt
werden kann, nähert, dann bedarf es viel Fingerspitzengefühls
und einer feinabgestimmten Sprache. Beides ist der Autorin
geglückt - und zwar auf eine Art und Weise, dass ich
neben der Lektüre eine üppig belegte Salamipizza
verdrücken konnte, ohne irgendwelche Schwierigkeiten.
Hier war mir besonders das Kapitel über die Ärzte,
welche richtig verzweifelt nach dem Sitz der Seele im Menschen
gesucht haben, ein Hochgenuss. Außerdem entbehrt das
Ganze ja auch nicht einer gewissen Faszination: Denn gerade
beim Thema Verkehrssicherheit lassen sich die Unfalleffekte
nun einmal am besten mit Verstorbenen darstellen... Oder nach
einem Flugzeugabsturz können die Verletzungen der Gestorbenen
Aufschluss darüber erteilen, was sich genau zugetragen
hat.
Auch gefällt mir die Achtung gegenüber den Angehörigen
und den Verstorbenen, die aus jeder Zeile implizit und explizit
spricht. Nach der Lektüre habe ich beschlossen, einen
Rundum- Gesundheitscheck in den nächsten Monaten zu veranlassen,
damit meine Organe - falls ich einen jähen Hirntod erleiden
sollte - noch möglichst vielen anderen Menschen ihr Leben
verlängern können.
Fazit: ein schönes Buch, das Mut macht und den Abschied
erleichtern kann. Außerdem eine respektvolle Auseinandersetzung
mit dem Ungewissen, dem letzten Geheimnis, das uns alle eines
Tages besucht. (Anne Artner)
Mary Roach: Die fabelhafte Welt der Leichen. Deutsche
Verlags-Anstalt, München 2005. Geb., 350 S.
bei
amazon kaufen: EUR 20,50
Keine
Posaunen vor Jericho 
Die beiden Autoren haben sich ein ehrgeiziges Ziel gesetzt:
Ohne verstaubte Belehrungen wollen sie die Entstehungsgeschichte
der Bücher der Hebräischen Bibel [= des Alten Testamentes]
nachzeichnen. Die Hebräische Bibel berichtet von der
Geschichte des Volkes Israel und seines Gottes JHWH [der Gottesname
wird in der wissenschaftlichen Literatur so geschrieben] durch
die Jahrhunderte hindurch.
Als Fachtheologin komme ich während des Lesens nicht
umhin, den beiden zu gratulieren. Historisch bestens recherchiert,
gut formuliert, mit akribischer und dennoch nicht fadisierender
Liebe zum Detail haben die beiden die Entstehungsgeschichte
wie einen historischen Krimi aufbereitet. Meiner Meinung nach
haben sie das auf eine Art und Weise dargestellt, die es auch
bibelfesten und -treuen Menschen ermöglicht, sich mit
dieser Thematik auseinander zu setzen. Darin liegt eine weitere
Stärke des Buches: Die Autoren wollen sich mit den Überlieferungen
kritisch konfrontieren, aber weder belehren noch in irgendeiner
Weise den Sinn für das Wunderbare, der sich wie ein roter
Faden durch die Bücher der Hebräischen Bibel zieht,
leugnen oder herabwürdigen. Wenn ein Thema nun durch
verschiedenste Erwartungen, Wünsche, Ängste und
Emotionen so aufgeladen ist, kann unter Umständen Polemik
seitens der Autoren entstehen. Sehr positiv werte ich, dass
die Autoren genau das vermeiden konnten!
