Neuerscheinungen: Science Fiction und Fantasy
- und was SIE davon halten
Irgendwo ganz anders 
Thursday Next führt ein friedliches Familienleben, mit ihrem endlich aus der Nichtung befreiten Ehemann Landen und ihren Kindern Friday, Tuesday und Jenny. SpecOps gibt es nicht mehr, dafür ist der Swindoner Bedarf an Bodenbelägen kaum zu decken, weshalb ihre Teppichfirma Acme Carpets floriert…
Halt, halt. Thursday ist in Wahrheit meist irgendwo ganz anders - in der BuchWelt nämlich, wo sie verbotenerweise weiterhin als Jurisfiktion-Agentin tätig ist. Acme Carpets ist nur eine Tarnung für die Fortführung der SpecOps-Aktivitäten. Und spätestens als Thursday 1–4, die schießwütige Heldin aus den ersten Thursday-Next-Romanen, als Jurisfiktion-Azubi für Ärger sorgt, die Goliath Corporation ganz nahe dran ist, auch in die BuchWelt reisen zu können und ihr übelriechender Teenager-Sohn Friday plötzlich beschließt, nicht mehr der ChronoGarde beitreten zu wollen, obwohl er doch deren Generaldirektor sein wird, sind wir mitten drin im Ffordiversum wie wir es kennen und lieben. Die brennendsten Probleme: der Abbau des seit neuestem gesammelten und aktuell durch die Decke gehenden DummheitsÜberschusses durch eine wirklich saublöde Regierungsentscheidung, die aber dennoch kein übermäßig großes Vernichtungspotenzial aufweisen sollte; die ständig sinkende Zahl an Buchlesern; und die bevorstehende rückwirkende Auslöschung der Geschichte, sollte es der Chronogarde nicht doch noch gelingen, vor dem Ende der Zeit tatsächlich das Zeitreisen zu erfinden. Kenner der Kultreihe dürfen sich wieder an unzähligen Anspielungen, Verarschungen und Selbstverarschungen, Skurrilitäten und Absonderlichkeiten Marke Fforde erfreuen – in gewohnter Qualität, eine Spur weniger originär, dafür noch verspielter im Umgang mit dem selbst erschaffenen Ffordiversum. Für Erstkontakte mit selbigem jedoch völlig ungeeignet.
Jasper Fforde: Irgendwo ganz anders. dtv, München 2009. Tb., 412 S.
 Hex 
Kai Meyers vor 11 Jahren erstmals erschienener UFO-Roman wurde heuer neu aufgelegt. Damit ist leider auch schon ziemlich alles gesagt, soweit es das Neue betrifft. Kai Meyer versteht es, spannend zu erzählen, Kai Meyer tut sich ein bisschen schwer, seine Figuren plastisch und plausibel zu gestalten, Kai Meyer steigert die Dramatik hervorragend und lässt einen am Ende mit einer wirren, unausgegorenen Nicht-Auflösung im Regen stehen.
So ist es mir zumindest bei allen vier Büchern ergangen, die ich von diesem Autor gelesen haben, und die immerhin eine Zeitspanne seines Schaffens von fast 20 Jahren umfassten.
Hex bildet, wie gesagt, keine Ausnahme. Nach einem Intro im frühen 16. Jh. spielt sich die Handlung in den 1920er Jahren ab - Berlin ist durchgeknallt, Luftschiffe fliegen nach Grönland, Dänen und Norweger streiten sich und reichlich faschistoide Geheimbünde treiben ihr mysteriöses Unwesen. Mitten drin ist das Hex, die Abteilung für ungeklärte Kriminalfälle vulgo deutsche Akte X-Dependance. Ganz ok zum Zeitvertreib.
Kai Meyer: Hex. Bastei-Lübbe, Bergisch-Gladbach 2008. Tb., 333 S.
 Kinder der Drohne 
Eine Forscherin wird schwanger, bringt Vierlinge zur Welt und begeht nach der Entbindung Selbstmord. Während die Kinder aufwachsen, zeigt sich, dass sie alles andere als gewöhnlich sind; es scheint eine Verbindung zu einem mysteriösen kosmischen Objekt zu geben, in dessen Nähe die Zeugung erfolgte. Die Raumstation, in der das in vier Teile aufgespaltene Objekt aufbewahrt und studiert wird, befindet sich in einem Orbit über Sudoria, einem von zwei Aussiedlerplaneten, die sich in einem permanenten Kriegszustand befanden, bis Sudoria Brumalia mit so
genannten Hilldiggern (so auch der Originaltitel des Romans) in ein quasi vorindustrielles Zeitalter zurückbombte.
Die Atmosphäre ist alles andere als entspannt, als McCrooger eintrifft, um für die irdische (von KIs geleitete) Planetenföderation erste diplomatische Kontakte zu knüpfen.
Neal Asher, ein ausgesprochen produktiver britischer SF-Autor, hat mit den Kindern der Drohne sein bisher wahrscheinlich bestes Buch vorgelegt. Die galoppierende Fantasie und die verzwickten Plots früherer Arbeiten sind geblieben, ein strukturierterer Aufbau, stimmiger gezeichnete Figuren und insgesamt mehr Stringenz in der Durchführung sind hinzugekommen. Da er bei all dem den Gesetzen des Genres treulich folgt, ist das Ergebnis dennoch nicht für die Allgemeinheit tauglich, sondern nur für Freunde spannender SF auf etwa 70% Asimov-Level zu empfehlen.
Neal Asher: Kinder der Drohne. Bastei-Lübbe, Bergisch-Gladbach 2008. Tb., 590 S.
 Tiger Eye 
Die Story: Dela findet auf dem Dreckmarkt in Peking eine geheimnisvolle Schatulle. Nach dem Öffnen entsteigt ihr der Krieger Hari, dessen Augen Dela an einen Tiger denken lassen. Im wahrsten Sinn des Wortes zähneknirschend raufen die beiden sich zusammen – denn auch Haris Gegner hat den Sprung in unsere Welt geschafft...
Ideologische Versatzstücke des Fantasy-Genres werden hier recht ordentlich aufpoliert und die Autorin gewinnt diesen sogar neue Seiten ab. Ein weiteres Plus stellen die höchst lebendigen Charaktere dar, sie wirken glaubwürdig und sympathisch.
Bei diesem Werk störte mich trotzdem einfach etwas: hier wird mir als Leserin eine
romantische, angeblich an Gleichberechtigung interessierte Liebesgeschichte verkauft, die aber dennoch in allen sexuellen Details für den männlichen Part schwelgt. Wenn die neue Haltung zur Emanzipation darin bestehen soll, dass die Frau dem Mann auf jede erdenklich Art Vergnügen bereitet, im Gegenzug aber ihre Sinnesfreuden gerade mal drei Zeilen wert sind, dann verzichte ich sehr gerne! Das ist bei diesem Buch besonders ärgerlich, denn die Story ist flott erzählt und strotzt vor pfiffigen Einfällen, die mich sogar über ein paar unlogische Brüche haben hinwegsehen lassen.
Fazit: ein Erstling, der auf weitere Bücher und etwas mehr Geduld seitens des Lektorates hoffen lässt.
(Anne Artner)
Marjorie M. Liu: Tiger Eye. Blanvalet, München 2007. Tb., 448 S.
 Schattenfall 
Wieder einer der Klone von J.R.R. Tolkien. Bemüht, aber gut gemeint ist leider auch in diesem Fall das Gegenteil von gut. Auf Seite 200 habe ich dieses Machwerk weggelegt. Die Welt ist plastisch gezeichnet, jedoch sind die Figuren hölzern wie Versatzstücke und ihre Motive bleiben abstrakt und nicht nachvollziehbar, Andeutungen en masse dominieren das Geschehen. Schlachtenschilderungen schwelgen in detailverliebter Grausamkeit und das auf Kosten der Spannung. Es ist zu befürchten, dass der Autor sich auf seine eigene Klugheit bei den Erzählfäden verlassen hat – als LeserIn bleibt man verlassen! In diesem Fall finde ich die
Schwafelei besonders ärgerlich: denn schreiben kann der Autor, aus mir unerklärlichen Gründen tut er es einfach nicht. Der Sinn fürs Wunderbare, wie die verstorbene Marion Zimmer Bradley es so schön genannt hat, ist in der Geschichte durchaus vorhanden, eigens erfundene Sprache(n) sowie Religionen inklusive. Schade.
Die Story: die sagenhafte Welt Earwa voller Magie wird von allen Seiten bedroht. Im Reichsinnern planen die Hohenpriester einen Putsch und lange unterdrückte Völker stürmen an die Reichesgrenzen. Jedes Kapitel stellt eine andere Hauptfigur vor...
Fazit: Man glaube als kritische(r) LeserIn auf gar keinen Fall den Lobpreisungen des Verlages auf dem Einband! (Anne Artner)
R.Scott Bakker: Schattenfall. Der Krieg der Propheten 1. Klett- Cotta, Stuttgart 2006. Geb., 650 S.
 Kinder des Judas 
Als Großmeister der deutschen Fantasy gehypt, muss Markus Heitz mittlerweile hohen Ansprüchen gerecht werden. Aber wie schon bei seinem Werwolf-Zweiteiler Ritus und Sanctum vermag auch sein neuester Ausflug in die Dark Fantasy diesen hohen Erwartungen nur bedingt gerecht zu werden. Der Vampirroman hat originelle Anteile und spannende Momente, aber über weite Teile bleiben die Figuren ungreifbar und leblos (obwohl nicht alle Protagonisten untot sind...). Heitz lässt kein Klischee aus der Superhelden- und Fetischkiste aus, und das bisweilen aufblitzende Bemühen um einen Hauch von Selbstironie geht in der allgemeinen Plattheit der ganzen Geschichte kläglich unter.
Ich kann Trash an sich viel abgewinnen, aber in der Regel nur wenn er mit Augenzwinkern serviert wird; doch gerade der Humor, der z.B. die Zwerge-Bände von Heitz auszeichnete, fehlt den Judaskindern wie er auch den Werwölfen gänzlich abgegangen ist. Trotz offensivem Ganzkörpereinsatz der – bildschönen, hyperintelligenten, geilst gebauten, übermenschlich schnellen und umfassend gebildeten – Heldin kommt aber auch keine erotische Stimmung auf; einfach zu uncharmant.
Immerhin: Der Band ist super gestaltet – und demnächst erscheint Heitz vierter Zwerge-Band...
Markus Heitz: Kinder des Judas. Knaur, München 2007. Tb., 702 S.
Avala. Die Zeit des Adlers 
Neues von der mehrfach ausgezeichneten Jugendbuchautorin: Die Geschichte einer jungen Frau, die sich eben nicht auf ihren Lorbeeren als "Auserwählte" ausruht, sondern freiwillig zu ihren Feinden als deren Heilerin zurückkehrt. Avalas Vater hat dem Reichtum und den Wundern seiner Heimatstadt entsagt, um mit den Unterdrückten und Avalas Mutter zu leben. Sein Verhalten ist bei seinem neuen Volk sprichwörtlich geworden, denn er hat die letzte Angriffswelle nicht überlebt. Avala versteht schon als sehr junges Mädchen, dass sie als Kind zweier an und für sich verfeindeter Völker die Aufgabe haben wird, hier Frieden zu schaffen. Nicht nur gegen die Spötter und
Skeptiker muss sie sich zu Wehr setzen, sondern auch gegen ihre eigenen Zweifel und Ängste, die ihre Aufgabe fast unmöglich gestalten. Doch durch ihre Arbeit als Heilerin lernt sie, diese zu bezähmen – und der Pflegesohn des Häuptlings scheint ihr nicht nur aus purem Pflichtgefühl so emsig überallhin zu folgen...
Eine wirklich schöne, kraftvolle Geschichte über "rites des passages", über Versöhnung und den Wert der Freundschaft. Wie Avala mit sich ringt und sich dann immer wieder überwinden kann, ist sehr gut dargestellt und verleiht ihrem Tun einen zusätzlichen Reiz.
Fazit: Für LiebhaberInnen des Fantasy-Genres von 12-99. Lesen! (Anne Artner)
Sherryl Jordan: Avala. Die Zeit des Adlers. Sauerländer 2007. Geb., 424 S.
 Shadowmarch: Das Spiel 
Tad Williams Qualitäts-Fantasyschmiede hat endlich ausgeliefert, das Abenteuer um Prinzessin Briony (auf der Flucht), ihren Zwillingsbruder Barrick (im Schattenland), deren Vater (immer noch in Gefangenschaft), den verräterischen Tollys (fläzen sich am Südmark-Thron), dem Funderling Chert (nimmt den verzweifelten Ex-Hofarzt Chaven bei sich auf), Qinnitan
(gejagt von einem Weißen Hund) und Hauptmann Vansen (landet bei Kernios, dem Erd- und Todesgott) geht nahtlos weiter. Vielschichtig und ausufernd detailreich wird die packende, intensive Saga fortgeführt. So mancher Handlungsverlauf bleibt unklar, was aber von einem 2. Band einer Tad-Williams-Trilogie auch nicht anders zu erwarten ist.
Sprachlich ungemein hochstehend (und prächtig ins Deutsche übertragen von Star-Übersetzerin Cornelia Holfelder-von der Tann) wird ein gänzlich einzigartiges Panorama ausgebreitet, angereichert mit zahlreichen Elementen, die man so noch nie gelesen hat. Hochklassig in absolut jeder Hinsicht: Sowohl spannungs- und abenteuersüchtige Fantasy-Verschlinger als auch Literaturfreunde, die auf ihr Recht pochen, literarische Texte und Unterhaltungswert in einem zu bekommen, kommen voll und ganz auf ihre Rechnung.
Aber Achtung: Dieser 2. Teil ist ohne Kenntnis des ersten Bandes Shadowmarch: Die Grenze nicht lesbar.
Tad Williams: Shadowmarch: Das Spiel. Klett-Cotta, Stuttgart 2007. Geb., 815 S.
 Lila Black 02 
Tja, schade drum. Was mit Band 1 ziemlich verheißungsvoll begann, ist ganz schnell zur feuilletonistischen Maniriertheit verkommen. Band 2 habe ich in etwa zur Mitte hin aufgegeben, als mir die schier endlosen Beschreibungen wabernder Äther-Schlieren zum Hals heraus hingen – zumal bis zu diesem Zeitpunkt an Story mehr oder minder gar nichts geschehen war (Lila soll herausfinden, was mit ihrem Liebhaber, dem Dämonenelfen Zak, wirklich passiert ist; 200 Seiten später sind wir der Antwort auf diese Frage nicht einen Buchstaben näher gekommen, geschweige denn dass irgendwelche anderen Szenarien in Gang gesetzt worden wären).
Anders gesagt: Habe ich mir in Band 1 noch "griffigere Beschreibungen" gewünscht, so hilft das leider in Band 2 keinen Deut mehr weiter. Genau die nebulosen, Seiten ohne Bilder oder Inhalt füllenden Anteile haben sich wie ein Krebsgeschwür verbreitet und die Oberhand gewonnen.
Justina Robson: Lila Black 02. Unter Strom. Blanvalet, München 2008. Tb., 448 S.
 Feuervolk 
Der Namenlose, dessen düstere Gefolgschaft ständig wächst, steht bereit, die Welt ins Chaos zu stürzen und alles niederzuschmettern, was ihm in die Quere kommt. Nur eine kann ihn aufhalten: das junge und außergewöhnliche Mädchen Maddy, in dessen Feuermal auf der Hand große Macht verborgen ist. Wird sie mit Hilfe ihres geheimnisvollen besten Freundes, „Einauge“ genannt, die Welt retten können? Und wem kann sie überhaupt vertrauen?
Ich finde dieses Buch ist ausgezeichnet gelungen, da man bis zur letzten Seite mitfiebert und man sich sicher selbst in einem der Charaktere wiederfindet. Joane Harris schreibt locker und dennoch bewegend. Ein toller Fantasy-Roman, bevölkert von zahlreichen Göttern und erfüllt von Magie, der es bis zur letzten Seite spannend macht. (Lena Turek, 13)
Joanne Harris: Feuervolk. cbj, München 2007. Geb., 542 S.
 Der Elfenlord 
Zwei Jahre ist es her, dass Henry das letzte Mal Kontakt zum Elfenreich hatte. Doch plötzlich steht sein Freund und Elfenprinz Pyrgus vor seiner Tür und bittet ihn um Hilfe, da das Elfenreich vom geheimnisvollen Zeitfieber befallen wurde, das die Betroffenen rapide altern lässt. Auch Mr. Fogarty ist infiziert! Dessen Zustand ist ernst, doch weigert er sich hartnäckig, das Elfenreich zu verlassen und sich in der Gegenwelt in Sicherheit zu bringen.
Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt. Kann Henry Mr. Fogarty und auch das ganze Elfenreich retten?
Mir hat das Buch nicht so sehr wie die drei Vorgänger gefallen, doch trotzdem ist es äußerst spannend und lesenswert. Ein rasanter Fantasy-Roman für Jung und Alt, nicht nur für Brennan-Liebhaber geeignet. (Lena Turek, 13)
Herbie Brennan: Der Elfenlord. dtv, München 2007. Tb., 396 S.
 Lila Black 01 
Lila ist ein Cyborg: Nach einer beinahe tödlichen Begegnung mit elfischen Geheimagenten blieb sie als blutender Torso zurück. Jetzt, um künstliche Intelligenz, einen Atomreaktor und waffenstarrende Highest-Tech-Gliedmaßen erweitert, ist sie selbst eine Agentin. Ihr erster Auftrag: Personenschutz von Zak, dem Elfen-Rockstar, dem die puristischen Bewohner der Elfensphäre an den Kragen wollen. Doch dahinter steckt ein noch viel größeres Geheimnis.
Justina Robsons neue SF-Fantasy-Reihe wurde allseits bejubelt und hat auch tatsächliche viele Qualitäten, angefangen bei ihrer innovativen Ausgangssituation, die klassische Fantasy (Elfen, Feen, Dämonen, Elementarwesen) überzeugend mit
Science Fiction in Gestalt der übermenschlichen, halbkünstlichen Lila Black als Repräsentantin der ganzen, technikhörigen Menschheit verwebt. Weitere Pluspunkte: Coole, zeitgeistige Sprache, ein komplexer (stellenweise komplizierter) Plot, jede Menge Action und als Fundament all dessen die Andeutung einer Philosophie der Vielfalt, in der es für Technik, Spiritualität, unterschiedlichste Rassen und Lebensentwürfe Raum gibt.
Ich hätte mir beim Lesen mitunter gewünscht, noch griffigere Schilderungen und Beschreibungen geliefert zu bekommen, aber abgesehen davon ist Lila Black 01 der Auftakt einer viel versprechenden Saga mit sehr großem Potenzial; wie lange die Verfilmung wohl auf sich warten lassen wird?
