Neuerscheinungen: Spiele - und was SIE
davon halten
 Tintenherz 
In Anlehnung an Cornelia Funkes Meistertrilogie hat der viel beschäftigte Spieleerfinder Klaus Teuber ein Buchstabenspiel konzipiert, bei dem alle gemeinsam darum kämpfen, mit Meggie vor Capricorn ins Ziel zu kommen. Die Aufmachung ist sehr schön, die Regeln sind rasch erklärt. Auf dem Spielfeld müht sich Fenoglio darum, Buchstaben aufzudecken, während der Schatten alles zudeckt; mit den vorhandenen Buchstaben müssen die Spieler auskommen, wenn sie auf Zeit Lösungswörter finden wollen.
Ich kann mir vorstellen, dass man das Spiel nicht zu oft spielen darf, um Wiederholungen zu vermeiden; ein weiterer kritischer Punkt ist, dass es allzu einfach werden kann, wenn es günstig läuft und die allermeisten Buchstaben zur Verfügung stehen. Gehen die Meggie- und Capricorn-Figuren aber mehr oder minder im Gleichschritt und sind (bei mehreren Mitspielern) mehrere Lösungswörter in der Sanduhrzeit gefordert, kann es ganz schön eng werden; dann kommt auch gehörige Spannung auf.
Zwei Tipps für den Gebrauch: Wem es zu einfach vorkommt, der erhöhe einfach die Zahl der geforderten Lösungswörter. Zudem habe ich die Erfahrung gemacht, dass man das Spiel nicht mit Scrabble verwechseln sollte – es ist besser, sich so viele inhaltlich passende Wörter wie möglich auszudenken und erst danach zu prüfen, ob sie überhaupt mit den offenen Buchstaben gebildet werden können, als zu scrabbeln, also das vorhandene Buchstabenreservoir in Wörter zu verwandeln. Dazu fehlt es an Zeit und Übersicht – die Buchstaben liegen auf dem Spielfeld und können nicht auf einem Bänkchen bequem hin- und hergeschoben werden.
Mein Resümee: Für Liebhaber der Tinten-Trilogie und wortschatzstarke bzw. sprachinteressierte Menschen empfehlenswert. Ausstattung 5/5, Unterhaltung 3/5, Spannung 4/5.
Runen

Ein schön aufbereitetes Buch und Set über ein religionsgeschichtlich
sehr altes Phänomen. Positiv zu vermerken auch die Vorsicht
und der Respekt, welchen der Verfasser den Runen entgegenbringt.
Es wird ausdrücklich thematisiert, was innerhalb einer
Orakelbefragung mit den Runen möglich ist- aber auch,
was nicht. Manche Aussagen würde ich mit Vorsicht betrachten,
besonders, wenn es um angeblich geschichtliche Fakten geht.
Denn heute lässt sich mit Sicherheit nicht mehr bestimmen,
ob die Sage vom Odin, der 9 Tage am Weltenbaum hing, wirklich
weit vor dem Kontakt mit dem Christentum entstanden ist! Auch
positiv aufgefallen ist mir die kritische Auseinandersetzung
mit der Zeit des Nazi-Regimes, welches die Runen komplett
für sich vereinnahmt hat. Daraus allerdings eine "prophetia
ex eventu" zu vollziehen, d.h., dass es bei einer solchen
Vereinnahmung eh kein Wunder war, dass es mit den Nazis den
Bach runter ging, das halte ich für sehr kühn!
Fazit: Für Neulinge und Interessierte beiderlei Geschlechts,
auch ideal als Geschenkset. (Anne Artner)
Andreas Zantop: Runen. Box mit Runensteinen. Area,
Erfstadt 2006. Geb., 112S.