Fazit: Ein gelungenes Werk für ExpertInnen aller Konfessionen,
die ihre Einleitungsgeschichtekenntnisse auffrischen wollen
sowie für alle, die sich dafür interessieren. Anne
Artner
Israel Finkelstein, Neil A. Silberman: Keine Posaunen vor
Jericho. Die archäologische Wahrheit über die
Bibel. dtv, München 2004. TB, 381 S.
bei
amazon kaufen: EUR 10,30
NaturKunstNatur

Arbeit mit und in der Natur, Natur-Kunst-Natur, die Kunst
in der Natur zu Tage fördern, die Natur der Kunst offen
legen
Was der in Bayern gebürtige Nils-Udo seit
seinem 1972 gefällten Entschluss, die Malerei zugunsten
von Naturkunst aufzugeben, zuwege gebracht hat lässt
den Betrachter aus dem Staunen nicht mehr herauskommen. Der
Künstler, seine Arbeit und die Natur wurden zu einer
untrennbaren Einheit: "Als Teil der Natur lebte und arbeitete
ich fortan tagtäglich in ihrem Rhythmus, unter ihren
Bedingungen. Ich war mit mir im Reinen."
Ob Bambus-Kreise, Wassernest, Blütenschlangen oder mit
Bärlauchblättern kunstvoll grün gefärbter
Schnee: Der jetzt erschienene Prachtbildband zeigt sie alle,
ist eine unnachahmliche Werkschau aus mehr als 30 Jahren.
Der Text bleibt nobel zurückhaltend, beschränkt
sich meist auf kurze Kommentare des Künstlers, der seine
Arbeiten auch selbst fotografisch dokumentiert, oder gar die
von Ausstellungen gewohnten "technischen" Angaben.
Bei Nils-Udo liest sich dies allerdings anders: OHNE TITEL.
Sanddüne, Pampasgras. Namibia, 2000.
Wenn Kunst die Bezeichnung spirituell verdient, dann jene
von Nils-Udo. Die Umsetzung ist auf das Würdigste gelungen:
Besser lässt sich seine Arbeit im Medium Buch nicht präsentieren.
Nils-Udo: Natur-Kunst-Natur. Flammarion, München
2005. Großformat, reich und durchwegs farbig illustriert,
geb. 160 S.
bei
amazon kaufen: EUR 41,10
Die
Wasserstoff-Wende 
Henning Boetius, Germanist, Physiker und Autor erfolgreicher
Romane, hat seinen Beitrag zur Lage der weltweiten Energiewirtschaft
abgeliefert - und mich damit herb enttäuscht. Die Hälfte
des schmalen Bandes benötigt Boetius für die Grundlagen,
wobei er von der Dreieinigkeit von Energie, Kraft und Arbeit
bis zu Erg und Dyn nichts auslässt, mag es auch im Weiteren
keinerlei Rolle mehr spielen. Über weite Strecken ist
der Text im abgehobenen Bemühen um wissenschaftliche
Exaktheit ärgerlich akademisch bis hin zur schlimmsten
Sünde elfenbeintürmener Gelehrsamkeit: Wir haben
bereits gesagt
Solcherart belehrt und mit Fachjargon von adiabatischen Prozessen
über Steamreforming bis MCFC, PAFC und PEFC zugedeckt,
wirken die stellenweise eingestreuten flapsigen Versuche,
die Dinge in greifbare Zusammenhänge zu rücken,
weniger befreiend als unfreiwillig komisch bis peinlich.
Ein Sachbuch, zu dessen Verständnis ein Vorstudium erforderlich
ist, wird nicht gebraucht; hätte ich dieses Vorstudium
absolviert, hätte ich aus Boetius Abhandlung wohl kaum
Neues erfahren. So habe ich kaum Neues erfahren, weil sich
der Text erfolgreich gegen die Rezeption durch den interessierten
Laien sperrt.
Henning Boetius: Die Wasserstoffwende. Eine neue Form
der Energieversorgung. dtv premium, München 2005. TB,
139 S. EUR 12,-
Donner,
Wind und Berg 
"Die acht chinesischen Persönlichkeitstypen und
das Geheimnis männlicher Potenz", so der weit aussagekräftigere
Untertitel des Werkes: In einer Mischung aus TCM, I Ging und
der Geschichte des weisen Schamanen Ge Hong klassifizieren
die Autorinnen die "Yang Ones" und geben esoterisch-medizinische
Ratschläge um aus ihnen ganze Kerle zu machen, die ihren
Mann möglichst lange stehen. Erfrischend kurzweilig geschrieben,
leider reichlich unstrukturiert: Aussagen, die man(n) nur
unterschreiben kann ("Der Schamane setzt seine Ziele
selbst. Wenn er sich dafür entscheidet, er selbst zu
sein, wird er Stärke, Magie und erotische Ausstrahlung
verkörpern.") werden unterschiedlos neben bekannt
Nebuloses (I Ging) und hoffnungslos Engstirniges ("Unter
uns Jungs, Dope haut euch das Nierenyang so zusammen, dass
schon einfaches Pissen zur Kraftanstrengung wird. Oder?")