Justina Robson: Lila Black 01. Willkommen in Otopia. Blanvalet, München 2007. Tb., 414 S.
 Die Goblins 
Die Tolkiensche Fantasywelt mit Elfen, Zwergen, Orks und Co. wird ja bereits seit einigen Jahren nach Kräften mit jeweils eigenen Fantasy-Buchreihen ausgeschlachtet – sehr zum Vergnügen der stets nach neuen, genregerechten Geschichten hungrigen Leserschaft. Markus Heitz Zwerge-Trilogie ist z.B. überaus gelungenes, unterhaltsames, spannendes und mit Raffinesse gestricktes Lesefutter. Auf diesen Zug versucht auch Jim C. Hines aufzuspringen, der sich allerdings in Ermangelung noch unbesetzter brauchbarer Figuren einer Spezies angenommen hat, die bei Tolkien meines Wissens nicht vorkommt - der "Goblins". Das ist das englische Wort, mit dem z.B. Joanne Rowling die Kobolde von der Zaubererbank Gringotts bezeichnet. Hines Goblins sind ganz anders – kleine, schwächliche und absolut unorganisierte Höhlenbewohner, die rein gar nichts Heldenhaftes oder merklich Cleveres an sich haben. Ansonsten sind alle üblichen Verdächtigen vorhanden: ein paar ruhmsüchtige Menschen, ein Zauberer, ein Drache, ein Zwerg, eine Elfe.
Die Story, eine klassische Queste, dreht sich um ein ungeheuer mächtiges magisches Artefakt. Der unfreiwillige Goblin-Held Jig tritt an die Stelle der Hobbits – denen ja auch niemand etwas zutraut, vor allem nicht sie selbst, und die es doch verstehen, über sich hinaus zu wachsen.
Die Ausführung ist tadellose, mit Humor versetzte, 100 % genretreue Fantasy. Ohne Pathos oder epischen Tief- oder Breitgang, wird dieses Buch wohl kaum merkbare Spuren hinterlassen, ist aber ein echtes Lesevergnügen, das Fans der Gattung jederzeit zum Konsum empfohlen ist. Großes Plus der Sache: Obwohl derzeit Band 3 im Entstehen ist, ist Teil 1 der Goblin-Saga eine wirklich abgeschlossene Geschichte.
Jim C. Hines: Die Goblins. Bastei-Lübbe, Bergisch-Gladbach 2007. Tb., 350 S.
   Harry Potter und die Heiligtümer des Todes 
Als der Abschlussband der sagenhaft guten Harry-Potter-Reihe
erschienen war (die Originalausgabe), habe ich natürlich alles stehen und liegen lassen und mir die Krönung des Werks mit brennenden Augen vor lauter Schlafmangel in kürzest möglicher Zeit verabreicht. Dabei hatte ich mir fest vorgenommen, wenigstens dieses eine Mal langsam und mit Genuss zu lesen. Ging einfach nicht.
Im Anschluss daran fand ich einen anderen Weg zu maximiertem Hogwarts-Erlebnis: Ich begann ganz von vorne, beim Stein der Weisen bzw. Philosopher's Stone und dann alle Bände noch einmal; den Half-Blood-Prince (Halbblutprinz) hatte ich ja ohnedies erst ein einziges Mal verschlungen. Und zuletzt Band 7 ein zweites Mal, mit allen Details und raffinierten Wendungen frisch im Gedächtnis.
 Mir ist zu Ohren gekommen, dass gar nicht so wenige Fans der Buchreihe nach dem Tod von Albus Dumbledore im 6. Band keine Lust mehr auf das Finale haben sollen; nun, die deutsche Ausgabe wird nichtsdestotrotz eifrigst bestellt (Nr. 1 bei amazon seit Wochen), natürlich, aber speziell an diese bedauernswerten verirrten Seelen gerichtet sei gesagt: Ihr glaubt wirklich, ihr habt schon alles an
Spannung, Dramatik, Trauer, Schmerz und Glück erlebt, was Mrs. Rowling auf Lager hat? Nein, das habt ihr nicht. Es wird noch viel ärger als sich das irgendjemand vorstellen kann. Und selbst falls zwischenzeitlich das Gefühl auftauchen mag, dass die Kameraden Glück und Zufall womöglich eine Spur zu häufig mitspielen - stimmt nicht. Frau Rowling hat uns nicht zu viel versprochen: Sie wusste wirklich von der ersten Zeile weg, wie alles abzulaufen hat. Und hat es meisterlich und unnachahmlich umgesetzt. Macht bloß nicht den Fehler (wie ich), euch kurz nach dem Lesen eines Bandes die Verfilmung anzusehen. Schlapp, schlapp, schlapp, alle miteinander. Mit einem Jahr Abstand gehts dann vielleicht wieder... Wer das nicht liest, den bestraft das Leben (in Form von Buchbesprechungen, die die Auflösung verraten).
Joanne K. Rowling: Harry Potter und die Heiligtümer des Todes. Carlsen, Hamburg 2007. Geb., 736 S.
Joanne K. Rowling: Harry Potter and the Deathly Hallows. Bloomsbury, London 2007. Geb., 607 S.
 Die Tödlichen 
Der dritte Streich von Kristine Kathryn Rusch und die Geschichte wiederholt sich. Nicht die von Rusch erzählte, sondern die katastrophale Umsetzung in der deutschen Übersetzung. Wie gewohnt in dieser weit unter Wert verkauften SF-Krimi-Reihe ist unter dem unpassend reißerischen Titel (im Original heißt das Buch schlicht "Consequences") ein Bild zu sehen, das an Perry Rhodan in der schlimmsten Form erinnert und rein gar nichts mit dem Inhalt zu tun hat. Und in schlechtester Tradition steht auch auf der hinteren Umschlagseite irgendwas; selbst nach drei Bänden hat es sich offenbar nicht bis zu den lieb- und gedankenlosen verantwortlichen Redakteuren herumgesprochen, dass Serienheld Miles Flint weder Kopfgeldjäger noch Privatermittler, sondern ein so genannter Lokalisierungsspezialist ist.
Wirklich schade, wenn die Verpackung so gar nicht dem Inhalt angemessen ist. Zum Buch selbst ist zu sagen: Im großen und ganzen gewohnte Qualität, wenn der Text auch
merklich zäher als die beiden ersten ausgefallen ist. Der Plot wirkt lange Zeit etwas überkonstruiert, und auch wenn schlussendlich alles tadellos aufgelöst wird, hält sich die Spannung in Grenzen.
Ganz kurz zur Story: Rätselhafte Auftragsmorde geschehen, und von einem ist Miles Flint letzte Kundin betroffen. Zugleich findet eine Konferenz in der Mond-Kuppelstadt Armstrong statt, die über die Aufnahme eines neuen Planeten in die Erdallianz beraten soll. Dort haben ehemalige Rebellen nach Jahrzehnten des Bürgerkriegs das Ruder übernommen - und die Tote hat an deren Seite gekämpft...
Kristin Kathryn Rusch: Die Tödlichen. Bastei-Lübbe, Bergisch-Gladbach 2007. Tb., 463 S.
 Die Lautlosen 
Neues vom frisch gebackenen Lokalisierungsspezialisten Miles Flint - und auch seine Ex-Kollegin von der Polizei, DeRicci, ist wieder mit von der Partie. Oder eigentlich im Zentrum des
Geschehens, denn als statt der üblichen Kalamitäten beim (faszinierend beschriebenen) Mond-Marathon ein Mensch gleich ultimativ auf der Strecke bleibt, bekommt sie es mit einem immer komplizierter werdenden Fall zu tun. Es dauert eine Weile, doch dann wird klar: Eine berüchtigte, verschollen geglaubte Virologin muss irgendwie ihre Hand im Spiel haben. Und wenn es etwas gibt, was den Bewohnern einer Mond-Kuppelstadt den nackten Angstschweiß auf die Stirn treibt, ist es ein biologischer Kampfstoff innerhalb ihrer künstlichen Welt...
Klasse gestrickt, überzeugend dargebracht, spannend bis zum Schluss!
Kristin Kathryn Rusch: Die Lautlosen. Bastei-Lübbe, Bergisch-Gladbach 2007. Tb., 445 S.
 Die Rückkehr der Orks 
Der stämmige Rammar und sein elendslanger Bruder Balbok werden in Geschehnisse gezogen, die sie zwingen, sich gegen ihre Natur in weiterer Folge sogar mit den Todfeinden der Orks, den Menschen und Elfen zu verbünden - so stolpern sie von einem haarsträubenden Abenteuer in das nächste; Ähnlichkeiten der beiden mit „Dick und Doof“ sind gewiss überhaupt nicht beabsichtigt und rein zufällig... Aber wie die zwei sich jedes Mal aus der Affäre ziehen bzw. winden, ließ mich einige Male laut lachen. Die zwei sind, was sie sind: zwei Haudraufs, die doch intelligenter sind, als sie erscheinen mögen. Das macht sie sympathisch.
Neben einer gut durchdachten Geschichte und jeder Menge ironischem Augenzwinkern besticht dieses Werk auch durch die vom Autor, im Fantasy-Genre keineswegs ein Unbekannter, kreierte Orksprache mit exaktem Vokabularium und Einblicken in das tägliche Leben der wilden Orks, einschließlich eines Rezeptes für das Lieblingsgericht der Orks, den „Bru-mill“ (=„Magenverstimmer“). Hier zeigt sich die Liebe des Autors zum Detail, wie auch in den Kampfesschilderungen, was für 300-Geschädigte wie mich ein zusätzliches Plus darstellt.
Fazit: unterhaltsam, amüsant und clever, für FantasyliebhaberInnen von 12-99. (Anne Artner)
Michael Peinkofer: Die Rückkehr der Orks. Piper, München 2006. Tb., 480 S.
 Der Schwur der Orks 
Wow! Ein Nachfolgeband, der sich als noch rasanter, spannender und ironischer präsentiert als der Vorgänger. Aber offensichtlich hat der Autor mit den Orks noch so einiges vor...
Rammar und sein Bruder Balbok haben die Abenteuer aus dem 1. Band gut überstanden und gerade fängt das süße, faule Leben an, ihnen auf die Nerven zu fallen, als ihre alten Weggefährten sie zu sich bitten: Der Auftrag - die Rettung der Welt - entpuppt sich als Himmelfahrtskommando und die beiden Orks tun, was sie am besten können und ihnen am meisten Spaß bereitet: Sie sind einfach sie selbst. Als die Lage schon hoffnungslos erscheint, schließt sich ihnen ein dritter Ork namens Ankluas (= Einohr) an. Aber auch er kocht sein eigenes Süppchen und bis zum Schluss bleibt den Brüdern unklar, was seine Mission sein wird.
Ich gestehe, ich habe diesen Band noch schneller „verputzt“ als den 1. und habe mich wirklich gut amüsiert. Egal, ob der Autor Seitenhiebe auf religiöse Institutionen oder gesellschaftliche Vorurteile anbringt, belehrend oder gar moralisierend wird er nicht. Auch das kämpferische Element kommt zum Zug, vielleicht sogar noch mehr als im 1. Band. Ein umfangreiches Glossar des Orkischen neben einem Rezept für „Blutbier“ findet sich im Anhang.
Fazit: noch besser als Band 1, mit noch mehr Orks! Nachdem der Band auch kurze Rückblenden enthält, könnte er auch ohne Vorwissen gelesen werden. (Anne Artner)
Michael Peinkofer: Der Schwur der Orks. Piper, München 2007. Tb., 550 S.
 Zeit aus den Fugen 
Was haben Minority Report, Blade Runner, Total Recall, Paycheck und A Scanner Darkly (Der dunkle Schirm) gemeinsam? Die Antwort ist ein Name: Philip K. Dick. Dieser us-amerikanische SF-Autor zählt zu den größten Visionären des 20. Jahrhunderts — und die zuvor aufgelisteten Verfilmungen auf der Grundlage einiger seiner Stories und Romane machen deutlich, dass Dick es immer wieder geschafft hat, tiefgründige, meist eher düstere und gesellschaftskritische Utopien zu erschaffen, die gleichwohl genügend spannende und actionreiche Elemente enthalten, um auch auf einer unterhaltenden Ebene zu funktionieren.
In der Heyne-Tb-Edition von Dicks Arbeiten findet sich so manche weitere, von Hollywood noch unentdeckte Perle. Im Fall von Zeit aus den Fugen fragt man sich, wie diese Vorlage noch nicht verfilmt worden sein kann. Der Stoff, aus dem intelligente und spannende, zum Nachdenken anregende SF geschnitzt wird, ist jedenfalls eindeutig vorhanden.
Gedanken zu faschistoiden Staatsmodellen, perfekter Überwachungstechnik und Einschränkung persönlicher Freiheiten ziehen sich durch Dicks gesammelte Werke. In Zeit aus den Fugen (erschienen 1959 als Time Out Of Joints) kommt ein aktuelles Element hinzu: Die fragile, trügerische Idylle des US-Kleinstadtlebens in den 1950er Jahren. Held der Story ist Ragle Gumm, der eine ebenso seltene wie
seltsame Begabung zu seinem Lebensinhalt macht: Er ist der unumstrittene König eines landesweiten Zeitungswettbewerbs, bei dem es gilt, Ort und Zeit des nächsten Erscheinens eines "kleinen grünen Männchens" zu erraten. Sein biederer, routinierter Tagesablauf im biederen, routinierten gesellschaftlichen Umfeld erhält jedoch bald erste Schrammen durch unerklärliche Vorfälle; rasch wird deutlich, dass etwas ganz und gar nicht stimmt — nicht mit der Stadt, nicht mit den Menschen um ihn und nicht mit der Zeit.
Was das sein könnte ist das bis zum Ende überzeugend durchgehaltene Spannungsmoment und wird hier selbstverständlich nicht verraten. Nur so viel: Die Truman-Show verblasst, 40 Jahre später entstanden, kläglich dagegen. Lesens- und verfilmenswert.
Philip K. Dick: Zeit aus den Fugen. Heyne, München 2002. 288 S.
 Der Ruf des Reihers 
Der Abschlussband der Japan-Fantasy-Reihe von Lian Hearn setzt 16 Jahre nach dem Ende von Band 3 an. Otori Takeo und Kaede regieren gemeinsam die drei Länder, die dank des Gleichgewichts der Kräfte in Frieden aufgeblüht sind. Doch der Erfolg des Otori-Clans spricht sich herum und ruft Neider auf den Plan; sogar der mythische Kaiser im Fernen Osten selbst will wissen, woran er ist.
Der letzte Band der Reihe bleibt im Trend: Immer weniger Handlung auf immer mehr Seiten; nie gelang es der Autorin, dem von ihr selbst beschworenen Zauber von Band 1 wirklich noch einmal gerecht zu werden. Im Abschlussband geht es über 600 Seiten um nichts anderes als Intrigen und politisches Geplänkel, und wer die
vorangegangenen Teile nicht sehr präsent hat, wird sich leicht im Dickicht der schwer eingängigen Namen verlaufen.
Trotzdem liest sich das Ganze nicht schlecht - schreiben kann Frau Hearn. Und außerdem, wenn man schon drei Bände gelesen hat... Nach drei Viertel der 800-Seiten-Schwarte wirds dann auch endlich so etwas wie spannend und fantasymäßig. Na ja; eindeutig nur für Fans der ersten drei Teile.
Lian Hearn: Der Ruf des Reihers. Der Clan der Otori 4. Carlsen, Hamburg 2007. Geb., 798 S.
 Das Rätsel der Drachen 
Ein heftiger Sturm verschlägt den Kaufmann Khandir auf die unzugänglichen Dracheninseln, von wo er mit dem kleinen Mädchen Sylat zurückkehrt. Sylat umgibt etwas Geheimnisvolles; sie spricht fast nie, weiß dennoch fast alles und verfügt trotz ihrer schmächtigen Gestalt über ungeheure Körperkräfte sowie die Gabe des Heilens.
Ihr Wahlvater heiratet wieder und nacheinander kommen Kinder auf die Welt; eine ganz besondere Verbindung besteht zwischen Sylat und Pachiro, dem Erstgeborenen. Zugleich entspinnt sich die Geschichte eines Furcht erregenden Feuerdämons, der seit Jahren in der Stadt umgeht und Menschen ermordet; die Opfer sind jedoch stets von Schuld beladen. Sylat und Pachiro beschließen, dem Dämon auf die Spur kommen zu wollen...
Recht originelle Drachenfantasy in jugendlichem Tonfall, angenehmer Lesestoff. Die Spannung leidet etwas darunter, dass das "große Geheimnis" von Sylat gar bald erraten ist und es dann bis zum Ende des Buches dauert, bis der Geschichte wirklich neue Seiten abgerungen werden. Urlaubslektüre für zwischendurch, für Freunde fantasievoller, nicht zu anspruchsvoller Fantasy.
Evelyne Okonnek: Das Rätsel der Drachen. Ueberreuter, Wien 2007. Geb., 351 S.
 Es ist was faul 
Thursday Next ist wieder da! Nach mehr als zwei Jahren in der BuchWelt beschließt die Literaturagentin von Special Operations, dass es für sie und ihren ausschließlich Blindtext sprechenden Sohn Friday höchste Zeit ist, das wirkliche Leben von neuem zu erkunden. Außerdem ist ihr Ehemann noch immer genichtet - ob die tätige Reue ihres Erzfeindes, der Goliath Corporation, helfen kann? Und wie konnte die fiktionale Figur Yorrick Kaine bloß zu Englands Staatskanzler werden - und aus welchem Buch stammt sie überhaupt? Wie beruhigend, dass ihr zeitreisender Vater ihr mitteilt, dass die
Wahrscheinlichkeit für den nahenden Weltuntergang bei nicht mehr als 23 % liegt...
Nach dem leichten Durchhänger in Band 3 der Kultreihe ist Jasper Fforde und mit ihm Thursday Next wieder in Bestform. Anspielungen und Skurrilitäten prasseln nur so auf den Leser herein, und trotz allen Irrwitzes geschieht nichts zufällig, sondern folgt einer spannenden, ausgeklügelten Story. In der auch Hamlet, Prinz von Dänemark, eine Rolle spielt; sein Urlaub in der wirklichen Welt löst allerdings beinahe eine literarische Katastrophe aus...
Jasper Fforde: Es ist was faul. dtv, München 2006. 431 S.
