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© Mag. Helmuth Santler

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Neuerscheinungen: Science Fiction und Fantasy - und was SIE davon halten

Irgendwo ganz anders
Thursday Next führt ein friedliches Familienleben, mit ihrem endlich aus der Nichtung befreiten Ehemann Landen und ihren Kindern Friday, Tuesday und Jenny. SpecOps gibt es nicht mehr, dafür ist der Swindoner Bedarf an Bodenbelägen kaum zu decken, weshalb ihre Teppichfirma Acme Carpets floriert…
Halt, halt. Thursday ist in Wahrheit meist irgendwo ganz anders - in der BuchWelt nämlich, wo sie verbotenerweise weiterhin als Jurisfiktion-Agentin tätig ist. Acme Carpets ist nur eine Tarnung für die Fortführung der SpecOps-Aktivitäten. Und spätestens als Thursday 1–4, die schießwütige Heldin aus den ersten Thursday-Next-Romanen, als Jurisfiktion-Azubi für Ärger sorgt, die Goliath Corporation ganz nahe dran ist, auch in die BuchWelt reisen zu können und ihr übelriechender Teenager-Sohn Friday plötzlich beschließt, nicht mehr der ChronoGarde beitreten zu wollen, obwohl er doch deren Generaldirektor sein wird, sind wir mitten drin im Ffordiversum wie wir es kennen und lieben. Die brennendsten Probleme: der Abbau des seit neuestem gesammelten und aktuell durch die Decke gehenden DummheitsÜberschusses durch eine wirklich saublöde Regierungsentscheidung, die aber dennoch kein übermäßig großes Vernichtungspotenzial aufweisen sollte; die ständig sinkende Zahl an Buchlesern; und die bevorstehende rückwirkende Auslöschung der Geschichte, sollte es der Chronogarde nicht doch noch gelingen, vor dem Ende der Zeit tatsächlich das Zeitreisen zu erfinden.
Kenner der Kultreihe dürfen sich wieder an unzähligen Anspielungen, Verarschungen und Selbstverarschungen, Skurrilitäten und Absonderlichkeiten Marke Fforde erfreuen – in gewohnter Qualität, eine Spur weniger originär, dafür noch verspielter im Umgang mit dem selbst erschaffenen Ffordiversum. Für Erstkontakte mit selbigem jedoch völlig ungeeignet.
Jasper Fforde: Irgendwo ganz anders. dtv, München 2009. Tb., 412 S.

Hex
Kai Meyers vor 11 Jahren erstmals erschienener UFO-Roman wurde heuer neu aufgelegt. Damit ist leider auch schon ziemlich alles gesagt, soweit es das Neue betrifft. Kai Meyer versteht es, spannend zu erzählen, Kai Meyer tut sich ein bisschen schwer, seine Figuren plastisch und plausibel zu gestalten, Kai Meyer steigert die Dramatik hervorragend und lässt einen am Ende mit einer wirren, unausgegorenen Nicht-Auflösung im Regen stehen.
So ist es mir zumindest bei allen vier Büchern ergangen, die ich von diesem Autor gelesen haben, und die immerhin eine Zeitspanne seines Schaffens von fast 20 Jahren umfassten.
Hex bildet, wie gesagt, keine Ausnahme. Nach einem Intro im frühen 16. Jh. spielt sich die Handlung in den 1920er Jahren ab - Berlin ist durchgeknallt, Luftschiffe fliegen nach Grönland, Dänen und Norweger streiten sich und reichlich faschistoide Geheimbünde treiben ihr mysteriöses Unwesen. Mitten drin ist das Hex, die Abteilung für ungeklärte Kriminalfälle vulgo deutsche Akte X-Dependance. Ganz ok zum Zeitvertreib.
Kai Meyer: Hex. Bastei-Lübbe, Bergisch-Gladbach 2008. Tb., 333 S.

Kinder der Drohne
Eine Forscherin wird schwanger, bringt Vierlinge zur Welt und begeht nach der Entbindung Selbstmord. Während die Kinder aufwachsen, zeigt sich, dass sie alles andere als gewöhnlich sind; es scheint eine Verbindung zu einem mysteriösen kosmischen Objekt zu geben, in dessen Nähe die Zeugung erfolgte. Die Raumstation, in der das in vier Teile aufgespaltene Objekt aufbewahrt und studiert wird, befindet sich in einem Orbit über Sudoria, einem von zwei Aussiedlerplaneten, die sich in einem permanenten Kriegszustand befanden, bis Sudoria Brumalia mit so genannten Hilldiggern (so auch der Originaltitel des Romans) in ein quasi vorindustrielles Zeitalter zurückbombte.
Die Atmosphäre ist alles andere als entspannt, als McCrooger eintrifft, um für die irdische (von KIs geleitete) Planetenföderation erste diplomatische Kontakte zu knüpfen.
Neal Asher, ein ausgesprochen produktiver britischer SF-Autor, hat mit den Kindern der Drohne sein bisher wahrscheinlich bestes Buch vorgelegt. Die galoppierende Fantasie und die verzwickten Plots früherer Arbeiten sind geblieben, ein strukturierterer Aufbau, stimmiger gezeichnete Figuren und insgesamt mehr Stringenz in der Durchführung sind hinzugekommen. Da er bei all dem den Gesetzen des Genres treulich folgt, ist das Ergebnis dennoch nicht für die Allgemeinheit tauglich, sondern nur für Freunde spannender SF auf etwa 70% Asimov-Level zu empfehlen.
Neal Asher: Kinder der Drohne. Bastei-Lübbe, Bergisch-Gladbach 2008. Tb., 590 S.

Tiger Eye
Die Story: Dela findet auf dem Dreckmarkt in Peking eine geheimnisvolle Schatulle. Nach dem Öffnen entsteigt ihr der Krieger Hari, dessen Augen Dela an einen Tiger denken lassen. Im wahrsten Sinn des Wortes zähneknirschend raufen die beiden sich zusammen – denn auch Haris Gegner hat den Sprung in unsere Welt geschafft... Ideologische Versatzstücke des Fantasy-Genres werden hier recht ordentlich aufpoliert und die Autorin gewinnt diesen sogar neue Seiten ab. Ein weiteres Plus stellen die höchst lebendigen Charaktere dar, sie wirken glaubwürdig und sympathisch. Bei diesem Werk störte mich trotzdem einfach etwas: hier wird mir als Leserin eine romantische, angeblich an Gleichberechtigung interessierte Liebesgeschichte verkauft, die aber dennoch in allen sexuellen Details für den männlichen Part schwelgt. Wenn die neue Haltung zur Emanzipation darin bestehen soll, dass die Frau dem Mann auf jede erdenklich Art Vergnügen bereitet, im Gegenzug aber ihre Sinnesfreuden gerade mal drei Zeilen wert sind, dann verzichte ich sehr gerne! Das ist bei diesem Buch besonders ärgerlich, denn die Story ist flott erzählt und strotzt vor pfiffigen Einfällen, die mich sogar über ein paar unlogische Brüche haben hinwegsehen lassen. Fazit: ein Erstling, der auf weitere Bücher und etwas mehr Geduld seitens des Lektorates hoffen lässt. (Anne Artner)
Marjorie M. Liu: Tiger Eye. Blanvalet, München 2007. Tb., 448 S.

Schattenfall
Wieder einer der Klone von J.R.R. Tolkien. Bemüht, aber gut gemeint ist leider auch in diesem Fall das Gegenteil von gut. Auf Seite 200 habe ich dieses Machwerk weggelegt. Die Welt ist plastisch gezeichnet, jedoch sind die Figuren hölzern wie Versatzstücke und ihre Motive bleiben abstrakt und nicht nachvollziehbar, Andeutungen en masse dominieren das Geschehen. Schlachtenschilderungen schwelgen in detailverliebter Grausamkeit und das auf Kosten der Spannung. Es ist zu befürchten, dass der Autor sich auf seine eigene Klugheit bei den Erzählfäden verlassen hat – als LeserIn bleibt man verlassen! In diesem Fall finde ich die Schwafelei besonders ärgerlich: denn schreiben kann der Autor, aus mir unerklärlichen Gründen tut er es einfach nicht. Der Sinn fürs Wunderbare, wie die verstorbene Marion Zimmer Bradley es so schön genannt hat, ist in der Geschichte durchaus vorhanden, eigens erfundene Sprache(n) sowie Religionen inklusive. Schade. Die Story: die sagenhafte Welt Earwa voller Magie wird von allen Seiten bedroht. Im Reichsinnern planen die Hohenpriester einen Putsch und lange unterdrückte Völker stürmen an die Reichesgrenzen. Jedes Kapitel stellt eine andere Hauptfigur vor...
Fazit: Man glaube als kritische(r) LeserIn auf gar keinen Fall den Lobpreisungen des Verlages auf dem Einband! (Anne Artner)
R.Scott Bakker: Schattenfall. Der Krieg der Propheten 1. Klett- Cotta, Stuttgart 2006. Geb., 650 S.

Kinder des Judas
Als Großmeister der deutschen Fantasy gehypt, muss Markus Heitz mittlerweile hohen Ansprüchen gerecht werden. Aber wie schon bei seinem Werwolf-Zweiteiler Ritus und Sanctum vermag auch sein neuester Ausflug in die Dark Fantasy diesen hohen Erwartungen nur bedingt gerecht zu werden. Der Vampirroman hat originelle Anteile und spannende Momente, aber über weite Teile bleiben die Figuren ungreifbar und leblos (obwohl nicht alle Protagonisten untot sind...). Heitz lässt kein Klischee aus der Superhelden- und Fetischkiste aus, und das bisweilen aufblitzende Bemühen um einen Hauch von Selbstironie geht in der allgemeinen Plattheit der ganzen Geschichte kläglich unter. Ich kann Trash an sich viel abgewinnen, aber in der Regel nur wenn er mit Augenzwinkern serviert wird; doch gerade der Humor, der z.B. die Zwerge-Bände von Heitz auszeichnete, fehlt den Judaskindern wie er auch den Werwölfen gänzlich abgegangen ist. Trotz offensivem Ganzkörpereinsatz der – bildschönen, hyperintelligenten, geilst gebauten, übermenschlich schnellen und umfassend gebildeten – Heldin kommt aber auch keine erotische Stimmung auf; einfach zu uncharmant.
Immerhin: Der Band ist super gestaltet – und demnächst erscheint Heitz vierter Zwerge-Band...
Markus Heitz: Kinder des Judas. Knaur, München 2007. Tb., 702 S.

Avala. Die Zeit des Adlers
Neues von der mehrfach ausgezeichneten Jugendbuchautorin: Die Geschichte einer jungen Frau, die sich eben nicht auf ihren Lorbeeren als "Auserwählte" ausruht, sondern freiwillig zu ihren Feinden als deren Heilerin zurückkehrt. Avalas Vater hat dem Reichtum und den Wundern seiner Heimatstadt entsagt, um mit den Unterdrückten und Avalas Mutter zu leben. Sein Verhalten ist bei seinem neuen Volk sprichwörtlich geworden, denn er hat die letzte Angriffswelle nicht überlebt. Avala versteht schon als sehr junges Mädchen, dass sie als Kind zweier an und für sich verfeindeter Völker die Aufgabe haben wird, hier Frieden zu schaffen. Nicht nur gegen die Spötter und Skeptiker muss sie sich zu Wehr setzen, sondern auch gegen ihre eigenen Zweifel und Ängste, die ihre Aufgabe fast unmöglich gestalten. Doch durch ihre Arbeit als Heilerin lernt sie, diese zu bezähmen – und der Pflegesohn des Häuptlings scheint ihr nicht nur aus purem Pflichtgefühl so emsig überallhin zu folgen...
Eine wirklich schöne, kraftvolle Geschichte über "rites des passages", über Versöhnung und den Wert der Freundschaft. Wie Avala mit sich ringt und sich dann immer wieder überwinden kann, ist sehr gut dargestellt und verleiht ihrem Tun einen zusätzlichen Reiz.
Fazit: Für LiebhaberInnen des Fantasy-Genres von 12-99. Lesen! (Anne Artner)
Sherryl Jordan: Avala. Die Zeit des Adlers. Sauerländer 2007. Geb., 424 S.

Shadowmarch: Das Spiel
Tad Williams Qualitäts-Fantasyschmiede hat endlich ausgeliefert, das Abenteuer um Prinzessin Briony (auf der Flucht), ihren Zwillingsbruder Barrick (im Schattenland), deren Vater (immer noch in Gefangenschaft), den verräterischen Tollys (fläzen sich am Südmark-Thron), dem Funderling Chert (nimmt den verzweifelten Ex-Hofarzt Chaven bei sich auf), Qinnitan (gejagt von einem Weißen Hund) und Hauptmann Vansen (landet bei Kernios, dem Erd- und Todesgott) geht nahtlos weiter. Vielschichtig und ausufernd detailreich wird die packende, intensive Saga fortgeführt. So mancher Handlungsverlauf bleibt unklar, was aber von einem 2. Band einer Tad-Williams-Trilogie auch nicht anders zu erwarten ist. Sprachlich ungemein hochstehend (und prächtig ins Deutsche übertragen von Star-Übersetzerin Cornelia Holfelder-von der Tann) wird ein gänzlich einzigartiges Panorama ausgebreitet, angereichert mit zahlreichen Elementen, die man so noch nie gelesen hat. Hochklassig in absolut jeder Hinsicht: Sowohl spannungs- und abenteuersüchtige Fantasy-Verschlinger als auch Literaturfreunde, die auf ihr Recht pochen, literarische Texte und Unterhaltungswert in einem zu bekommen, kommen voll und ganz auf ihre Rechnung.
Aber Achtung: Dieser 2. Teil ist ohne Kenntnis des ersten Bandes Shadowmarch: Die Grenze nicht lesbar.
Tad Williams: Shadowmarch: Das Spiel. Klett-Cotta, Stuttgart 2007. Geb., 815 S.

Lila Black 02
Tja, schade drum. Was mit Band 1 ziemlich verheißungsvoll begann, ist ganz schnell zur feuilletonistischen Maniriertheit verkommen. Band 2 habe ich in etwa zur Mitte hin aufgegeben, als mir die schier endlosen Beschreibungen wabernder Äther-Schlieren zum Hals heraus hingen – zumal bis zu diesem Zeitpunkt an Story mehr oder minder gar nichts geschehen war (Lila soll herausfinden, was mit ihrem Liebhaber, dem Dämonenelfen Zak, wirklich passiert ist; 200 Seiten später sind wir der Antwort auf diese Frage nicht einen Buchstaben näher gekommen, geschweige denn dass irgendwelche anderen Szenarien in Gang gesetzt worden wären).
Anders gesagt: Habe ich mir in Band 1 noch "griffigere Beschreibungen" gewünscht, so hilft das leider in Band 2 keinen Deut mehr weiter. Genau die nebulosen, Seiten ohne Bilder oder Inhalt füllenden Anteile haben sich wie ein Krebsgeschwür verbreitet und die Oberhand gewonnen.
Justina Robson: Lila Black 02. Unter Strom. Blanvalet, München 2008. Tb., 448 S.

Feuervolk
Der Namenlose, dessen düstere Gefolgschaft ständig wächst, steht bereit, die Welt ins Chaos zu stürzen und alles niederzuschmettern, was ihm in die Quere kommt. Nur eine kann ihn aufhalten: das junge und außergewöhnliche Mädchen Maddy, in dessen Feuermal auf der Hand große Macht verborgen ist. Wird sie mit Hilfe ihres geheimnisvollen besten Freundes, „Einauge“ genannt, die Welt retten können? Und wem kann sie überhaupt vertrauen?
Ich finde dieses Buch ist ausgezeichnet gelungen, da man bis zur letzten Seite mitfiebert und man sich sicher selbst in einem der Charaktere wiederfindet. Joane Harris schreibt locker und dennoch bewegend. Ein toller Fantasy-Roman, bevölkert von zahlreichen Göttern und erfüllt von Magie, der es bis zur letzten Seite spannend macht. (Lena Turek, 13)
Joanne Harris: Feuervolk. cbj, München 2007. Geb., 542 S.

Der Elfenlord
Zwei Jahre ist es her, dass Henry das letzte Mal Kontakt zum Elfenreich hatte. Doch plötzlich steht sein Freund und Elfenprinz Pyrgus vor seiner Tür und bittet ihn um Hilfe, da das Elfenreich vom geheimnisvollen Zeitfieber befallen wurde, das die Betroffenen rapide altern lässt. Auch Mr. Fogarty ist infiziert! Dessen Zustand ist ernst, doch weigert er sich hartnäckig, das Elfenreich zu verlassen und sich in der Gegenwelt in Sicherheit zu bringen.
Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt. Kann Henry Mr. Fogarty und auch das ganze Elfenreich retten?
Mir hat das Buch nicht so sehr wie die drei Vorgänger gefallen, doch trotzdem ist es äußerst spannend und lesenswert. Ein rasanter Fantasy-Roman für Jung und Alt, nicht nur für Brennan-Liebhaber geeignet. (Lena Turek, 13)
Herbie Brennan: Der Elfenlord. dtv, München 2007. Tb., 396 S.

Lila Black 01
Lila ist ein Cyborg: Nach einer beinahe tödlichen Begegnung mit elfischen Geheimagenten blieb sie als blutender Torso zurück. Jetzt, um künstliche Intelligenz, einen Atomreaktor und waffenstarrende Highest-Tech-Gliedmaßen erweitert, ist sie selbst eine Agentin. Ihr erster Auftrag: Personenschutz von Zak, dem Elfen-Rockstar, dem die puristischen Bewohner der Elfensphäre an den Kragen wollen. Doch dahinter steckt ein noch viel größeres Geheimnis.
Justina Robsons neue SF-Fantasy-Reihe wurde allseits bejubelt und hat auch tatsächliche viele Qualitäten, angefangen bei ihrer innovativen Ausgangssituation, die klassische Fantasy (Elfen, Feen, Dämonen, Elementarwesen) überzeugend mit Science Fiction in Gestalt der übermenschlichen, halbkünstlichen Lila Black als Repräsentantin der ganzen, technikhörigen Menschheit verwebt. Weitere Pluspunkte: Coole, zeitgeistige Sprache, ein komplexer (stellenweise komplizierter) Plot, jede Menge Action und als Fundament all dessen die Andeutung einer Philosophie der Vielfalt, in der es für Technik, Spiritualität, unterschiedlichste Rassen und Lebensentwürfe Raum gibt.
Ich hätte mir beim Lesen mitunter gewünscht, noch griffigere Schilderungen und Beschreibungen geliefert zu bekommen, aber abgesehen davon ist Lila Black 01 der Auftakt einer viel versprechenden Saga mit sehr großem Potenzial; wie lange die Verfilmung wohl auf sich warten lassen wird?
Justina Robson: Lila Black 01. Willkommen in Otopia. Blanvalet, München 2007. Tb., 414 S.