gestellt; wer zu welchem Persönlichkeitstyp gehört
lässt sich wegen des Fehlens von übersichtlichen
Klassifikationsschemata nicht mit Sicherheit sagen, aber schließlich
geht es ja auch um den Wandel und nix is fix... für meinen
Geschmack zu sehr in der fernöstlichen Tradition verharrend.
Christine Li, Ulja Krautwald: Donner, Wind und Berg.
Scherz, Frankfurt/Main 2004. Geb., 304 S.
bei
amazon kaufen: EUR 20,47
Das
Zwergenbuch 
Das Autorenpaar verfolgt sein Erfolgskonzept wie im Elfenbuch
weiter: Eine Zusammenstellung von Sagen und Märchen,
wobei hier der deutschsprachige Raum als Hauptquelle - oder
-bezugspunkt gelten darf.
Ähnlich wie bei den Elfen ergeben sich bei der Untersuchung
von Zwergen schon bei der Begriffsdefinition Probleme, jedoch
haben die Autoren sich darauf geeinigt, dass Zwerge als solche
Wesen zu definieren sind, die über eine besondere Nähe
zum Erdboden verfügen. Dabei spielt es keine Rolle, ob
diese Wesen nun ihre Wohnungen innerhalb der Erde aufgeschlagen
haben oder ob sich ihre Schätze dort befinden.
Besonders gut haben mir die Querverweise zu Tolkien und zur
Edda gefallen, denn obwohl ich ein glühender HdR-Fan
und eine Liebhaberin der nordischen Sagen bin, war mir vorher
nicht so richtig klar, dass Tolkien ja wirklich viel aus dem
Schatz der Edda geschöpft hatte...
Auch das Phänomen und die wechselvolle Geschichte der
Gartenzwerge werden genauer beleuchtet, inklusive der "Gartenzwergbefreiungsfront"
aus Frankreich, die in den 90er Jahren ihr Unwesen trieb.
Der Humor kommt also in diesem Buch nicht zu kurz.
Ein zusätzlicher Pluspunkt besteht meiner Meinung nach
in der durchaus kritischen Auseinandersetzung mit den verschiedenen
Esoterik- und New Age-Bewegungen und wie sich diese mit den
Zwergen auseinander setzen.
Das Buch ist sehr sorgfältig recherchiert worden und
liest sich leicht und angenehm.
Fazit: Ein Werk für ZwergenliebhaberInnen und solche,
die es noch werden möchten. Anne Artner
Ditte und Giovanni Bandini: Das Zwergenbuch. dtv, München
2004, TB, 238 S.
bei
amazon kaufen: EUR 14,95
Duden,
deutsche Rechtschreibung 
Bibel des Sprachimperialismus oder Hort des deutschen Sprachschatzes?
Wie auch immer Sie zum Duden stehen - er ist und bleibt "das
Standardwerk zu allen Fragen der Rechtschreibung" und
wer immer sich professionell mit deutsch-schweiz-österreichischer
Sprache befasst, kommt schwerlich darum herum, die jeweils
aktuellste Ausgabe in der Handbibliothek zu haben. Wie viele
das sind, zeigt der momentane Verkaufsrang bei amazon: 5.
Die aktuellste Ausgabe, das ist die 23., in (nach wie vor
hervorgehobener) neuer Rechtschreibung samt den aktuellen
Regelergänzungen am 1. August 2005 wirds ja amtlich.
Wiederum ist der Duden um etliche Neuwörter erweitert
worden mit insgesamt 125.000 Stichwörtern der
dickste Duden den es je gab. Und der übersichtlichste
dank einiger wirklich guter Layout-Ideen.