 Haus der Pein 
Die Welt, wie wir sie kennen, existiert nicht mehr: Technik und Naturwissenschaften funktionieren nicht, längst ausgerottete Krankheiten wie die Pest erwachen wieder zum Leben und nachts bleiben die Menschen lieber in ihren Häusern, denn die Geister und Dämonen ziehen umher. Die Ärztin Caitlin arbeitet bis zur Erschöpfung, um den Sterbenden die letzten Augenblicke erträglicher zu gestalten. Auch ihre kleine Familie wird an der Pest zugrunde gehen, was Caitlin fast in den Wahnsinn treibt. Aber es liegt ausschließlich in Caitlins Händen, ein Heilmittel zu finden - dafür muss sie sich freiwillig ins Totenreich begeben. Dort ist der Aufenthalt für Lebende gefährlich und nichts darf vertraut werden. Ganz am Ende ihres Weges erkennt sie erst, wie groß ihre Liebe zu ihrem Mann und ihrem Sohn wirklich ist...
Ein furioser Mix aus mittelalterlichem „Aberglauben“, keltischen Sagenmotiven, garniert mit Weisheiten, was unser Leben erst lebenswert macht und so spannend, dass ich es in einem Zug „verputzt“ habe - wirklich gelungen. Anklänge an die Sage von Orpheus in der Unterwelt sind gewiss alles andere als zufällig. Interessant und beachtlich, was der Autor daraus gebastelt hat. Sehr positiv auch die Rolle der Heldin!
(Anne Artner)
Mark Chadbourn: Haus der Pein. Die Rückkehr der Tempelritter 2. Blanvalet, München 2006. Tb., 500 S.
 Drachenbrüder 
Markus und Nem, die zwei ungleichen Zwillinge ziehen ins letzte Gefecht gegen den Drachen in Menschengestalt, Grald. Nem verhilft Markus zur Flucht aus der Stadt Drachenburg und erkundet Gralds Drachenhort. Markus und Evelina gelingt die Flucht zurück in Markus Heimat.
Währenddessen wälzt Drakonas, der Drache in Menschengestalt, eigene Pläne. Die Drachin Anora hat ganz besondere Aufgaben für das Drachenparlament: Mit Hilfe der Drachenmagie sollen die Menschen ein für alle mal unter die Knute der Drachen gezwungen werden...
Ein recht durchschnittliches Fantasy-Werk - von der sprühenden Leichtigkeit des ersten Bandes ist hier nicht mehr viel zu merken. Mir fehlen auch die „Innenschauen“ der verschiedenen Charaktere - das hat den ersten Band so schön werden lassen. Die unterschiedlichen Erzählfäden laufen zwar ordentlich zusammen, aber leider doch völlig vorhersehbar. Schade, das wäre gewiss mehr möglich gewesen. Durchschnittliche Fantasykost, aber recht appetitlich angerichtet. (Anne Artner)
Margaret Weis: Drachenbrüder. Das verbotene Land 3. Blanvalet, München 2007. Tb., 380 S.

Der Winterschmied 
Neues von Kultautor Terry Pratchett bzw. seiner jüngsten Heldin, der Nachwuchshexe Tiffany Weh. Diesmal überfällt sie die Tanzlust, was bei einer 13-Jährigen an sich mehr als verständlich ist; schwierig wird die Sache deshalb, weil sie sich in den Tanz der elementaren Kräfte Sommer und Winter einmischt. Doch wenn der Winterschmied die Sommerfrau für sich will, wie soll sie dann ihre Arbeit erledigen? Versinkt die ganze Scheibenwelt im ewigen Eis?
Das Märchen ist schön zu lesen, hintersinnige Komik und kompletter Nonsens wechseln einander ab - Terry Pratchett eben. Das Buch ist aber nicht zu seinen ganz großen Würfen zu zählen. Für Fans des Meisters im Allgemeinen und der Junghexe bzw. der Größten im Besonderen dennoch uneingeschränkt empfehlenswert.
Terry Pratchett: Der Winterschmied. Manhattan, München 2007. Geb., 380 S.
 Die Verschollenen 
Ungeachtet der Groschen-SF-Covergestaltung, die zudem noch weniger als nichts mit dem Inhalt zu tun hat und sich insofern mit dem komplett schwachsinnigen und irreführenden Rückentext im Einklang weiß, ist dieser Roman ein blendend geschriebenes, durchgehend gut getimtes Stück intelligent unterhaltender Science Fiction.
Ich freue mich über diese Entdeckung, weil unter lauter gleich aussehenden Stücken Müll Perlen wirklich selten und vor allem schwer zu finden sind.
Die Story: In Zeiten interstellarer Handelsabkommen mussten die Menschen teilweise äußerst schmerzhaft lernen, welche kulturellen Abgründe sich zwischen den Welten auftun. Immer wieder geraten sie mit Gesetzen in Konflikt, von deren Existenz sie nicht ahnen konnten, begehen Verbrechen, die für sie keine sind; nichtsdestotrotz wird allen Rassen das Recht zugestanden, Vergehen nach ihrem jeweils eigenen Rechtsempfinden zu ahnden.
Die Strafen sind drakonisch, und um ihnen zu entgehen hilft nur das völlige Untertauchen: Verschwindedienste lassen sich gut bezahlen, um neue Identitäten zu erschaffen.
Die "Verbrechen" verjähren jedoch nicht, und auf einmal werden mehrere uralte Fälle wieder eingefordert; Detective Miles Flint soll dem Recht Geltung verschaffen. Er gerät in einen Gewissenskonflikt, besonders als er herausfindet, welche kapitalistischen Interessen hier buchstäblich über Leichen und Existenzen trampeln. Er muss sich zwischen Recht und Gerechtigkeit entscheiden.
Rusch schreibt spannend und immer "auf Zug", streut wohl dosierte Emotionalien ein und hat mich insbesondere mit den Beschreibungen der unterschiedlichen Rechtsauffassungen fasziniert. An welchem Punkt geht Toleranz in Selbstaufgabe über? Sich beugen in gebeugt sein? Integration in Demütigung? Rusch spricht reale, immer aktuelle Fragen an, bestens verpackt in eine stimmige, futuristisch-realistische Umgebung; more to come...
Kristin Kathryn Rusch: Die Verschollenen. Bastei-Lübbe, Bergisch-Gladbach 2006. Tb., 415 S.
 Komet 
"Seltsam" ist das Adjektiv, das mir nach der erfolgreichen Durcharbeitung des Romans der Engländerin Steph Swainston zuallererst in den Sinn kommt. Die hier erschaffene Welt ist wahrlich bizarr: Ein Land im Verteidigungskrieg gegen mannsgroße Insekten - und das seit 2.000 Jahren. Bevölkert wird Vierlanden von Menschen, Awianern (flügeltragenden, aber flugunfähigen Menschen) und sehnigen, unfassbar schnellen katzenartigen Rhydannern. Magie kommt insofern ins Spiel, als der Imperator seine Unsterblichkeit mit den Auserwählten des Kreises teilt - die jeweils Besten eines Fachs.
Der schnellste von allen ist Komet Jant Shira, weshalb er zum unsterblichen Kurier ernannt wurde. Aus seiner Perspektive wird die Story erzählt. Er ist außerdem ein Junkie, der sich durch Überdosen von Kat nach "Andernort" begeben kann, das endgültig Alice im Wunderland auf Crack zu sein scheint.
Eine Flut ungewohnter, manchmal durchaus gelungen-suggestiver Bilder, frische Perspektiven auf ein traditionsbewusstes Genre - so weit, so gut. Der Erzählfluss ist hingegen überaus holprig, Details widersprechen einander fortwährend, die Gesetze von Zeit und Raum werden mit Füßen getreten und die obligate Karte ist einfach nur ein schlechter Witz. So kommt die Geschichte nie so recht in Gang, entsteht aus der Handlung keine Spannung und keine Dramatik. Die Rätselhaftigkeit hält einen bei der Stange, aber nachdem der Text irgendwann zu Ende ist bleibt als große Frage übrig: Was soll das Ganze überhaupt?
Steph Swainston: Komet. Blanvalet, Tb., 475 S.

Die dunkle Königin 
Jetzt liegt also das zweite Viertel der im Englischen zwei-,
in der deutschsprachigen Version vierteiligen Fortsetzung
von George Martins Lied von Eis und Feuer vor. Und
es ist im Grunde ein Ärgernis. Mittlerweile gehen nicht
weniger als 70 Seiten für einen Anhang drauf, der die
personellen Hundertschaften auflistet, was allerdings überhaupt
nicht weiterhilft, weil man beim Versuch, einen Namen einzuordnen,
jedes Mal den halben Anhang nach einem Wort scannen muss.
Im Text wird munter auf Ereignisse Bezug genommen, die irgendwann
im Laufe von weit über 3.500 Seiten und mittlerweile
an die zehn Jahre geschehen sind, inklusive dem Einsatz von
Zweit-, Dritt- und Spitznamen. Das sorgt natürlich für
die einzigartig authentische Wirkung der Fiktion, aber, verehrter
Herr Martin, man kennt sich einfach nicht mehr aus - sofern
man nicht das ganze bisherige Opus halb auswendig gelernt
hat oder zumindest die Lektüre nicht mehr als maximal
ein paar Monate zurück liegt.
Besonders wenn es um die dreimal ineinander verschachtelten
Intrigen geht und auf einer Seite 6, 7 und mehr Namen fallen,
deren genaue Beziehungen zueinander man parat haben müsste,
um allen Feinheiten folgen zu können, gleicht der Text
einem lexikalischen Irrgarten.
Dazwischen blitzt immer mal wieder Martins erzählerische
Genialität auf, aber in punkto Handlung geht letztlich
auch nichts Wesentliches weiter; am Ende sitzt Cersei in der
Tinte (ein bisschen tiefer halt als vor den 1000 Seiten der
Bände 7 und 8), Brienne hat noch immer niemanden gefunden,
Arya ist in Ausbildung, Jaime versucht mit der Linken zu kämpfen.
Offenbar befinden wir uns mitten in der Mitte, genau dort
wo bei einer Schachpartie nach dreißigminütigem
Köpferauchen ein Bauer ein Feld weit bewegt wird.
Bitte, Mr. Martin, lieber Blanvalet-Verlag: 70 Seiten Anhang
lassen sich weitaus besser nützen. Z. B. indem Personennamen
alphabetisch aufgelistet werden; z. B. für knappe Zusammenfassungen
bei den wichtigsten Figuren; z. B. für eine "politische"
Karte von Westeros, die grundlegende Bezüge auf einen
Blick transparent macht.
Und: Wenn ihr schon die an sich problematische Entscheidung
von George Martin, sein Buch in zwei Hälften zu teilen,
noch übersteigern müsst, bringt doch bitte wenigstens
die zusammengehörenden Hälften binnen eines Monats
auf den Markt.
Inzwischen gebe ich die Hoffnung nicht auf, dass es dem Grand
Maester Martin doch noch gelingt, dieses Buch zu Ende zu schreiben...
George R. R. Martin: Die dunkle Königin. Das Lied
von Eis und Feuer 8. Blanvalet, München 2006. Tb.,
603 S.

Abarat 
Candy Quackenbush aus Chickentown, Minnesota, ist die jugendliche
Heldin dieser All-Age-Fantastik, die einem Sackerl Bertie
Botts Bohnen aller Geschmacksrichtungen ähnelt. Nicht
weil Clive Barkers Schreibe oder Story an die magischen Welten
Joanne Rowlings erinnern würde, sondern weil der Band
prall gefüllt mit kunterbunten Welten ist, die nach buchstäblich
allem schmecken können. Und wie der geeichte Harry-Potter-Leser
weiß, schließt das auch Ohrenschmalz mit ein.
Abarat ist eine magische Inselwelt, in der jedem Eiland eine
bestimmte Stunde des Tages zugeordnet ist. Wie Candy aus dem
extrafaden Chickentown ins extraaufregende Abarat gelangt,
ist nicht im Geringsten nachvollziehbar, aber seis drum. Dort
reiht sich dann Abenteuer an Abenteuer, Skurrilität an
Skurrilität, und gerade wenn man anfängt, so etwas
wie den langen roten Faden zu erspüren, ist das Buch
zu Ende und man muss wohl oder übel auf die Fortsetzung
warten. Nichts gegen Fortsetzungsgeschichten, aber sie sollten
schon in sich auch so etwas wie einen erkennbaren und erkennbar
abgerundeten Handlungsverlauf nehmen.
Wer also bereit ist, blind ins Sackerl zu greifen ohne zu
wissen, ob die nächste Seite nach Rumpsteak, Schokolade
oder Schneckenschleim schmeckt, und sich gerade an dieser
losen Zusammenstellung einzelner Candy-im-Wunderland-, Verzeihung
Abarat-Zuckerln erfreut, erhält eine nette Bonbonierre
mit einigem Unterhaltungswert, üppig aufgemachter Verpackung
und relativ geringem Kaloriengehalt vorgesetzt. Wer sich eher
an epischer Fantasy gütlich tut oder ein Freund der weniger
kindlich-knallbunten Art ist, sollte besser die Inselwelt
Abarat nicht betreten.
Clive Barker: Abarat. Heyne, München 2006. Tb.,
430 S.
 Der
Blutritter 
Ordentlich schließt der Autor die verschiedenen Erzählfäden
zusammen: Der sichtlich von allen guten Geistern verlassene
Prinz Robert zwingt die noch amtierende Königin Murielle,
zu seinen Gunsten abzudanken. Robert hat noch ein anderes
Ass im Ärmel: Mit Hilfe des Komponisten Leoff soll eine
verführerische Musik verfasst werden, die die Menschen
in ihrer Umgebung völlig willenlos werden lässt.
Während dessen reisen Aspar, Winna und Stephen weiter
durch die unwegsamen Wälder. Immer fremdartigere Geschöpfe
kreuzen ihren Weg- und dann finden sie sich von Feinden umringt,
Winna wird vergiftet und Stephen entführt. Aspar trifft
seinen alten Widersacher, der all das zu verantworten hat.
Anne schmiedet inzwischen einen waghalsigen Plan, der sie
Kopf und Kragen kosten könnte: Denn der Kirchenfürst,
der auf ihrer Seite stehen sollte, war in der Auswahl seiner
Verbündeten etwas kurzsichtig- und könnte damit
die gesamte Welt in große Gefahr bringen...
Eine Fortsetzung, die mir besser als der 2. Teil gefallen
hat: Spannender, mit mehr Verve und Liebe zum Detail erzählt,
mit einigen sehr intelligenten und außergewöhnlichen
Ideen. Ideal für EinsteigerInnen in das Fantasygenre
von 14- 99. (Anne Artner)
Greg Keyes: Die verlorenen Reiche 03. Der Blutritter.
Blanvalet, München 2006. Tb., 650 S.

Der Elfenpakt 
Weiter geht es mit den All-Age-Abenteuern (ab 12) rund um
Henry, den Jungen aus der Gegenwelt (hier), Blue, der eben
gekrönten Kaiserin, Pyrgus, Torhüter Fogarty und
der bemalten Dame - und wie. Mr. Brennan, ein Schelm vom Scheitel
bis zur Sohle, schafft es nicht nur, im dritten Band seine
bisherige Höchstleistung zu vollbringen, was Einfallsreichtum
in punkto Plot und Ausstattung betrifft, sondern so ganz nebenbei
auch noch ein wenig Realpolitsatire einzustreuen. Das passt
von der Idee her wie auch vom launischen Tonfall nahtlos ins
Geschehen.
Dieses Mal steht die Gegenwelt vor einem Bürgerkrieg
- die lange verfeindeten Licht- und Nachtelfen rüsten
zur Entscheidungsschlacht. Im Hintergrund agiert Bethel, der
Prinz der Finsternis und Befehlshaber eines millionenstarken
Dämonenheers. Wird er sich wie gewohnt auf die Seite
der Nachtelfen schlagen? Bis das Verwirrspiel seine Auflösung
findet, reiht sich spannende an spannende Seite, sind viele
Irrwege zu beschreiten - was aber immer jede Menge Spaß
bereitet. Und der Schluss lässt hoffen: Es wird noch
mehr von der Purpurkaiserin und ihrem Henry zu lesen geben.
P.S.: Ich schätze, der Band ist gut eigenständig
zu lesen, auch dank eines kleinen Glossars am Ende. Schöner
ist es freilich, die Charaktere von Anfang an mitzuerleben
- in Das
Elfenportal (2003) sowie Der
Purpurkaiser (2004).
Herbie Brennan: Der Elfenpakt. dtv premium, München
2006. Tb., 376 S.


Die Novizin/Die Meisterin 
Im Stakkato-Tempo wird der neueste Fantasy-Hype zu einem (sehr
vorläufigen) Abschluss gebracht: Die Bände 2 und
3 der Trilogie Die Gilde der schwarzen Magier sind
nunmehr ebenfalls bereits erhältlich; in der Zwischenzeit
arbeitet Frau Canavan bereits am dritten Band ihrer nächsten
Trilogie...
Von der Stange muss nicht schlecht sein, und die begeistert
aufgenommene Magier-Trilogie ist auch nicht schlecht - aber
auch in keiner Weise herausragend. Zwar gewinnt die Story
gegenüber Band 1 deutlich an Fahrt,
aber
besonders zu Beginn des dritten Bandes und dann noch einmal
bei der Anhörung, der sich die Protagonisten zu unterziehen
haben, lähmen wirklich überflüssige Wiederholungen
gewaltig den Textfluss - am besten schnell drüberlesen.
Die Sprache ist okay, im Detail hätte man allerdings
Dinge besser machen können - nur das geht eben nur bei
Maßarbeit. Der große Aufbau ist anständig,
Spannung ist spätestens ab Band 2 vorhanden, nimmt aber
nie ein bedrohliches Ausmaß an.
Ich würde die Fantasy-Trilogie in die Kategorie Entspannungs-Lektüre
einreihen: Zum Abschalten und Wegdriften, ohne die ohnehin
tagsüber stark beanspruchten Grauen Zellen noch weiter
groß zu strapazieren. Halt kein Kinoepos, sondern nur
eine TV-Serie...
Trudi Canavan: Die Gilde der schwarzen Magier 2 und 3.
Blanvalet, München 2006. Tb., 604 bzw. 624 S.

Das Lied von Eis und Feuer 7 - Zeit der Krähen
Jetzt hat also das jahrelange Warten auf die Fortsetzung von
George Martins Opus magnum endlich ein Ende - und dann auch
wieder nicht. Der Meister war wahrlich nicht untätig,
ganz im Gegenteil: Er hat in den 4 Jahren seit der letzten
Neuerscheinung beinahe 1400 englische Seiten verfasst - zu
viel für ein englischsprachiges Buch, weshalb die ganze
nahtlos weitergeführte Geschichte halbiert wurde. Ein
Band erzählt die Storys von Arya, Samwell, Cersei, Brienne,
Jaime, Sansa und den Greyjoys; Dany und die Drachen, Jon Snow,
Tyrion und Co. kommen im nächsten Band an die Reihe.
Weil das Deutsche aber deutlich länger als das Englische
ist, wurden diese Bände in der deutschen Übersetzung
noch einmal halbiert.