Die Goblins
Die Tolkiensche Fantasywelt mit Elfen, Zwergen, Orks und Co. wird ja bereits seit einigen Jahren nach Kräften mit jeweils eigenen Fantasy-Buchreihen ausgeschlachtet – sehr zum Vergnügen der stets nach neuen, genregerechten Geschichten hungrigen Leserschaft. Markus Heitz Zwerge-Trilogie ist z.B. überaus gelungenes, unterhaltsames, spannendes und mit Raffinesse gestricktes Lesefutter. Auf diesen Zug versucht auch Jim C. Hines aufzuspringen, der sich allerdings in Ermangelung noch unbesetzter brauchbarer Figuren einer Spezies angenommen hat, die bei Tolkien meines Wissens nicht vorkommt - der "Goblins". Das ist das englische Wort, mit dem z.B. Joanne Rowling die Kobolde von der Zaubererbank Gringotts bezeichnet. Hines Goblins sind ganz anders – kleine, schwächliche und absolut unorganisierte Höhlenbewohner, die rein gar nichts Heldenhaftes oder merklich Cleveres an sich haben. Ansonsten sind alle üblichen Verdächtigen vorhanden: ein paar ruhmsüchtige Menschen, ein Zauberer, ein Drache, ein Zwerg, eine Elfe. Die Story, eine klassische Queste, dreht sich um ein ungeheuer mächtiges magisches Artefakt. Der unfreiwillige Goblin-Held Jig tritt an die Stelle der Hobbits – denen ja auch niemand etwas zutraut, vor allem nicht sie selbst, und die es doch verstehen, über sich hinaus zu wachsen.
Die Ausführung ist tadellose, mit Humor versetzte, 100 % genretreue Fantasy. Ohne Pathos oder epischen Tief- oder Breitgang, wird dieses Buch wohl kaum merkbare Spuren hinterlassen, ist aber ein echtes Lesevergnügen, das Fans der Gattung jederzeit zum Konsum empfohlen ist. Großes Plus der Sache: Obwohl derzeit Band 3 im Entstehen ist, ist Teil 1 der Goblin-Saga eine wirklich abgeschlossene Geschichte.
Jim C. Hines: Die Goblins. Bastei-Lübbe, Bergisch-Gladbach 2007. Tb., 350 S.

Harry Potter und die Heiligtümer des Todes
Als der Abschlussband der sagenhaft guten Harry-Potter-Reihe erschienen war (die Originalausgabe), habe ich natürlich alles stehen und liegen lassen und mir die Krönung des Werks mit brennenden Augen vor lauter Schlafmangel in kürzest möglicher Zeit verabreicht. Dabei hatte ich mir fest vorgenommen, wenigstens dieses eine Mal langsam und mit Genuss zu lesen. Ging einfach nicht.
Im Anschluss daran fand ich einen anderen Weg zu maximiertem Hogwarts-Erlebnis: Ich begann ganz von vorne, beim Stein der Weisen bzw. Philosopher's Stone und dann alle Bände noch einmal; den Half-Blood-Prince (Halbblutprinz) hatte ich ja ohnedies erst ein einziges Mal verschlungen. Und zuletzt Band 7 ein zweites Mal, mit allen Details und raffinierten Wendungen frisch im Gedächtnis.
Mir ist zu Ohren gekommen, dass gar nicht so wenige Fans der Buchreihe nach dem Tod von Albus Dumbledore im 6. Band keine Lust mehr auf das Finale haben sollen; nun, die deutsche Ausgabe wird nichtsdestotrotz eifrigst bestellt (Nr. 1 bei amazon seit Wochen), natürlich, aber speziell an diese bedauernswerten verirrten Seelen gerichtet sei gesagt: Ihr glaubt wirklich, ihr habt schon alles an Spannung, Dramatik, Trauer, Schmerz und Glück erlebt, was Mrs. Rowling auf Lager hat? Nein, das habt ihr nicht. Es wird noch viel ärger als sich das irgendjemand vorstellen kann. Und selbst falls zwischenzeitlich das Gefühl auftauchen mag, dass die Kameraden Glück und Zufall womöglich eine Spur zu häufig mitspielen - stimmt nicht. Frau Rowling hat uns nicht zu viel versprochen: Sie wusste wirklich von der ersten Zeile weg, wie alles abzulaufen hat. Und hat es meisterlich und unnachahmlich umgesetzt. Macht bloß nicht den Fehler (wie ich), euch kurz nach dem Lesen eines Bandes die Verfilmung anzusehen. Schlapp, schlapp, schlapp, alle miteinander. Mit einem Jahr Abstand gehts dann vielleicht wieder... Wer das nicht liest, den bestraft das Leben (in Form von Buchbesprechungen, die die Auflösung verraten).
Joanne K. Rowling: Harry Potter und die Heiligtümer des Todes. Carlsen, Hamburg 2007. Geb., 736 S.
Joanne K. Rowling: Harry Potter and the Deathly Hallows. Bloomsbury, London 2007. Geb., 607 S.

Die Tödlichen
Der dritte Streich von Kristine Kathryn Rusch und die Geschichte wiederholt sich. Nicht die von Rusch erzählte, sondern die katastrophale Umsetzung in der deutschen Übersetzung. Wie gewohnt in dieser weit unter Wert verkauften SF-Krimi-Reihe ist unter dem unpassend reißerischen Titel (im Original heißt das Buch schlicht "Consequences") ein Bild zu sehen, das an Perry Rhodan in der schlimmsten Form erinnert und rein gar nichts mit dem Inhalt zu tun hat. Und in schlechtester Tradition steht auch auf der hinteren Umschlagseite irgendwas; selbst nach drei Bänden hat es sich offenbar nicht bis zu den lieb- und gedankenlosen verantwortlichen Redakteuren herumgesprochen, dass Serienheld Miles Flint weder Kopfgeldjäger noch Privatermittler, sondern ein so genannter Lokalisierungsspezialist ist.
Wirklich schade, wenn die Verpackung so gar nicht dem Inhalt angemessen ist. Zum Buch selbst ist zu sagen: Im großen und ganzen gewohnte Qualität, wenn der Text auch merklich zäher als die beiden ersten ausgefallen ist. Der Plot wirkt lange Zeit etwas überkonstruiert, und auch wenn schlussendlich alles tadellos aufgelöst wird, hält sich die Spannung in Grenzen.
Ganz kurz zur Story: Rätselhafte Auftragsmorde geschehen, und von einem ist Miles Flint letzte Kundin betroffen. Zugleich findet eine Konferenz in der Mond-Kuppelstadt Armstrong statt, die über die Aufnahme eines neuen Planeten in die Erdallianz beraten soll. Dort haben ehemalige Rebellen nach Jahrzehnten des Bürgerkriegs das Ruder übernommen - und die Tote hat an deren Seite gekämpft...
Kristin Kathryn Rusch: Die Tödlichen. Bastei-Lübbe, Bergisch-Gladbach 2007. Tb., 463 S.

Die Lautlosen
Neues vom frisch gebackenen Lokalisierungsspezialisten Miles Flint - und auch seine Ex-Kollegin von der Polizei, DeRicci, ist wieder mit von der Partie. Oder eigentlich im Zentrum des Geschehens, denn als statt der üblichen Kalamitäten beim (faszinierend beschriebenen) Mond-Marathon ein Mensch gleich ultimativ auf der Strecke bleibt, bekommt sie es mit einem immer komplizierter werdenden Fall zu tun. Es dauert eine Weile, doch dann wird klar: Eine berüchtigte, verschollen geglaubte Virologin muss irgendwie ihre Hand im Spiel haben. Und wenn es etwas gibt, was den Bewohnern einer Mond-Kuppelstadt den nackten Angstschweiß auf die Stirn treibt, ist es ein biologischer Kampfstoff innerhalb ihrer künstlichen Welt...
Klasse gestrickt, überzeugend dargebracht, spannend bis zum Schluss!
Kristin Kathryn Rusch: Die Lautlosen. Bastei-Lübbe, Bergisch-Gladbach 2007. Tb., 445 S.

Die Rückkehr der Orks
Der stämmige Rammar und sein elendslanger Bruder Balbok werden in Geschehnisse gezogen, die sie zwingen, sich gegen ihre Natur in weiterer Folge sogar mit den Todfeinden der Orks, den Menschen und Elfen zu verbünden - so stolpern sie von einem haarsträubenden Abenteuer in das nächste; Ähnlichkeiten der beiden mit „Dick und Doof“ sind gewiss überhaupt nicht beabsichtigt und rein zufällig... Aber wie die zwei sich jedes Mal aus der Affäre ziehen bzw. winden, ließ mich einige Male laut lachen. Die zwei sind, was sie sind: zwei Haudraufs, die doch intelligenter sind, als sie erscheinen mögen. Das macht sie sympathisch.
Neben einer gut durchdachten Geschichte und jeder Menge ironischem Augenzwinkern besticht dieses Werk auch durch die vom Autor, im Fantasy-Genre keineswegs ein Unbekannter, kreierte Orksprache mit exaktem Vokabularium und Einblicken in das tägliche Leben der wilden Orks, einschließlich eines Rezeptes für das Lieblingsgericht der Orks, den „Bru-mill“ (=„Magenverstimmer“). Hier zeigt sich die Liebe des Autors zum Detail, wie auch in den Kampfesschilderungen, was für 300-Geschädigte wie mich ein zusätzliches Plus darstellt.
Fazit: unterhaltsam, amüsant und clever, für FantasyliebhaberInnen von 12-99. (Anne Artner)
Michael Peinkofer: Die Rückkehr der Orks. Piper, München 2006. Tb., 480 S.

Der Schwur der Orks
Wow! Ein Nachfolgeband, der sich als noch rasanter, spannender und ironischer präsentiert als der Vorgänger. Aber offensichtlich hat der Autor mit den Orks noch so einiges vor...
Rammar und sein Bruder Balbok haben die Abenteuer aus dem 1. Band gut überstanden und gerade fängt das süße, faule Leben an, ihnen auf die Nerven zu fallen, als ihre alten Weggefährten sie zu sich bitten: Der Auftrag - die Rettung der Welt - entpuppt sich als Himmelfahrtskommando und die beiden Orks tun, was sie am besten können und ihnen am meisten Spaß bereitet: Sie sind einfach sie selbst. Als die Lage schon hoffnungslos erscheint, schließt sich ihnen ein dritter Ork namens Ankluas (= Einohr) an. Aber auch er kocht sein eigenes Süppchen und bis zum Schluss bleibt den Brüdern unklar, was seine Mission sein wird.
Ich gestehe, ich habe diesen Band noch schneller „verputzt“ als den 1. und habe mich wirklich gut amüsiert. Egal, ob der Autor Seitenhiebe auf religiöse Institutionen oder gesellschaftliche Vorurteile anbringt, belehrend oder gar moralisierend wird er nicht. Auch das kämpferische Element kommt zum Zug, vielleicht sogar noch mehr als im 1. Band. Ein umfangreiches Glossar des Orkischen neben einem Rezept für „Blutbier“ findet sich im Anhang.
Fazit: noch besser als Band 1, mit noch mehr Orks! Nachdem der Band auch kurze Rückblenden enthält, könnte er auch ohne Vorwissen gelesen werden. (Anne Artner)
Michael Peinkofer: Der Schwur der Orks. Piper, München 2007. Tb., 550 S.

Zeit aus den Fugen
Was haben Minority Report, Blade Runner, Total Recall, Paycheck und A Scanner Darkly (Der dunkle Schirm) gemeinsam? Die Antwort ist ein Name: Philip K. Dick. Dieser us-amerikanische SF-Autor zählt zu den größten Visionären des 20. Jahrhunderts — und die zuvor aufgelisteten Verfilmungen auf der Grundlage einiger seiner Stories und Romane machen deutlich, dass Dick es immer wieder geschafft hat, tiefgründige, meist eher düstere und gesellschaftskritische Utopien zu erschaffen, die gleichwohl genügend spannende und actionreiche Elemente enthalten, um auch auf einer unterhaltenden Ebene zu funktionieren.
In der Heyne-Tb-Edition von Dicks Arbeiten findet sich so manche weitere, von Hollywood noch unentdeckte Perle. Im Fall von Zeit aus den Fugen fragt man sich, wie diese Vorlage noch nicht verfilmt worden sein kann. Der Stoff, aus dem intelligente und spannende, zum Nachdenken anregende SF geschnitzt wird, ist jedenfalls eindeutig vorhanden.
Gedanken zu faschistoiden Staatsmodellen, perfekter Überwachungstechnik und Einschränkung persönlicher Freiheiten ziehen sich durch Dicks gesammelte Werke. In Zeit aus den Fugen (erschienen 1959 als Time Out Of Joints) kommt ein aktuelles Element hinzu: Die fragile, trügerische Idylle des US-Kleinstadtlebens in den 1950er Jahren. Held der Story ist Ragle Gumm, der eine ebenso seltene wie seltsame Begabung zu seinem Lebensinhalt macht: Er ist der unumstrittene König eines landesweiten Zeitungswettbewerbs, bei dem es gilt, Ort und Zeit des nächsten Erscheinens eines "kleinen grünen Männchens" zu erraten. Sein biederer, routinierter Tagesablauf im biederen, routinierten gesellschaftlichen Umfeld erhält jedoch bald erste Schrammen durch unerklärliche Vorfälle; rasch wird deutlich, dass etwas ganz und gar nicht stimmt — nicht mit der Stadt, nicht mit den Menschen um ihn und nicht mit der Zeit.
Was das sein könnte ist das bis zum Ende überzeugend durchgehaltene Spannungsmoment und wird hier selbstverständlich nicht verraten. Nur so viel: Die Truman-Show verblasst, 40 Jahre später entstanden, kläglich dagegen. Lesens- und verfilmenswert.
Philip K. Dick: Zeit aus den Fugen. Heyne, München 2002. 288 S.

Der Ruf des Reihers
Der Abschlussband der Japan-Fantasy-Reihe von Lian Hearn setzt 16 Jahre nach dem Ende von Band 3 an. Otori Takeo und Kaede regieren gemeinsam die drei Länder, die dank des Gleichgewichts der Kräfte in Frieden aufgeblüht sind. Doch der Erfolg des Otori-Clans spricht sich herum und ruft Neider auf den Plan; sogar der mythische Kaiser im Fernen Osten selbst will wissen, woran er ist.
Der letzte Band der Reihe bleibt im Trend: Immer weniger Handlung auf immer mehr Seiten; nie gelang es der Autorin, dem von ihr selbst beschworenen Zauber von Band 1 wirklich noch einmal gerecht zu werden. Im Abschlussband geht es über 600 Seiten um nichts anderes als Intrigen und politisches Geplänkel, und wer die vorangegangenen Teile nicht sehr präsent hat, wird sich leicht im Dickicht der schwer eingängigen Namen verlaufen.
Trotzdem liest sich das Ganze nicht schlecht - schreiben kann Frau Hearn. Und außerdem, wenn man schon drei Bände gelesen hat... Nach drei Viertel der 800-Seiten-Schwarte wirds dann auch endlich so etwas wie spannend und fantasymäßig. Na ja; eindeutig nur für Fans der ersten drei Teile.
Lian Hearn: Der Ruf des Reihers. Der Clan der Otori 4. Carlsen, Hamburg 2007. Geb., 798 S.

Das Rätsel der Drachen
Ein heftiger Sturm verschlägt den Kaufmann Khandir auf die unzugänglichen Dracheninseln, von wo er mit dem kleinen Mädchen Sylat zurückkehrt. Sylat umgibt etwas Geheimnisvolles; sie spricht fast nie, weiß dennoch fast alles und verfügt trotz ihrer schmächtigen Gestalt über ungeheure Körperkräfte sowie die Gabe des Heilens.
Ihr Wahlvater heiratet wieder und nacheinander kommen Kinder auf die Welt; eine ganz besondere Verbindung besteht zwischen Sylat und Pachiro, dem Erstgeborenen. Zugleich entspinnt sich die Geschichte eines Furcht erregenden Feuerdämons, der seit Jahren in der Stadt umgeht und Menschen ermordet; die Opfer sind jedoch stets von Schuld beladen. Sylat und Pachiro beschließen, dem Dämon auf die Spur kommen zu wollen...
Recht originelle Drachenfantasy in jugendlichem Tonfall, angenehmer Lesestoff. Die Spannung leidet etwas darunter, dass das "große Geheimnis" von Sylat gar bald erraten ist und es dann bis zum Ende des Buches dauert, bis der Geschichte wirklich neue Seiten abgerungen werden. Urlaubslektüre für zwischendurch, für Freunde fantasievoller, nicht zu anspruchsvoller Fantasy.
Evelyne Okonnek: Das Rätsel der Drachen. Ueberreuter, Wien 2007. Geb., 351 S.

Es ist was faul
Thursday Next ist wieder da! Nach mehr als zwei Jahren in der BuchWelt beschließt die Literaturagentin von Special Operations, dass es für sie und ihren ausschließlich Blindtext sprechenden Sohn Friday höchste Zeit ist, das wirkliche Leben von neuem zu erkunden. Außerdem ist ihr Ehemann noch immer genichtet - ob die tätige Reue ihres Erzfeindes, der Goliath Corporation, helfen kann? Und wie konnte die fiktionale Figur Yorrick Kaine bloß zu Englands Staatskanzler werden - und aus welchem Buch stammt sie überhaupt? Wie beruhigend, dass ihr zeitreisender Vater ihr mitteilt, dass die Wahrscheinlichkeit für den nahenden Weltuntergang bei nicht mehr als 23 % liegt...
Nach dem leichten Durchhänger in Band 3 der Kultreihe ist Jasper Fforde und mit ihm Thursday Next wieder in Bestform. Anspielungen und Skurrilitäten prasseln nur so auf den Leser herein, und trotz allen Irrwitzes geschieht nichts zufällig, sondern folgt einer spannenden, ausgeklügelten Story. In der auch Hamlet, Prinz von Dänemark, eine Rolle spielt; sein Urlaub in der wirklichen Welt löst allerdings beinahe eine literarische Katastrophe aus...
Jasper Fforde: Es ist was faul. dtv, München 2006. 431 S.