Im Spannungsfeld von notwendiger und praktischer Vereinheitlichung
und amtsschimmelnder i-Tüpfelei wird auch dieser Duden
reichlich Anlass zum Nachschlagen, Staunen und Wundern bieten.
"Zach" darf ein Fleisch heute schon sein, orthografisch
jedenfalls, und Österreichs Fußballer dürften
ungestraft von sich behaupt, "nix" mehr zu verlieren
zu haben alles ugs. selbstverständlich; aber es
steht drin.
"Nettwerken" werde ich hingegen vermutlich vergeblich
nachschlagen; das kommt dann in der 24. Auflage. Aber Sie
können schon mal danach googeln...
Der Duden, Bd. 1. Die deutsche Rechtschreibung. Duden-Verlag,
Mannheim, Leipzig, Wien, Zürich 2004. Geb., 1.000 S.
bei
amazon kaufen: Teuro (!) 20,70
Der
Kamasutra-Ratgeber 
Sexualität als eines von vier Lebenszielen (neben Moral,
Reichtum und Erlösung) - eine Sicht der Dinge, die die
Schaffung der "Aphorismen über Sexualität"
(wörtliche Übersetzung von Kamasutra) erst ermöglichte.
Vanamali Gunturu, promoviert in Philosophie indischer wie
westlicher Prägung, arbeitet den 1.800 Jahre alten Text
auf eine neue Weise auf: Eine Gruppe Rat suchender Personen
besucht Tag für Tag den Liebestempel in Benares. Sie
stellen ihre Fragen an Vatsayana, der vor 1800 Jahren das
Kamastura verfasst hatte und dessen Geist jeden Abend den
Körper des Tempelpriesters ergreift. Derart wird der
vollständige Text in Form einer Erzählung wiedergegeben.
Und darin geht es keinesfalls nur um akrobatische Körperstellungen
- ein Vorurteil, mit dem der Autor bereits in der Einleitung
abrechnet.
Das Buch hätte durchaus noch seinen Teil an kritischem,
sinnenfrohem Lektorat vertragen - Wiederholungen und altertümlich-professoral
anmutende Wendungen stören mitunter den Lesefluss. Die
ungemein tief gehenden Kenntnisse des Autors was den ideengeschichtlichen
Hintergrund des Kamasutra betrifft machen die Arbeit trotzdem
zu einer bereichernden: Erotik und Sexualität, eingebettet
in eine indisch geprägte Kulturgeschichte der Sinne und
der Liebeskunst.
Vanamali Gunturu: Der Kamasutra-Ratgeber. Sex, Lust
und die Kunst der Verführung. atmosphären, München
2004. Geb., 275 S.
bei
amazon kaufen: EUR 20,50
Ich
Mensch 
Anselm Spring gilt als moderner Jäger und Sammler - mit
der Kamera. Sein Leben lang jagte und sammelte er Fragmente,
um sie zu einem, seinem Bild der großen Welt zusammenzufügen.
So tragen frühere Bücher von ihm (über 70 hat
er veröffentlicht) Titel wie Holz oder Stein
oder auch Mythos Schwan. Auf dem Berg im Süden
von Utah, wo Anselm Spring seine Zelte aufgeschlagen hat,
kann er sich heute den Luxus leisten, "das Gesamtkunstwerk
Leben" zu verwirklichen - in künstlerischer Form.
Dazu gehören neben der Fotografie für ihn auch die
Musik, das Schreiben, Malen und die Landschaftsgestaltung
und Gartenpflege.
Die gesammelten Fragmente, mithin der Versuch des einen, seinen
Weltbilds in einem Band, ergeben Ich Mensch. Wunderschöne
Aufnahmen an der Grenzlinie von Ordnung und Chaos, Struktur
und Wahllosigkeit, Kuriositäten voller Humor und Ironie,
künstlich, natürlich, prachtvoll vollbracht. Die
Weltensplitter, den Rausch der Farben und Formen, ergänzt
Spring, der radikale Denker und Visionär, mit besinnlichen,
spirituell suchenden, Welt und Mensch hinterfragenden und
kommentierenden Essays - mit einem verblüffenden Schluss:
Mithilfe von Erkenntnissen aus der Genforschung wird eine
Brücke zu einer großen christlichen Verheißung
geschlagen - der Zeugung und Geburt aus Gott.