Was bleibt ist Stückwerk in bekannt brillanter Martin-Manier:
Nach vier entbehrungsreichen Jahren wird uns ein Viertelroman
vorgelegt! Dem Martin-süchtigen Leser ist zu empfehlen,
entweder die ganze Geschichte gleich im Original zu verschlingen
oder wenigstens bis November zu warten, dann erscheint Das
Lied von Eis und Feuer 8 - Die dunkle Königin, womit
wenigstens eine komplette Hälfte auf einmal zu haben
ist.
Über die Qualität des Ganzen ist ansonsten weiter
nichts zu sagen - die Saga geht weiter, Martin ist am Zenit
seines Schaffens.
George R. R. Martin: Zeit der Krähen. Das Lied
von Eis und Feuer 7. Blanvalet, München 2006. Tb., 570
(485) S.

 Ritus und Sanctum 
Markus Heitz, bekannt als Verfasser schwungvoll-unterhaltender
Fantasyromane (Zwerge-Trilogie), hat sich neuerdings den dunkleren
Gefilden des Genres verschrieben. In zwei strandtauglichen
500-Seiten-Bänden wird Jagd auf die Bestie gemacht -
Werwesen, vorzugsweise klassisch als Wölfe, verlangen
einen extrem hohen Blutzoll. Die prall erzählte, zeitweilig
aber etwas wirre Story dreht sich um die Kastells, eine Familie
von Werwolfjägern, und spielt im 18. Jhd. sowie in der
Gegenwart. Die Begeisterung für blutrünstige Massaker
ist von Heitz bekannt; anders als etwa bei den Schlachten
der Zwerge fehlt hier aber jeglicher launige Unterton, schließlich
werden ja auch Menschen zu Hauf zerfleischt und keine stumpfsinnigen
Trolle oder dergleichen von ihrem drögen Schicksal erlöst.
Mehr Ernst und mehr Sex prägen das Geschehen. Als begnadeter
Erzähler gelingt es Heitz immer wieder, szenenweise zu
begeistern; der große Handlungsbogen ist ihm allerdings
misslungen. Zu viele undurchsichtige Parteien spielen mit
und manche schwer bis gar nicht nachvollziehbare Wendung trübt
das Lesevergnügen.
Alles in allem: Für erwachsene Fans der dunklen Seite
des Genres taugliches Lesefutter, das im zweiten Band - und
das ist wohl das beste, was über diese Arbeit gesagt
werden kann - deutlich an Geschmack gewinnt. Es wird weitere
Ausflüge von Heitz in Richtung Dunkle Spannung
geben; diese sollten runder ausfallen als dieser erste Versuch:
Heitz kann mehr!
Markus Heitz: Ritus. Knaur, München 2006. Tb.,
520 S.
Markus Heitz: Sanctum. Knaur, München 2006. Tb.,
606 S.

Ein Hut voller Sterne 
Neues vom Meister des hintersinnigen Humors, der Weisheit
des Skurrilen und der Skurrilität der Weisheit. Nachwuchs-Hexe
Tiffany wird nach dem überstandenen Abenteuer mit den
Kleinen freien Männern in die Ausbildung
geschickt. Erstmals kann sie wirklich in die Welt der Hexen
schnuppern, doch was sie dabei als erstes lernt ist alles
andere als ermutigend - dumme Frauen, alte, stinkende Männer
und schreiende Babys scheinen weit eher hexischer Aufmerksamkeit
zu bedürfen als hoch interessante, magische Ereignisse.
Zur gleichen Zeit irrt ein Schwärmer in der Gegend herum,
auf der Suche nach einem mächtigen Wesen, in das er sich
einnisten kann - was im Laufe von Jahrmillionen für den
Wirt noch jedes Mal zu Wahnsinn und Tod geführt hat.
Und Tiffany lockt ihn mit ihrer natürlichen magischen
Begabung unwiderstehlich an... Nicht einmal Rob Irgendwer
und seine Wir-sind-die-Größten haben eine Idee,
wie dieses seltsame Halbwesen getötet werden könnte
- was die blauhäutigen Kobolde natürlich nicht daran
hindert, für ihre Große Kleine Hexe in den Kampf
zu ziehen. Und auch Oma Wetterwachs, die stärkste aller
Hexen, ist wieder mit von der Partie.
Wieder ein reich gedeckter Tisch also, angefüllt mit
allen bekannten Pratchett-Qualitäten, und zugleich so
frisch und originell als hätte hier gerade jemand das
Scheibenwelt-Universum neu erfunden. Wirklich ein einzigartiges
Genie, dieser Mann.
Terry Pratchett: Ein Hut voller Sterne. Ein Märchen
von der Scheibenwelt. Manhattan, München 2006. Geb.,
352 S.

Der Krieg der Drei. Zaubergold 3. 
Die Spannungen auf Elda erreichen ihren Höhepunkt und
alles deutet auf ein baldiges Ausbrechen des "heiligen"
Krieges aus. Katla ist in Gefangenschaft, ihr Vater im ewigen
Eis des Magiers Rahe - und die Rosa Eldi, die Göttin,
wird sich ihrer selbst mit jedem Tag bewusster. Doch es wird
einem Erwachen der Drei bedürfen, um die zerstörte
Ordnung der Welt wiederherzustellen...
Nach Der Jahrmarkt der Magier und Das
Schiff der Gaukler nun also der fulminante Abschlussband
der weltweit begeistert aufgenommenen Saga, mit der die Fantasy-Herausgeberin
Jude Fisher ihr Debüt als
epische Autorin feiert.
Die Dame hält ihr hohes Niveau bis zur letzten Zeile
und unterhält mit Geist, viel Sinn für genregerechte
Details (ohne jede Zimperlichkeit) und einem gehörigen
Maß an Spannung. Mit einem Wort: Ein packendes, vieldimensionales
Epos, farbig und gut erzählt. Für Fans ein heißer
Tipp, für Neulinge eine wunderbare Möglichkeit,
sich von der durchaus existierenden Verbindung von Fantasy
und (nicht übertriebenem) literarischem Anspruch zu überzeugen.
Jude Fisher: Der Krieg der Drei. Zaubergold 3. Blanvalet,
München 2006. Tb., 796 S.
 Das
Buch der Dornen 
Die vielfach ausgezeichnete Autorin zehrt offenbar nur noch
von vergangenem Ruhm. Sie erzählt gut und schafft plastisch
wirkende Figuren, deren Handlungen und Motivationen bleiben
für mich jedoch flach und eindimensional. Die Gewichtung,
die ihnen die Autorin gibt, bleibt mir rätselhaft.
Besonders geärgert hat mich in diesem Fall, dass die
Handlung zum Schluss hin immer verworrener wird und plötzlich
- hoppla, siehe da, ein deus ex machina! Wenn das pfiffig
geschieht, kann es wunderbar sein, in diesem Fall hat sich
die Handlung jedoch noch mehr verflacht und eher den Eindruck
erweckt, die Autorin habe sich mit diesem kläglich gescheiterten
Kunstgriff aus einer schöpferischen Krise zu retten versucht.
Die Story: Nepenthe arbeitet als Bibliothekarin. Jeden Tag
beschäftigt sie sich mit den unterschiedlichsten Übersetzungen.
Eines Tages jedoch erhält sie ein sehr seltsames Buch.
Während ihre KollegInnen nichts damit anfangen können,
scheint dieses Werk förmlich zu ihr - und zwar zu ihr
alleine zu sprechen. Tiefer und tiefer zieht die Geschichte
sie in ihren Bann... (Anne Artner, Red.)
Patricia McKillip: Das Buch der Dornen. Blanvalet,
München 2006.Tb., 315 S.
 Die
Rebellin 
Ein neuer Name im heftig beackerten Fantasy-Feld: Trudi Canavan.
Von "einem wahrhaft magischen Debüt" kann jedoch
keinesfalls die Rede sein - der Auftaktband der Trilogie "Die
Gilde der schwarzen Magier" schleppt sich über weite
Strecken belanglos dahin. Der Stil ist in Ordnung, allerdings
nimmt der Verlag das letzte Restchen an Spannung indem er
auf der Rückseite bereits verrät wie es weitergeht.
Da wird Sonea sage und schreibe 290 Seiten lang von der Magiergilde
gejagt, danach der Versuch unternommen, Spannung aus der Frage
zu ziehen ob sie sich denn nun der Gilde anschließt
oder nicht. Da Band 2 den Titel "Die Novizin" trägt,
dürfen Sie jetzt lange überlegen, wie es ausgeht...
Ok, ganz zum Schluss kommt endlich das Böse (die schwarze
Magie) ins Spiel und eröffnet einen Ausblick auf Verwicklungen,
deren Auflösungen etwas mehr Kombinationsgabe verlangen
als das Lesen von Buchtiteln auf der Buchrückenseite.
Ein Leser der englischen Ausgabe meinte, die Reihe zeige viel
Potential (was in punkto Figurencharakterisierung und in Ansätzen
auch in den
Dialogen zutrifft), nur hätte man die ganze Story auf
die halbe Länge bringen und dann der Autorin ordentlich
Druck machen sollen, um die Geschichte mit prächtigen
Details wieder auszuschmücken; das Nachfolgewerk sei
jedenfalls weitaus gelungener.
Alles in allem: Anspruchslose Fantasy-Durchschnittsware in
gefälligem Stil mit geringem Spannungs- und Innovationsgehalt
- bis jetzt. Die Bände 2 und 3 sollten wirklich halten,
was das Finale von Band 1 verspricht.
Trudi Canavan: Die Rebellin. Die Gilde der schwarzen
Magier. Blanvalet, München 2006. Tb., 541 S.
 Im
Bann des Fluchträgers 
Was für ein Glück, so ein schönes Buch in die
Finger zu bekommen und über die Zeit zu verfügen,
es in einem durch "aufzufressen"! Wie kunstvoll
die Autorin hier altbekannte Sagen- und Märchenmotive
aus Mitteleuropa und den Ländern des Balkan mit innovativer
Fantasy verknüpft, ringt mir ehrlich empfundenen Respekt
ab. Die Story: Der Waldmensch Ravin lebt mit seinem Bruder
Jolon im Tjärgwald. Eines Tages findet Jolon einen seltsamen
Edelstein. Er berührt diesen und fällt in einen
komatösen Zustand. Ravin sucht verzweifelt die Königin
des Landes auf, denn in ihrem Dienst stehen ja auch mächtige
Shanjaare (vergleichbar mit Schamanen). Aber auch sie wissen
keinen Rat. Also unternimmt Ravin eine fast schon hoffnungslose
Reise zur Quelle der Skaardja. Der Zauberschüler Darian
begleitet ihn. Bald schließen sich den beiden andere
Waldmenschen an, die offensichtlich über mehr als ein
Geheimnis verfügen. Welche Rolle spielt die schöne
Amina? Kann Ravin ihr Herz für sich gewinnen?
Pferde, die sich ihrer Umgebung perfekt wie Chamäleons
anpassen können, verzauberte Landschaften, wunderbare
Legenden zur Entstehung des sagenhaften Landes... Ich komme
aus dem Schwärmen gar nicht mehr heraus. Ein großes
Erzähltalent offenbart sich in diesem Werk, das Lust
auf mehr bereitet. Für LiebhaberInnen von 12-99. (Anne
Artner)
Nina Blazon: Im Bann des Fluchträgers. Woran-Saga.
Carlsen, Hamburg 2006. Tb., 490 S.
 Die
Rache der Zwerge 
Markus Heitz Output erreicht
langsam beängstigende Dimensionen - noch während
ich mir Teil 3 der Zwergenkracher zu Gemüte führe,
ist Ritus erschienen, ein Mysterythriller; dazu aber
ein andermal.
Die Rache der Zwerge ist der für mindestens längere
Zeit letzte Roman rund um Tungdil Goldhand. Das ist stimmig
- auch Teil 3 versorgt mit frischer, erzähltechnisch
einfallsreicher Unterhaltungs-Fantasy der actionreichen Art
und wer die beiden ersten Bände gerne gelesen hat, wird
auch am vorläufigen Abschlussband seine Freude haben.
Erste Abnützungsspuren sind indes nicht zu übersehen
- die Plastizität und Nachvollziehbarkeit mussten mitunter
der Fantastik um jeden Preis weichen, das Lektorat ist recht
schlampig ausgefallen. Lässliche Sünden, über
die sich hinwegsehen lässt; aber auch deutliche Zeichen
dafür, dass der Zeitpunkt für eine längere
Kunstpause gut gewählt ist.
In der Zwergen-Reihe steckt noch Potential. Es ist dem Gespür
von Markus Heitz zu danken, dass
die Äxte nicht vorzeitig und dafür unpräzise
und ohne rechte Begeisterung geschwungen werden.
Markus Heitz: Die Rache der Zwerge. Piper, München
2005. Tb., 638 S.

Die Flamme erlischt 
Worlon ist eine sterbende Welt: Der Einzelgänger-Planet
war auf seiner ziellosen Bahn für 50 Jahre in die Nähe
einer Sonne gelangt. Jetzt ist er wieder auf dem Weg in die
Dunkelheit.
George Martin schafft diesen Rahmen als passendes Ambiente
für sein actionreiches Abenteuer, in dem gleichermaßen
das Sterben die Hauptrolle spielt - das Ende einer archaischen,
kriegerischen Gesellschaft, die die Männerehre über
alles stellt und die Frauen als behütete Sklavinnen behandelt.
Dirk t´Larien wird vom Hilferuf seiner Jugendliebe nach
Worlon gerufen - und sieht sich fortan mit einer Lebensauffassung
konfrontiert, die jeglichem zivilisatorischen Fortschritt
Hohn spricht. Die kulturellen Gräben scheinen unüberbrückbar,
doch im nackten Kampf ums Überleben gegen die ultrakonservativen
Kräfte, die noch der Menschenjagd huldigen, nähern
sich die so unterschiedlichen Seiten letztlich doch an.
Des Meisters erster Roman (1977) ist bereits auf hohem Niveau
angesiedelt, lässt aber viel von der souveränen
Dramaturgie und selbstverständlichen Eindringlichkeit
späterer Bücher vermissen. Der Text ist besonders
zu Beginn eher sperrig und fordert hohe Leseaufmerksamkeit.
Lassen Sie sich jedenfalls von der kindisch-martialischen
Umschlaggestaltung nicht täuschen: Haudrauf-und-Schluss-Lektüre
finden Sie hier keineswegs. Es mangelt zwar nicht an kriegerischen
Elementen und fantastischen Details, zugleich unternimmt der
Text aber auch den Versuch einer kulturellen Gegenüberstellung
und stellt Martins Version eines Spiels mit Vorurteilen dar:
Fast jede als sicher scheinende Tatsache wird im Laufe der
Ereignisse in Frage oder gleich auf den Kopf gestellt.
Für Liebhaber anspruchsvoller, epischer Fantasy ein absolut
lesenswertes Buch; dass Martin aber noch viel mehr kann, beweisen
nicht zuletzt tausende Seiten des Liedes von
Eis und Feuer.
George R. R. Martin: Die Flamme erlischt. Blanvalet,
München 2006. Tb., 480 S.
 Das
Vermächtnis des Kupferdrachen 
Rolana und ihre Freunde haben nun Kontakt mit der Kupferdrachin
Peralina aufgenommen und Rolana erhält den Auftrag, eines
der kostbaren Dracheneier in die Vulkanberge zu bringen. Währenddessen
bereitet der Schwarzmagier Astorin sich auf die Konfrontation
mit einem der gefürchteten Roten Drachen vor - wird er
eine Möglichkeit finden, diesen unter seine Kontrolle
zu bringen? Die beiden Kämpfer Saranga und Vertos sehen
sich ebenfalls mit Problemen konfrontiert: Ihre Schätze
werden nicht ganz so gut bewahrt, wie sie gedacht haben. Auch
die Gräfin Lamina sieht sich Zorres ausgesetzt: Die Abgaben
ihrer Untertanen entsprechen keineswegs denen in den Jahren
zuvor. Ihr Elbenfreund Seradir macht sich mit ihr auf den
Weg, um diese Rätsel aufzulösen. Die von Astorin
gefangenen Zwerge schuften unterdessen um ihr Leben im Bergwerk.
Erst als Rolana und ihre Freunde dort landen, schöpfen
sie wieder Hoffnung. Wir den Freunden die Befreiung der bemitleidenswerten
Geschöpfe gelingen?
Obwohl mich schon Die Drachenkrone begeistert hat,
finde ich die Fortsetzung noch besser. Die Spannung in diesem
Werk und die lebendigen Schilderungen, egal, ob es sich um
ein Bergwerk, eine gräfliche Burg, einen Diebesunterschlupf
oder eine Zaubererbehausung handelt - das alles sorgt für
ungetrübtes Lesevergnügen. Auch das Jonglieren mit
den unterschiedlichen Erzählfäden gelingt der Autorin
wirklich gut. Für FreundInnen der anspruchsvollen Fantasy-Literatur
von 12-99. (Anne Artner)
Ulrike Schweikert: Das Vermächtnis des Kupferdrachen.
Blanvalet, München 2006. Tb., 400 S.
Drachensohn

Eine sehr gelungene Fortsetzung mit lebendigen Charakteren,
einer spannenden Geschichte und dem Wunsch nach mehr! Erinnern
wir uns kurz: die Hohepriesterin Melisande hat Zwillinge zur
Welt gebracht und ist danach gestorben. Ihre Freundin Bellona
nimmt sich des eines Kindes an, während Drakonas das
zweite dem König Eward übergibt.
Hier im 2. Band spielen die Zwillinge die Hauptrolle: Markus
lebt als anerkannter Bastard von König Edward an dessen
Hof. Nemesis oder kurz Nem wächst bei der Kriegerin Bellona
im Wald , fernab jeglicher Zivilisation auf. Bis auf ein paar
Erinnerungsfetzen wissen die beiden nichts voneinander. Drakonas,
der Drache in Menschengestalt bemerkt immer stärker,
dass die ihm übertragene Aufgabe ihm fast zu viel wird.
Er soll die Zwillinge schützen, aber ohne dass der Drache
Grald, der schon des längeren die Pläne des Drachenparlaments
stört, auf die zwei aufmerksam wird. Es gestaltet sich
schwierig, denn sobald die Zwillinge ihre ererbte Magie verwenden,
erlauben sie Grald den Zutritt in ihre Seele. Grald hat unterdessen
ein gänzlich anderes Ziel: Für ihn zählt nur,
dass er Nem in die (wortwörtlichen) Krallen bekommen
kann. Ob und wie ihm das wohl gelingen wird?