Haus der Pein
Die Welt, wie wir sie kennen, existiert nicht mehr: Technik und Naturwissenschaften funktionieren nicht, längst ausgerottete Krankheiten wie die Pest erwachen wieder zum Leben und nachts bleiben die Menschen lieber in ihren Häusern, denn die Geister und Dämonen ziehen umher. Die Ärztin Caitlin arbeitet bis zur Erschöpfung, um den Sterbenden die letzten Augenblicke erträglicher zu gestalten. Auch ihre kleine Familie wird an der Pest zugrunde gehen, was Caitlin fast in den Wahnsinn treibt. Aber es liegt ausschließlich in Caitlins Händen, ein Heilmittel zu finden - dafür muss sie sich freiwillig ins Totenreich begeben. Dort ist der Aufenthalt für Lebende gefährlich und nichts darf vertraut werden. Ganz am Ende ihres Weges erkennt sie erst, wie groß ihre Liebe zu ihrem Mann und ihrem Sohn wirklich ist...
Ein furioser Mix aus mittelalterlichem „Aberglauben“, keltischen Sagenmotiven, garniert mit Weisheiten, was unser Leben erst lebenswert macht und so spannend, dass ich es in einem Zug „verputzt“ habe - wirklich gelungen. Anklänge an die Sage von Orpheus in der Unterwelt sind gewiss alles andere als zufällig. Interessant und beachtlich, was der Autor daraus gebastelt hat. Sehr positiv auch die Rolle der Heldin! (Anne Artner)
Mark Chadbourn: Haus der Pein. Die Rückkehr der Tempelritter 2. Blanvalet, München 2006. Tb., 500 S.

Drachenbrüder
Markus und Nem, die zwei ungleichen Zwillinge ziehen ins letzte Gefecht gegen den Drachen in Menschengestalt, Grald. Nem verhilft Markus zur Flucht aus der Stadt Drachenburg und erkundet Gralds Drachenhort. Markus und Evelina gelingt die Flucht zurück in Markus Heimat.
Währenddessen wälzt Drakonas, der Drache in Menschengestalt, eigene Pläne. Die Drachin Anora hat ganz besondere Aufgaben für das Drachenparlament: Mit Hilfe der Drachenmagie sollen die Menschen ein für alle mal unter die Knute der Drachen gezwungen werden...
Ein recht durchschnittliches Fantasy-Werk - von der sprühenden Leichtigkeit des ersten Bandes ist hier nicht mehr viel zu merken. Mir fehlen auch die „Innenschauen“ der verschiedenen Charaktere - das hat den ersten Band so schön werden lassen. Die unterschiedlichen Erzählfäden laufen zwar ordentlich zusammen, aber leider doch völlig vorhersehbar. Schade, das wäre gewiss mehr möglich gewesen. Durchschnittliche Fantasykost, aber recht appetitlich angerichtet. (Anne Artner)
Margaret Weis: Drachenbrüder. Das verbotene Land 3. Blanvalet, München 2007. Tb., 380 S.

Der Winterschmied
Neues von Kultautor Terry Pratchett bzw. seiner jüngsten Heldin, der Nachwuchshexe Tiffany Weh. Diesmal überfällt sie die Tanzlust, was bei einer 13-Jährigen an sich mehr als verständlich ist; schwierig wird die Sache deshalb, weil sie sich in den Tanz der elementaren Kräfte Sommer und Winter einmischt. Doch wenn der Winterschmied die Sommerfrau für sich will, wie soll sie dann ihre Arbeit erledigen? Versinkt die ganze Scheibenwelt im ewigen Eis?
Das Märchen ist schön zu lesen, hintersinnige Komik und kompletter Nonsens wechseln einander ab - Terry Pratchett eben. Das Buch ist aber nicht zu seinen ganz großen Würfen zu zählen. Für Fans des Meisters im Allgemeinen und der Junghexe bzw. der Größten im Besonderen dennoch uneingeschränkt empfehlenswert.
Terry Pratchett: Der Winterschmied. Manhattan, München 2007. Geb., 380 S.

Die Verschollenen
Ungeachtet der Groschen-SF-Covergestaltung, die zudem noch weniger als nichts mit dem Inhalt zu tun hat und sich insofern mit dem komplett schwachsinnigen und irreführenden Rückentext im Einklang weiß, ist dieser Roman ein blendend geschriebenes, durchgehend gut getimtes Stück intelligent unterhaltender Science Fiction.
Ich freue mich über diese Entdeckung, weil unter lauter gleich aussehenden Stücken Müll Perlen wirklich selten und vor allem schwer zu finden sind.
Die Story: In Zeiten interstellarer Handelsabkommen mussten die Menschen teilweise äußerst schmerzhaft lernen, welche kulturellen Abgründe sich zwischen den Welten auftun. Immer wieder geraten sie mit Gesetzen in Konflikt, von deren Existenz sie nicht ahnen konnten, begehen Verbrechen, die für sie keine sind; nichtsdestotrotz wird allen Rassen das Recht zugestanden, Vergehen nach ihrem jeweils eigenen Rechtsempfinden zu ahnden.
Die Strafen sind drakonisch, und um ihnen zu entgehen hilft nur das völlige Untertauchen: Verschwindedienste lassen sich gut bezahlen, um neue Identitäten zu erschaffen.
Die "Verbrechen" verjähren jedoch nicht, und auf einmal werden mehrere uralte Fälle wieder eingefordert; Detective Miles Flint soll dem Recht Geltung verschaffen. Er gerät in einen Gewissenskonflikt, besonders als er herausfindet, welche kapitalistischen Interessen hier buchstäblich über Leichen und Existenzen trampeln. Er muss sich zwischen Recht und Gerechtigkeit entscheiden.
Rusch schreibt spannend und immer "auf Zug", streut wohl dosierte Emotionalien ein und hat mich insbesondere mit den Beschreibungen der unterschiedlichen Rechtsauffassungen fasziniert. An welchem Punkt geht Toleranz in Selbstaufgabe über? Sich beugen in gebeugt sein? Integration in Demütigung? Rusch spricht reale, immer aktuelle Fragen an, bestens verpackt in eine stimmige, futuristisch-realistische Umgebung; more to come...
Kristin Kathryn Rusch: Die Verschollenen. Bastei-Lübbe, Bergisch-Gladbach 2006. Tb., 415 S.

Komet
"Seltsam" ist das Adjektiv, das mir nach der erfolgreichen Durcharbeitung des Romans der Engländerin Steph Swainston zuallererst in den Sinn kommt. Die hier erschaffene Welt ist wahrlich bizarr: Ein Land im Verteidigungskrieg gegen mannsgroße Insekten - und das seit 2.000 Jahren. Bevölkert wird Vierlanden von Menschen, Awianern (flügeltragenden, aber flugunfähigen Menschen) und sehnigen, unfassbar schnellen katzenartigen Rhydannern. Magie kommt insofern ins Spiel, als der Imperator seine Unsterblichkeit mit den Auserwählten des Kreises teilt - die jeweils Besten eines Fachs.
Der schnellste von allen ist Komet Jant Shira, weshalb er zum unsterblichen Kurier ernannt wurde. Aus seiner Perspektive wird die Story erzählt. Er ist außerdem ein Junkie, der sich durch Überdosen von Kat nach "Andernort" begeben kann, das endgültig Alice im Wunderland auf Crack zu sein scheint.
Eine Flut ungewohnter, manchmal durchaus gelungen-suggestiver Bilder, frische Perspektiven auf ein traditionsbewusstes Genre - so weit, so gut. Der Erzählfluss ist hingegen überaus holprig, Details widersprechen einander fortwährend, die Gesetze von Zeit und Raum werden mit Füßen getreten und die obligate Karte ist einfach nur ein schlechter Witz. So kommt die Geschichte nie so recht in Gang, entsteht aus der Handlung keine Spannung und keine Dramatik. Die Rätselhaftigkeit hält einen bei der Stange, aber nachdem der Text irgendwann zu Ende ist bleibt als große Frage übrig: Was soll das Ganze überhaupt?
Steph Swainston: Komet. Blanvalet, Tb., 475 S.

Die dunkle Königin
Jetzt liegt also das zweite Viertel der im Englischen zwei-, in der deutschsprachigen Version vierteiligen Fortsetzung von George Martins Lied von Eis und Feuer vor. Und es ist im Grunde ein Ärgernis. Mittlerweile gehen nicht weniger als 70 Seiten für einen Anhang drauf, der die personellen Hundertschaften auflistet, was allerdings überhaupt nicht weiterhilft, weil man beim Versuch, einen Namen einzuordnen, jedes Mal den halben Anhang nach einem Wort scannen muss. Im Text wird munter auf Ereignisse Bezug genommen, die irgendwann im Laufe von weit über 3.500 Seiten und mittlerweile an die zehn Jahre geschehen sind, inklusive dem Einsatz von Zweit-, Dritt- und Spitznamen. Das sorgt natürlich für die einzigartig authentische Wirkung der Fiktion, aber, verehrter Herr Martin, man kennt sich einfach nicht mehr aus - sofern man nicht das ganze bisherige Opus halb auswendig gelernt hat oder zumindest die Lektüre nicht mehr als maximal ein paar Monate zurück liegt.
Besonders wenn es um die dreimal ineinander verschachtelten Intrigen geht und auf einer Seite 6, 7 und mehr Namen fallen, deren genaue Beziehungen zueinander man parat haben müsste, um allen Feinheiten folgen zu können, gleicht der Text einem lexikalischen Irrgarten.
Dazwischen blitzt immer mal wieder Martins erzählerische Genialität auf, aber in punkto Handlung geht letztlich auch nichts Wesentliches weiter; am Ende sitzt Cersei in der Tinte (ein bisschen tiefer halt als vor den 1000 Seiten der Bände 7 und 8), Brienne hat noch immer niemanden gefunden, Arya ist in Ausbildung, Jaime versucht mit der Linken zu kämpfen. Offenbar befinden wir uns mitten in der Mitte, genau dort wo bei einer Schachpartie nach dreißigminütigem Köpferauchen ein Bauer ein Feld weit bewegt wird.
Bitte, Mr. Martin, lieber Blanvalet-Verlag: 70 Seiten Anhang lassen sich weitaus besser nützen. Z. B. indem Personennamen alphabetisch aufgelistet werden; z. B. für knappe Zusammenfassungen bei den wichtigsten Figuren; z. B. für eine "politische" Karte von Westeros, die grundlegende Bezüge auf einen Blick transparent macht.
Und: Wenn ihr schon die an sich problematische Entscheidung von George Martin, sein Buch in zwei Hälften zu teilen, noch übersteigern müsst, bringt doch bitte wenigstens die zusammengehörenden Hälften binnen eines Monats auf den Markt.
Inzwischen gebe ich die Hoffnung nicht auf, dass es dem Grand Maester Martin doch noch gelingt, dieses Buch zu Ende zu schreiben...
George R. R. Martin: Die dunkle Königin. Das Lied von Eis und Feuer 8. Blanvalet, München 2006. Tb., 603 S.

Abarat
Candy Quackenbush aus Chickentown, Minnesota, ist die jugendliche Heldin dieser All-Age-Fantastik, die einem Sackerl Bertie Botts Bohnen aller Geschmacksrichtungen ähnelt. Nicht weil Clive Barkers Schreibe oder Story an die magischen Welten Joanne Rowlings erinnern würde, sondern weil der Band prall gefüllt mit kunterbunten Welten ist, die nach buchstäblich allem schmecken können. Und wie der geeichte Harry-Potter-Leser weiß, schließt das auch Ohrenschmalz mit ein.
Abarat ist eine magische Inselwelt, in der jedem Eiland eine bestimmte Stunde des Tages zugeordnet ist. Wie Candy aus dem extrafaden Chickentown ins extraaufregende Abarat gelangt, ist nicht im Geringsten nachvollziehbar, aber seis drum. Dort reiht sich dann Abenteuer an Abenteuer, Skurrilität an Skurrilität, und gerade wenn man anfängt, so etwas wie den langen roten Faden zu erspüren, ist das Buch zu Ende und man muss wohl oder übel auf die Fortsetzung warten. Nichts gegen Fortsetzungsgeschichten, aber sie sollten schon in sich auch so etwas wie einen erkennbaren und erkennbar abgerundeten Handlungsverlauf nehmen.
Wer also bereit ist, blind ins Sackerl zu greifen ohne zu wissen, ob die nächste Seite nach Rumpsteak, Schokolade oder Schneckenschleim schmeckt, und sich gerade an dieser losen Zusammenstellung einzelner Candy-im-Wunderland-, Verzeihung Abarat-Zuckerln erfreut, erhält eine nette Bonbonierre mit einigem Unterhaltungswert, üppig aufgemachter Verpackung und relativ geringem Kaloriengehalt vorgesetzt. Wer sich eher an epischer Fantasy gütlich tut oder ein Freund der weniger kindlich-knallbunten Art ist, sollte besser die Inselwelt Abarat nicht betreten.
Clive Barker: Abarat. Heyne, München 2006. Tb., 430 S.

Der Blutritter
Ordentlich schließt der Autor die verschiedenen Erzählfäden zusammen: Der sichtlich von allen guten Geistern verlassene Prinz Robert zwingt die noch amtierende Königin Murielle, zu seinen Gunsten abzudanken. Robert hat noch ein anderes Ass im Ärmel: Mit Hilfe des Komponisten Leoff soll eine verführerische Musik verfasst werden, die die Menschen in ihrer Umgebung völlig willenlos werden lässt.
Während dessen reisen Aspar, Winna und Stephen weiter durch die unwegsamen Wälder. Immer fremdartigere Geschöpfe kreuzen ihren Weg- und dann finden sie sich von Feinden umringt, Winna wird vergiftet und Stephen entführt. Aspar trifft seinen alten Widersacher, der all das zu verantworten hat.
Anne schmiedet inzwischen einen waghalsigen Plan, der sie Kopf und Kragen kosten könnte: Denn der Kirchenfürst, der auf ihrer Seite stehen sollte, war in der Auswahl seiner Verbündeten etwas kurzsichtig- und könnte damit die gesamte Welt in große Gefahr bringen...
Eine Fortsetzung, die mir besser als der 2. Teil gefallen hat: Spannender, mit mehr Verve und Liebe zum Detail erzählt, mit einigen sehr intelligenten und außergewöhnlichen Ideen. Ideal für EinsteigerInnen in das Fantasygenre von 14- 99. (Anne Artner)
Greg Keyes: Die verlorenen Reiche 03. Der Blutritter. Blanvalet, München 2006. Tb., 650 S.

Der Elfenpakt
Weiter geht es mit den All-Age-Abenteuern (ab 12) rund um Henry, den Jungen aus der Gegenwelt (hier), Blue, der eben gekrönten Kaiserin, Pyrgus, Torhüter Fogarty und der bemalten Dame - und wie. Mr. Brennan, ein Schelm vom Scheitel bis zur Sohle, schafft es nicht nur, im dritten Band seine bisherige Höchstleistung zu vollbringen, was Einfallsreichtum in punkto Plot und Ausstattung betrifft, sondern so ganz nebenbei auch noch ein wenig Realpolitsatire einzustreuen. Das passt von der Idee her wie auch vom launischen Tonfall nahtlos ins Geschehen.
Dieses Mal steht die Gegenwelt vor einem Bürgerkrieg - die lange verfeindeten Licht- und Nachtelfen rüsten zur Entscheidungsschlacht. Im Hintergrund agiert Bethel, der Prinz der Finsternis und Befehlshaber eines millionenstarken Dämonenheers. Wird er sich wie gewohnt auf die Seite der Nachtelfen schlagen? Bis das Verwirrspiel seine Auflösung findet, reiht sich spannende an spannende Seite, sind viele Irrwege zu beschreiten - was aber immer jede Menge Spaß bereitet. Und der Schluss lässt hoffen: Es wird noch mehr von der Purpurkaiserin und ihrem Henry zu lesen geben.
P.S.: Ich schätze, der Band ist gut eigenständig zu lesen, auch dank eines kleinen Glossars am Ende. Schöner ist es freilich, die Charaktere von Anfang an mitzuerleben - in Das Elfenportal (2003) sowie Der Purpurkaiser (2004).
Herbie Brennan: Der Elfenpakt. dtv premium, München 2006. Tb., 376 S.

Die Novizin/Die Meisterin
Im Stakkato-Tempo wird der neueste Fantasy-Hype zu einem (sehr vorläufigen) Abschluss gebracht: Die Bände 2 und 3 der Trilogie Die Gilde der schwarzen Magier sind nunmehr ebenfalls bereits erhältlich; in der Zwischenzeit arbeitet Frau Canavan bereits am dritten Band ihrer nächsten Trilogie...
Von der Stange muss nicht schlecht sein, und die begeistert aufgenommene Magier-Trilogie ist auch nicht schlecht - aber auch in keiner Weise herausragend. Zwar gewinnt die Story gegenüber Band 1 deutlich an Fahrt, aber besonders zu Beginn des dritten Bandes und dann noch einmal bei der Anhörung, der sich die Protagonisten zu unterziehen haben, lähmen wirklich überflüssige Wiederholungen gewaltig den Textfluss - am besten schnell drüberlesen. Die Sprache ist okay, im Detail hätte man allerdings Dinge besser machen können - nur das geht eben nur bei Maßarbeit. Der große Aufbau ist anständig, Spannung ist spätestens ab Band 2 vorhanden, nimmt aber nie ein bedrohliches Ausmaß an.
Ich würde die Fantasy-Trilogie in die Kategorie Entspannungs-Lektüre einreihen: Zum Abschalten und Wegdriften, ohne die ohnehin tagsüber stark beanspruchten Grauen Zellen noch weiter groß zu strapazieren. Halt kein Kinoepos, sondern nur eine TV-Serie...
Trudi Canavan: Die Gilde der schwarzen Magier 2 und 3. Blanvalet, München 2006. Tb., 604 bzw. 624 S.