Ich, Mensch ist sehr persönlich und eine Personale, ein
Buch als Retrospektive und tragbare Ausstellung. Wie in einer
Ausstellung lässt sich das Werk auch sinnlich oder intellektuell
erleben - oder so, wie es gemacht wurde: mit dem ganzen Wesen.
Anselm Spring: Ich Mensch. atmosphären, München
2004. 23 x 28 cm, 237 Farbfotos, geb., 288 S.
bei
amazon kaufen: EUR 49,40
Das
Buch der Elfen und Feen 
Das Anliegen der beiden Autoren, die sich auch schon ausführlicher
mit Drachen, den himmlischen Heerscharen, Hexen und dem Aberglauben
beschäftigt haben, ist der Versuch, "geschichtliche"
Fakten mit Sagen und Märchen aus aller Welt in Einklang
zu bringen.
Ihr auch schön bebildertes Werk über
die Elfen liest sich leichtfüßig und unterstreicht
einerseits den Einfluss, den die Vorstellungen der "Unirdischen"
auf FantasykünstlerInnen (MalerInnen, DichterInnen etc.)
gewonnen haben, andererseits illustriert es, dass die Vorstellungen
einer beseelten Natur für viele Menschen rund um den
Globus zu einer Verbindung werden und geworden sind.
Einen besonders wichtigen Platz in der Darstellung nimmt Island
ein, das über eigene Elfenbeauftragte verfügt, die
Sorge zu tragen haben, dass nicht genau an einem Elfenplatz
z.B. ein neuer Parkplatz errichtet wird.
Auch betonen die beiden Autoren die Rolle des Christentums,
das zu gewissen Zeiten sehr kritisch die Märchen und
Sagen beäugte und teilweise auch Elemente aus diesen
dämonisiert hat. Hier haben die Autoren in punkto Recherchen
ihre "Hausaufgaben" ordentlich erledigt.
Am Beispiel dieses Buches lässt sich gut vor Augen führen,
dass unser mensch-liches Rezeptionspotential der Welt um uns
herum in seinen Ausdrucksformen begrenzt ist und immer wieder
neue Blüten an Variationen treibt.
Kurz und gut, dieses Werk verschafft einen profunden Einblick
in die Welt der Sagen und Märchen über "das
schöne Volk" aus aller Welt. Anne Artner
Ditte und Giovanni Bandini: Das Buch der Elfen und Feen,
dtv, München 2003. 280 S.
bei
amazon kaufen: EUR 15,50
Das
Lexikon der Orakel 
"Der Mensch als einziges Tier, das weiß, dass es
sterben wird, habe die Sehnsucht, über den eigenen Tod
hinaus zu schauen", wird der Zukunftsforscher Matthias
Horx zitiert. Auch ihm ist in diesem Überblick über
die Vielzahl divinatorischer Methoden, prominenter Zunftvertreter,
mythologischer Protagonisten und sonstig Bedeutsamem zur Kunst
der Weissagung ein lexikalischer Kurzartikel gewidmet.
Die Texte sind wohl recherchiert, liefern Anleitungen zu den
gängigsten Orakelmethoden, erlauben sich aber durchaus
auch einmal ein Augenzwinkern, wenn exotische Praktiken wie
das Hühnerorakel (Alektryomantie) zur Sprache kommen:
Dabei werden den Hühnern codierte Getreidekörner
vorgeworfen und aus ihrem Fressverhalten darf geschlossen
werden
Warum auch nicht? "Sind die Beteiligten gut auf ihre
Gefühlsebene abgestimmt und haben sie falsche Vorstellungen
loslassen können, vermag vom Prinzip her jedes noch so
simple Orakel eine brauchbare Antwort zu liefern." Dieser
kosmisch-naturgesetzlichen Ausgangsbasis verdankt der Band
seinen grundlegenden Respekt, der in Kombination mit der erwähnten
humorvollen Skepsis eine überaus informative, gelungene
und zum Schmökern einladende Kombination ergibt.