Verrat, Intrigen, ein flotter, lockerer Erzählton, einfühlsam
geschilderte Figuren mit Herz und Hirn - einfach ganz toll
und um Längen besser als die Durchschnittsfortsetzungen,
die frau/man sonst so erhält! Während des Lesens
hat mein Mann begehrliche Blicke auf das Buch geworfen, denn
er hat ebenfalls den ersten Teil Die Herrscherin
der Drachen mit Genuss gelesen... (Anne Artner)
Margaret Weis: Drachensohn. Das verbotene Land 2. Blanvalet,
München 2006. Tb., 320 S.
bei
amazon kaufen: EUR 12,36
Die
Brautprinzessin 
S. Morgensterns klassische Erzählung von wahrer Liebe
und edlen Abenteuern. Die Ausgabe der »spannenden Teile«.
Gekürzt und bearbeitet von William Goldman. Und das erste
Kapitel der lange verschollenen Fortsetzung Butterblumes
Baby.
Soweit der vollständige Untertitel dieses literarischen
Kuriosums, dessen 25-Jahre-Jubiläumsausgabe nun auch
als Taschenbuch vorliegt.
Die Brautprinzessin ist witzig, spannend, abenteuerlich
und voll der edelsten Absichten und Gefühle - und zwar
ausschließlich. Alle langatmigen oder unverständlichen
Abschnitte wurden ja entfernt. Weil Goldman vorgibt, gar nicht
der Autor zu sein, ist er zur Literaturszene im Allgemeinen
und zu sich selbst im Besonderen stets in hochgradig komischer
ironischer Distanz. Er bemüht alle Klischees der Kolportage
und macht keinen Hehl aus seiner Liebe dazu (denkt jetzt was
ihr wollt, aber echter, ehrlicher Kitsch ist doch immer noch
das Schönste). Das hindert ihn freilich keine Sekunde,
sich gleichzeitig über alles lustig zu machen. Und uns
mit ewig gültigen Weisheiten zu allem Wesentlichen zu
versorgen: wahre Liebe, echte Leidenschaft und der Tod, sei
er jetzt "irgendwie", "überwiegend"
oder "ganz". Und dazwischen erfahren wir immer wieder,
was jetzt alles nicht im Buch steht und warum und wie es überhaupt
soweit kam, dass "die Ausgabe der spannenden Teile"
jetzt vorliegt. Und dabei ist keinesfalls alles Fiktion -
die erwähnte Verfilmung z.B. gibt es tatsächlich.
Erstklassiges Vergnügen für Menschen die älter
als 10 und jünger als tot sein sollten.
William Goldman: Die Brautprinzessin. dtv, München
2005. Tb., 425 S.
bei
amazon kaufen: EUR 10,20
Shadowmarch.
Die Grenze
Tad Williams wird gerne als "Tolkien des 21. Jhds."
bezeichnet, spätestens seit seiner monumentalen, jegliche
Genregrenzen sprengenden Otherland-Tetralogie. Seine Wurzeln
sind jedenfalls fest in der Fantasy verankert, und welch meisterliche
Blüten er hervorzubringen vermag, kann jedermensch im
Auftaktband seiner Shadowmarch-Trilogie nachlesen. Ob jetzt
der Rückentext - Das Fantasy-Gegenstück zu Krieg
und Frieden - Recht hat oder die epische Story um das
Wiederaufflammen der Auseinandersetzungen zwischen den Menschen
und dem 'Alten Volk' nicht nur wegen des augenfälligen
Nord-Süd-Konfliktes Williams Antwort auf George R. R.
Martins nicht endenwollendes Lied von Eis und Feuer
ist, spielt keine Rolle. Shadowmarch ist meisterhafte, epische
Fantasy mit allem, was dazu gehört: ein neues Land, bewohnt
nicht nur von Menschen, eine Geschichte dahinter, große
und kleinere politische Intrigen, Machtgier, Kampfeslust,
Wahnsinn, Schmerz und Tod, eine gehörige Portion Magie
und, so selten wie im wirklichen Leben, Ehrlichkeit und aufrechte
Gesinnung. Williams behandelt seine Figuren mit der allergrößten
Wertschätzung, erweckt sie zu vielfältigem, differenziertem
Leben - der Mann kann schreiben wie kaum ein anderer, da sitzt
jedes Wort, jedes Bild. Und das beste: Mit diesem sehr gelungenen
Text hat Meister Williams beileibe noch nicht alle seine Trümpfe
ausgespielt... Großes Kompliment auch an die Übersetzerin.
Prächtig!
Tad Williams: Shadowmarch. Die Grenze. Klett-Cotta,
Stuttgart 2005. Geb., 812 S.
bei
amazon kaufen: EUR 27,30
Der
Kampf um Daresh 
Der Verrat der Feuergilde, Der Prophet des
Phönix, Der Ruf des Smaragdgartens -
so die
Einzeltitel der Kampf um Daresh-Trilogie, mit
der sich Katja Brandis in die Herzen der Fantasygemeinde
geschrieben hat. Die Autorin beherrscht nicht nur die
Kunst der schön spannenden Sprache und des bilderreichen
Ausdrucks, sondern auch das alterslose Schreiben á
la J. K. Rowling. Kein Wunder also, dass mittlerweile
bei Piper Bd. 1 als Erwachsenen-Fantasy-Tb. erschienen
ist, bei Carlsen Bd. 1 als Jugend-Tb. Bei ihrem Stammverlag
Ueberreuter geht indes die Daresh-Saga weiter: Feuerblüte
eröffnete 2005 die nächste Trilogie, 14 Jahre
später.
Katja Brandis: Kampf um Daresh. Fantasy-Trilogie.
Ueberreuter, Wien 2002-2004. Geb., 408, 324, 360 S.
bei amazon kaufen: Hc je EUR
19,95 Bd.
1, Bd.
2, Bd.
3
Der
Verrat der Feuergilde, Piper-Tb. EUR
9,22
Der
Verrat der Feuergilde, Carlsen-Tb., EUR
9,22
Katja Brandis: Feuerblüte.
Ueberreuter,
Wien 2005. Geb., 360 S.
bei
amazon kaufen: EUR 16,95
Die
Stimme der Finsternis 
Eine Karawane wird überfallen, die Überlebenden
flüchten in die finstersten Winkel des Kaukasus. Die
Warnungen der Einheimischen werden missachtet: Hier geht ein
Vampir um! Doch es ist wahr und bald greift namenloser Schrecken
um sich. Nur eins kann sie, dem Vernehmen nach, noch retten:
Geschichten erzählen, die das Unwesen in ihren Bann schlagen
und vom Töten abhalten.
Die hübsche kleine Erzählung hätte sich nahtlos
in 1001 Nacht gefügt und beweist einmal mehr, in wie
vielen Kleidern sich Tad Williams zu Hause fühlt. Netter
Fantasy-Snack für zwischendurch.
Tad Williams, Nina Kiriki Hoffman: Die Stimme der Finsternis.
dtv, München 2005. Tb., 168 S.
bei
amazon kaufen: EUR 7,10
Die
Drachenkrone 
Ganz ordentlich, was die Autorin hier produziert, auch wenn
die Assoziationen mit dem Rollenspiel "Dungeons &
Dragons" sich mehr als auffällig darbieten. Aber
die Figuren verfügen über gut ausgearbeitete Charaktere
und besonders die Schilderungen der ersten zarten Gefühle
zwischen zwei der ProtagonistInnnen haben meinen Beifall gefunden.
Ebenfalls positiv zu vermerken habe ich den Umstand, dass
die Autorin keinerlei Wertungen, was die Genderfrage betrifft,
vornimmt. Männchen und Weibchen haben je ihre Aufgabe,
wobei sie selbst immer wieder auf die Wichtigkeit des Zusammenhalts
untereinander hinweisen. Die Persönlichkeitsentwicklung(en)
der ProtagonnistInnen werden ebenfalls thematisiert. Das meine
ich, wenn ich von ordentlicher Fantasy-Literatur spreche...
Kurze Inhaltsangabe: die Elbe Ibis, der Zwerg Thunin, der
Schwertkämpfer Cay, der Magier Vlaros und die Priesterin
Rolana erhalten einen Suchauftrag, denn Graf Gerald ist von
heute auf morgen verschwunden. Je länger die gemeinsame
Reise jedoch andauert, desto klarer wird den GefährtInnen,
dass ihr Suchauftrag nur die Spitze eines Eisberges darstellt
und dass ein wahrhaft mörderischer Wettlauf mit dem Schwarzmagier
Astorin um die vor langer Zeit aufgeteilte und verborgene
Krone der Drachen stattfindet. Die wilde Jagd gönnt der
Truppe kaum Ruhepausen und führt sie auf einen mit Gefahren
nur so gespickten Weg... (Anne Artner)
Ulrike Schweikert: Die Drachenkrone. Roman. Blanvalet,
München 2005. Tb., 410 S.
bei
amazon kaufen: EUR 9,22
Das
Spiegellabyrinth 
Alyss, Prinzessin in Wunderland, ist freche 7 als das Böse
über ihre Welt hereinbricht - in Gestalt ihrer Tante
Redd, die sich mit Gewalt die Krone zurückholt, "Kopf
ab" schreiend und über Leichen gehend. Immerhin
kann Alyss flüchten - ins viktorianische England, wo
ihr ihre Flausen vom Land der Fantasie systematisch ausgetrieben
werden, bis sie, mittlerweile Alice geschrieben, selbst nicht
mehr daran glaubt. Ihre Imaginationskraft versiegt, doch die
mahnende Stimme ihrer Mutter hallt ihr noch in den Ohren:
"Vergiss nie wer du bist!" Die einzig rechtmäßige,
zukünftige Königin von Wunderland nämlich.
Um diesen Platz einzunehmen muss sie aber nicht nur nach Wunderland
zurückkehren, sondern auch ihre ganze Kraft entfalten:
durch das Durchwandern des Spiegellabyrinths.
Endlich ergibt Alice in Wonderland einen Sinn! Dank
Frank Beddor erfahren wir die wahre Geschichte von Alice alias
Alyss und der zentralen Bedeutung von Wunderland: der Herzkristall
verteilt die Fantasie der Königin und aller Anhänger
der weißen Imagination im Universum, eine Art Musenkuss-Generator.
Natürlich gibt es auch die feindliche Kraft, Redds schwarze
Imagination, und Alyss bewahre uns davor dass diese Inspiration
ins Universum auszustrahlen beginnt
oder ist das am
Ende längst geschehen?
Tempo, Action, blühende Fantasie, Mord, Rache, Krieg,
Liebe und Wahrheit vermischt zu einem rasanten, modernen,
nicht aus der Hand zu legenden Fantasy-Thriller der unterhaltsamsten
Art. 2004 zum Times-Book of the Year ernannt, bietet
Das Spiegellabyrinth erstklassiges Amüsement auf
höchstem Niveau und ist leider nach 315 Seiten schon
wieder zu Ende. Wie gut, dass Alyss wahre Geschichte als Trilogie
angelegt ist, denn nach diesem Buch möchte man nur eines:
weiterlesen!
Frank Beddor: Das Spiegellabyrinth. dtv premium, München
2005. Tb., 315 S.
bei
amazon kaufen: EUR 15,-
Klingen
der Macht 
Mit Eleganz und durchaus deftiger Wortwahl entfaltet der Autor
eine dunkle Welt, in der die gewohnte Technik von einen Tag
auf den anderen zusammengebrochen ist. Plötzlich wirken
wieder Magie und Zauberei in jeder Form und die wenigen überlebenden
Menschen werden von nächtlichen Schrecknissen bedroht.
Da startet der greise Bischof aus Salisbury ein ehrgeiziges
Projekt: Der Templerorden soll sich als letzte Bastion zwischen
den Dunklen Mächten und den Menschen erweisen. Ein Plan,
von dem niemand so recht begeistert zu sein scheint... Dann
zeigen sich in der Kathedrale immer wieder schon lange verstorbene
Bischöfe, unheimliche Wesen versuchen sie jede Nacht
zu stürmen und innerhalb der Gemeinschaft treibt ein
absolut grässlicher Mörder sein Unwesen. Bigotterie
und Herrschaftsgier treten an die Stelle der christlichen
Ideale und alles, wofür die Templer angeblich kämpfen,
wird ins Gegenteil pervertiert.
Apokalyptische Endzeitstimmung, verquickt mit Mythen der keltischen
Vorfahren auf den Britischen Inseln, gewürzt mit historisch
gut belegten Fakten über die Templer, eine ordentliche
Prise an Horror hinzugefügt und das Ganze zur Vollendung
durch spannende Kampfesschilderungen gebracht - ja, das mag
ich!
Fazit: Für LiebhaberInnen von Stephen Kings "Der
Dunkle Turm" - Serie, Mittelalterfreaks beiderlei Geschlechts
und Fans von Weltuntergangsszenarien. (Anne Artner)
Mark Chadbourn: Klingen der Macht. Die Rückkehr
der Tempelritter 1. Blanvalet, München 2005. Tb., 600
S.
bei
amazon kaufen: EUR 9,22
Die
Nachtwächter 
Terry Pratchett wird von Buch zu Buch besser. Hier greift
er den beliebten Erzählzyklus um die Nachtwache von Ankh-Morpork
wieder auf: Samuel Mumm, der Chef derselben, findet sich nach
einem Blitzschlag, der ihn während der Jagd auf den wahnsinnigen
Verbrecher Carcer erwischt, plötzlich um dreißig
Jahre zurückversetzt im Körper eines anderen Nachtwächters.
Sam selbst ist ein junges Bürschlein und ein frischgebackener
Gefreiter. Während Sam der Ältere sich selbst beim
Verlieren jeglicher Illusionen über die Mächtigen
beobachtet, spitzen sich die Zustände in der Stadt immer
mehr zu und auch das Misstrauen der anderen Wächter schläft
nicht. Der Herrscher von Ankh-Morpork hat der "Tagwache",
einer Organisation mit Gestapo-Zügen, uneingeschränkte
Macht aufgrund seiner Angst vor Attentaten zugestanden. Diese
hat Carcer einen willigen Unterschlupf gewährt. Carcer
versucht nun immer aufs Neue, Sam den Älteren entweder
auf seine Seite oder ihn in das Quartier der "Tagwache"
zu bringen. Aber Sam Mumm agiert in gewohnter Manier... Während
er verzweifelt versucht, die Bevölkerung vor weiteren
Verhaftungen [mit allen unliebsamen Nebenerscheinungen] und
einem Bürgerkrieg zu bewahren, haben auch noch die Mönche
der Zeit um Lu-Tze ein Wörtchen mitzureden...
Ich finde Pratchetts Schilderungen über die Gezeiten
der Macht einfach wunderbar! Mit ironischem Unterton setzt
er sich auch in diesem Werk mit den menschlichen Erfahrungen
auseinander. Teilweise musste ich wahrlich den Atem anhalten
über die Leichtigkeit, wie er z.B. die Verhaftungsnebenerscheinungen
der "Tagwache" schildert. Er wird seinem Ruf als
"Dickens" unserer Zeit mehr als gerecht, er ist
Moralist, ohne je moralisch zu sein. Das ist große Erzählkunst
vom Feinsten! (Anne Artner)
Terry Pratchett: Die Nachtwächter. Ein Scheibenwelt-Roman.
Goldmann, München 2005. Tb., 400 S.
bei
amazon kaufen: EUR 9,22
Die
Schönheit jener fernen Stadt 
David Lambert, der für sich die Spielart Industrie-Archäologie
gewählt hat, "stolpert" über H. G. Wells
berühmte Zeitmaschine - und reist auf den Spuren der
vorherigen Insassin ins London des Jahres 2500. Er findet
ein überhitztes, völlig(?) menschenleeres Dschungelgebiet
vor und macht sich, ganz seinem Beruf verhaftet, ans Ausgraben
der Geschichte des Untergangs der Menschheit. Was immer er
findet und erlebt schreibt er in einer Mischung aus Essay,
Anekdotensammlung, Wissenschaftsbericht und Liebeserklärung
an seine viel zu früh verstorbene, geliebte Kollegin
Anita.
A Scientific Romance, so der Originaltitel, trifft
es besser. Wenn auch das Attribut "wissenschaftlich"
in der Flut an hoch gebildeten Witzchen und beziehungsvollen
Anspielungen, die diesen Text durchziehen, gleichfalls wenig
zutreffend erscheint. Ob man über manch ein Scherzchen
lachen kann oder nicht ist natürlich Geschmackssache,
ein Fremdwörterlexikon und ein über Jahrzehnte aufgesaugtes
Grundwissen des abendländischen Kulturkanons helfen jedenfalls
ungemein - sofern die Faszination des Textes ausreicht, um
derart nachforschen zu wollen.
Selten wirklich packend, öfter mal unterhaltsam, dem
Zeitreisethema kaum gerecht werdend und mit ermüdenden
Schilderungen durchlängt hat mich der Roman erheblich
mehr Zeit zum Lesen gekostet als erwünscht gewesen wäre;
immerhin wird er nach hinten hin deutlich besser, so mancher
kulturkritische Seitenhieb beginnt tatsächlich zu sitzen.
Mein persönlicher Höhepunkt: Die Schaffung des multinationalen
Konzernes Vatican Disney irgendwann um 2025...
Bibliografische Anmerkung: dtv bringt den Text nach 1998 zum
2. Mal heraus, mit neuer Umschlaggestaltung.
Ronald Wright: Die Schönheit jener fernen Stadt.
Roman, dtv, München 2005. Tb., 396 S.
bei
amazon kaufen: EUR 10,20
Der
Vampir, der mich liebte 
Sookie Stackhouse ist Kellnerin und gilt immerhin als Sonderling
(weil sie Gedanken lesen kann). Ansonsten ist die Anwesenheit
von Vampiren (die sogar ein offizielles Coming-Out vollzogen),
Werwölfen und anderen Gestaltwandlern sowie guten und
bösen Hexen einigermaßen normal - jedenfalls in
der Welt dieses Buches. (Übrigens das vierte einer Reihe,
aber Unkenntnis der anderen Bände stört nicht im
Geringsten.)
Wenn es Sie also nicht stört, dass das Übernatürliche
überall ist, können Sie sich möglicherweise
auf diese Story einlassen - und den frechen Plauderton genießen,
in der sie erzählt wird. Romantik mit Vampiren, Grusel
mit bösen Hexen, Action mit Werwölfen, Mystery mit
inzuchtgeplagten Wer-weißwas.
So richtig beginnt die Geschichte übrigens mit einem
barfuß umherirrenden Vampir, der unter totalem Gedächtnisschwund
leidet - zum Glück für Sookie, den so hat er auch
vergessen, was für ein arroganter Oberblutsauger er eigentlich
ist. Aber ohne Gefahren der absonderlichsten Art kann es bei
dieser Gesellschaft natürlich auch nicht abgehen...