Das Lied von Eis und Feuer 7 - Zeit der Krähen
Jetzt hat also das jahrelange Warten auf die Fortsetzung von George Martins Opus magnum endlich ein Ende - und dann auch wieder nicht. Der Meister war wahrlich nicht untätig, ganz im Gegenteil: Er hat in den 4 Jahren seit der letzten Neuerscheinung beinahe 1400 englische Seiten verfasst - zu viel für ein englischsprachiges Buch, weshalb die ganze nahtlos weitergeführte Geschichte halbiert wurde. Ein Band erzählt die Storys von Arya, Samwell, Cersei, Brienne, Jaime, Sansa und den Greyjoys; Dany und die Drachen, Jon Snow, Tyrion und Co. kommen im nächsten Band an die Reihe. Weil das Deutsche aber deutlich länger als das Englische ist, wurden diese Bände in der deutschen Übersetzung noch einmal halbiert.
Was bleibt ist Stückwerk in bekannt brillanter Martin-Manier: Nach vier entbehrungsreichen Jahren wird uns ein Viertelroman vorgelegt! Dem Martin-süchtigen Leser ist zu empfehlen, entweder die ganze Geschichte gleich im Original zu verschlingen oder wenigstens bis November zu warten, dann erscheint Das Lied von Eis und Feuer 8 - Die dunkle Königin, womit wenigstens eine komplette Hälfte auf einmal zu haben ist.
Über die Qualität des Ganzen ist ansonsten weiter nichts zu sagen - die Saga geht weiter, Martin ist am Zenit seines Schaffens.
George R. R. Martin: Zeit der Krähen. Das Lied von Eis und Feuer 7. Blanvalet, München 2006. Tb., 570 (485) S.

Ritus und Sanctum
Markus Heitz, bekannt als Verfasser schwungvoll-unterhaltender Fantasyromane (Zwerge-Trilogie), hat sich neuerdings den dunkleren Gefilden des Genres verschrieben. In zwei strandtauglichen 500-Seiten-Bänden wird Jagd auf die Bestie gemacht - Werwesen, vorzugsweise klassisch als Wölfe, verlangen einen extrem hohen Blutzoll. Die prall erzählte, zeitweilig aber etwas wirre Story dreht sich um die Kastells, eine Familie von Werwolfjägern, und spielt im 18. Jhd. sowie in der Gegenwart. Die Begeisterung für blutrünstige Massaker ist von Heitz bekannt; anders als etwa bei den Schlachten der Zwerge fehlt hier aber jeglicher launige Unterton, schließlich werden ja auch Menschen zu Hauf zerfleischt und keine stumpfsinnigen Trolle oder dergleichen von ihrem drögen Schicksal erlöst. Mehr Ernst und mehr Sex prägen das Geschehen. Als begnadeter Erzähler gelingt es Heitz immer wieder, szenenweise zu begeistern; der große Handlungsbogen ist ihm allerdings misslungen. Zu viele undurchsichtige Parteien spielen mit und manche schwer bis gar nicht nachvollziehbare Wendung trübt das Lesevergnügen.
Alles in allem: Für erwachsene Fans der dunklen Seite des Genres taugliches Lesefutter, das im zweiten Band - und das ist wohl das beste, was über diese Arbeit gesagt werden kann - deutlich an Geschmack gewinnt. Es wird weitere Ausflüge von Heitz in Richtung Dunkle Spannung geben; diese sollten runder ausfallen als dieser erste Versuch: Heitz kann mehr!
Markus Heitz: Ritus. Knaur, München 2006. Tb., 520 S.
Markus Heitz: Sanctum. Knaur, München 2006. Tb., 606 S.

Ein Hut voller Sterne
Neues vom Meister des hintersinnigen Humors, der Weisheit des Skurrilen und der Skurrilität der Weisheit. Nachwuchs-Hexe Tiffany wird nach dem überstandenen Abenteuer mit den Kleinen freien Männern in die Ausbildung geschickt. Erstmals kann sie wirklich in die Welt der Hexen schnuppern, doch was sie dabei als erstes lernt ist alles andere als ermutigend - dumme Frauen, alte, stinkende Männer und schreiende Babys scheinen weit eher hexischer Aufmerksamkeit zu bedürfen als hoch interessante, magische Ereignisse.
Zur gleichen Zeit irrt ein Schwärmer in der Gegend herum, auf der Suche nach einem mächtigen Wesen, in das er sich einnisten kann - was im Laufe von Jahrmillionen für den Wirt noch jedes Mal zu Wahnsinn und Tod geführt hat. Und Tiffany lockt ihn mit ihrer natürlichen magischen Begabung unwiderstehlich an... Nicht einmal Rob Irgendwer und seine Wir-sind-die-Größten haben eine Idee, wie dieses seltsame Halbwesen getötet werden könnte - was die blauhäutigen Kobolde natürlich nicht daran hindert, für ihre Große Kleine Hexe in den Kampf zu ziehen. Und auch Oma Wetterwachs, die stärkste aller Hexen, ist wieder mit von der Partie.
Wieder ein reich gedeckter Tisch also, angefüllt mit allen bekannten Pratchett-Qualitäten, und zugleich so frisch und originell als hätte hier gerade jemand das Scheibenwelt-Universum neu erfunden. Wirklich ein einzigartiges Genie, dieser Mann.
Terry Pratchett: Ein Hut voller Sterne. Ein Märchen von der Scheibenwelt. Manhattan, München 2006. Geb., 352 S.

Der Krieg der Drei. Zaubergold 3.
Die Spannungen auf Elda erreichen ihren Höhepunkt und alles deutet auf ein baldiges Ausbrechen des "heiligen" Krieges aus. Katla ist in Gefangenschaft, ihr Vater im ewigen Eis des Magiers Rahe - und die Rosa Eldi, die Göttin, wird sich ihrer selbst mit jedem Tag bewusster. Doch es wird einem Erwachen der Drei bedürfen, um die zerstörte Ordnung der Welt wiederherzustellen...
Nach Der Jahrmarkt der Magier und Das Schiff der Gaukler nun also der fulminante Abschlussband der weltweit begeistert aufgenommenen Saga, mit der die Fantasy-Herausgeberin Jude Fisher ihr Debüt als epische Autorin feiert. Die Dame hält ihr hohes Niveau bis zur letzten Zeile und unterhält mit Geist, viel Sinn für genregerechte Details (ohne jede Zimperlichkeit) und einem gehörigen Maß an Spannung. Mit einem Wort: Ein packendes, vieldimensionales Epos, farbig und gut erzählt. Für Fans ein heißer Tipp, für Neulinge eine wunderbare Möglichkeit, sich von der durchaus existierenden Verbindung von Fantasy und (nicht übertriebenem) literarischem Anspruch zu überzeugen.
Jude Fisher: Der Krieg der Drei. Zaubergold 3. Blanvalet, München 2006. Tb., 796 S.

Das Buch der Dornen
Die vielfach ausgezeichnete Autorin zehrt offenbar nur noch von vergangenem Ruhm. Sie erzählt gut und schafft plastisch wirkende Figuren, deren Handlungen und Motivationen bleiben für mich jedoch flach und eindimensional. Die Gewichtung, die ihnen die Autorin gibt, bleibt mir rätselhaft.
Besonders geärgert hat mich in diesem Fall, dass die Handlung zum Schluss hin immer verworrener wird und plötzlich - hoppla, siehe da, ein deus ex machina! Wenn das pfiffig geschieht, kann es wunderbar sein, in diesem Fall hat sich die Handlung jedoch noch mehr verflacht und eher den Eindruck erweckt, die Autorin habe sich mit diesem kläglich gescheiterten Kunstgriff aus einer schöpferischen Krise zu retten versucht.
Die Story: Nepenthe arbeitet als Bibliothekarin. Jeden Tag beschäftigt sie sich mit den unterschiedlichsten Übersetzungen. Eines Tages jedoch erhält sie ein sehr seltsames Buch. Während ihre KollegInnen nichts damit anfangen können, scheint dieses Werk förmlich zu ihr - und zwar zu ihr alleine zu sprechen. Tiefer und tiefer zieht die Geschichte sie in ihren Bann... (Anne Artner, Red.)
Patricia McKillip: Das Buch der Dornen. Blanvalet, München 2006.Tb., 315 S.

Die Rebellin
Ein neuer Name im heftig beackerten Fantasy-Feld: Trudi Canavan. Von "einem wahrhaft magischen Debüt" kann jedoch keinesfalls die Rede sein - der Auftaktband der Trilogie "Die Gilde der schwarzen Magier" schleppt sich über weite Strecken belanglos dahin. Der Stil ist in Ordnung, allerdings nimmt der Verlag das letzte Restchen an Spannung indem er auf der Rückseite bereits verrät wie es weitergeht. Da wird Sonea sage und schreibe 290 Seiten lang von der Magiergilde gejagt, danach der Versuch unternommen, Spannung aus der Frage zu ziehen ob sie sich denn nun der Gilde anschließt oder nicht. Da Band 2 den Titel "Die Novizin" trägt, dürfen Sie jetzt lange überlegen, wie es ausgeht...
Ok, ganz zum Schluss kommt endlich das Böse (die schwarze Magie) ins Spiel und eröffnet einen Ausblick auf Verwicklungen, deren Auflösungen etwas mehr Kombinationsgabe verlangen als das Lesen von Buchtiteln auf der Buchrückenseite. Ein Leser der englischen Ausgabe meinte, die Reihe zeige viel Potential (was in punkto Figurencharakterisierung und in Ansätzen auch in den Dialogen zutrifft), nur hätte man die ganze Story auf die halbe Länge bringen und dann der Autorin ordentlich Druck machen sollen, um die Geschichte mit prächtigen Details wieder auszuschmücken; das Nachfolgewerk sei jedenfalls weitaus gelungener.
Alles in allem: Anspruchslose Fantasy-Durchschnittsware in gefälligem Stil mit geringem Spannungs- und Innovationsgehalt - bis jetzt. Die Bände 2 und 3 sollten wirklich halten, was das Finale von Band 1 verspricht.
Trudi Canavan: Die Rebellin. Die Gilde der schwarzen Magier. Blanvalet, München 2006. Tb., 541 S.

Im Bann des Fluchträgers
Was für ein Glück, so ein schönes Buch in die Finger zu bekommen und über die Zeit zu verfügen, es in einem durch "aufzufressen"! Wie kunstvoll die Autorin hier altbekannte Sagen- und Märchenmotive aus Mitteleuropa und den Ländern des Balkan mit innovativer Fantasy verknüpft, ringt mir ehrlich empfundenen Respekt ab. Die Story: Der Waldmensch Ravin lebt mit seinem Bruder Jolon im Tjärgwald. Eines Tages findet Jolon einen seltsamen Edelstein. Er berührt diesen und fällt in einen komatösen Zustand. Ravin sucht verzweifelt die Königin des Landes auf, denn in ihrem Dienst stehen ja auch mächtige Shanjaare (vergleichbar mit Schamanen). Aber auch sie wissen keinen Rat. Also unternimmt Ravin eine fast schon hoffnungslose Reise zur Quelle der Skaardja. Der Zauberschüler Darian begleitet ihn. Bald schließen sich den beiden andere Waldmenschen an, die offensichtlich über mehr als ein Geheimnis verfügen. Welche Rolle spielt die schöne Amina? Kann Ravin ihr Herz für sich gewinnen?
Pferde, die sich ihrer Umgebung perfekt wie Chamäleons anpassen können, verzauberte Landschaften, wunderbare Legenden zur Entstehung des sagenhaften Landes... Ich komme aus dem Schwärmen gar nicht mehr heraus. Ein großes Erzähltalent offenbart sich in diesem Werk, das Lust auf mehr bereitet. Für LiebhaberInnen von 12-99. (Anne Artner)
Nina Blazon: Im Bann des Fluchträgers. Woran-Saga. Carlsen, Hamburg 2006. Tb., 490 S.

Die Rache der Zwerge
Markus Heitz Output erreicht langsam beängstigende Dimensionen - noch während ich mir Teil 3 der Zwergenkracher zu Gemüte führe, ist Ritus erschienen, ein Mysterythriller; dazu aber ein andermal.
Die Rache der Zwerge ist der für mindestens längere Zeit letzte Roman rund um Tungdil Goldhand. Das ist stimmig - auch Teil 3 versorgt mit frischer, erzähltechnisch einfallsreicher Unterhaltungs-Fantasy der actionreichen Art und wer die beiden ersten Bände gerne gelesen hat, wird auch am vorläufigen Abschlussband seine Freude haben. Erste Abnützungsspuren sind indes nicht zu übersehen - die Plastizität und Nachvollziehbarkeit mussten mitunter der Fantastik um jeden Preis weichen, das Lektorat ist recht schlampig ausgefallen. Lässliche Sünden, über die sich hinwegsehen lässt; aber auch deutliche Zeichen dafür, dass der Zeitpunkt für eine längere Kunstpause gut gewählt ist.
In der Zwergen-Reihe steckt noch Potential. Es ist dem Gespür von Markus Heitz zu danken, dass die Äxte nicht vorzeitig und dafür unpräzise und ohne rechte Begeisterung geschwungen werden.
Markus Heitz: Die Rache der Zwerge. Piper, München 2005. Tb., 638 S.

Die Flamme erlischt
Worlon ist eine sterbende Welt: Der Einzelgänger-Planet war auf seiner ziellosen Bahn für 50 Jahre in die Nähe einer Sonne gelangt. Jetzt ist er wieder auf dem Weg in die Dunkelheit.
George Martin schafft diesen Rahmen als passendes Ambiente für sein actionreiches Abenteuer, in dem gleichermaßen das Sterben die Hauptrolle spielt - das Ende einer archaischen, kriegerischen Gesellschaft, die die Männerehre über alles stellt und die Frauen als behütete Sklavinnen behandelt.
Dirk t´Larien wird vom Hilferuf seiner Jugendliebe nach Worlon gerufen - und sieht sich fortan mit einer Lebensauffassung konfrontiert, die jeglichem zivilisatorischen Fortschritt Hohn spricht. Die kulturellen Gräben scheinen unüberbrückbar, doch im nackten Kampf ums Überleben gegen die ultrakonservativen Kräfte, die noch der Menschenjagd huldigen, nähern sich die so unterschiedlichen Seiten letztlich doch an.
Des Meisters erster Roman (1977) ist bereits auf hohem Niveau angesiedelt, lässt aber viel von der souveränen Dramaturgie und selbstverständlichen Eindringlichkeit späterer Bücher vermissen. Der Text ist besonders zu Beginn eher sperrig und fordert hohe Leseaufmerksamkeit. Lassen Sie sich jedenfalls von der kindisch-martialischen Umschlaggestaltung nicht täuschen: Haudrauf-und-Schluss-Lektüre finden Sie hier keineswegs. Es mangelt zwar nicht an kriegerischen Elementen und fantastischen Details, zugleich unternimmt der Text aber auch den Versuch einer kulturellen Gegenüberstellung und stellt Martins Version eines Spiels mit Vorurteilen dar: Fast jede als sicher scheinende Tatsache wird im Laufe der Ereignisse in Frage oder gleich auf den Kopf gestellt.
Für Liebhaber anspruchsvoller, epischer Fantasy ein absolut lesenswertes Buch; dass Martin aber noch viel mehr kann, beweisen nicht zuletzt tausende Seiten des Liedes von Eis und Feuer.
George R. R. Martin: Die Flamme erlischt. Blanvalet, München 2006. Tb., 480 S.

Das Vermächtnis des Kupferdrachen
Rolana und ihre Freunde haben nun Kontakt mit der Kupferdrachin Peralina aufgenommen und Rolana erhält den Auftrag, eines der kostbaren Dracheneier in die Vulkanberge zu bringen. Währenddessen bereitet der Schwarzmagier Astorin sich auf die Konfrontation mit einem der gefürchteten Roten Drachen vor - wird er eine Möglichkeit finden, diesen unter seine Kontrolle zu bringen? Die beiden Kämpfer Saranga und Vertos sehen sich ebenfalls mit Problemen konfrontiert: Ihre Schätze werden nicht ganz so gut bewahrt, wie sie gedacht haben. Auch die Gräfin Lamina sieht sich Zorres ausgesetzt: Die Abgaben ihrer Untertanen entsprechen keineswegs denen in den Jahren zuvor. Ihr Elbenfreund Seradir macht sich mit ihr auf den Weg, um diese Rätsel aufzulösen. Die von Astorin gefangenen Zwerge schuften unterdessen um ihr Leben im Bergwerk. Erst als Rolana und ihre Freunde dort landen, schöpfen sie wieder Hoffnung. Wir den Freunden die Befreiung der bemitleidenswerten Geschöpfe gelingen?
Obwohl mich schon Die Drachenkrone begeistert hat, finde ich die Fortsetzung noch besser. Die Spannung in diesem Werk und die lebendigen Schilderungen, egal, ob es sich um ein Bergwerk, eine gräfliche Burg, einen Diebesunterschlupf oder eine Zaubererbehausung handelt - das alles sorgt für ungetrübtes Lesevergnügen. Auch das Jonglieren mit den unterschiedlichen Erzählfäden gelingt der Autorin wirklich gut. Für FreundInnen der anspruchsvollen Fantasy-Literatur von 12-99. (Anne Artner)
Ulrike Schweikert: Das Vermächtnis des Kupferdrachen. Blanvalet, München 2006. Tb., 400 S.