Wolfgang Bauer, Clemens Zerling: Das Lexikon der Orakel.
Ein Blick in die Zukunft. atmosphären, München 2004.
Geb., 312 S.
bei
amazon kaufen: EUR 25,60
Pilze
zu jeder Jahreszeit 
Gehört hat man vielleicht schon davon: Pilze im Jänner
und überhaupt bei jeder Witterung. In Zusammenarbeit
von Elisabeth Mayer, im Leopold Stocker Verlag bereits mit
den Titeln Die besten Wildfrucht-Rezepte und Wildfrüchte,
-gemüse, -kräuter als Kennerin der heimischen,
kulinarisch verwertbaren Botanik hervorgetreten, und dem Pilzexperten
und -fotografen Werner Klien liegt nunmehr ein Praxisbuch
vor, mit dem sich sofort in medias res gehen lässt
soll heißen, der Pilzjagd zum Zwecke der Zubereitung
schmackhafter Gerichte sind keine jahreszeitlichen Grenzen
mehr gesetzt.
Der schmale Band kann als Bestimmungsbuch, Pilzsachbuch und
Kochbuch gelten und schafft es, auf nur 144 Seiten all diesen
Ansprüchen gerecht zu werden. In bewährter Manier
nach dem Kalenderverlauf angeordnet wird Speisepilz für
Speisepilz beschrieben, gezeigt und Vorschläge für
die Zubereitung und/oder Konservierung gemacht. Die Vielzahl
an Informationen bis hin zur Pilzzucht im eigenen Garten
ist erfreulich übersichtlich und leicht zugänglich
aufbereitet worden. Man merkt auch diesem Band die Liebe der
Autorin zur Sache an angereichert noch von den profunden
Kenntnissen und der nicht minder großen Begeisterung
ihres Mitautors. Eine runde Sache.
Elisabeth Mayer, Werner Klien: Pilze zu jeder Jahreszeit.
Finden - Erkennen - Zubereiten. Leopold Stocker Verlag, Graz
2004. 144 S.
bei
amazon kaufen: EUR 15,80
Große
Düfte für kleine Nasen 
Der Sinn für Düfte ist so subtil wie machtvoll;
in einer Zeit der viel zitierten Reizüberflutung bleibt
er gegenüber "Augenweiden" und "Ohrenschmäusen"
medial dennoch deutlich im Hintertreffen. Zwar feiern Duftöle
in Aromalampen vielerorts eine Renaissance, die "klassische"
Form des bewussten, rituellen Umgangs mit Düften, die
Räucherung, gilt es jedoch für die Allermeisten
erst wieder zu entdecken - erst recht, wenn es um Kinder geht,
denen so "Anriechiges" wie ein Räucherritual
offenbar kaum zumutbar ist.
Der schmale Band liefert einen leicht fassbaren Einstieg in
die Thematik, wie der richtige Duft zur richtigen Zeit die
kindliche Entwicklung begleiten und unterstützen kann.
Er geht auf den rituellen Charakter von Räucherungen
ein, befasst sich mit den Beziehungen von Geruch und Gesundheit
und entwirft nachvollziehbare Szenarien für einen kindlich-spielerischen
Zugang zur (hierorts größtenteils vergessenen)
Welt des Rituals. Praxisnahe Tipps vom Räucherkegel selbst
gemacht bis zur Präsentation einzelner, kindgerechter
Duftnoten runden das einfach gehaltene Handbuch ab. Lieb,
nett und nützlich.
Heidi Velten/Bruno Walter: Große Düfte für
kleine Nasen. Räucherrituale, Dufterlebnisse und
Gesundheitstipps für Kinder. Kösel, München
2003. 109 S.
bei
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Lexikon
der Tiersymbolik 
Metaphorische Bezüge zur Tierwelt sind in den menschlichen
Lebenswelten allgegenwärtig: in Darstellungen auf mittelalterlichen
Kirchen, in der Heraldik, in Fabeln und insbesondere in der
Sprache, die vor Ausdrücken wie "aalglatt",
"Bienenfleiß", "Sündenbock"
usw. nur so strotzt.