Charlaine Harris: Der Vampir, der mich liebte. dtv
premium, München 2005. Tb., 337 S.
bei
amazon kaufen: EUR 14,95
Die
Insel des Magiers 
Miranda, die Königin von Neapel, wird von ihrer Vergangenheit
eingeholt - in Form eines nur allzu bekannten Fremden, der
sich in ihr Schlafgemach schleicht und Abrechnung fordert
für eine Zeit, die die Frau mit ihrem Vater auf einer
einsamen Insel verbrachte; einsam bis auf einen Jungen, der
Sprache nicht mächtig, halb Mensch, halb Tier...
Von einem der Großmeister des Genres, Tad Williams,
1994 stilsicher in Szene gesetzte Erzählung, die 2003
erstmals in deutscher Sprache erschienen ist. Ein wenig Kaspar
Hauser, ein wenig Magie, sehr viel Eloquenz und ein befriedigendes
Maß an Spannung summieren sich zu einem feinen Häppchen
für den Fantasy-Leser, das die Geschichte der shakespearschen
Figuren Kaliban, Prospero und Ariel aus einem ganz neuen Blickwinkel
erzählt. Ein sehr ungewohnter Tad Williams, jedoch von
erfreulich hoher Qualität.
Tad Williams: Die Insel des Magiers. dtv, München
2005. Tb., 237 S.
bei
amazon kaufen: EUR
7,10
Die
Herrscherin der Drachen 
Schon nach den ersten paar Seiten habe ich vermutet, dass
ich hier einen wahren Schatz an Imagination, intelligenter
Erzählfreude und einer Abfolge an "Aha-Erlebnissen"
in der Hand halte. Dieser Eindruck hat sich als wahr erwiesen!
Da es sich noch dazu um meinen Erstkontakt mit der Autorin
handelt, erwarte ich mit Spannung die Fortsetzung(en)... Kurze
Inhaltsangabe: Im Land Seth, das sich seit über 300 Jahren
von der restlichen Welt abgeschottet hält, beherrscht
eine eigene Priesterinnenkaste die Drachenmagie. Dadurch gelingt
es ihr, Drachen abzuwehren. Diese suchen sich also andere
Gegenden für ihre Raubzüge - das Königreich
von Edward z.B. Der Drache Drakonas wiederum ist von seinem
Parlament beauftragt worden, den / die VerräterIn ausfindig
zu machen, der / die seit Jahren auf alle Vereinbarungen pfeift.
Denn auch Drachen schätzen ein friedliches Zusammenleben
untereinander und mit den Menschen, denen sie ein wissenschaftliches
Interesse entgegen bringen... Die Hohepriesterin Melisande
bereitet sich inzwischen darauf vor, die Nachfolge der sterbenden
Drachenmeisterin anzutreten. Welche Rolle sie noch spielen
wird, hätte sie sich in ihren kühnsten Träumen
wohl nicht ausgemalt. Denn Drakonas versucht, seine Pläne
und die des Drachenparlaments unter einen Hut zu bringen.
Fazit: Ein wunderschönes Fantasybuch mit einem wahren
Feuerwerk an intelligenten Ideen und Ausführungen. Ideal
für EinsteigerInnen. Schwer aus der Hand zu legen! Anne
Artner
Margaret Weis: Die Herrscherin der Drachen. Das Verbotene
Land 1. Blanvalet, München 2005. Tb., 370 S.
bei
amazon kaufen: EUR 12,40
Der
Purpurkaiser 
Der Kaiser ist tot
der Kaiser lebt
oder doch nicht?
Was hat der fiese Zwerg Lord Hairstreak diesmal ausgeheckt
- präsentiert er doch den im Auftaktband Das Elfenportal
erschossenen Purpurkaiser in beinahe alter Frische. Schwarze
Magie ist am Werk, und die Helden Henry, Blue und natürlich
Pyrgus Malvae sowie der zum Torwächter avancierte Mr.
Fogarty sind einmal mehr bis zum Äußersten gefordert,
um gegen die Intrigen der Nächtlinge zu bestehen.
Jugendfrische, erfindungsreiche Fantasy bot schon Band 1,
in der Fortsetzung hat sich Herbie Brennan sogar noch gesteigert.
Zwar wird um des Effekts und der treibenden Handlung willen
ein wenig auf dem Altar der Logik geopfert, aber ein Lesevergnügen
für einschlägige Fans ab 12 ist es allemal. Übrigens
eines, das noch nicht zu Ende ist: Die Saga geht weiter
Herbie Brennan: Der Purpurkaiser. dtv premium, München
2005. Tb., 358 S.
bei
amazon kaufen: EUR 14,40
Die
Rückkehr der Königin 
Ich muss gestehen, der Autor erzählt mit Schwung und
Freude an der Materie, dennoch ärgern mich die ständigen
Vergleiche mit dem Großmeister der epischen Fantasyliteratur
schon ziemlich. Denn Keyes erzählt zwar auch immer durch
andere Personen den Handlungsverlauf, jedoch fortführend
und nicht überschneidend wie George R. R. Martin. Manche
Beschreibungen fallen mir schlichtweg zu flach aus und ich
konnte mich des Gefühls während des Lesens nicht
erwehren, dass hier einfach mehr drin gewesen wäre. In
diesem Fall finde ich das doppelt schade, weil der erste Band
(Der Dornenkönig) recht pfiffig
war und voller interessanter Ideen steckte. Den Anschluss
an diese hat der Autor nicht gar so gut - wie ich es mir gewünscht
hätte - geschafft. Kurz zusammengefasst: Nach der Ermordung
des Königs und der beiden älteren Töchter droht
das Reich im Chaos zu versinken. Die Königin Murielle
lässt durch ihren Ritter Neil ihre jüngste Tochter
Anne suchen, denn sie könnte den Thron erben. Murielle
kämpft an allen Ecken und Enden gegen Feinde und zuletzt
bestätigen sich ihre schlimmsten Befürchtungen...
Anne hat sich mit ihrer Zofe Austra weit weg geflüchtet
und ist voller Zweifel, wem sie noch vertrauen kann, hat es
doch schon mehrere Versuche gegeben, ihr das Leben zu nehmen.
Der Wildhüter Aspar zieht weiter durch den geheimnisvollen
Wald. Und welche Rolle spielt überhaupt der Praifec Hespero
in dem ganzen Spiel um den Thron?
Fazit: Gute Durchschnittsware, mit zeitweilig aufblitzenden
interessanten Ideen. Für Menschen, die ruhig dahin fließende
Erzählungen mögen.
Greg Keyes: Die Rückkehr der Königin. Die verlorenen
Reiche 2. Blanvalet, München 2005. Tb, 610 S.
bei
amazon kaufen: EUR 13,40
Der
Glanz des Mondes 
Otori Takeo und Shirakawa Kaede, gegen den Willen sämtlicher
Mächtiger des Landes miteinander verheiratet, machen
sich auf um Kaedes Domäne zurückzuverlangen - eine
Etappe auf Takeos langem Weg der Rache. Er ist von Feinden
umgeben und entgeht nur dank seiner Stammesfähigkeiten
etlichen Anschlägen; seine eigentliche Macht aber gründet
sich in der wachsenden Überzeugung, dass tatsächlich
alles eins ist, die so wichtig gemachten Unterschiede zwischen
Verborgenen, Ausgestoßenen, Männern, Frauen, Kriegern
und Bauern allesamt künstliche Schranken darstellen,
die es niederzureißen gilt, sollen Frieden und Gerechtigkeit
wieder Einkehr halten in den Drei Ländern.
Der Abschluss der Trilogie um den Clan der Otori punktet erneut
mit seinem mitreißenden Erzählstil, die geschilderten
Ereignisse sind an Plastizität kaum zu überbieten.
Der Höhepunkt an bluttriefender Grausamkeit ist erreicht,
die radikalen altjapanischen Ehrencodices tragen ein Übriges
dazu bei, dass um der Werte und Worte willen rasch die Köpfe
rollen. Die Geschichte des dritten Bandes ist eingehüllt
in zahlreiche Anklänge an die bisherigen Ereignisse,
was mitunter dazu führt, dass ich mich beim Lesen ein
wenig allein gelassen unter allzu vielen Namen fühlte.
Ein Problem, das sich allerdings von selbst erledigt, wenn
die Jahrespausen zwischen dem Erscheinen der Bände wegfallen
- was ja nun der Fall ist.
Ein sehr gelungenes, sehr japanisches Stück epischer
Fantasy findet seinen Abschluss - wer immer diesem Genre bzw.
dieser Kultur zugetan ist, wird mit Lian Hearns Opus bestens
bedient.
Lian Hearn: Der Clan der Otori. Der Glanz des Mondes.
Carlsen, Hamburg 2005. Geb., 491 S.
bei
amazon kaufen: EUR 20,09
Die
Haarteppichknüpfer 
Der erste Roman des herausragendsten Science-Fiction-Autors
deutscher Provenienz, Andreas Eschbach, wurde neu aufgelegt;
da die beiden anderen Ausgaben aus ´98 bzw. ´99
vergriffen sind, eine erfreuliche Nachricht.
Denn Die Haarteppichknüpfer erzählt eine wirklich
originelle Geschichte, eine jener literarischen Ideen bei
denen man sich fragt: Wie kommt man nur auf sowas?
Eschbachs Text rast dabei durchs Universum, wechselt Schauplätze
und Protagonisten - es entsteht der Eindruck einer Anthologie
einzelner Erzählungen, deren Zusammenhalt die langsame
Enthüllung des Geheimnisses um die Haarteppiche ist.
Dennoch ist der Roman ein stimmiges Ganzes, weil der Stuttgarter
Autor sich innerhalb der komplexen Erzählstruktur einer
immer einsichtigen und durchdachten Sprache bedient, sodass
der Leser über das Hier und Jetzt stets im Klaren ist.
Die einzelnen Figuren erreichen naturgemäß keine
ausgeprägte Charaktertiefe, der Entwurf als Ganzes funktioniert
jedoch aufs Prächtigste - plastische Schilderungen, perfekter
Rhythmus, idealer Spannungsbogen. Die Grenzen der Fiktion
sind die Grenzen des menschlichen Geistes selbst - und Eschbach
schafft es mühelos, seine Phantasie auf Horizonte zu
erstrecken, von deren Existenz wir rein gar nichts ahnten.
Niveauvolle, den Geist für neue Dimensionen öffnende
Unterhaltung.
Andreas Eschbach: Die Haarteppichknüpfer. Bastei-Lübbe,
Bergisch-Gladbach 2005. TB, 319 S.
bei
amazon kaufen: EUR 8,19
Im
Brunnen der Manuskripte 
Der Titel gibt den Schauplatz vor: SpecOps-Agentin Thursday
Next befindet sich in einer Art selbstgewählten Mutterschutz-Haft
inmitten der BuchWelt. An sich will sie dort Abstand von den
entsetzlichen Ereignissen der letzten Bücher gewinnen
(deren Kenntnis unabdingbare Voraussetzung für das Lesen
dieses Bandes ist) und in Ruhe ihr Kind zur Welt bringen;
doch die Probleme fangen schon damit an, dass eine alte Feindin
alles daran setzt, ihr die Erinnerungen zu rauben. Thurs hat
bald die größten Schwierigkeiten, sich an den Vater
des Kindes zu erinnern, ihren geliebten Ehemann den es nie
gab
Spannungsreiche Agentenhandlung und actionreiche Szenen sind
in diesem 3. Abenteuer von Thursday Next etwas in den Hintergrund
getreten, dafür - ob Sie es glauben oder nicht - fallen
die detaillierten Schilderungen der fiktionalen Existenz(en)
im Buchuntergrund, aus dem alles Literarische entsteht, noch
skurriler aus als bisher. Subtext-Unterricht für Figuren-Rohlinge
- not to be missed; Emotions-Junkies in einem superflach geschriebenen
Enid-Blyton-Buch - zum Schreien. Dieses Buch sollte beim Gelesenwerden
die eine oder andere Pause einlegen, sonst könnte die
Übertragung der Inhalte in die Vorstellungskraft der
Leser zu einem Durchbrennen der Sicherungen führen. Oder
anders gesagt - wem beim Lesen der beiden ersten Bände
Zweifel ob dieser verehrenden Literatur-Verspottung gekommen
sind, sollte vom "Brunnen" besser nicht trinken;
Fforde-Begeisterte hingegen können sich erwartungsvoll
hineinstürzen.
Zuletzt noch ein Tipp: Warten Sie auf Godot! Er kommt wirklich
nun, das kann man so eigentlich nicht sagen. Aber immerhin
kommt er vor - teilweise. Dank dem Großen Panjandrum!
Jasper Fforde: Im Brunnen der Manuskripte. dtv premium,
München 2005. TB, 413 S.
bei
amazon kaufen: EUR 15,45
Zu Band 1 - Zu Band 2
Der
dunkle Mönch 
Dieses Werk stellt meinen Erstkontakt mit dem Autor her, denn
obwohl ich "harte", actionreiche Romane sehr mag,
habe ich zuvor noch nichts von ihm gelesen. Aber das werde
ich gewiss ändern! (Anm. d. Red.: Eingefleischte Salvatore-Fans
halten Der dunkle Mönch für eine seiner schwächeren
Arbeiten.)
Auf einen Satz "eingedampft" geht es in diesem Werk
um die Entstehung eines Helden, der an allen Ecken und Enden
mit Unmenschlichkeit konfrontiert wird, aber dennoch sich
seine eigene Menschlichkeit bewahren kann. Teilweise sind
mir die Schilderungen seiner Erlebnisse so sehr unter die
Haut gegangen, dass ich kurze Lesepausen einlegen musste,
weil die Intensität fast zu viel wurde. Trotzdem musste
ich weiterlesen... bis zur letzten Seite.
Überzeugt haben mich sowohl die detailgetreuen Kampfszenen
als auch die pralle Erzählfreude, die aus jeder Zeile
spricht. Herrlich auch die augenzwinkernde Ironie, die ein
altes Klischée ausgräbt - aber wie der Autor das
schildert, das ist höchste Erzählkunst.
Auch das Ringen der beiden im Lande Korona existierenden Religionen
richtet seinen Fokus auf die Macht, die beide für sich
beanspruchen können/wollen, wobei sich hier der Autor
wiederum als sehr geschickter Erzähler erweist und jede
Eindimensionalität meidet. So gefällt mir das, denn
auch im Leben gibt es meistens nur in unseren Köpfen
eine strikte Trennung zwischen Schwarz und Weiß...
Fazit: Für alle von 14-99, die noch an HeldInnen glauben
und/oder selbst welche werden wollen! Anne Artner
R. A. Salvatore: Der dunkle Mönch. Die Vorgeschichte
von "Dämonendämmerung". Roman. Blanvalet,
München 2005. TB, 520 S.
bei
amazon kaufen: EUR 9,22
Der
Krieg der Zwerge 
Und weiter geht die wilde Jagd um Tungdil Goldhand, der schon
in Die Zwerge seine Heimat, das Geborgene Land, vor
seinen inneren und äußeren Feinden geschützt
hat. Der Krieg der Zwerge setzt nahtlos an die Geschehnisse
im ersten Band an und spinnt die dort angedeuteten Bedrohungen
weiter: Die verräterischen Dritten wittern Morgenluft,
der gefallene Stern hinterlässt eine Spur der Verwüstung,
Tungdils Liebe zu Balyndil ist auf dem Prüfstand und
über allem schwebt die Frage: Waren No´donns Warnungen
vor einer Gefahr aus dem Westen haltloses Geschwafel - oder
enthielten sie doch einen wahren Kern?
Gut gezeichnete Charaktere, ausführliche Schlachtenschilderungen,
unvermutete Wendungen und weder platte Klischeés noch
Moralisierung - der Autor hat meiner Meinung nach noch an
orientalischem Märchenerzählertalent dazu gewonnen.
Interessant wäre es, ob Der Krieg der Zwerge auch
für LeserInnen, die Die Zwerge noch nicht kennen,
gut lesbar und verständlich ist. Hier bleibe ich etwas
skeptisch, auch wenn Markus Heitz genau dies in seinem Vorwort
als eines der Kriterien für eine gelungen Fortsetzung
geltend macht.
Fazit: Besser als der Vorgänger und mit noch mehr unverfälschten
Zwergen drin! Anne Artner
Markus Heitz: Der Krieg der Zwerge. Roman. Piper, München
Zürich 2004. TB, 600 S.
bei
amazon kaufen: EUR 14,42
Die
Zwerge 
Sie sind klein, schlagkräftig, begnadete Handwerker,
rasend im Kampf und so stur, dass nicht einmal das Böse
selbst sie von ihren zwergischen Eigenarten abzubringen vermag.
Markus Heitz hat es übernommen, den grimmigsten Helden
aus Tolkiens Herr der Ringe ein Denkmal zu setzen -
und er hat diese Aufgabe so bravourös gelöst, dass
mit Der Krieg der Zwerge bereits ein Nachfolgeband
erschien, der von der Fangemeinde nicht minder begeistert
aufgenommen wurde.
Man merkt dem Fantasy-Schmöker in jeder Zeile an, wie
viel Freude es dem Autor bereitet hat, ihn zu schreiben -
temporeich und spannend sind die Abenteuer von Tungdil, dem
gelehrten Zwerg, der als einziger in der Lage scheint, dem
vom reinen Bösen besessenen Magier Nod´onn entgegen
zu treten. Heitz unternimmt niemals den Versuch, etwas anderes
als reine Unterhaltungsliteratur abzuliefern, und so spritzt
das Blut mit größter Leichtigkeit, zersplittern
die Äxte Orkknochen dass es eine wahre Freude ist. Fein
ausgearbeitet in den Details, bilderreich und voller fantastischer
Zutaten - ungetrübtes Lesevergnügen für alle,
die Ernsthaftigkeit und Fantasy schon immer für unvereinbar
hielten
Markus Heitz: Die Zwerge. Piper, München 2004.
TB, 621 S.
bei
amazon kaufen: EUR 14,42
Das
Schiff der Gaukler 
Weiter geht es mit den Abenteuern der ungezähmten, rothaarigen
Katla Aransen, der Söldnertruppe um die kraftstrotzende
Mam, der geheimnisvollen Rosa Eldi, die jeden Mann in ihren
Bann schlägt. Die erwachende, ungezügelte Magie
verursacht unerklärliche Phänomene auf Elda; im
Süden der Welt wird ein neuer Krieg gegen den Norden
vorbereitet. Katlas Vater hält unbeirrbar an seinem Plan
fest, Refugium zu erreichen, die hoch im Norden gelegene Eisfeste
eines machtvollen Magiers.
Zaubergold 2 ist keine eigene Geschichte, sondern schließt
unmittelbar an das dramatische Finale des ersten
Bandes an und hört wie dieser mitten im Geschehen
auf. Der Sog der Geschichte ist jedoch enorm, Fantasy von
bester Qualität mit allem was dazu gehört. Das Mittelstück
überzeugt ungeachtet des traditionellen Problems, ohne
Anfang und ohne Ende dazustehen. Wer Band 1 mochte, darf sich
auf eine würdige Fortsetzung freuen.