Drachensohn
Eine sehr gelungene Fortsetzung mit lebendigen Charakteren, einer spannenden Geschichte und dem Wunsch nach mehr! Erinnern wir uns kurz: die Hohepriesterin Melisande hat Zwillinge zur Welt gebracht und ist danach gestorben. Ihre Freundin Bellona nimmt sich des eines Kindes an, während Drakonas das zweite dem König Eward übergibt.
Hier im 2. Band spielen die Zwillinge die Hauptrolle: Markus lebt als anerkannter Bastard von König Edward an dessen Hof. Nemesis oder kurz Nem wächst bei der Kriegerin Bellona im Wald , fernab jeglicher Zivilisation auf. Bis auf ein paar Erinnerungsfetzen wissen die beiden nichts voneinander. Drakonas, der Drache in Menschengestalt bemerkt immer stärker, dass die ihm übertragene Aufgabe ihm fast zu viel wird. Er soll die Zwillinge schützen, aber ohne dass der Drache Grald, der schon des längeren die Pläne des Drachenparlaments stört, auf die zwei aufmerksam wird. Es gestaltet sich schwierig, denn sobald die Zwillinge ihre ererbte Magie verwenden, erlauben sie Grald den Zutritt in ihre Seele. Grald hat unterdessen ein gänzlich anderes Ziel: Für ihn zählt nur, dass er Nem in die (wortwörtlichen) Krallen bekommen kann. Ob und wie ihm das wohl gelingen wird?
Verrat, Intrigen, ein flotter, lockerer Erzählton, einfühlsam geschilderte Figuren mit Herz und Hirn - einfach ganz toll und um Längen besser als die Durchschnittsfortsetzungen, die frau/man sonst so erhält! Während des Lesens hat mein Mann begehrliche Blicke auf das Buch geworfen, denn er hat ebenfalls den ersten Teil Die Herrscherin der Drachen mit Genuss gelesen... (Anne Artner)
Margaret Weis: Drachensohn. Das verbotene Land 2. Blanvalet, München 2006. Tb., 320 S.
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Die Brautprinzessin
S. Morgensterns klassische Erzählung von wahrer Liebe und edlen Abenteuern. Die Ausgabe der »spannenden Teile«. Gekürzt und bearbeitet von William Goldman. Und das erste Kapitel der lange verschollenen Fortsetzung ›Butterblumes Baby‹.
Soweit der vollständige Untertitel dieses literarischen Kuriosums, dessen 25-Jahre-Jubiläumsausgabe nun auch als Taschenbuch vorliegt.
Die Brautprinzessin ist witzig, spannend, abenteuerlich und voll der edelsten Absichten und Gefühle - und zwar ausschließlich. Alle langatmigen oder unverständlichen Abschnitte wurden ja entfernt. Weil Goldman vorgibt, gar nicht der Autor zu sein, ist er zur Literaturszene im Allgemeinen und zu sich selbst im Besonderen stets in hochgradig komischer ironischer Distanz. Er bemüht alle Klischees der Kolportage und macht keinen Hehl aus seiner Liebe dazu (denkt jetzt was ihr wollt, aber echter, ehrlicher Kitsch ist doch immer noch das Schönste). Das hindert ihn freilich keine Sekunde, sich gleichzeitig über alles lustig zu machen. Und uns mit ewig gültigen Weisheiten zu allem Wesentlichen zu versorgen: wahre Liebe, echte Leidenschaft und der Tod, sei er jetzt "irgendwie", "überwiegend" oder "ganz". Und dazwischen erfahren wir immer wieder, was jetzt alles nicht im Buch steht und warum und wie es überhaupt soweit kam, dass "die Ausgabe der spannenden Teile" jetzt vorliegt. Und dabei ist keinesfalls alles Fiktion - die erwähnte Verfilmung z.B. gibt es tatsächlich.
Erstklassiges Vergnügen für Menschen die älter als 10 und jünger als tot sein sollten.
William Goldman: Die Brautprinzessin. dtv, München 2005. Tb., 425 S.
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Shadowmarch. Die Grenze
Tad Williams wird gerne als "Tolkien des 21. Jhds." bezeichnet, spätestens seit seiner monumentalen, jegliche Genregrenzen sprengenden Otherland-Tetralogie. Seine Wurzeln sind jedenfalls fest in der Fantasy verankert, und welch meisterliche Blüten er hervorzubringen vermag, kann jedermensch im Auftaktband seiner Shadowmarch-Trilogie nachlesen. Ob jetzt der Rückentext - Das Fantasy-Gegenstück zu Krieg und Frieden - Recht hat oder die epische Story um das Wiederaufflammen der Auseinandersetzungen zwischen den Menschen und dem 'Alten Volk' nicht nur wegen des augenfälligen Nord-Süd-Konfliktes Williams Antwort auf George R. R. Martins nicht endenwollendes Lied von Eis und Feuer ist, spielt keine Rolle. Shadowmarch ist meisterhafte, epische Fantasy mit allem, was dazu gehört: ein neues Land, bewohnt nicht nur von Menschen, eine Geschichte dahinter, große und kleinere politische Intrigen, Machtgier, Kampfeslust, Wahnsinn, Schmerz und Tod, eine gehörige Portion Magie und, so selten wie im wirklichen Leben, Ehrlichkeit und aufrechte Gesinnung. Williams behandelt seine Figuren mit der allergrößten Wertschätzung, erweckt sie zu vielfältigem, differenziertem Leben - der Mann kann schreiben wie kaum ein anderer, da sitzt jedes Wort, jedes Bild. Und das beste: Mit diesem sehr gelungenen Text hat Meister Williams beileibe noch nicht alle seine Trümpfe ausgespielt... Großes Kompliment auch an die Übersetzerin. Prächtig!
Tad Williams: Shadowmarch. Die Grenze. Klett-Cotta, Stuttgart 2005. Geb., 812 S.
bei amazon kaufen: EUR 27,30

Der Kampf um Daresh
Der Verrat der Feuergilde, Der Prophet des Phönix, Der Ruf des Smaragdgartens - so die Einzeltitel der Kampf um Daresh-Trilogie, mit der sich Katja Brandis in die Herzen der Fantasygemeinde geschrieben hat. Die Autorin beherrscht nicht nur die Kunst der schön spannenden Sprache und des bilderreichen Ausdrucks, sondern auch das alterslose Schreiben á la J. K. Rowling. Kein Wunder also, dass mittlerweile bei Piper Bd. 1 als Erwachsenen-Fantasy-Tb. erschienen ist, bei Carlsen Bd. 1 als Jugend-Tb. Bei ihrem Stammverlag Ueberreuter geht indes die Daresh-Saga weiter: Feuerblüte eröffnete 2005 die nächste Trilogie, 14 Jahre später.
Katja Brandis: Kampf um Daresh. Fantasy-Trilogie. Ueberreuter, Wien 2002-2004. Geb., 408, 324, 360 S.
bei amazon kaufen: Hc je EUR 19,95 Bd. 1, Bd. 2, Bd. 3
Der Verrat der Feuergilde, Piper-Tb. EUR 9,22
Der Verrat der Feuergilde, Carlsen-Tb., EUR 9,22
Katja Brandis: Feuerblüte.
Ueberreuter, Wien 2005. Geb., 360 S.
bei amazon kaufen: EUR 16,95

Die Stimme der Finsternis
Eine Karawane wird überfallen, die Überlebenden flüchten in die finstersten Winkel des Kaukasus. Die Warnungen der Einheimischen werden missachtet: Hier geht ein Vampir um! Doch es ist wahr und bald greift namenloser Schrecken um sich. Nur eins kann sie, dem Vernehmen nach, noch retten: Geschichten erzählen, die das Unwesen in ihren Bann schlagen und vom Töten abhalten.
Die hübsche kleine Erzählung hätte sich nahtlos in 1001 Nacht gefügt und beweist einmal mehr, in wie vielen Kleidern sich Tad Williams zu Hause fühlt. Netter Fantasy-Snack für zwischendurch.
Tad Williams, Nina Kiriki Hoffman: Die Stimme der Finsternis. dtv, München 2005. Tb., 168 S.
bei amazon kaufen: EUR 7,10

Die Drachenkrone
Ganz ordentlich, was die Autorin hier produziert, auch wenn die Assoziationen mit dem Rollenspiel "Dungeons & Dragons" sich mehr als auffällig darbieten. Aber die Figuren verfügen über gut ausgearbeitete Charaktere und besonders die Schilderungen der ersten zarten Gefühle zwischen zwei der ProtagonistInnnen haben meinen Beifall gefunden. Ebenfalls positiv zu vermerken habe ich den Umstand, dass die Autorin keinerlei Wertungen, was die Genderfrage betrifft, vornimmt. Männchen und Weibchen haben je ihre Aufgabe, wobei sie selbst immer wieder auf die Wichtigkeit des Zusammenhalts untereinander hinweisen. Die Persönlichkeitsentwicklung(en) der ProtagonnistInnen werden ebenfalls thematisiert. Das meine ich, wenn ich von ordentlicher Fantasy-Literatur spreche... Kurze Inhaltsangabe: die Elbe Ibis, der Zwerg Thunin, der Schwertkämpfer Cay, der Magier Vlaros und die Priesterin Rolana erhalten einen Suchauftrag, denn Graf Gerald ist von heute auf morgen verschwunden. Je länger die gemeinsame Reise jedoch andauert, desto klarer wird den GefährtInnen, dass ihr Suchauftrag nur die Spitze eines Eisberges darstellt und dass ein wahrhaft mörderischer Wettlauf mit dem Schwarzmagier Astorin um die vor langer Zeit aufgeteilte und verborgene Krone der Drachen stattfindet. Die wilde Jagd gönnt der Truppe kaum Ruhepausen und führt sie auf einen mit Gefahren nur so gespickten Weg... (Anne Artner)
Ulrike Schweikert: Die Drachenkrone. Roman. Blanvalet, München 2005. Tb., 410 S.
bei amazon kaufen: EUR 9,22

Das Spiegellabyrinth
Alyss, Prinzessin in Wunderland, ist freche 7 als das Böse über ihre Welt hereinbricht - in Gestalt ihrer Tante Redd, die sich mit Gewalt die Krone zurückholt, "Kopf ab" schreiend und über Leichen gehend. Immerhin kann Alyss flüchten - ins viktorianische England, wo ihr ihre Flausen vom Land der Fantasie systematisch ausgetrieben werden, bis sie, mittlerweile Alice geschrieben, selbst nicht mehr daran glaubt. Ihre Imaginationskraft versiegt, doch die mahnende Stimme ihrer Mutter hallt ihr noch in den Ohren: "Vergiss nie wer du bist!" Die einzig rechtmäßige, zukünftige Königin von Wunderland nämlich. Um diesen Platz einzunehmen muss sie aber nicht nur nach Wunderland zurückkehren, sondern auch ihre ganze Kraft entfalten: durch das Durchwandern des Spiegellabyrinths.
Endlich ergibt Alice in Wonderland einen Sinn! Dank Frank Beddor erfahren wir die wahre Geschichte von Alice alias Alyss und der zentralen Bedeutung von Wunderland: der Herzkristall verteilt die Fantasie der Königin und aller Anhänger der weißen Imagination im Universum, eine Art Musenkuss-Generator. Natürlich gibt es auch die feindliche Kraft, Redds schwarze Imagination, und Alyss bewahre uns davor dass diese Inspiration ins Universum auszustrahlen beginnt… oder ist das am Ende längst geschehen?
Tempo, Action, blühende Fantasie, Mord, Rache, Krieg, Liebe und Wahrheit vermischt zu einem rasanten, modernen, nicht aus der Hand zu legenden Fantasy-Thriller der unterhaltsamsten Art. 2004 zum Times-Book of the Year ernannt, bietet Das Spiegellabyrinth erstklassiges Amüsement auf höchstem Niveau und ist leider nach 315 Seiten schon wieder zu Ende. Wie gut, dass Alyss wahre Geschichte als Trilogie angelegt ist, denn nach diesem Buch möchte man nur eines: weiterlesen!
Frank Beddor: Das Spiegellabyrinth. dtv premium, München 2005. Tb., 315 S.
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Klingen der Macht
Mit Eleganz und durchaus deftiger Wortwahl entfaltet der Autor eine dunkle Welt, in der die gewohnte Technik von einen Tag auf den anderen zusammengebrochen ist. Plötzlich wirken wieder Magie und Zauberei in jeder Form und die wenigen überlebenden Menschen werden von nächtlichen Schrecknissen bedroht. Da startet der greise Bischof aus Salisbury ein ehrgeiziges Projekt: Der Templerorden soll sich als letzte Bastion zwischen den Dunklen Mächten und den Menschen erweisen. Ein Plan, von dem niemand so recht begeistert zu sein scheint... Dann zeigen sich in der Kathedrale immer wieder schon lange verstorbene Bischöfe, unheimliche Wesen versuchen sie jede Nacht zu stürmen und innerhalb der Gemeinschaft treibt ein absolut grässlicher Mörder sein Unwesen. Bigotterie und Herrschaftsgier treten an die Stelle der christlichen Ideale und alles, wofür die Templer angeblich kämpfen, wird ins Gegenteil pervertiert.
Apokalyptische Endzeitstimmung, verquickt mit Mythen der keltischen Vorfahren auf den Britischen Inseln, gewürzt mit historisch gut belegten Fakten über die Templer, eine ordentliche Prise an Horror hinzugefügt und das Ganze zur Vollendung durch spannende Kampfesschilderungen gebracht - ja, das mag ich!
Fazit: Für LiebhaberInnen von Stephen Kings "Der Dunkle Turm" - Serie, Mittelalterfreaks beiderlei Geschlechts und Fans von Weltuntergangsszenarien. (Anne Artner)
Mark Chadbourn: Klingen der Macht. Die Rückkehr der Tempelritter 1. Blanvalet, München 2005. Tb., 600 S.
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Die Nachtwächter
Terry Pratchett wird von Buch zu Buch besser. Hier greift er den beliebten Erzählzyklus um die Nachtwache von Ankh-Morpork wieder auf: Samuel Mumm, der Chef derselben, findet sich nach einem Blitzschlag, der ihn während der Jagd auf den wahnsinnigen Verbrecher Carcer erwischt, plötzlich um dreißig Jahre zurückversetzt im Körper eines anderen Nachtwächters. Sam selbst ist ein junges Bürschlein und ein frischgebackener Gefreiter. Während Sam der Ältere sich selbst beim Verlieren jeglicher Illusionen über die Mächtigen beobachtet, spitzen sich die Zustände in der Stadt immer mehr zu und auch das Misstrauen der anderen Wächter schläft nicht. Der Herrscher von Ankh-Morpork hat der "Tagwache", einer Organisation mit Gestapo-Zügen, uneingeschränkte Macht aufgrund seiner Angst vor Attentaten zugestanden. Diese hat Carcer einen willigen Unterschlupf gewährt. Carcer versucht nun immer aufs Neue, Sam den Älteren entweder auf seine Seite oder ihn in das Quartier der "Tagwache" zu bringen. Aber Sam Mumm agiert in gewohnter Manier... Während er verzweifelt versucht, die Bevölkerung vor weiteren Verhaftungen [mit allen unliebsamen Nebenerscheinungen] und einem Bürgerkrieg zu bewahren, haben auch noch die Mönche der Zeit um Lu-Tze ein Wörtchen mitzureden...
Ich finde Pratchetts Schilderungen über die Gezeiten der Macht einfach wunderbar! Mit ironischem Unterton setzt er sich auch in diesem Werk mit den menschlichen Erfahrungen auseinander. Teilweise musste ich wahrlich den Atem anhalten über die Leichtigkeit, wie er z.B. die Verhaftungsnebenerscheinungen der "Tagwache" schildert. Er wird seinem Ruf als "Dickens" unserer Zeit mehr als gerecht, er ist Moralist, ohne je moralisch zu sein. Das ist große Erzählkunst vom Feinsten! (Anne Artner)
Terry Pratchett: Die Nachtwächter. Ein Scheibenwelt-Roman. Goldmann, München 2005. Tb., 400 S.
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Die Schönheit jener fernen Stadt
David Lambert, der für sich die Spielart Industrie-Archäologie gewählt hat, "stolpert" über H. G. Wells berühmte Zeitmaschine - und reist auf den Spuren der vorherigen Insassin ins London des Jahres 2500. Er findet ein überhitztes, völlig(?) menschenleeres Dschungelgebiet vor und macht sich, ganz seinem Beruf verhaftet, ans Ausgraben der Geschichte des Untergangs der Menschheit. Was immer er findet und erlebt schreibt er in einer Mischung aus Essay, Anekdotensammlung, Wissenschaftsbericht und Liebeserklärung an seine viel zu früh verstorbene, geliebte Kollegin Anita.
A Scientific Romance, so der Originaltitel, trifft es besser. Wenn auch das Attribut "wissenschaftlich" in der Flut an hoch gebildeten Witzchen und beziehungsvollen Anspielungen, die diesen Text durchziehen, gleichfalls wenig zutreffend erscheint. Ob man über manch ein Scherzchen lachen kann oder nicht ist natürlich Geschmackssache, ein Fremdwörterlexikon und ein über Jahrzehnte aufgesaugtes Grundwissen des abendländischen Kulturkanons helfen jedenfalls ungemein - sofern die Faszination des Textes ausreicht, um derart nachforschen zu wollen.
Selten wirklich packend, öfter mal unterhaltsam, dem Zeitreisethema kaum gerecht werdend und mit ermüdenden Schilderungen durchlängt hat mich der Roman erheblich mehr Zeit zum Lesen gekostet als erwünscht gewesen wäre; immerhin wird er nach hinten hin deutlich besser, so mancher kulturkritische Seitenhieb beginnt tatsächlich zu sitzen. Mein persönlicher Höhepunkt: Die Schaffung des multinationalen Konzernes Vatican Disney irgendwann um 2025...
Bibliografische Anmerkung: dtv bringt den Text nach 1998 zum 2. Mal heraus, mit neuer Umschlaggestaltung.
Ronald Wright: Die Schönheit jener fernen Stadt. Roman, dtv, München 2005. Tb., 396 S.
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Der Vampir, der mich liebte
Sookie Stackhouse ist Kellnerin und gilt immerhin als Sonderling (weil sie Gedanken lesen kann). Ansonsten ist die Anwesenheit von Vampiren (die sogar ein offizielles Coming-Out vollzogen), Werwölfen und anderen Gestaltwandlern sowie guten und bösen Hexen einigermaßen normal - jedenfalls in der Welt dieses Buches. (Übrigens das vierte einer Reihe, aber Unkenntnis der anderen Bände stört nicht im Geringsten.)
Wenn es Sie also nicht stört, dass das Übernatürliche überall ist, können Sie sich möglicherweise auf diese Story einlassen - und den frechen Plauderton genießen, in der sie erzählt wird. Romantik mit Vampiren, Grusel mit bösen Hexen, Action mit Werwölfen, Mystery mit inzuchtgeplagten Wer-weißwas.
So richtig beginnt die Geschichte übrigens mit einem barfuß umherirrenden Vampir, der unter totalem Gedächtnisschwund leidet - zum Glück für Sookie, den so hat er auch vergessen, was für ein arroganter Oberblutsauger er eigentlich ist. Aber ohne Gefahren der absonderlichsten Art kann es bei dieser Gesellschaft natürlich auch nicht abgehen...
Charlaine Harris: Der Vampir, der mich liebte. dtv premium, München 2005. Tb., 337 S.
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Die Insel des Magiers
Miranda, die Königin von Neapel, wird von ihrer Vergangenheit eingeholt - in Form eines nur allzu bekannten Fremden, der sich in ihr Schlafgemach schleicht und Abrechnung fordert für eine Zeit, die die Frau mit ihrem Vater auf einer einsamen Insel verbrachte; einsam bis auf einen Jungen, der Sprache nicht mächtig, halb Mensch, halb Tier...
Von einem der Großmeister des Genres, Tad Williams, 1994 stilsicher in Szene gesetzte Erzählung, die 2003 erstmals in deutscher Sprache erschienen ist. Ein wenig Kaspar Hauser, ein wenig Magie, sehr viel Eloquenz und ein befriedigendes Maß an Spannung summieren sich zu einem feinen Häppchen für den Fantasy-Leser, das die Geschichte der shakespearschen Figuren Kaliban, Prospero und Ariel aus einem ganz neuen Blickwinkel erzählt. Ein sehr ungewohnter Tad Williams, jedoch von erfreulich hoher Qualität.
Tad Williams: Die Insel des Magiers. dtv, München 2005. Tb., 237 S.
bei amazon kaufen: EUR 7,10