In Einzelartikeln von "Aal" bis "Zikade"
stellen die Autoren die ausgewählten, symbolkräftigen
Tiere vor: mit Bezug auf die Mythen verschiedener Kulturkreise,
in vergleichender Religionsbetrachtung, tiefenpsychologisch,
volkskundlich. Die Texte sind prägnant, fundiert und
stecken im Einzelnen voller interessanter und für viele
sicherlich neuer Details. Der umfassende Anspruch, Tiere als
Symbole, Spiegel, Lehrmeister, Vorzeichen und mythische Ahnen
zu präsentieren, kann in der Kürze der Einzeldarstellungen
natürlich keineswegs erfüllt werden - als Lexikon
liefert der Band jedoch überaus handliche, bibliographisch
kenntlich gemachte Einstiegs-Bausteine, die einer allfälligen
tiefer gehenden Beschäftigung mit dem Thema sehr dienlich
sein können.
Clemens Zerling/Wolfgang Bauer: Lexikon der Tiersymbolik.
Mythologie - Religion - Psychologie. Kösel-Verlag, München
2003. 351 S.
bei
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Hanf
als Medizin 
Fundiert, gut lesbar und praxisorientiert war Hanf in der
Medizin bereits 1997, als es als TB im Karl Haug-Verlag
erschien. Seither ist viel geschehen: Dronabinol (synthetisches
THC, Hauptwirkstoff der Cannabispflanze) wurde verschreibbar,
sowohl in Österreich als auch in Deutschland gibt es
je einen Menschen, dem der Hanfkonsum aus therapeutischen
Gründen gestattet wurde, ein Spray auf der Basis natürlichen
Cannabis steht in Großbritannien vor der Zulassung,
Holland vertreibt medizinisches Marihuana über die Apotheken
und auch die Forschung hat keineswegs Halt gemacht, sondern
sich im Gegenteil verstärkt darum bemüht, sinnvolle
Anwendungsmöglichkeiten der grünen Kraft zu untersuchen
anstatt weiterhin Argumente der Verunglimpfung zu konstruieren.
Dr. Grotenhermen, Pionier der Hanfmedizin, hat den erklärenden
Teil (geschichtliche Hintergründe, Chemie, Wirkungsweise,
"Beipackzettel", Tipps zur Einnahme und Dosierung)
der Erstauflage überarbeitet und ein sehr breites Kapitel
überwiegend neu hinzugefügt: Beinahe die Hälfte
des Buches widmet sich den Krankheiten und Symptomen, bei
denen Cannabis und Cannabinoide wertvolle Linderung versprechen.
Der sachliche Tonfall ist geblieben - es ist erfrischend,
zu diesem Thema zwischen hass- und angstverzerrter Propaganda
und verklärter Beweihräucherung eine Stimme zu vernehmen,
die die (überwältigenden) Fakten für sich selbst
sprechen lässt. Diese umfassen erfreulicherweise auch
wirklich (mutige) praxisbezogene Tipps: "Professor Brenneisen
hat als optimale Decarboxylierungs-Bedingungen (Anm.: Umwandlung
der in der Pflanze vorliegenden, unwirksamen THC-Säure
in aktives THC) eine fünfminütige Erhitzung (Anm.:
in Öl) bei 200 bis 210 Grad ermittelt."
Ein perfektes Sachbuch: Klar, präzise, umfassend und
kompetent.
Dr. med. Franjo Grotenhermen: Hanf als Medizin. Ein
praktischer Ratgeber zur Anwendung von Cannabis und Dronabinol.
AT-Verlag, Baden und München 2004. Geb., 190 S.
bei
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Unterwegs
in die nächste Dimension
Clemens Kuby vollzog einst eine bis heute der Schulmedizin
unerklärliche Geistheilung an sich selbst - er setzte
seinen zertrümmerten Lendenwirbel wieder in Stand und
entging der feststehenden Diagnose "Rollstuhl bis ans
Lebensende".