Jude Fisher: Das Schiff der Gaukler. Zaubergold 2.
Blanvalet, München 2005. TB, 669 S.
bei
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Die
Drachen 
Ich muss gestehen, dieses Werk hat mich durch seinen Einfallsreichtum
regelrecht vom Sessel gerissen. Ohne großartigen "Vorspann"
wurde ich als Leserin in den unwiderstehlichen Sog der Geschichte
hineingezogen: Seit langer Zeit existieren nur noch sehr wenige
Drachen und diese verkleiden sich mit Vorliebe, da sie sonst
ihres Lebens nicht mehr sicher sein würden. Denn früher
haben die Drachen und Menschen gemeinsam die so genannten
Drei Schwestern [=Mondphasen?] verehrt, welche aber von einem
machtgierigen Drachen und seinen übelwollenden Verbündeten
ins Exil geschickt wurden. Seither verehren fast alle Menschen
den Sonnendrachen Phuram - aber einige wenige halten den Schwestern
und besonders dem Mond die Treue. Die SonnenverehrerInnen
wollen mit den Mondscheinern nichts zu tun haben und dennoch
muss sich der geheimnisvolle "Sammler" Ruadh auf
die Suche nach 13 ungewöhnlichen Sonnenanbetern machen,
denn nur mit deren Hilfe kann die Rückkehr der Drei Schwestern
gelingen...
Auch wenn einige Dinge während des Lesens ein wenig kraus
erscheinen mögen, darf man/ frau darauf vertrauen, dass
es für diese im Laufe der Geschichte sehr wohl ausführliche
Erklärungen gibt. Rosenfeuerdrachen, geheimnisvolle Tätowierungen,
die nur im Mondlicht und für andere Mondscheiner sichtbar
werden, die Beschreibungen der Paläste, religiöser
Praxen, exotischer Landschaften, der Einfallsreichtum der
wenigen Drachen, lebendige Charakterbeschreibungen - einfach
toll, wie die Autorin hier innerhalb von ein paar Sätzen
mit größter Selbstverständlichkeit eine zauberhafte
Welt ausbreitet. Der einzige Wermutstropfen ist der Schluss:
Hier vermute ich sehr stark eine baldige Fortsetzung - aber
das wäre ja auch nicht schlecht... Anne Artner
Julia Conrad: Die Drachen. Roman. Piper, München
Zürich 2005. TB, 500 S.
bei
amazon kaufen: EUR 14,42
Kleine
freie Männer 
Eine "Kräuselung in der Welt" ist wahrlich
"Besorgnis erregend" - besonders wenn sie im neuesten
Scheibenwelt-Roman von Terry Pratchett auftritt. Wie sich
herausstellt, gibt es Probleme mit einer ebenso märchen-
wie alptraumhaften Parallelwelt. Doch Tiffany, mit zarten
Neun bereits eine hervorragende Käsemacherin, hat ihre
erste Hexenlektion schon gelernt: Sie kümmert sich. Auch
um ihren klebrigen und eigentlich eher lästigen kleinen
Bruder, der plötzlich spurlos aus dem heimischen Kreideland
verschwindet, gefangen im Land der ewigen (Alp)träume.
Doch ohne die Hilfe der streitlustigen und kampfbereiten Kobolde
wäre sie wohl nicht allzu weit gekommen.
Ein neuer Pratchett, ein neuer Scheibenwelt-Roman, ein neuer
Beitrag zur Abteilung Hexen - und doch wieder ein wenig anders.
Pratchett, dem anscheinend niemals die Ideen ausgehen, hat
diesmal dem Titel nach Kobolde in den Mittelpunkt gestellt,
die auf überragend komische Weise die Pikten (oder Schotten)
parodieren. Die eigentliche Heldin der Geschichte ist jedoch
Tiffany, die der Erfüllung ihres geheimen Wunsches nachjagt:
Hexe zu werden. Was genau das eigentlich bedeutet, wie frau
dorthin gelangt und warum die Grenzen zwischen Magie und dem,
was alle dafür halten, durchaus verschwimmen können
erfahren wir in dieser Geschichte.
Sanfterer (für Pratchett-Verhältnisse), stellenweise
poetisch-träumerischer Text, der im Grunde nichts weniger
als eine Erleuchtungslektüre darstellt - geeignet für
beiderlei Geschlecht und durchaus auch für die durchschnittliche
Charmed-Seherin ab 10 Jahren, die hier einmal Gelegenheit
erhielte, den Blick auf das wirklich Wesentliche zu richten.
Terry Pratchett: Kleine freie Männer. Ein Märchen
von der Scheibenwelt. Goldmann, München 2005. Geb., 320
S.
bei
amazon kaufen: EUR 18,54
Der
gläserne Berg. Kristallwelt 2
Um Fortsetzungsgeschichten vollziehe ich (daran ist nur George
R. R. Martin Schuld!) normalerweise einen Bogen, denn ich
hasse es, wenn ich ewig auf die Fortsetzung(en) warten muss.
In diesem Fall habe ich mich aber wieder gerne in die zauberreiche
Kristallwelt entführen lassen, denn wie schon im ersten
Band erwartet mich ein wahres Feuerwerk an Inspiration und
Imagination.
Alleine die Vorstellung, wie die junge Schamanin Annat innerhalb
der gut bewachten Internatsmauern ihr Dasein fristet, hat
mich vor mich hin kichern lassen, ebenso die Beschreibung
des Colleges, das ihr Bruder Malchik besucht. Die Autorin
scheint nicht die besten Erinnerungen an ihre eigene Schulzeit
zu haben... Außerdem verfügt sie über ein
religionsgeschichtliches- und wissenschaftliches Konzept,
das sich immer deutlicher herauskristallisiert: 1. Für
SchamanInnen gibt es sehr wenige Grenzen, weder ethische noch
räumliche oder gar zeitliche; 2. die Vorschriften und
Bräuche der "Wanderer" (Juden) und der "Roma"
(Sinti und Roma) gleichen einander in der Kristallwelt in
mancher Hinsicht; 3. die Schilderungen der Seelenwanderung
lassen auf ostasiatische Vorstellungen schließen; 4.
die SchamanInnenreisen ähneln sehr stark den zentralasiatischen,
5. wie Yuste ihre Macht zurückbekommt, erinnert mich
sehr an Frazers Darstellungen der sympathetischen Magie; etc.
etc. Ich finde es wirklich toll, wie die Autorin ihre Ideen
mit schon vorhandenen Rezeptionsvorlagen zusammenspannt! Denn
so entgeht die geschätzte Leserschaft auf jeden Fall
der Langeweile. Anne Artner
Jessica Rydill: Der gläserne Berg. Kristallwelt 2.
Blanvalet, München 2005. TB, 442 S.
bei
amazon kaufen: EUR 10,25
Eine
Billion Dollar 
Eine Entschuldigung vorweg: Neu auf dem Buchmarkt ist
diese Mammutarbeit des Stuttgarter Science Fiction-Autors
nicht - die gebundene Ausgabe ist bereits 2001 erschienen.
Nach der Lektüre bleibt allerdings nur leicht resigniertes
Wundern ob der Tatsache, dass diese einzigartige Vermengung
von prägnanter, auf den Punkt gebrachter Zukunftsforschung,
präziser Analyse des Seins und Werdens der Welt und einer
stets wunderbar leicht lesbaren, spannenden und facettenreichen
Story nicht einen ähnlich globalen Erfolg wie etwa Dan
Browns Sakrileg für sich verbuchen konnte. Vielleicht
liegt es ja daran, dass die katholische Kirche reif für
den Abschuss ist - Gott Mammon hingegen fester denn je im
Sattel sitzt
Der Ausgangspunkt: John Fontanelli, erfolg- und zielloser
Schuhmachersohn in New York, erbt das größte Vermögen
der Menschheitsgeschichte: 1.000.000.000.000 Dollar. Und dazu
eine vage Prophezeiung, er, der Erbe, würde der Menschheit
die "verlorene Zukunft" wiedergeben.
Mit ungeheurer Liebe zum (charakterlichen) Detail erleben
wir, wie John den Reichen zu spielen beginnt, an sich zweifelt,
unter der Last der Verpflichtung zusammenzubrechen droht,
zum global player mutiert. Was ist der eigentliche Grund des
ganzen Elends? Armut, Bevölkerungsexplosion, Bodenerosion,
Umweltzerstörung, die Geldwirtschaft? Die Machtstrukturen?
Oder alles zusammen? Wer hat die Macht - und wer verleiht
sie ihnen?
Ein bahnbrechendes, prophetisches Werk, das fachlich stets
fundiert bleibt und dank der typisch klaren Eschbach-Sprache
hervorragend fassbar ist. Unterhaltsam, spannend, Wissen vermittelnd,
provokant, auf grundlegende Weise zum Nachdenken anregend
und selbst im Anblick der nahenden Apokalypse einen Funken
Hoffnung bietend. Eine Anleitung zum Überleben der Menschheit,
die besser heute als morgen in Angriff genommen werden sollte.
Andreas Eschbach: Eine Billion Dollar. Lübbe,
Bergisch-Gladbach 2003. TB, 887 Mrd. S.
bei
amazon kaufen: EUR 10,20
Sturm
über Windhaven 
Ein Leben in einem Tag - so lange hat es gedauert vom Traum
eines muschelsammelnden Mädchens bis zu ihrem letzten
Flug zu lesen. 450 Seiten vom Meister der epischen Fantasy,
George R. R Martin, dessen Fortsetzung des monumentalen Lieds
von Eis und Feuer ungeduldig entgegengefiebert wird.
Neu ist eine Taschenbuchausgabe der Geschichte von Maris,
der Fliegerin auf der weit verstreuten Inselwelt mit ihren
nie endenden Stürmen, freilich nur für den deutschsprachigen
Markt: Im Original erschien die Koproduktion mit Lisa Tuttle
bereits 1981, vor Martins halb vollendetem opus maximus.
Ein geistvoller Plot, packende Schilderung, interessante,
widersprüchliche Charaktere, das ewige große Thema
des Ringens polarer Kräfte (Tradition und Veränderung
in diesem Fall) - die Erfolgs-Zutaten in bester Martin-Manier
sind alle vorhanden. Die Heldin selbst verdanken wir vermutlich
Lisa Tuttle: Maris Traum, Kampf, Sturz, Überwindung und
Erlösung zu folgen ist voll vibrierender weiblicher Energie.
Ein kraftvolles, meisterlich gezimmertes Fantasy-Kleinod voller
Weitsicht und schillernden Wortbildern - realer anmutend als
so mancher Thriller der Jetztzeit.
George R. R. Martin/Lisa Tuttle: Sturm über Windhaven.
Blanvalet, 2005. TB, 448 S.
bei
amazon kaufen: EUR 9,20
Das
Museum der gestohlenen Erinnerungen 
Die Zwillinge Jessica und Oliver müssen erkennen: Sie
haben ihren Vater vergessen! Diese mehr als beunruhigende
Tatsache veranlasst sie zu Nachforschungen, die sie bald auf
die Spur von Quassinja führt - dem Reich der verlorenen
Erinnerungen. Dort tobt ein Machtkampf: Xexano will sich zum
Herrn aller Erinnerungen aufschwingen - und damit zum Herren
der Welt
"Ein phantastischer Roman" kündigt der Untertitel
an, und tatsächlich ist diese groß angelegte Allegorie
wider das Vergessen sowohl ein Tummelplatz der Phantasie als
auch, von der einen oder anderen Länge insbesondere am
Anfang abgesehen, ausgezeichnet. Für junge Menschen von
13 bis 130 eröffnet sich eine Welt, in der zahlreiche
historische Fakten mit ebenso viel reiner Fiktion absichtsvoll
zu einem undurchdringlichen Netz verwoben wurden. Eindeutig
ist nur eines: Wer vergisst, ist denselben Schmeicheleien
und falschen Versprechungen selbst ernannter "Führer",
"Gurus" oder sonstiger machthungriger Existenzen,
die schon so oft die Massen ins Verderben führten, hilflos
ausgeliefert - und weiß nicht einmal von seinem Marionettenzustand.
Ein spannend zu lesendes, unterhaltsames Plädoyer für
die Erinnerung und das Recht auf eigenes Denken und eine eigene
Meinung.
Ralf Isau: Das Museum der gestohlenen Erinnerungen.
Sonderausgabe, Thielmann, Stuttgart 2003. Geb., 671 S.
bei
amazon kaufen: EUR 13,30
Der
Zeitdieb 
Terry Pratchetts berühmte Scheibenwelt funktioniert nach
einem einfachen Grundprinzip: Alles was sein kann geschieht
irgendwann und irgendwo. Und die überbordende Fantasie
des Autors sorgt dafür, dass "alles" eben
alles ist. Was im konkreten Fall u.a. bedeutet: ca. 90 % mehr
als alles, denn nur was beobachtet wird existiert, jene 90
% buchhalterischen Entitäten die mit dem Beobachten beschäftigt
sind also eigentlich nicht
Dieser gefährlichen Masse an grauen, vollkommen fantasielosen
Wesenheiten, den Revisoren, ist die Menschheit ob ihres eindrucksvoll
zur Schau gestellten Wahnsinns ohne erkennbare Methode ein
prinzipieller Dorn im Auge, der ein für alle mal beseitigt
und durch perfekte, immerwährende Ordnung ersetzt werden
soll - durch den Diebstahl der Zeit
Die verstreute Allianz der Kämpfer für die "gute"
Sache besteht aus Fräulein Susanne, der Enkelin des Todes,
Tod selbst, dem 800 Jahre alten Kehrer Lu-Tze und seinem perfekt
Zeit schneidenden Schüler Lobsang, einem Milchmann, den
apokalyptischen Reitern und einigen extraschrägen Figuren
mehr. Zeitlose Weisheiten (z.B. über die Zeit), die Offenbarung
durch Banalität, ein raffinierter und spannender Plot
und dies alles genial witzig geschrieben, wie es nur ein echter
Meister zu Stande bringen kann.
"Im Zweifelsfall sollte man sich für das Leben entscheiden",
meint Lu-Tze, und im Fall von Lesestoff kommen Sie nach dieser
Devise an Terry Pratchett nicht vorbei
Terry Pratchett: Der Zeitdieb. Goldmann, München
2004. TB, 379 S.
bei
amazon kaufen: EUR 9,20
Die
Endzeit-Ingenieure 
Nach dem großen Impakt beherbergt eine computergesteuerte
Mondstation die Überreste irdischen Lebens: Zellen und
DNA-Proben von Pflanzen, Tieren und einigen ausgewählten
Menschen. Diese werden über Jahrtausende immer wieder
geklont, jede Generation von Robovätern und Holobildern
ihrer eigenen Originale ausgebildet. Der Auftrag: Die Erde
wieder für (menschliches) Leben bewohnbar zu machen.
In rasendem Tempo werden Äonen durcheilt bis zur buchstäblichen
Auflösung des gesamten Evolutionsprozesses
Jack Williamson, dessen erste Veröffentlichung nicht
weniger als 76 (!) Jahre zurückliegt, hat im Verlauf
von Jahrzehnten jeden wesentlichen Preis für SF erhalten,
wurde zum Grand Master ernannt und gilt offiziell als Erfinder
der Bezeichnungen genetic engineering und terraforming.
Dieses Spätwerk einer lebenden Schriftstellerlegende
schlägt einen ruhigen, entspannten, dabei aber immer
überlegten und kritischen Ton an. Mr. Williamson, so
scheint es, hat seinen Frieden gemacht: Seine Perspektive
enthält kosmische Weitsicht gepaart mit der Demut eines
wahren Weisen.
Jack Williamson: Die Endzeit-Ingenieure. Bastei-Lübbe,
Bergisch-Gladbach 2004. TB, 431 S.
bei
amazon kaufen: EUR 8,20
In
einem anderen Buch 
Nahtlos geht der Irrwitz weiter: Thursday Next, nach wie vor
auf den wenig renommierten Posten einer Literatur-Agentin
verbannt, wird als willkommener PR-Gag durchgereicht - die
Rettung von Jane Eyre und die Vernichtung des Erzschurken
Acheron Hades sollen dem undurchsichtigen Special Operations
Network ein wenig positive Publicity verschaffen. Doch auch
die Goliath Corporation mischt sich ein - Jack Schitt ist
immer noch in Poes Raben gefangen und sein Halbbruder setzt
alles daran, ihn wieder herauszuholen.
Während dieser Entwicklungen sterben sämtliche SpecOps
5-Agenten, die zur Überwachung von Thurs eingesetzt werden,
und ihr Leben ist aufgrund absolut ungewöhnlicher Zufälle
mehrmals in Gefahr. Als dann ihr Vater auftaucht und erklärt,
die Welt würde sich in rosafarbenen Schleim verwandeln
und Thurs frisch angetrauter Ehemann genichtet wird, ist es
wieder so weit: die Spezialagentin muss sich an allen Fronten
zugleich behaupten, um ihr Leben, das ihres Mannes und der
ganzen Welt kämpfen
da sind ein paar Untote zwischendurch
wirklich eine willkommene Abwechslung.
Abgefahrener Edel-Nonsens, bekiffte literarische Achterbahnfahrt,
Thriller, Horror, Fantasy und Science Fiction, für manch
einen vielleicht auch ein völlig überwürztes
Gericht, bei dem von den einzelnen Zutaten fast nichts mehr
zu bemerken ist - Jasper Fforde hält In einem anderen
Buch wieder rein gar nichts von Genres oder Konventionen
und bombardiert den Leser regelrecht mit allerschrägsten
Einlagen. Dass es ihm bei der Überfülle an Gags
dennoch gelingt, eine durchdachte und spannende Geschichte
zu erzählen, ist eine Meisterleistung - auch wenn es
recht lange dauert, bis sich in dieser Fortsetzung ein eigenständiger
Plot zu entwickeln beginnt. Es ist dringend anzuraten, In
einem anderen Buch unbedingt nach dem Fall Jane Eyre
zu lesen, ohne diese Vorbildung könnten Sie sich in diesem
irren Garten der Wörter allzu rettungslos verirren
Jasper Fforde: In einem anderen Buch. dtv premium,
München 2004. TB, 417 S.
bei
amazon kaufen: EUR 15,-
Die
vergessenen Götter 
Asgard ist nicht länger der Sitz der nordischen Götter
- außer Odin fadisiert sich keiner mehr in der heruntergekommenen,
von ewigen eisigen Winden verblasenen Gegend. Als seine beiden
Raben ihm einen Vorschlag machen, geht er darauf ein - schließlich
ist jede Abwechslung recht angesichts von Äonen der Gleichförmigkeit.