Die Herrscherin der Drachen
Schon nach den ersten paar Seiten habe ich vermutet, dass ich hier einen wahren Schatz an Imagination, intelligenter Erzählfreude und einer Abfolge an "Aha-Erlebnissen" in der Hand halte. Dieser Eindruck hat sich als wahr erwiesen! Da es sich noch dazu um meinen Erstkontakt mit der Autorin handelt, erwarte ich mit Spannung die Fortsetzung(en)... Kurze Inhaltsangabe: Im Land Seth, das sich seit über 300 Jahren von der restlichen Welt abgeschottet hält, beherrscht eine eigene Priesterinnenkaste die Drachenmagie. Dadurch gelingt es ihr, Drachen abzuwehren. Diese suchen sich also andere Gegenden für ihre Raubzüge - das Königreich von Edward z.B. Der Drache Drakonas wiederum ist von seinem Parlament beauftragt worden, den / die VerräterIn ausfindig zu machen, der / die seit Jahren auf alle Vereinbarungen pfeift. Denn auch Drachen schätzen ein friedliches Zusammenleben untereinander und mit den Menschen, denen sie ein wissenschaftliches Interesse entgegen bringen... Die Hohepriesterin Melisande bereitet sich inzwischen darauf vor, die Nachfolge der sterbenden Drachenmeisterin anzutreten. Welche Rolle sie noch spielen wird, hätte sie sich in ihren kühnsten Träumen wohl nicht ausgemalt. Denn Drakonas versucht, seine Pläne und die des Drachenparlaments unter einen Hut zu bringen.
Fazit: Ein wunderschönes Fantasybuch mit einem wahren Feuerwerk an intelligenten Ideen und Ausführungen. Ideal für EinsteigerInnen. Schwer aus der Hand zu legen! Anne Artner
Margaret Weis: Die Herrscherin der Drachen. Das Verbotene Land 1. Blanvalet, München 2005. Tb., 370 S.
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Der Purpurkaiser
Der Kaiser ist tot… der Kaiser lebt… oder doch nicht? Was hat der fiese Zwerg Lord Hairstreak diesmal ausgeheckt - präsentiert er doch den im Auftaktband Das Elfenportal erschossenen Purpurkaiser in beinahe alter Frische. Schwarze Magie ist am Werk, und die Helden Henry, Blue und natürlich Pyrgus Malvae sowie der zum Torwächter avancierte Mr. Fogarty sind einmal mehr bis zum Äußersten gefordert, um gegen die Intrigen der Nächtlinge zu bestehen.
Jugendfrische, erfindungsreiche Fantasy bot schon Band 1, in der Fortsetzung hat sich Herbie Brennan sogar noch gesteigert. Zwar wird um des Effekts und der treibenden Handlung willen ein wenig auf dem Altar der Logik geopfert, aber ein Lesevergnügen für einschlägige Fans ab 12 ist es allemal. Übrigens eines, das noch nicht zu Ende ist: Die Saga geht weiter…
Herbie Brennan: Der Purpurkaiser. dtv premium, München 2005. Tb., 358 S.
bei amazon kaufen: EUR 14,40

Die Rückkehr der Königin
Ich muss gestehen, der Autor erzählt mit Schwung und Freude an der Materie, dennoch ärgern mich die ständigen Vergleiche mit dem Großmeister der epischen Fantasyliteratur schon ziemlich. Denn Keyes erzählt zwar auch immer durch andere Personen den Handlungsverlauf, jedoch fortführend und nicht überschneidend wie George R. R. Martin. Manche Beschreibungen fallen mir schlichtweg zu flach aus und ich konnte mich des Gefühls während des Lesens nicht erwehren, dass hier einfach mehr drin gewesen wäre. In diesem Fall finde ich das doppelt schade, weil der erste Band (Der Dornenkönig) recht pfiffig war und voller interessanter Ideen steckte. Den Anschluss an diese hat der Autor nicht gar so gut - wie ich es mir gewünscht hätte - geschafft. Kurz zusammengefasst: Nach der Ermordung des Königs und der beiden älteren Töchter droht das Reich im Chaos zu versinken. Die Königin Murielle lässt durch ihren Ritter Neil ihre jüngste Tochter Anne suchen, denn sie könnte den Thron erben. Murielle kämpft an allen Ecken und Enden gegen Feinde und zuletzt bestätigen sich ihre schlimmsten Befürchtungen... Anne hat sich mit ihrer Zofe Austra weit weg geflüchtet und ist voller Zweifel, wem sie noch vertrauen kann, hat es doch schon mehrere Versuche gegeben, ihr das Leben zu nehmen. Der Wildhüter Aspar zieht weiter durch den geheimnisvollen Wald. Und welche Rolle spielt überhaupt der Praifec Hespero in dem ganzen Spiel um den Thron?
Fazit: Gute Durchschnittsware, mit zeitweilig aufblitzenden interessanten Ideen. Für Menschen, die ruhig dahin fließende Erzählungen mögen.
Greg Keyes: Die Rückkehr der Königin. Die verlorenen Reiche 2. Blanvalet, München 2005. Tb, 610 S.
bei amazon kaufen: EUR 13,40

Der Glanz des Mondes
Otori Takeo und Shirakawa Kaede, gegen den Willen sämtlicher Mächtiger des Landes miteinander verheiratet, machen sich auf um Kaedes Domäne zurückzuverlangen - eine Etappe auf Takeos langem Weg der Rache. Er ist von Feinden umgeben und entgeht nur dank seiner Stammesfähigkeiten etlichen Anschlägen; seine eigentliche Macht aber gründet sich in der wachsenden Überzeugung, dass tatsächlich alles eins ist, die so wichtig gemachten Unterschiede zwischen Verborgenen, Ausgestoßenen, Männern, Frauen, Kriegern und Bauern allesamt künstliche Schranken darstellen, die es niederzureißen gilt, sollen Frieden und Gerechtigkeit wieder Einkehr halten in den Drei Ländern.
Der Abschluss der Trilogie um den Clan der Otori punktet erneut mit seinem mitreißenden Erzählstil, die geschilderten Ereignisse sind an Plastizität kaum zu überbieten. Der Höhepunkt an bluttriefender Grausamkeit ist erreicht, die radikalen altjapanischen Ehrencodices tragen ein Übriges dazu bei, dass um der Werte und Worte willen rasch die Köpfe rollen. Die Geschichte des dritten Bandes ist eingehüllt in zahlreiche Anklänge an die bisherigen Ereignisse, was mitunter dazu führt, dass ich mich beim Lesen ein wenig allein gelassen unter allzu vielen Namen fühlte. Ein Problem, das sich allerdings von selbst erledigt, wenn die Jahrespausen zwischen dem Erscheinen der Bände wegfallen - was ja nun der Fall ist.
Ein sehr gelungenes, sehr japanisches Stück epischer Fantasy findet seinen Abschluss - wer immer diesem Genre bzw. dieser Kultur zugetan ist, wird mit Lian Hearns Opus bestens bedient.
Lian Hearn: Der Clan der Otori. Der Glanz des Mondes. Carlsen, Hamburg 2005. Geb., 491 S.
bei amazon kaufen: EUR 20,09

Die Haarteppichknüpfer
Der erste Roman des herausragendsten Science-Fiction-Autors deutscher Provenienz, Andreas Eschbach, wurde neu aufgelegt; da die beiden anderen Ausgaben aus ´98 bzw. ´99 vergriffen sind, eine erfreuliche Nachricht.
Denn Die Haarteppichknüpfer erzählt eine wirklich originelle Geschichte, eine jener literarischen Ideen bei denen man sich fragt: Wie kommt man nur auf sowas?
Eschbachs Text rast dabei durchs Universum, wechselt Schauplätze und Protagonisten - es entsteht der Eindruck einer Anthologie einzelner Erzählungen, deren Zusammenhalt die langsame Enthüllung des Geheimnisses um die Haarteppiche ist. Dennoch ist der Roman ein stimmiges Ganzes, weil der Stuttgarter Autor sich innerhalb der komplexen Erzählstruktur einer immer einsichtigen und durchdachten Sprache bedient, sodass der Leser über das Hier und Jetzt stets im Klaren ist. Die einzelnen Figuren erreichen naturgemäß keine ausgeprägte Charaktertiefe, der Entwurf als Ganzes funktioniert jedoch aufs Prächtigste - plastische Schilderungen, perfekter Rhythmus, idealer Spannungsbogen. Die Grenzen der Fiktion sind die Grenzen des menschlichen Geistes selbst - und Eschbach schafft es mühelos, seine Phantasie auf Horizonte zu erstrecken, von deren Existenz wir rein gar nichts ahnten. Niveauvolle, den Geist für neue Dimensionen öffnende Unterhaltung.
Andreas Eschbach: Die Haarteppichknüpfer. Bastei-Lübbe, Bergisch-Gladbach 2005. TB, 319 S.
bei amazon kaufen: EUR 8,19

Im Brunnen der Manuskripte
Der Titel gibt den Schauplatz vor: SpecOps-Agentin Thursday Next befindet sich in einer Art selbstgewählten Mutterschutz-Haft inmitten der BuchWelt. An sich will sie dort Abstand von den entsetzlichen Ereignissen der letzten Bücher gewinnen (deren Kenntnis unabdingbare Voraussetzung für das Lesen dieses Bandes ist) und in Ruhe ihr Kind zur Welt bringen; doch die Probleme fangen schon damit an, dass eine alte Feindin alles daran setzt, ihr die Erinnerungen zu rauben. Thurs hat bald die größten Schwierigkeiten, sich an den Vater des Kindes zu erinnern, ihren geliebten Ehemann den es nie gab…
Spannungsreiche Agentenhandlung und actionreiche Szenen sind in diesem 3. Abenteuer von Thursday Next etwas in den Hintergrund getreten, dafür - ob Sie es glauben oder nicht - fallen die detaillierten Schilderungen der fiktionalen Existenz(en) im Buchuntergrund, aus dem alles Literarische entsteht, noch skurriler aus als bisher. Subtext-Unterricht für Figuren-Rohlinge - not to be missed; Emotions-Junkies in einem superflach geschriebenen Enid-Blyton-Buch - zum Schreien. Dieses Buch sollte beim Gelesenwerden die eine oder andere Pause einlegen, sonst könnte die Übertragung der Inhalte in die Vorstellungskraft der Leser zu einem Durchbrennen der Sicherungen führen. Oder anders gesagt - wem beim Lesen der beiden ersten Bände Zweifel ob dieser verehrenden Literatur-Verspottung gekommen sind, sollte vom "Brunnen" besser nicht trinken; Fforde-Begeisterte hingegen können sich erwartungsvoll hineinstürzen.
Zuletzt noch ein Tipp: Warten Sie auf Godot! Er kommt wirklich… nun, das kann man so eigentlich nicht sagen. Aber immerhin kommt er vor - teilweise. Dank dem Großen Panjandrum!
Jasper Fforde: Im Brunnen der Manuskripte. dtv premium, München 2005. TB, 413 S.
bei amazon kaufen: EUR 15,45
Zu Band 1 - Zu Band 2

Der dunkle Mönch
Dieses Werk stellt meinen Erstkontakt mit dem Autor her, denn obwohl ich "harte", actionreiche Romane sehr mag, habe ich zuvor noch nichts von ihm gelesen. Aber das werde ich gewiss ändern! (Anm. d. Red.: Eingefleischte Salvatore-Fans halten Der dunkle Mönch für eine seiner schwächeren Arbeiten.)
Auf einen Satz "eingedampft" geht es in diesem Werk um die Entstehung eines Helden, der an allen Ecken und Enden mit Unmenschlichkeit konfrontiert wird, aber dennoch sich seine eigene Menschlichkeit bewahren kann. Teilweise sind mir die Schilderungen seiner Erlebnisse so sehr unter die Haut gegangen, dass ich kurze Lesepausen einlegen musste, weil die Intensität fast zu viel wurde. Trotzdem musste ich weiterlesen... bis zur letzten Seite.
Überzeugt haben mich sowohl die detailgetreuen Kampfszenen als auch die pralle Erzählfreude, die aus jeder Zeile spricht. Herrlich auch die augenzwinkernde Ironie, die ein altes Klischée ausgräbt - aber wie der Autor das schildert, das ist höchste Erzählkunst.
Auch das Ringen der beiden im Lande Korona existierenden Religionen richtet seinen Fokus auf die Macht, die beide für sich beanspruchen können/wollen, wobei sich hier der Autor wiederum als sehr geschickter Erzähler erweist und jede Eindimensionalität meidet. So gefällt mir das, denn auch im Leben gibt es meistens nur in unseren Köpfen eine strikte Trennung zwischen Schwarz und Weiß...
Fazit: Für alle von 14-99, die noch an HeldInnen glauben und/oder selbst welche werden wollen! Anne Artner
R. A. Salvatore: Der dunkle Mönch. Die Vorgeschichte von "Dämonendämmerung". Roman. Blanvalet, München 2005. TB, 520 S.
bei amazon kaufen: EUR 9,22

Der Krieg der Zwerge
Und weiter geht die wilde Jagd um Tungdil Goldhand, der schon in Die Zwerge seine Heimat, das Geborgene Land, vor seinen inneren und äußeren Feinden geschützt hat. Der Krieg der Zwerge setzt nahtlos an die Geschehnisse im ersten Band an und spinnt die dort angedeuteten Bedrohungen weiter: Die verräterischen Dritten wittern Morgenluft, der gefallene Stern hinterlässt eine Spur der Verwüstung, Tungdils Liebe zu Balyndil ist auf dem Prüfstand und über allem schwebt die Frage: Waren No´donns Warnungen vor einer Gefahr aus dem Westen haltloses Geschwafel - oder enthielten sie doch einen wahren Kern?
Gut gezeichnete Charaktere, ausführliche Schlachtenschilderungen, unvermutete Wendungen und weder platte Klischeés noch Moralisierung - der Autor hat meiner Meinung nach noch an orientalischem Märchenerzählertalent dazu gewonnen. Interessant wäre es, ob Der Krieg der Zwerge auch für LeserInnen, die Die Zwerge noch nicht kennen, gut lesbar und verständlich ist. Hier bleibe ich etwas skeptisch, auch wenn Markus Heitz genau dies in seinem Vorwort als eines der Kriterien für eine gelungen Fortsetzung geltend macht.
Fazit: Besser als der Vorgänger und mit noch mehr unverfälschten Zwergen drin! Anne Artner
Markus Heitz: Der Krieg der Zwerge. Roman. Piper, München Zürich 2004. TB, 600 S.
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Die Zwerge
Sie sind klein, schlagkräftig, begnadete Handwerker, rasend im Kampf und so stur, dass nicht einmal das Böse selbst sie von ihren zwergischen Eigenarten abzubringen vermag. Markus Heitz hat es übernommen, den grimmigsten Helden aus Tolkiens Herr der Ringe ein Denkmal zu setzen - und er hat diese Aufgabe so bravourös gelöst, dass mit Der Krieg der Zwerge bereits ein Nachfolgeband erschien, der von der Fangemeinde nicht minder begeistert aufgenommen wurde.
Man merkt dem Fantasy-Schmöker in jeder Zeile an, wie viel Freude es dem Autor bereitet hat, ihn zu schreiben - temporeich und spannend sind die Abenteuer von Tungdil, dem gelehrten Zwerg, der als einziger in der Lage scheint, dem vom reinen Bösen besessenen Magier Nod´onn entgegen zu treten. Heitz unternimmt niemals den Versuch, etwas anderes als reine Unterhaltungsliteratur abzuliefern, und so spritzt das Blut mit größter Leichtigkeit, zersplittern die Äxte Orkknochen dass es eine wahre Freude ist. Fein ausgearbeitet in den Details, bilderreich und voller fantastischer Zutaten - ungetrübtes Lesevergnügen für alle, die Ernsthaftigkeit und Fantasy schon immer für unvereinbar hielten…
Markus Heitz: Die Zwerge. Piper, München 2004. TB, 621 S.
bei amazon kaufen: EUR 14,42