Das
SuDoku-Buch 
"Su", die Ziffer, "doku", einzeln - auch
wenn Das SuDoku-Buch eine ebenso kurze wie gute "Einführung
in SuDoku" liefert und dabei u.a. die Wortbedeutung erklärt,
steht doch gleich darunter am Titelblatt zu lesen: "100
knifflige Zahlenrätsel". Das ist ärgerlich,
weil es gerade nicht um Zahlen geht - es wird nicht gerechnet,
Mathematik-Kenntnisse sind keine erforderlich. Es geht, wie
die genaue Wortbedeutung ja auch besagt, um "Ziffern",
um Zeichen also. Es könnten auch Dreiecke und Quadrate
sein, Ziffern haben einfach den Vorteil dass sie enorm gut
bekannt und unterscheidbar sind.
Rechnen dürfen Sie also vergessen, Kombinationsgabe und
Präzision, Geduld und Fehlertoleranz (sprich Bleistift
und Radiergummi) sind gefragt. Ich fand es unterhaltsam, musste
mir allerdings den Vorwurf der Hirnwichserei gefallen lassen.
Erstaunlich: Auch meine Mathe hassende Tochter (11 Jahre)
konnte sich für die Logikspielerei begeistern und stellte
sich dabei ungemein geschickt an.
Die moses.-Ausgabe selbst erfüllt den Zweck und ist dem
Anlass entsprechend gestaltet - ich schätze es wenn Publikationen
nicht mehr und nicht weniger sein wollen als sie sein sollen,
das aber gut: quadratisch wie die Rätsel, große,
korrekturfreundliche Ziffernfelder, Papier das nicht durchschreibt.
Ein taschenfreundliches Rätselbuch also, japanisch zurückhaltend
gestaltet, für angehende oder neuere SuDoku-Süchtige
bestens geeignet durch die Einteilung in leichte, mittlere
und schwierige Aufgaben.
Das SuDoku-Buch. moses., Kempen 2005. Tb., 143 S.
bei
amazon kaufen: EUR 5,10
The
Black Tarot 
Nur sehr wenige können Fantasy, Erotik und sinnliche
Düsternis so genial verbinden wie
Luis Royo. "Sein" Tarotdeck ist denn auch zum Teil
ein wahrer Augenschmaus, bei dem man sich lediglich ein größeres
Format wünschen würde um die anregenden Details
noch besser genießen zu können.Als Tarot versagt
das Deck jedoch - die kleinen Arkana sind überwiegend
wie gewöhnliche Spielkarten gemacht (Vier der Stäbe
zeigt vier Stäbe und sonst nichts), ansonsten ist eine
große Beliebigkeit in der Auswahl der Motive festzustellen.
Teilweise griff Royo offenbar auf seinen Fundus zurück
und verwandte irgendein Bild für irgendeine Karte, Hauptsache
Hochformat. Die meisten Buben weisen so ausgesprochen weibliche
Formen auf... Das dazu gelieferte Deutungsbüchlein ist
nicht mehr als ein Beipacktext mit so geheimnisvoll verschwommenen
Andeutungen, dass einem jede Lust aufs Interpretieren wegen
offensichtlicher Aussichtslosigkeit vergeht. Nur für
Sammler.
The Black Tarot. Illustrationen von Luis Royo.
Königsfurt, 2003.
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Alltagskarten
Statt Tod, Gehängte und Hohepriester begegnen dem Lebens-Spieler
in den Alltagskarten von Judith Bärtschi spirituelle
Cartoons, Witz gepaart mit Weisheit -
ein wunderbares Deck für jene, die bei aller suchenden
Ernsthaftigkeit noch nicht auf das befreiende Lachen vergessen
haben (oder sich wieder erinnern wollen). Deftig, direkt,
treffend - gerade gestern (21.12.05) unterhielt sich ein Paar
bei mir zum Thema Politik des Seitensprungs. Ihr Standpunkt:
Er mache, wenn er müsse, aber mit Kondom und so, dass
frau davon nichts mitbekommt. Dazu ist zu sagen, dass mann
in diesem Fall der wahren Leidenschaft noch etwas hinterherjagt...
Die Karten waren eindeutig: Er: "Treibs bunt!",
sie: "Glänze durch Abwesenheit!"
Bärtschi nimmt uns alle überaus gekonnt auf die
Schaufel, bravo!
Judith Bärtschi: Alltagskarten. 80 Karten, Format
70 x 102 mm. Königsfurt, 2005.
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