Der Filmemacher (sein Film Unterwegs in die nächste
Dimension, der dem gleichnamigen Buch voranging, läuft
derzeit noch in manchen heimischen Kinos) begab sich sodann
auf eine lange Reise von der Materie zum Geist - beginnend
mit dem Alten Ladakh, um ein sich selbst gegebenes
Versprechen einzulösen. Sein Weg zu Schamanen und Geistheilern
rund um den Erdball widerspiegelt den schmerzhaften Erkenntnisweg,
der dem Westen bevorsteht - die Anerkennung des Primates des
Geistes über die Materie, die Überwindung rein linksdenkenden
Rationalismus, die Akzeptanz der Macht der "Information".
Kuby ist, bei aller Aufgeschlossenheit für das Neue,
als Westler aufgewachsen und damit zum "ungläubigen
Thomas" verurteilt. Gut für uns, denn solcherart
ist gewährleistet, dass kein selbsternannter Guru uns
dogmatisch Esoterik predigt, sondern wir einen gangbaren Weg
"in die nächste Dimension" vorgezeichnet bekommen.
Kuby entmystifiziert den Schamanismus, nur um ihn erst dadurch
wirklich verstehbar und glaubhaft zu machen: Schamanen bieten
uns - wie alle - eine in der Ausprägung unterschiedliche
Illusion (oder, wertfreier ausgedrückt, ein "Vehikel")
mit dem gemeinsamen Ziel, Selbstheilungskräfte zu wecken:
"Wirklichkeit ist das was wirkt."
Dazu ist das Buch auch noch gut geschrieben, direkt und greifbar,
scheut sich in keiner Phase vor kritischen Bemerkungen (unter
Einbeziehung einer politischen Dimension) und darf daher mit
großem Respekt vor der Leistung des Autors als wahrlich
erhellende Lektüre bezeichnet werden: es verblüfft,
lässt begreifen und, das wichtigste, regt vehement dazu
an, an sich selbst und seine Potentiale zu glauben.
Clemens Kuby: Unterwegs in die nächste Dimension.
Meine Reise zu Heilern und Schamanen. Kösel, München
2003. 339 S.
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Bauen
mit Stroh 
Es entwickelt sich rasant, ist hundertfach bewährt, wirkt
immer noch exotisch, führt immer noch ein Nischendasein:
Bauen mit Stroh(ballen). Zuverlässige Informationen aus
erster Hand sind - insbesondere im deutschsprachigen Raum
- schwer zu bekommen. Das im Jahr 2000 erstmals erschienene
ökobuch Bauen mit Stroh wurde daher zu einem verlässlichen
Dauerseller, der nunmehr seine völlig überarbeitete
Neuauflage erlebt.
Mit diesem Buch erhalten Sie exakt das, was Sie brauchen:
Einen prägnanten, den netzwerkenden Geist der Strohbauer
widerspiegelnden Wegweiser in die spannende Welt der Ballenschlichterei.
Grundlegend-historisches steht am Anfang, es folgen schlüssige
Antworten auf die Stroh-FAQs (Feuer, Insekten, Feuchtigkeit
sowie Bauphysik, Dämmung), ein Exkurs zur Bautechnik
(Wandsysteme, die uralte enge Verbindung von Stroh und Lehm
usw.) sowie abschließende, farbig illustrierte Kommentare
ausgewählter Vertreter des internationalen Strohballenbaus.
Als weitere Recherchehilfe dienen ein Literaturverzeichnis
und eine sehr reichhaltige Linkliste.
Der beste (deutschsprachige) Einstieg in das Thema ist um
drei Jahre Entwicklung im Strohballenbau besser geworden.
Herbert und Astrid Gruber: Bauen mit Stroh. TB, ökobuch
FAKTUM, 2., völlig überarb. Aufl. Freiburg 2003.
Zahlreiche s/w- und Farbillustrationen. 112 S.
bei
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