Das Schiff der Gaukler
Weiter geht es mit den Abenteuern der ungezähmten, rothaarigen Katla Aransen, der Söldnertruppe um die kraftstrotzende Mam, der geheimnisvollen Rosa Eldi, die jeden Mann in ihren Bann schlägt. Die erwachende, ungezügelte Magie verursacht unerklärliche Phänomene auf Elda; im Süden der Welt wird ein neuer Krieg gegen den Norden vorbereitet. Katlas Vater hält unbeirrbar an seinem Plan fest, Refugium zu erreichen, die hoch im Norden gelegene Eisfeste eines machtvollen Magiers.
Zaubergold 2 ist keine eigene Geschichte, sondern schließt unmittelbar an das dramatische Finale des ersten Bandes an und hört wie dieser mitten im Geschehen auf. Der Sog der Geschichte ist jedoch enorm, Fantasy von bester Qualität mit allem was dazu gehört. Das Mittelstück überzeugt ungeachtet des traditionellen Problems, ohne Anfang und ohne Ende dazustehen. Wer Band 1 mochte, darf sich auf eine würdige Fortsetzung freuen.
Jude Fisher: Das Schiff der Gaukler. Zaubergold 2. Blanvalet, München 2005. TB, 669 S.
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Die Drachen
Ich muss gestehen, dieses Werk hat mich durch seinen Einfallsreichtum regelrecht vom Sessel gerissen. Ohne großartigen "Vorspann" wurde ich als Leserin in den unwiderstehlichen Sog der Geschichte hineingezogen: Seit langer Zeit existieren nur noch sehr wenige Drachen und diese verkleiden sich mit Vorliebe, da sie sonst ihres Lebens nicht mehr sicher sein würden. Denn früher haben die Drachen und Menschen gemeinsam die so genannten Drei Schwestern [=Mondphasen?] verehrt, welche aber von einem machtgierigen Drachen und seinen übelwollenden Verbündeten ins Exil geschickt wurden. Seither verehren fast alle Menschen den Sonnendrachen Phuram - aber einige wenige halten den Schwestern und besonders dem Mond die Treue. Die SonnenverehrerInnen wollen mit den Mondscheinern nichts zu tun haben und dennoch muss sich der geheimnisvolle "Sammler" Ruadh auf die Suche nach 13 ungewöhnlichen Sonnenanbetern machen, denn nur mit deren Hilfe kann die Rückkehr der Drei Schwestern gelingen...
Auch wenn einige Dinge während des Lesens ein wenig kraus erscheinen mögen, darf man/ frau darauf vertrauen, dass es für diese im Laufe der Geschichte sehr wohl ausführliche Erklärungen gibt. Rosenfeuerdrachen, geheimnisvolle Tätowierungen, die nur im Mondlicht und für andere Mondscheiner sichtbar werden, die Beschreibungen der Paläste, religiöser Praxen, exotischer Landschaften, der Einfallsreichtum der wenigen Drachen, lebendige Charakterbeschreibungen - einfach toll, wie die Autorin hier innerhalb von ein paar Sätzen mit größter Selbstverständlichkeit eine zauberhafte Welt ausbreitet. Der einzige Wermutstropfen ist der Schluss: Hier vermute ich sehr stark eine baldige Fortsetzung - aber das wäre ja auch nicht schlecht... Anne Artner
Julia Conrad: Die Drachen. Roman. Piper, München Zürich 2005. TB, 500 S.
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Kleine freie Männer
Eine "Kräuselung in der Welt" ist wahrlich "Besorgnis erregend" - besonders wenn sie im neuesten Scheibenwelt-Roman von Terry Pratchett auftritt. Wie sich herausstellt, gibt es Probleme mit einer ebenso märchen- wie alptraumhaften Parallelwelt. Doch Tiffany, mit zarten Neun bereits eine hervorragende Käsemacherin, hat ihre erste Hexenlektion schon gelernt: Sie kümmert sich. Auch um ihren klebrigen und eigentlich eher lästigen kleinen Bruder, der plötzlich spurlos aus dem heimischen Kreideland verschwindet, gefangen im Land der ewigen (Alp)träume. Doch ohne die Hilfe der streitlustigen und kampfbereiten Kobolde wäre sie wohl nicht allzu weit gekommen.
Ein neuer Pratchett, ein neuer Scheibenwelt-Roman, ein neuer Beitrag zur Abteilung Hexen - und doch wieder ein wenig anders. Pratchett, dem anscheinend niemals die Ideen ausgehen, hat diesmal dem Titel nach Kobolde in den Mittelpunkt gestellt, die auf überragend komische Weise die Pikten (oder Schotten) parodieren. Die eigentliche Heldin der Geschichte ist jedoch Tiffany, die der Erfüllung ihres geheimen Wunsches nachjagt: Hexe zu werden. Was genau das eigentlich bedeutet, wie frau dorthin gelangt und warum die Grenzen zwischen Magie und dem, was alle dafür halten, durchaus verschwimmen können erfahren wir in dieser Geschichte.
Sanfterer (für Pratchett-Verhältnisse), stellenweise poetisch-träumerischer Text, der im Grunde nichts weniger als eine Erleuchtungslektüre darstellt - geeignet für beiderlei Geschlecht und durchaus auch für die durchschnittliche Charmed-Seherin ab 10 Jahren, die hier einmal Gelegenheit erhielte, den Blick auf das wirklich Wesentliche zu richten.
Terry Pratchett: Kleine freie Männer. Ein Märchen von der Scheibenwelt. Goldmann, München 2005. Geb., 320 S.
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Der gläserne Berg. Kristallwelt 2
Um Fortsetzungsgeschichten vollziehe ich (daran ist nur George R. R. Martin Schuld!) normalerweise einen Bogen, denn ich hasse es, wenn ich ewig auf die Fortsetzung(en) warten muss. In diesem Fall habe ich mich aber wieder gerne in die zauberreiche Kristallwelt entführen lassen, denn wie schon im ersten Band erwartet mich ein wahres Feuerwerk an Inspiration und Imagination.
Alleine die Vorstellung, wie die junge Schamanin Annat innerhalb der gut bewachten Internatsmauern ihr Dasein fristet, hat mich vor mich hin kichern lassen, ebenso die Beschreibung des Colleges, das ihr Bruder Malchik besucht. Die Autorin scheint nicht die besten Erinnerungen an ihre eigene Schulzeit zu haben... Außerdem verfügt sie über ein religionsgeschichtliches- und wissenschaftliches Konzept, das sich immer deutlicher herauskristallisiert: 1. Für SchamanInnen gibt es sehr wenige Grenzen, weder ethische noch räumliche oder gar zeitliche; 2. die Vorschriften und Bräuche der "Wanderer" (Juden) und der "Roma" (Sinti und Roma) gleichen einander in der Kristallwelt in mancher Hinsicht; 3. die Schilderungen der Seelenwanderung lassen auf ostasiatische Vorstellungen schließen; 4. die SchamanInnenreisen ähneln sehr stark den zentralasiatischen, 5. wie Yuste ihre Macht zurückbekommt, erinnert mich sehr an Frazers Darstellungen der sympathetischen Magie; etc. etc. Ich finde es wirklich toll, wie die Autorin ihre Ideen mit schon vorhandenen Rezeptionsvorlagen zusammenspannt! Denn so entgeht die geschätzte Leserschaft auf jeden Fall der Langeweile. Anne Artner
Jessica Rydill: Der gläserne Berg. Kristallwelt 2. Blanvalet, München 2005. TB, 442 S.
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Eine Billion Dollar
Eine Entschuldigung vorweg: Neu auf dem Buchmarkt ist diese Mammutarbeit des Stuttgarter Science Fiction-Autors nicht - die gebundene Ausgabe ist bereits 2001 erschienen. Nach der Lektüre bleibt allerdings nur leicht resigniertes Wundern ob der Tatsache, dass diese einzigartige Vermengung von prägnanter, auf den Punkt gebrachter Zukunftsforschung, präziser Analyse des Seins und Werdens der Welt und einer stets wunderbar leicht lesbaren, spannenden und facettenreichen Story nicht einen ähnlich globalen Erfolg wie etwa Dan Browns Sakrileg für sich verbuchen konnte. Vielleicht liegt es ja daran, dass die katholische Kirche reif für den Abschuss ist - Gott Mammon hingegen fester denn je im Sattel sitzt …
Der Ausgangspunkt: John Fontanelli, erfolg- und zielloser Schuhmachersohn in New York, erbt das größte Vermögen der Menschheitsgeschichte: 1.000.000.000.000 Dollar. Und dazu eine vage Prophezeiung, er, der Erbe, würde der Menschheit die "verlorene Zukunft" wiedergeben.
Mit ungeheurer Liebe zum (charakterlichen) Detail erleben wir, wie John den Reichen zu spielen beginnt, an sich zweifelt, unter der Last der Verpflichtung zusammenzubrechen droht, zum global player mutiert. Was ist der eigentliche Grund des ganzen Elends? Armut, Bevölkerungsexplosion, Bodenerosion, Umweltzerstörung, die Geldwirtschaft? Die Machtstrukturen? Oder alles zusammen? Wer hat die Macht - und wer verleiht sie ihnen?
Ein bahnbrechendes, prophetisches Werk, das fachlich stets fundiert bleibt und dank der typisch klaren Eschbach-Sprache hervorragend fassbar ist. Unterhaltsam, spannend, Wissen vermittelnd, provokant, auf grundlegende Weise zum Nachdenken anregend und selbst im Anblick der nahenden Apokalypse einen Funken Hoffnung bietend. Eine Anleitung zum Überleben der Menschheit, die besser heute als morgen in Angriff genommen werden sollte.
Andreas Eschbach: Eine Billion Dollar. Lübbe, Bergisch-Gladbach 2003. TB, 887 Mrd. S.
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Sturm über Windhaven
Ein Leben in einem Tag - so lange hat es gedauert vom Traum eines muschelsammelnden Mädchens bis zu ihrem letzten Flug zu lesen. 450 Seiten vom Meister der epischen Fantasy, George R. R Martin, dessen Fortsetzung des monumentalen Lieds von Eis und Feuer ungeduldig entgegengefiebert wird. Neu ist eine Taschenbuchausgabe der Geschichte von Maris, der Fliegerin auf der weit verstreuten Inselwelt mit ihren nie endenden Stürmen, freilich nur für den deutschsprachigen Markt: Im Original erschien die Koproduktion mit Lisa Tuttle bereits 1981, vor Martins halb vollendetem opus maximus.
Ein geistvoller Plot, packende Schilderung, interessante, widersprüchliche Charaktere, das ewige große Thema des Ringens polarer Kräfte (Tradition und Veränderung in diesem Fall) - die Erfolgs-Zutaten in bester Martin-Manier sind alle vorhanden. Die Heldin selbst verdanken wir vermutlich Lisa Tuttle: Maris Traum, Kampf, Sturz, Überwindung und Erlösung zu folgen ist voll vibrierender weiblicher Energie.
Ein kraftvolles, meisterlich gezimmertes Fantasy-Kleinod voller Weitsicht und schillernden Wortbildern - realer anmutend als so mancher Thriller der Jetztzeit.
George R. R. Martin/Lisa Tuttle: Sturm über Windhaven. Blanvalet, 2005. TB, 448 S.
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Das Museum der gestohlenen Erinnerungen
Die Zwillinge Jessica und Oliver müssen erkennen: Sie haben ihren Vater vergessen! Diese mehr als beunruhigende Tatsache veranlasst sie zu Nachforschungen, die sie bald auf die Spur von Quassinja führt - dem Reich der verlorenen Erinnerungen. Dort tobt ein Machtkampf: Xexano will sich zum Herrn aller Erinnerungen aufschwingen - und damit zum Herren der Welt …
"Ein phantastischer Roman" kündigt der Untertitel an, und tatsächlich ist diese groß angelegte Allegorie wider das Vergessen sowohl ein Tummelplatz der Phantasie als auch, von der einen oder anderen Länge insbesondere am Anfang abgesehen, ausgezeichnet. Für junge Menschen von 13 bis 130 eröffnet sich eine Welt, in der zahlreiche historische Fakten mit ebenso viel reiner Fiktion absichtsvoll zu einem undurchdringlichen Netz verwoben wurden. Eindeutig ist nur eines: Wer vergisst, ist denselben Schmeicheleien und falschen Versprechungen selbst ernannter "Führer", "Gurus" oder sonstiger machthungriger Existenzen, die schon so oft die Massen ins Verderben führten, hilflos ausgeliefert - und weiß nicht einmal von seinem Marionettenzustand. Ein spannend zu lesendes, unterhaltsames Plädoyer für die Erinnerung und das Recht auf eigenes Denken und eine eigene Meinung.
Ralf Isau: Das Museum der gestohlenen Erinnerungen. Sonderausgabe, Thielmann, Stuttgart 2003. Geb., 671 S.
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Der Zeitdieb
Terry Pratchetts berühmte Scheibenwelt funktioniert nach einem einfachen Grundprinzip: Alles was sein kann geschieht irgendwann und irgendwo. Und die überbordende Fantasie des Autors sorgt dafür, dass "alles" eben … alles ist. Was im konkreten Fall u.a. bedeutet: ca. 90 % mehr als alles, denn nur was beobachtet wird existiert, jene 90 % buchhalterischen Entitäten die mit dem Beobachten beschäftigt sind also eigentlich nicht…
Dieser gefährlichen Masse an grauen, vollkommen fantasielosen Wesenheiten, den Revisoren, ist die Menschheit ob ihres eindrucksvoll zur Schau gestellten Wahnsinns ohne erkennbare Methode ein prinzipieller Dorn im Auge, der ein für alle mal beseitigt und durch perfekte, immerwährende Ordnung ersetzt werden soll - durch den Diebstahl der Zeit…
Die verstreute Allianz der Kämpfer für die "gute" Sache besteht aus Fräulein Susanne, der Enkelin des Todes, Tod selbst, dem 800 Jahre alten Kehrer Lu-Tze und seinem perfekt Zeit schneidenden Schüler Lobsang, einem Milchmann, den apokalyptischen Reitern und einigen extraschrägen Figuren mehr. Zeitlose Weisheiten (z.B. über die Zeit), die Offenbarung durch Banalität, ein raffinierter und spannender Plot und dies alles genial witzig geschrieben, wie es nur ein echter Meister zu Stande bringen kann.
"Im Zweifelsfall sollte man sich für das Leben entscheiden", meint Lu-Tze, und im Fall von Lesestoff kommen Sie nach dieser Devise an Terry Pratchett nicht vorbei…
Terry Pratchett: Der Zeitdieb. Goldmann, München 2004. TB, 379 S.
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Die Endzeit-Ingenieure
Nach dem großen Impakt beherbergt eine computergesteuerte Mondstation die Überreste irdischen Lebens: Zellen und DNA-Proben von Pflanzen, Tieren und einigen ausgewählten Menschen. Diese werden über Jahrtausende immer wieder geklont, jede Generation von Robovätern und Holobildern ihrer eigenen Originale ausgebildet. Der Auftrag: Die Erde wieder für (menschliches) Leben bewohnbar zu machen.
In rasendem Tempo werden Äonen durcheilt bis zur buchstäblichen Auflösung des gesamten Evolutionsprozesses…
Jack Williamson, dessen erste Veröffentlichung nicht weniger als 76 (!) Jahre zurückliegt, hat im Verlauf von Jahrzehnten jeden wesentlichen Preis für SF erhalten, wurde zum Grand Master ernannt und gilt offiziell als Erfinder der Bezeichnungen genetic engineering und terraforming. Dieses Spätwerk einer lebenden Schriftstellerlegende schlägt einen ruhigen, entspannten, dabei aber immer überlegten und kritischen Ton an. Mr. Williamson, so scheint es, hat seinen Frieden gemacht: Seine Perspektive enthält kosmische Weitsicht gepaart mit der Demut eines wahren Weisen.
Jack Williamson: Die Endzeit-Ingenieure. Bastei-Lübbe, Bergisch-Gladbach 2004. TB, 431 S.
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In einem anderen Buch
Nahtlos geht der Irrwitz weiter: Thursday Next, nach wie vor auf den wenig renommierten Posten einer Literatur-Agentin verbannt, wird als willkommener PR-Gag durchgereicht - die Rettung von Jane Eyre und die Vernichtung des Erzschurken Acheron Hades sollen dem undurchsichtigen Special Operations Network ein wenig positive Publicity verschaffen. Doch auch die Goliath Corporation mischt sich ein - Jack Schitt ist immer noch in Poes Raben gefangen und sein Halbbruder setzt alles daran, ihn wieder herauszuholen.
Während dieser Entwicklungen sterben sämtliche SpecOps 5-Agenten, die zur Überwachung von Thurs eingesetzt werden, und ihr Leben ist aufgrund absolut ungewöhnlicher Zufälle mehrmals in Gefahr. Als dann ihr Vater auftaucht und erklärt, die Welt würde sich in rosafarbenen Schleim verwandeln und Thurs frisch angetrauter Ehemann genichtet wird, ist es wieder so weit: die Spezialagentin muss sich an allen Fronten zugleich behaupten, um ihr Leben, das ihres Mannes und der ganzen Welt kämpfen… da sind ein paar Untote zwischendurch wirklich eine willkommene Abwechslung.
Abgefahrener Edel-Nonsens, bekiffte literarische Achterbahnfahrt, Thriller, Horror, Fantasy und Science Fiction, für manch einen vielleicht auch ein völlig überwürztes Gericht, bei dem von den einzelnen Zutaten fast nichts mehr zu bemerken ist - Jasper Fforde hält In einem anderen Buch wieder rein gar nichts von Genres oder Konventionen und bombardiert den Leser regelrecht mit allerschrägsten Einlagen. Dass es ihm bei der Überfülle an Gags dennoch gelingt, eine durchdachte und spannende Geschichte zu erzählen, ist eine Meisterleistung - auch wenn es recht lange dauert, bis sich in dieser Fortsetzung ein eigenständiger Plot zu entwickeln beginnt. Es ist dringend anzuraten, In einem anderen Buch unbedingt nach dem Fall Jane Eyre zu lesen, ohne diese Vorbildung könnten Sie sich in diesem irren Garten der Wörter allzu rettungslos verirren…
Jasper Fforde: In einem anderen Buch. dtv premium, München 2004. TB, 417 S.
bei amazon kaufen: EUR 15,-

Die vergessenen Götter
Asgard ist nicht länger der Sitz der nordischen Götter - außer Odin fadisiert sich keiner mehr in der heruntergekommenen, von ewigen eisigen Winden verblasenen Gegend. Als seine beiden Raben ihm einen Vorschlag machen, geht er darauf ein - schließlich ist jede Abwechslung recht angesichts von Äonen der Gleichförmigkeit.
Ariane, Institutssekretärin in Köln ohne größere Karriereaussichten oder -ansprüche, interessiert sich sehr für den riesigen, einäugigen Mann, der da unvermittelt vor ihr steht. Als er sich als "Odin" vorstellt, ist sie zunächst nur irritiert darüber, wie Eltern ihren Kindern solche altbackenen, braunrüchigen Namen geben können.
Doch Odins Anwesenheit ruft noch einen anderen der vergessenen germanischen Gottheiten auf den Plan: Loki, Meister der List und Niedertracht, hat in der Zwischenzeit einen neuen Posten übernommen - als Luzifer steht der der neumodischen, heißen Hölle vor, die die alte nasskalte Hel abgelöst hat. Sein böser Wille reicht bei weitem aus, um sich diese Chance auf Fortsetzung des Jahrtausende währenden Konflikts nicht entgehen zu lassen - und Ariane steht unvermittelt zwischen den Fronten und muss alles daran setzen, vom Spielball der Götter wieder zu einem selbstbestimmten Menschenwesen zu werden.