Ariane, Institutssekretärin in Köln ohne größere
Karriereaussichten oder -ansprüche, interessiert sich
sehr für den riesigen, einäugigen Mann, der da unvermittelt
vor ihr steht. Als er sich als "Odin" vorstellt,
ist sie zunächst nur irritiert darüber, wie Eltern
ihren Kindern solche altbackenen, braunrüchigen Namen
geben können.
Doch Odins Anwesenheit ruft noch einen anderen der vergessenen
germanischen Gottheiten auf den Plan: Loki, Meister der List
und Niedertracht, hat in der Zwischenzeit einen neuen Posten
übernommen - als Luzifer steht der der neumodischen,
heißen Hölle vor, die die alte nasskalte Hel abgelöst
hat. Sein böser Wille reicht bei weitem aus, um sich
diese Chance auf Fortsetzung des Jahrtausende währenden
Konflikts nicht entgehen zu lassen - und Ariane steht unvermittelt
zwischen den Fronten und muss alles daran setzen, vom Spielball
der Götter wieder zu einem selbstbestimmten Menschenwesen
zu werden.
Was für ein Debüt! Annette Schaumlöffels
spitzbübisch vorgetragene Mixtur aus nordischer Mythologie
und Beziehungskiste bewegt sich virtuos zwischen launiger
Fantasy und emanzipierter Romantik hin und her, spart nicht
mit trefflichen Seitenhieben auf das Wesen der Götter
und der Menschen und schreckt auch nicht davor zurück,
weibliche Urängste in überaus drastischer Weise
zum Thema zu machen. Magie, Sex & Crime und mittendrin
Ariane in einem unerträglich überheizten Auto. Überaus
unterhaltsam und dabei durchaus mit Tiefgang und echter Originalität
gesegnet ist der Text und man darf sich schon darauf freuen,
was Schaumlöffel als nächstes zu Tage fördert.
Annette Schaumlöffel: Die vergessenen Götter.
Blanvalet, München 2004. TB, 506 S.
bei
amazon kaufen: EUR 9,20
Der
Jahrmarkt der Magier 
Einmal im Jahr ist Allmarkt: Die Gelegenheit für Handel
und Politik, die Gelegenheit für ein Aufeinandertreffen
der drei Völker Eldas - die südländischen Istrier,
arrogante Eroberer, die ihre Frauen hinter Subatkas verstecken;
die nordischen Eyrer, Seefahrer und Schiffbauer und von den
Istrieren sukzessive nach Norden getrieben; und die Fahrenden,
ein buntes Volk fern der üblichen Konventionen.
An diesem Allmarkt taucht jedoch noch ein viertes Element
auf - die verloren geglaubte Magie der Erde erwacht zu neuem
Leben. Und alles wird stärker
Jude Fisher schuf mit ihrem Auftakt zur obligaten Trilogie
eine Fantasy-Saga, die sich getreulich sämtlicher Zutaten
des Genres bedient, daraus aber überaus fesselnde, neu
anmutende Gerichte zu bereiten weiß. Versink-Qualität
ist dem Buch reichlich zu eigen - nicht zuletzt dank der Charaktere,
die erfreulich komplex beschrieben und selten in ein einfaches
Muster zu stecken sind. Das Debüt der bisher als Verlegerin
von Fantasy in Erscheinung getretenen Autorin erfüllt
alle Ansprüche an unterhaltende fantastische Literatur.
Jude Fisher: Der Jahrmarkt der Magier. Zaubergold I.
Blanvalet, München 2004. TB, 606 S.
bei
amazon kaufen: EUR 10,25
Der
Fall Jane Eyre 
Alice im Wunderland der Walisischen Volksrepublik fährt
einen knallbunten Porsche, kämpfte im 121. Jahr des britisch-russischen
Krimkrieges und ist Teil des Special Operations Network, als
Literatur-Agentin mit SpecOps 27 einer allerdings eher gering
geschätzten Unterabteilung zugeteilt. Aber Thursday Next,
Tochter eines flüchtigen ChronoGuarden (SpecOps 12),
bekommt es trotzdem mit dem drittmeist gesuchten Verbrecher
der Gegenwart zu tun: Sie als einzige noch Lebende hat Acheron
Hades je zu Gesicht bekommen. Dessen Plan ist böse um
seiner selbst willen: Das Überleben eines der bedeutendsten
Werk der englischen Literatur steht auf dem Spiel. Jane Eyre
wurde aus ihrem eigenen Roman entführt
Skurril, eigensinnig, spannend, komisch - und süchtig
machend. Mehr von Jasper Fforde! Zwei weitere Thursday-Next-Abenteuer
sind auf Englisch bereits erschienen. Übrigens - man
muss keineswegs Brontë oder eines der sonstigen erwähnten
Werke gelesen haben, um genussvoll in die absurde Welt der
walisischen Mischung aus Douglas Adams und Anthony Burgess
eintauchen zu können.
Jasper Fforde: Der Fall Jane Eyre. dtv premium, München
2004. TB, 376 S.
bei
amazon kaufen: EUR 15,30
Die
Eisgöttin 
Was für ein geglücktes Debüt!
Wer sich so wie ich gerne mit Märchen und
Sagen aus aller Welt beschäftigt, ist mit diesem Roman
gut versorgt.
Die Geschwister Malchik und Annat sollen nach vielen Jahren
ihren Vater, den Schamanen Yuda, wieder treffen. Dieser entpuppt
sich als ein ziemlich raubeiniger Geselle, der sich weder
besonders um Konventionen noch um die Kinder kümmert.
Im Zuge der gemeinsamen Reise wird Malchik entführt und
sein Vater ermöglicht auch den Reisegefährten den
Zugang durch ein Schamanentor in eine ihnen allen fremde Welt,
in der auf Schritt und Tritt Gefahren lauern.
Im Laufe der Reise klären sich einige, zu Beginn des
Buches etwas befremdlich wirkende Annahmen der Figuren auf:
So stellt sich nun z.B. heraus, dass Annats und Malchiks Mutter
aus diesem fremden Land jenseits des Schamanentores gekommen
war.
Obwohl mich diese und andere Ungereimtheiten anfangs etwas
irritiert haben, vertraute ich einfach darauf, dass eine so
geschickte Autorin diese Rätsel schon auflösen würde...
Annat, Malchik und Yuda gehören zum Volk der Wanderer,
wobei mir recht schnell klar war, dass hier das jüdische
Volk mit seinen Bräuchen, Märchen, Sagen und Religionsvorstellungen
gemeint sein könnte. In ihrer Welt existieren Technik
und Magie nebeneinander, während sich die Autorin als
sehr geschickt in der Konstruktion neuer, überraschender
Erzählfäden erweist. Außerdem hat Jessica
Rydill bei den Schilderungen der Schamanenreisen und -kräfte
auf die in der Forschung dokumentierten Motive zurückgegriffen.
Ich schätze AutorInnen, die ihre "Hausaufgaben"
(Recherchen) ordentlich erledigen!
Die Eisgöttin ist ein Werk, das mich Großes
für die folgenden Bände hoffen lässt und das
ich sehr schwer aus der Hand legen konnte. Anne Artner
Jessica Rydill: Die Eisgöttin. Kristallwelt 1.
Blanvalet, München 2004. TB, 480 S.
bei
amazon kaufen: EUR 9,20
Der
Dornenkönig 
Trotz jubelnder KritikerInnen leider doch kein neuer George
R. R. Martin.
Die Geschichte ist rasch erzählt: Das Königreich
Crothenien wird sowohl von inneren wie auch äußeren
Feinden heimgesucht und nur eine Handvoll Getreuer vermag
es, dem Bösen zu widerstehen. Diese Getreuen bestehen
aus einer Prinzessin, ihrer Hofdame, einem Fechtkunstschüler
und seinem Meister, einem Wildhüter und seiner Liebsten,
der Königin und ihrem Ritter und einem ehemaligen Mönch.
Die Zusammenstellung lässt also schon einiges an Schwierigkeiten,
denen die Getreuen in den folgenden beiden [?] Bänden
ausgesetzt werden, ahnen.
Es fiel mir während des Lesens nicht schwer, Sympathien
für die Figuren zu entwickeln und mich über die
ausschweifenden Darstellungen, denen sich der Autor hingegeben
hat, zu freuen oder die verschiedenen Sprachen, die im Werk
vorgestellt werden, zu würdigen.
Die hier im Werk skizzierten Kirchenmänner erscheinen
mir - als ehemals für die Evangelische Kirche tätig
- sehr gut dargestellt; ebenso konnte ich den Wissenshunger
des ehemaligen Mönches und seine Freude über die
riesige Bibliothek gut nachvollziehen.
Trotzdem: Der Autor erreicht zwar Plastizität, Empathie
und Spannung in und für seine Figuren, jedoch bleiben
sie leider für mein Gefühl trotzdem zu flach, zu
stereotyp und zu vorhersehbar in ihrem Handeln und
Denken.
Als "Einstiegslektüre" für solche Werke
wie George R. R. Martins Epos Das Lied von Eis und Feuer
(siehe weiter unten) eignet sich Der Dornenkönig
ohne Zweifel. Anne Artner
Greg Keyes: Der Dornenkönig. Die verlorenen
Reiche 1. Blanvalet, München 2004. TB, 688 S.
bei
amazon kaufen: EUR 13,40
Der
Pfad im Schnee 
Pünktlich auf Jahr und Tag liegt uns Teil 2 der Japan-Fantasysaga
vor, die mit Das Schwert in der Stille
für so viel begeisterte Anteilnahme gesorgt hat. Während
Teil 1 gerade um den Deutschen Jugendliteraturpreis 2004 ringt,
haben Takeo Otori und Shirukawa Kaede verständlicherweise
völlig andere Sorgen: Er wird beim Stamm aufgenommen
und soll nach dem Willen der Meister zuallererst Gehorsam
lernen - bevor sein Herz verhärtet wird, um ihn für
die gleichgültige Grausamkeit seiner neuen Umgebung empfindungslos
zu machen. Kaede wiederum steht vor den Trümmern ihrer
heimatlichen Existenz und macht sich daran zu lernen, wie
ein Mann zu denken und zu handeln - denn sie hat vor, ihr
Erbe zu beanspruchen, und weiß um die nötige kalte
Entschlossenheit in ihr. Sie, nicht Takeo, hat den größten
Kriegsherrn der Drei Länder umgebracht
Im Stil stimmig weitergeführt, punktet Teil 2 mit den
bekannten Qualitäten: eine farbenprächtig und sinnlich
erzählte, actionreiche Geschichte, die überzeugend
ein feudales, mittelalterliches Japan vor unserem Auge entstehen
lässt. Die Story hingegen enttäuscht ein wenig,
denn letztlich werden die ganzen 400 Seiten zur Überbrückung
hin zu Teil 3, in dem sich dann die Prophezeiung erfüllen
wird. Ein in diesem Sinn typisches Mittelstück einer
- hochklassigen - Trilogie. Keinesfalls als Einzelroman zu
lesen.
Lian Hearn: Der Pfad im Schnee. Der Clan der Otori Buch
2. Carlsen, Hamburg 2004. Geb., 397 S.
bei
amazon kaufen: EUR 18,50
Imagon
Der Geophysiker Poul Silis wird zu einem riesigen Krater beordert
- mitten in der Eiswüste Grönlands. Sehr bald wird
deutlich, dass der Krater keinesfalls durch einen Meteoriteneinschlag
entstanden ist; vielmehr führt das Rätsel in unvordenkliche
Zeiten und offenbaren die Erde als Spielplatz äonenalter,
außerirdischer Rassen, deren Andenken in der mündlichen
Überlieferung der Inuit in Form eines Götterdämmerungs-Mythos
erhalten geblieben ist. Das Schicksal der Menschheit ist besiegelt
Michael Marrak packt Thriller, Mythologie, wilde Spekulation
und Science Fiction in eine aus meiner Sicht überfrachtete
Geschichte, der aufgrund der mangelnden Präzision der
Schilderung und einer Unzahl von kommentarlos eingestreuten
Fachausdrücken ein befriedigendes Maß an Lesefluss
und Verständlichkeit abgeht. Unnötig kompliziert,
im negativen Sinne verwissenschaftlicht und wenig bildhaft
scheitert der Autor daran, seine apokalyptische Vision nachvollziehbar
und glaubhaft zu vermitteln. Selbstverständlich fehlt
es dem Text mit dem roten Faden auch an der an selbigem aufhängbaren
Spannung. Andere erlebten dieses Buch hingegen als herausragenden
Science-Horror - die amazon-Publikumswertung ist hervorragend,
der Roman wurde mit dem Kurd-Lasswitz-Preis für den besten
Roman des Jahres 2002 ausgezeichnet. Ist eben Geschmackssache.
Michael Marrak: Imagon. Bastei Lübbe, Bergisch
Gladbach 2004. TB, 572 S.
bei
amazon kaufen: EUR 9,20
Das
Lied von Eis und Feuer 
Zugegeben - eine Neuerscheinung ist dieses Opus nicht und
hätte insofern keine Berechtigung, unter dieser Rubrik
zu erscheinen. Andererseits: für mich war es eine neue
Erscheinung. Und mein Wunsch, es Ihnen ans Herz zu legen,
ist nach dem Verschlingen von annähernd 4.000 Seiten
einfach zu drängend geworden, um die bisher 6 Bände
direkt an jenen Ort zu stellen, wo sie eigentlich hingehörten:
Best of Fantasy.
"Die vielleicht beste epische Fantasy überhaupt!"
wird Marion Zimmer Bradley, Autorin der "Nebel von Avalon"
und zahlreicher anderer guter Schmöker, auf jedem der
Bände zitiert. Bis auf das "vielleicht" ein
unbedingt zitierwürdiger Satz. Das Lied von Eis und
Feuer, die in erster Linie historisierende und erst in
zweiter magisch-mysteriöse Geschichte um die sieben Königslande
von Westeros und das "Spiel der Throne", sprüht
vor Ideen, prunkt mit sprachlichen Bildern voller Macht und
Einfallsreichtum, überzeugt sprachlich (auch in der Übersetzung)
und ist in Besorgnis erregendem Ausmaß spannend, ja
Lesesucht erzeugend. Dem Fortschreiten dieser Bücherseite
hat es nicht wirklich gut getan - etwas anderes zu lesen kam
die letzten Wochen einfach nicht in Frage.
Es
kommt einer Folter gleich: Quälend langsam schreitet
die Handlung voran, denn so viel ist von den einzelnen Ereignissen
zu berichten. Dies wiederum geschieht auf unnachahmlich packende
Weise. Und so verlieren wir uns in einer unermesslichen Detailfülle,
verstrickt in "Zeitgeschichte", und wollen mehr
und immer noch mehr erfahren, wissen wie es weitergeht
und müssen doch bald erkennen, dass genau da der Hund
begraben liegt. Es wird weitergehen - so ewig wie das Leben.
Ein Ziel gibt es nicht, nicht im Großen, nur für
die handelnden Personen, großteils Spielfiguren auf
dem Brett des Lebens, Marionetten ihrer Verknüpfung in
ihre eigene (Familien)-Geschichte. Das Ende, ja, das Ende
gibt es schon - für alle kommt es, eher früher als
später. Valar morghulis; alle Menschen sterben.
George R. R. Martin hat Leben erschaffen. So echt sind seine
Figuren, so fernab jeder einfachen Charakterisierung, dass
wir sie kennen, lieben und hassen lernen als wären sie
tatsächlich existent. Verzeihung: Sie sind existent -
Martins Leben ist wirklicher als das der meisten Menschen
auf diesem Planeten - eine Frage der Wahrnehmung. Sein Leben
wimmelt auf seinem Lebensspielplan, kleinlich mit sich selbst
beschäftigt, blind für die ewigen polaren Kräfte,
die es in die Zange nehmen. Wir Leser wissen ein wenig mehr,
haben eine etwas bessere Chance, den Überblick im Chaos
des Daseins zu bewahren, in dem sich all die vielen Spielfiguren
so unendlich wichtig nehmen. Einfach ist das wahrlich nicht.
Und vor allem: Das Leben endet nicht; die Bücher aber
schon. Mr. Martin kämpft dagegen an: 911 Manuskriptseiten
des nächsten Bandes sind fertig gestellt. Jetzt heißt
es also warten. Was das Leben so mit sich bringt.
George R. R. Martin: Das Lied von Eis und Feuer. TB,
Blanvalet-Verlag 1997-2002. Anm. zur dt. Ausgabe: Die amerikanischen
Originalausgaben sind in der Übersetzung in jeweils 2
Bänden erschienen.
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Band
1, Die Herren von Winterfell, 543 S., EUR
12,40
Band
2, Das Erbe von Winterfell, 477 S., EUR
11,90
Band
3, Der Thron der Sieben Königreiche, 542 S., EUR
12,40
Band
4, Die Saat des goldenen Löwen, 605 S., EUR
12,40
Band
5, Sturm der Schwerter, 701 S., EUR
12,40
Band
6, Die Königin der Drachen, 798 S., EUR
13,50
Der
rote Löwe 
Hans Burger macht sich im 16. Jahrhundert auf, den Stein der
Weisen zu entdecken - nicht um Gold zu erzeugen, sondern um
dem Kreislauf von Leben und Tod zu entrinnen. Er schlägt
alle Warnungen seines Meisters in den Wind, ja schreckt selbst
vor Mord nicht zurück um in den Besitz eines ominösen
roten Pulvers zu gelangen. Doch die Einnahme fordert einen
schrecklichen Preis: Fortan kann Hans sich in jedem neuen
Leben an alles Bisherige erinnern und schleppt seine entsetzliche
Schuld von einer Existenz in die Nächste.
Maria Szepes Romanerstling aus dem Jahre 1946 gilt als ihr
bestes Buch und fand Aufnahme in die Heyne-Bibliothek "Meisterwerke
der Fantasy". Der darin beschriebene Erkenntnisweg gerät
allerdings zur ausgedehnten Ermüdung - zündende,
packende Ereignisse sind selten und wenn doch vorhanden in
altbackenem Schwulst bis zur Wirkungslosigkeit erdrückt.
Als Fantasy-Schmöker solcherart untauglich, vermag das
Werk auch als philosophische Abhandlung keinesfalls zu überzeugen;
mit Formulierungen wie "schmutziger Astral-Gischt"
oder "als sie meiner unablässigen Furcht gewahr
wurde, die sich unter ihrem magischen Streicheln nur für
kurze Zeit legte, beschaffte sie durch das feine Instrument
ihrer eigenen Seele irgendwo aus dem Akasha das Geheimnis
des ,Schutzmantels'" macht sich Szepes nachgerade zur
Ahnfrau einer esoterischen Diktion, die ob ihrer nebulos-verschleiernden,
dabei jedoch pathetischen Ausdrucksweise nachhaltig in Verruf
geraten ist.
Mária Szepes: Der rote Löwe. Heyne TB,
überarb. Neuausgabe 2. Aufl. München 2003. 686 S.
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