Was für ein Debüt! Annette Schaumlöffels spitzbübisch vorgetragene Mixtur aus nordischer Mythologie und Beziehungskiste bewegt sich virtuos zwischen launiger Fantasy und emanzipierter Romantik hin und her, spart nicht mit trefflichen Seitenhieben auf das Wesen der Götter und der Menschen und schreckt auch nicht davor zurück, weibliche Urängste in überaus drastischer Weise zum Thema zu machen. Magie, Sex & Crime und mittendrin Ariane in einem unerträglich überheizten Auto. Überaus unterhaltsam und dabei durchaus mit Tiefgang und echter Originalität gesegnet ist der Text und man darf sich schon darauf freuen, was Schaumlöffel als nächstes zu Tage fördert.
Annette Schaumlöffel: Die vergessenen Götter. Blanvalet, München 2004. TB, 506 S.
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Der Jahrmarkt der Magier
Einmal im Jahr ist Allmarkt: Die Gelegenheit für Handel und Politik, die Gelegenheit für ein Aufeinandertreffen der drei Völker Eldas - die südländischen Istrier, arrogante Eroberer, die ihre Frauen hinter Subatkas verstecken; die nordischen Eyrer, Seefahrer und Schiffbauer und von den Istrieren sukzessive nach Norden getrieben; und die Fahrenden, ein buntes Volk fern der üblichen Konventionen.
An diesem Allmarkt taucht jedoch noch ein viertes Element auf - die verloren geglaubte Magie der Erde erwacht zu neuem Leben. Und alles wird stärker…
Jude Fisher schuf mit ihrem Auftakt zur obligaten Trilogie eine Fantasy-Saga, die sich getreulich sämtlicher Zutaten des Genres bedient, daraus aber überaus fesselnde, neu anmutende Gerichte zu bereiten weiß. Versink-Qualität ist dem Buch reichlich zu eigen - nicht zuletzt dank der Charaktere, die erfreulich komplex beschrieben und selten in ein einfaches Muster zu stecken sind. Das Debüt der bisher als Verlegerin von Fantasy in Erscheinung getretenen Autorin erfüllt alle Ansprüche an unterhaltende fantastische Literatur.
Jude Fisher: Der Jahrmarkt der Magier. Zaubergold I. Blanvalet, München 2004. TB, 606 S.
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Der Fall Jane Eyre
Alice im Wunderland der Walisischen Volksrepublik fährt einen knallbunten Porsche, kämpfte im 121. Jahr des britisch-russischen Krimkrieges und ist Teil des Special Operations Network, als Literatur-Agentin mit SpecOps 27 einer allerdings eher gering geschätzten Unterabteilung zugeteilt. Aber Thursday Next, Tochter eines flüchtigen ChronoGuarden (SpecOps 12), bekommt es trotzdem mit dem drittmeist gesuchten Verbrecher der Gegenwart zu tun: Sie als einzige noch Lebende hat Acheron Hades je zu Gesicht bekommen. Dessen Plan ist böse um seiner selbst willen: Das Überleben eines der bedeutendsten Werk der englischen Literatur steht auf dem Spiel. Jane Eyre wurde aus ihrem eigenen Roman entführt…
Skurril, eigensinnig, spannend, komisch - und süchtig machend. Mehr von Jasper Fforde! Zwei weitere Thursday-Next-Abenteuer sind auf Englisch bereits erschienen. Übrigens - man muss keineswegs Brontë oder eines der sonstigen erwähnten Werke gelesen haben, um genussvoll in die absurde Welt der walisischen Mischung aus Douglas Adams und Anthony Burgess eintauchen zu können.
Jasper Fforde: Der Fall Jane Eyre. dtv premium, München 2004. TB, 376 S.
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Die Eisgöttin
Was für ein geglücktes Debüt!
Wer sich — so wie ich — gerne mit Märchen und Sagen aus aller Welt beschäftigt, ist mit diesem Roman gut versorgt.
Die Geschwister Malchik und Annat sollen nach vielen Jahren ihren Vater, den Schamanen Yuda, wieder treffen. Dieser entpuppt sich als ein ziemlich raubeiniger Geselle, der sich weder besonders um Konventionen noch um die Kinder kümmert. Im Zuge der gemeinsamen Reise wird Malchik entführt und sein Vater ermöglicht auch den Reisegefährten den Zugang durch ein Schamanentor in eine ihnen allen fremde Welt, in der auf Schritt und Tritt Gefahren lauern.
Im Laufe der Reise klären sich einige, zu Beginn des Buches etwas befremdlich wirkende Annahmen der Figuren auf: So stellt sich nun z.B. heraus, dass Annats und Malchiks Mutter aus diesem fremden Land jenseits des Schamanentores gekommen war.
Obwohl mich diese und andere Ungereimtheiten anfangs etwas irritiert haben, vertraute ich einfach darauf, dass eine so geschickte Autorin diese Rätsel schon auflösen würde...
Annat, Malchik und Yuda gehören zum Volk der Wanderer, wobei mir recht schnell klar war, dass hier das jüdische Volk mit seinen Bräuchen, Märchen, Sagen und Religionsvorstellungen gemeint sein könnte. In ihrer Welt existieren Technik und Magie nebeneinander, während sich die Autorin als sehr geschickt in der Konstruktion neuer, überraschender Erzählfäden erweist. Außerdem hat Jessica Rydill bei den Schilderungen der Schamanenreisen und -kräfte auf die in der Forschung dokumentierten Motive zurückgegriffen. Ich schätze AutorInnen, die ihre "Hausaufgaben" (Recherchen) ordentlich erledigen!
Die Eisgöttin ist ein Werk, das mich Großes für die folgenden Bände hoffen lässt und das ich sehr schwer aus der Hand legen konnte. Anne Artner
Jessica Rydill: Die Eisgöttin. Kristallwelt 1. Blanvalet, München 2004. TB, 480 S.
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Der Dornenkönig
Trotz jubelnder KritikerInnen leider doch kein neuer George R. R. Martin.
Die Geschichte ist rasch erzählt: Das Königreich Crothenien wird sowohl von inneren wie auch äußeren Feinden heimgesucht und nur eine Handvoll Getreuer vermag es, dem Bösen zu widerstehen. Diese Getreuen bestehen aus einer Prinzessin, ihrer Hofdame, einem Fechtkunstschüler und seinem Meister, einem Wildhüter und seiner Liebsten, der Königin und ihrem Ritter und einem ehemaligen Mönch. Die Zusammenstellung lässt also schon einiges an Schwierigkeiten, denen die Getreuen in den folgenden beiden [?] Bänden ausgesetzt werden, ahnen.
Es fiel mir während des Lesens nicht schwer, Sympathien für die Figuren zu entwickeln und mich über die ausschweifenden Darstellungen, denen sich der Autor hingegeben hat, zu freuen oder die verschiedenen Sprachen, die im Werk vorgestellt werden, zu würdigen.
Die hier im Werk skizzierten Kirchenmänner erscheinen mir - als ehemals für die Evangelische Kirche tätig - sehr gut dargestellt; ebenso konnte ich den Wissenshunger des ehemaligen Mönches und seine Freude über die riesige Bibliothek gut nachvollziehen.
Trotzdem: Der Autor erreicht zwar Plastizität, Empathie und Spannung in und für seine Figuren, jedoch bleiben sie leider für mein Gefühl trotzdem zu flach, zu stereotyp — und zu vorhersehbar in ihrem Handeln und Denken.
Als "Einstiegslektüre" für solche Werke wie George R. R. Martins Epos Das Lied von Eis und Feuer (siehe weiter unten) eignet sich Der Dornenkönig ohne Zweifel. Anne Artner
Greg Keyes: Der Dornenkönig. Die verlorenen Reiche 1. Blanvalet, München 2004. TB, 688 S.
bei amazon kaufen: EUR 13,40

Der Pfad im Schnee
Pünktlich auf Jahr und Tag liegt uns Teil 2 der Japan-Fantasysaga vor, die mit Das Schwert in der Stille für so viel begeisterte Anteilnahme gesorgt hat. Während Teil 1 gerade um den Deutschen Jugendliteraturpreis 2004 ringt, haben Takeo Otori und Shirukawa Kaede verständlicherweise völlig andere Sorgen: Er wird beim Stamm aufgenommen und soll nach dem Willen der Meister zuallererst Gehorsam lernen - bevor sein Herz verhärtet wird, um ihn für die gleichgültige Grausamkeit seiner neuen Umgebung empfindungslos zu machen. Kaede wiederum steht vor den Trümmern ihrer heimatlichen Existenz und macht sich daran zu lernen, wie ein Mann zu denken und zu handeln - denn sie hat vor, ihr Erbe zu beanspruchen, und weiß um die nötige kalte Entschlossenheit in ihr. Sie, nicht Takeo, hat den größten Kriegsherrn der Drei Länder umgebracht…
Im Stil stimmig weitergeführt, punktet Teil 2 mit den bekannten Qualitäten: eine farbenprächtig und sinnlich erzählte, actionreiche Geschichte, die überzeugend ein feudales, mittelalterliches Japan vor unserem Auge entstehen lässt. Die Story hingegen enttäuscht ein wenig, denn letztlich werden die ganzen 400 Seiten zur Überbrückung hin zu Teil 3, in dem sich dann die Prophezeiung erfüllen wird. Ein in diesem Sinn typisches Mittelstück einer - hochklassigen - Trilogie. Keinesfalls als Einzelroman zu lesen.
Lian Hearn: Der Pfad im Schnee. Der Clan der Otori Buch 2. Carlsen, Hamburg 2004. Geb., 397 S.
bei amazon kaufen: EUR 18,50

Imagon
Der Geophysiker Poul Silis wird zu einem riesigen Krater beordert - mitten in der Eiswüste Grönlands. Sehr bald wird deutlich, dass der Krater keinesfalls durch einen Meteoriteneinschlag entstanden ist; vielmehr führt das Rätsel in unvordenkliche Zeiten und offenbaren die Erde als Spielplatz äonenalter, außerirdischer Rassen, deren Andenken in der mündlichen Überlieferung der Inuit in Form eines Götterdämmerungs-Mythos erhalten geblieben ist. Das Schicksal der Menschheit ist besiegelt…
Michael Marrak packt Thriller, Mythologie, wilde Spekulation und Science Fiction in eine aus meiner Sicht überfrachtete Geschichte, der aufgrund der mangelnden Präzision der Schilderung und einer Unzahl von kommentarlos eingestreuten Fachausdrücken ein befriedigendes Maß an Lesefluss und Verständlichkeit abgeht. Unnötig kompliziert, im negativen Sinne verwissenschaftlicht und wenig bildhaft scheitert der Autor daran, seine apokalyptische Vision nachvollziehbar und glaubhaft zu vermitteln. Selbstverständlich fehlt es dem Text mit dem roten Faden auch an der an selbigem aufhängbaren Spannung. Andere erlebten dieses Buch hingegen als herausragenden Science-Horror - die amazon-Publikumswertung ist hervorragend, der Roman wurde mit dem Kurd-Lasswitz-Preis für den besten Roman des Jahres 2002 ausgezeichnet. Ist eben Geschmackssache.
Michael Marrak: Imagon. Bastei Lübbe, Bergisch Gladbach 2004. TB, 572 S.
bei amazon kaufen: EUR 9,20

Das Lied von Eis und Feuer
Zugegeben - eine Neuerscheinung ist dieses Opus nicht und hätte insofern keine Berechtigung, unter dieser Rubrik zu erscheinen. Andererseits: für mich war es eine neue Erscheinung. Und mein Wunsch, es Ihnen ans Herz zu legen, ist nach dem Verschlingen von annähernd 4.000 Seiten einfach zu drängend geworden, um die bisher 6 Bände direkt an jenen Ort zu stellen, wo sie eigentlich hingehörten: Best of Fantasy.
"Die vielleicht beste epische Fantasy überhaupt!" wird Marion Zimmer Bradley, Autorin der "Nebel von Avalon" und zahlreicher anderer guter Schmöker, auf jedem der Bände zitiert. Bis auf das "vielleicht" ein unbedingt zitierwürdiger Satz. Das Lied von Eis und Feuer, die in erster Linie historisierende und erst in zweiter magisch-mysteriöse Geschichte um die sieben Königslande von Westeros und das "Spiel der Throne", sprüht vor Ideen, prunkt mit sprachlichen Bildern voller Macht und Einfallsreichtum, überzeugt sprachlich (auch in der Übersetzung) und ist in Besorgnis erregendem Ausmaß spannend, ja Lesesucht erzeugend. Dem Fortschreiten dieser Bücherseite hat es nicht wirklich gut getan - etwas anderes zu lesen kam die letzten Wochen einfach nicht in Frage.
Es kommt einer Folter gleich: Quälend langsam schreitet die Handlung voran, denn so viel ist von den einzelnen Ereignissen zu berichten. Dies wiederum geschieht auf unnachahmlich packende Weise. Und so verlieren wir uns in einer unermesslichen Detailfülle, verstrickt in "Zeitgeschichte", und wollen mehr und immer noch mehr erfahren, wissen wie es weitergeht… und müssen doch bald erkennen, dass genau da der Hund begraben liegt. Es wird weitergehen - so ewig wie das Leben. Ein Ziel gibt es nicht, nicht im Großen, nur für die handelnden Personen, großteils Spielfiguren auf dem Brett des Lebens, Marionetten ihrer Verknüpfung in ihre eigene (Familien)-Geschichte. Das Ende, ja, das Ende gibt es schon - für alle kommt es, eher früher als später. Valar morghulis; alle Menschen sterben.
George R. R. Martin hat Leben erschaffen. So echt sind seine Figuren, so fernab jeder einfachen Charakterisierung, dass wir sie kennen, lieben und hassen lernen als wären sie tatsächlich existent. Verzeihung: Sie sind existent - Martins Leben ist wirklicher als das der meisten Menschen auf diesem Planeten - eine Frage der Wahrnehmung. Sein Leben wimmelt auf seinem Lebensspielplan, kleinlich mit sich selbst beschäftigt, blind für die ewigen polaren Kräfte, die es in die Zange nehmen. Wir Leser wissen ein wenig mehr, haben eine etwas bessere Chance, den Überblick im Chaos des Daseins zu bewahren, in dem sich all die vielen Spielfiguren so unendlich wichtig nehmen. Einfach ist das wahrlich nicht. Und vor allem: Das Leben endet nicht; die Bücher aber schon. Mr. Martin kämpft dagegen an: 911 Manuskriptseiten des nächsten Bandes sind fertig gestellt. Jetzt heißt es also warten. Was das Leben so mit sich bringt.
George R. R. Martin: Das Lied von Eis und Feuer. TB, Blanvalet-Verlag 1997-2002. Anm. zur dt. Ausgabe: Die amerikanischen Originalausgaben sind in der Übersetzung in jeweils 2 Bänden erschienen.
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Band 1, Die Herren von Winterfell, 543 S., EUR 12,40
Band 2, Das Erbe von Winterfell, 477 S., EUR 11,90
Band 3, Der Thron der Sieben Königreiche, 542 S., EUR 12,40
Band 4, Die Saat des goldenen Löwen, 605 S., EUR 12,40
Band 5, Sturm der Schwerter, 701 S., EUR 12,40
Band 6, Die Königin der Drachen, 798 S., EUR 13,50

Der rote Löwe
Hans Burger macht sich im 16. Jahrhundert auf, den Stein der Weisen zu entdecken - nicht um Gold zu erzeugen, sondern um dem Kreislauf von Leben und Tod zu entrinnen. Er schlägt alle Warnungen seines Meisters in den Wind, ja schreckt selbst vor Mord nicht zurück um in den Besitz eines ominösen roten Pulvers zu gelangen. Doch die Einnahme fordert einen schrecklichen Preis: Fortan kann Hans sich in jedem neuen Leben an alles Bisherige erinnern und schleppt seine entsetzliche Schuld von einer Existenz in die Nächste.
Maria Szepes Romanerstling aus dem Jahre 1946 gilt als ihr bestes Buch und fand Aufnahme in die Heyne-Bibliothek "Meisterwerke der Fantasy". Der darin beschriebene Erkenntnisweg gerät allerdings zur ausgedehnten Ermüdung - zündende, packende Ereignisse sind selten und wenn doch vorhanden in altbackenem Schwulst bis zur Wirkungslosigkeit erdrückt. Als Fantasy-Schmöker solcherart untauglich, vermag das Werk auch als philosophische Abhandlung keinesfalls zu überzeugen; mit Formulierungen wie "schmutziger Astral-Gischt" oder "als sie meiner unablässigen Furcht gewahr wurde, die sich unter ihrem magischen Streicheln nur für kurze Zeit legte, beschaffte sie durch das feine Instrument ihrer eigenen Seele irgendwo aus dem Akasha das Geheimnis des ,Schutzmantels'" macht sich Szepes nachgerade zur Ahnfrau einer esoterischen Diktion, die ob ihrer nebulos-verschleiernden, dabei jedoch pathetischen Ausdrucksweise nachhaltig in Verruf geraten ist.
Mária Szepes: Der rote Löwe. Heyne TB, überarb. Neuausgabe 2. Aufl. München 2003. 686 S.
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Tipps: Best of Science Fiction und Fantasy

Hearn: Otori I

Das Schwert in der Stille
Ein Massaker beendet Takeos bisheriges Leben, dank Otori Shigeru erhält er die Chance auf ein neues. Er taucht ein in eine Welt der Falschheit, der Intrigen und der Gewalt, in der Frauen Figuren auf einem Spielbrett sind und Männer für Macht ihre Seele verkaufen. Und Takeo verfügt über geheimnisvolle, dunkle Fähigkeiten, die ihn zu einer Schlüsselfigur im großen Spiel machen.
Die japanbegeisterte Autorin schuf ein Fantasyepos der Sonderklasse, dessen nun vorliegender erster von drei Teilen weltweit begeistert aufgenommen wurde. Liebe, Gewalt, Leidenschaft, Verrat, Magie, Ehre und Schwert - alle Zutaten sind vorhanden, die Sprache ist schlicht schön und einfach ausdrucksvoll, die Färbung durch und durch japanisch, wenn die Trilogie auch ein reines Werk der Phantasie und in keiner Phase historisch ist. Ein wahres Leseabenteuer, nach dessen viel zu rascher Beendigung man sofort sehnsüchtig auf das Erscheinen des 2. Bandes zu warten beginnt. Gut möglich, dass zuvor - in Zeiten von "Hero" und "Tiger & Dragon" - eine Verfilmung zu sehen sein wird.
Ein großes Lob bei dieser Gelegenheit dem Verlag: Der Schutzumschlag des Buches (mit nobel-goldenem Lesebändchen ausgeführt) ist an Schönheit schwerlich zu überbieten.
Lian Hearn: Das Schwert in der Stille. Der Clan der Otori 1. Geb., Carlsen, Hamburg 2003, 374 S., EUR 18,50
Bei amazon kaufen: EUR 18,50

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